iPadOS 14 erkennt Handschriften und Gekrakel

Am Abend des 4. Februar 2021 hat Apple die erste Public Beta von iPadOS 14.5 veröffentlicht. Wie das Pendant iOS 14.5 bringt das Update für das iPad-Betriebssystem die bereits im letzten Sommer von Apple angekündigte Ad Transparency: Im Wesentlichen müssen Anbieter von Apps und Services nun klar aufzeigen, welche Daten der Nutzer sie speichern und verarbeiten, Tracker, die den Nutzer quer über alle Apps und das gesamte Netz verfolgen, sind ab Werk ausgeschaltet, iPad- und iPhone-Besitzer müssen sie auf Anfrage bewusst einschalten – Tracker bieten ja auch einige Vorteile, meinen selbst die Nutzer der Geräte laut Umfragen .

Doch iPadOS und iOS gehen mit der Zeit immer weiter auseinander, das bemerkt man nicht nur an auf dem iPad fehlenden Features wie der App-Medaithek oder der von einer Apple Watch unterstützten Face-ID, sondern auch an einer Funktion, die Apple mit iPadOS zurück auf seine Gerätschaften gebracht hat: Handschriftenerkennung. Mit iPadOS 14.5 funktioniert diese nun auch auf Deutsch, wie wir anhand der ersten Public Beta ausprobiert haben.

Das Killer-Feature des Newton hat Apples legendäres Notepad schlussendlich selbst gekillt: Die Handschriftenerkennung hat nicht die Erwartungen erfüllt, die Apple letztlich selbst geschürt hatte. Von Anfang an war der Spott groß, auch wenn nicht jeder Testsatz zu Eierflecken verballhort wurde. Die Konkurrenz ging Mitte der Neunziger Kompromisse ein und zog an Apple vorbei: Palm etwa mit seiner Kurzschrift Graffiti. Dabei musste man das Schreiben im Prinzip völlig neu lernen, da die Technik nur aus den vordefinierten Formen editierbaren, getippten Text machen konnte. Handschriftenerkennung war das nicht, funktionierte aber erstaunlich gut.

Palm ist Geschichte, vom iPod, iPhone und iPad überrollt. Apple packt nun erneut den Versuch an, ein Tablet Handschriften erkennen zu lassen. Und in iPadOS mit dem Apple Pencil funktioniert das nun erstaunlich gut, selbst für Leute, deren Sauklaue vermuten lässt, sie hätten den Beruf verfehlt und wären besser Arzt geworden.

In unserem ersten Blick erkennen wir schon jetzt einen begabten Apotheker, um beim Bild der nur schwer entzifferbaren Schrift zu bleiben – wir hatten letzten Sommer bereits Erfahrungen mit dem Feature in Englisch, auf Deutsch erkennen wir praktisch keine Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit der Technik.

Man muss sich jedoch auch ein wenig bemühen und halbwegs ordentlich schreiben. Für Ärzte und für unsere reguläre Sauklaue ist das also nichts. Getestet haben wir mit einem auf iPadOS 14.5 Public Beta 1 installierten iPad Air 4 und dem zugehörigen Apple Pencil der zweiten Generation. Schon wenn wir den Stift von seiner magnetischen Halterung abnehmen, poppt eine Information zu den Neuerungen auf, "Kritzeln" heißt also das Feature auf Apple-Deutsch.

Unseren ersten Testsatz erkennt das iPad so halbwegs, wie man aber anhand der Bildschirmaufnahme erkennt, muss sich die Technik auch viel Mühe geben, um das Gekritzel zu interpretieren. Wir wechseln nun in die App Notizen, die ja die wichtigste Anlaufstelle für Handschriftliches sein dürfte. Dabei ist zu beachten, dass man das richtige Werkzeug wählt, unter den Stiften ist in der Werkzeugleiste jetzt auch der für die Texterkennung ganz links platziert, gut zu erkennen am "A". Sonst würde auf dem Notizzettel nur das Gekritzel stehen bleiben und kein editierbarer Text daraus werden.

Kritzeln kann man aber ab iPadOS in allen Programmen, die eine Texteingabe vorsehen, etwa auch in Pages, Numbers, Keynote und mehr. Selbst der Browser akzeptiert Gekritzel, wenn auch hier die Texterkennung nicht besser ist, versteht wenigstens die dahinter liegende Suchmaschine, was gemeint ist.

Was aber Leute besonders begeistert, die nicht nur schlecht in Kalligraphie sind, sondern generell im Zeichnen: Scribble/Kritzeln macht aus schlechten Kreisen oder schiefen Dreiecken korrekte Formen. Dazu zeichnet man das gewünschte Objekt und lässt den Pencil noch ein wenig ruhen – schon korrigiert das iPad die Zeichnung.

Testsatz also erfolgreich geschrieben und erkannt, dann können wir ja Ovale krakeln und auf die von der Technik perfekt geformten Eier mit Flecken verzieren. Fehlt eigentlich nur, dass man in einer App fünf Linien, einen Notenschlüssel und Taktstriche zeichnet, Noten setzt und die App das dann als Musik umsetzt. Dafür gibt es bereits Apps, etwa das rund 90 Euro teure StaffPad.