iPad Pro, iPad, Mini – Welches iPad soll ich kaufen?

Jason Snell, Peter Müller, Christian Rentrop |
Apples Sorgenkind iPad hat sich zuletzt wieder besser verkauft, dank der neuen iPad Pro. Im Angebot sind aber noch weitere attraktive Modelle.

Als vor sieben Jahren das iPad erstmals auf den Wunschzetteln der Apple-Fans stand, war die Auswahl nicht weiter schwer. Man musste nur die Frage klären, wie groß der Speicher sein sollte und ob man für unterwegs mobiles Internet brauche. Das iPad der ersten Generation war zudem wie das legendäre Ford Model-T (Tin Lizzy)  in allen Farben zu haben, solange sie schwarz waren.

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Vier Modelle, drei oder vier Farben: Apples aktuelles iPad-Angebot

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Apple hat im Frühjahr 2011 mit dem iPad 2 erstmals das beim iPhone bewährte Weiß mit in die Palette aufgenommen , mit dem iPad Mini kam im Herbst 2012 erstmals eine neue Größe auf den Markt, die 7,9-Zöller ergänzten die 9,7-Zöller. Im Herbst 2015 wagte Apple schließlich die Erweiterung der Baureihe in die andere Richtung, das iPad Pro mit seinen 12,9 Zoll bot gegenüber den damals noch iPad Air genannten Standardmodellen aber noch weitere Vorteile. Ein gutes halbes Jahr später kam ein iPad Pro in 9,7 Zoll dazu.

Seit Frühjahr 2017 strafft Apple den Wildwuchs seiner Tablets wieder ein wenig. Als Einsteigermodell dient seit März ein 9,7 Zoll in der Diagonale fassendes Tablet, das schlicht "iPad" heißt und das iPad Air aus dem Angebot verdrängt hat. Das iPad Pro hat im Juni eine zweite Generation mit verbesserten Chips und Displays erhalten. Während der Formfaktor von 12,9 Zoll bleibt, hat Apple beim kleineren Modell den Rahmen ein wenig verkleinert, sodass bei annähernd gleichen Dimensionen der Bildschirm nun 10,5 Zoll in der Diagonale misst. Das iPad Mini bleibt in seiner mittlerweile vierte Generation nun seit Herbst 2015 unverändert im Store. Da es in der Grundausstattung sogar etwas mehr kostet als das iPad 9,7 dürfte es sich hierbei um ein Auslaufmodell handeln, das Apple irgendwann – vermutlich im kommenden Frühjahr – einfach einstellen wird.

Aktuell (Herbst 2017) hat Apple also iPads in vier Größen. In drei oder vier Farbvarianten. Mit oder ohne LTE-Chip. Mit einer, zwei oder vier Speicherkonfigurationen. Also insgesamt 60 unterschiedliche Modelle.

Bei der Antwort auf die Frage, welches iPad es denn sein soll, entscheidet vor allem der geplante Einsatzzweck. Neben dem Fernsehen auf der Couch mal eben Surfen oder E-Mails checken? Unterwegs Zeitungen, Magazine und Bücher lesen? Auf Bahn und Flugreisen Filme ansehen? Oder wirklich produktiv arbeiten und das Macbook ausrangieren? Hier die Vorteile der einzelnen Kategorien und was für das jeweilige Gerät spricht:

 iPad Pro 12,9“: iPad ganz groß

Ob das iPad Pro mit 12,9“-Display wirklich das Notebook und sogar den Laptop ersetzen wird, sei dahingestellt. Das Modell von 2017 mit seinem Chip A10X Fusion hat aber auf alle Fälle das Potential dafür, Laptops als Büromaschinen in Rente zu schicken. Für den Einsatz in Unternehmen macht das iPad Pro vor allem das reichhaltige Softwareangebot im App Store attraktiv. Während das Softwareangebot für den Mac nach wie vor überschaubar ist und es vor allem an spezialisierter Business-Software fehlt, verfolgt Apple seit Sommer 2014 in einer Kooperation mit IBM das Ziel, möglichst viele iPads mitsamt der notwendigen Software in die Büros von Corporate America (und auch die Deutschland AG...) zu bringen. Weitere Kooperationen für das Business unterhält Apple etwa mit Cisco , SAP oder Accenture .

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Zum Notebook-Ersatz wird das iPad Pro erst mit einer Tastatur. Mittlerweile bietet Apple diese auch mit deutscher Tastenbelegung an, doch sind auch Modelle von Drittherstellern wie Logitech zu empfehlen. Gemeinsam ist den Tastaturen für das iPad Pro der Anschluss über den Smart Connector, sprich, sie benötigen keine eigene Energieversorgung. Der Stromverbrauch ist dabei zu vernachlässigen.

Das Killer-Argument für das iPad Pro könnte aber der ebenfalls als Zubehör für rund 100 Euro erhältliche Apple Pencil sein. Anders als andere Eingabestifte, die nur den Finger ersetzen oder präzisieren sollen, ist der Stift von Apple drucksensitiv und erkennt seine Neigung – Features, die sonst nur Grafiktabletts aufweisen. Dadurch ist präzises Zeichnen und sogar Schraffieren auf dem Bildschirm des iPad Pro möglich. Der hohe Preis des Stifts hängt damit zusammen: Er ist aktiv und spricht sich mit dem iPad Pro ab. 240 mal in der Sekunde misst das iPad Pro die Orientierung des Pencils, wodurch außerordentlich präzises Schreiben und Zeichnen möglich ist – fast wie auf Papier. Neu bei dem iPad Pro des Jahrgangs 2017 ist die hohe Bildschirmwiederholrate von 120 fps. Die Arbeit mit dem Apple Pencil wird damit noch deutlich präziser, selbst Kalligraphen haben nun ihre Freude an dem Werkzeug. Das iPad Pro schaltet automatisch auf niedrigere Wiederholraten um, etwa auf 24 fps, wenn man auf dem Gerät Filme ansieht. Das spart Energie.

Aber auch Büroarbeiter, die nicht mit Skizzen oder Grafikdesign zu tun haben, können einen Nutzen aus dem iPad Pro mit Pencil ziehen: Wer Dokumente und Tabellen bislang für Korrekturen oder Anmerkungen ausdruckte und den Rotstift zückte, kann nun endlich komplett digital arbeiten, entsprechende Apps wie Good Reader vorausgesetzt. Apps wie  Microsoft Office unterstützen ebenfalls das iPad Pro.

Erhältlich ist das iPad Pro in drei Speichervarianten: Käufer können zwischen recht sparsamen 64 GB, pragmatischen 256 GB und luxuriösen 512 GB wählen. Alle drei Modelle gibt es auch mit LTE-Mobilfunkanbindung und in den drei unterschiedlichen Farboptionen Spacegrau, Gold und Silber. Preislich liegt das günstigste iPad Pro 12,9“ derzeit bei 899 Euro, für die Spitzenausstattung mit LTE und 512 Gigabyte Speicher ruft Apple 1.449 Euro auf.

Empfehlung: Das iPad Pro eignet sich sowohl für Künstler und Designer, als auch für Fotografen und Videoarbeiter sowie für Anwender, die Office-Arbeiten erledigen müssen. Als hochmobiler und leicht synchronisierbarer Notebook-Ersatz ist im Zusammenspiel mit dem optionalen Pencil und einer Tastatur ein praktischer Zweitrechner. Ein echter Mac oder PC sollte aber trotzdem noch zur Hand sein: Das iOS-Betriebssystem ist noch ein wenig zu beschränkt, um klassische Computer in allen Bereichen zu ersetzen. Immerhin ist iOS 11 so gut für die Büroarbeit geeignet wie noch kein mobiles Betriebssystem zuvor . Bei einigen Neuerungen wie dem bis zu 13 Apps fassenden Dock, der neuen Multitasking-Ansicht, Drag-and-Drop sowie der App "Dateien" haben die Entwickler in Cupertino vor allem an Büroarbeiter gedacht. Von Jahr zu Jahr schwindet der Unterschied zwischen iPad Pro und Macbook. Dies schlägt sich mittlerweile auch in den Verkaufszahlen des Mac nieder.

iPad Pro 10,5“: Mehr Platz auf dem Schirm

Mit dem iPad Pro 9,7“ hatte Apple dem iPad Pro 12,9“ im Frühjahr 2016 einen kleinen Bruder im klassischen iPad-Format zur Seite gestellt. Die zweite Generation des iPad Pro der Standardgröße geht beim Design neue Wege. Die Rahmen sind ein wenig dünner geworden, so passt auf annähernd die gleichen Ausmaße ein Bildschirm mit einer Diagonale von 10,5 Zoll. Die technischen Daten sind ansonsten identisch. Auch das kleinere iPad Pro kommt mit einem Truetone-Display, das nach Messung des Umgebungslichtes seine Farbtemperatur automatisch anpasst. Auch die Bildwiederholrate beträgt maximal 120 fps, was nicht nur einem präziseren Apple Pencil fördert, sondern auch das Scrollen weit flüssiger macht. Der Chip A10X Fusion ist der gleiche wie der im 12,9-Zöller. Lediglich der Akku ist bauartbedingt kleiner als der des großen Bruders, hat aber auch einen kleineren Bildschirm zu versorgen, sodass die Laufzeiten praktisch gleich sind. Apple nennt generell für alle aktuellen iPads bis zu zehn Stunden bei Surfen im Web, Musik- oder Filmwiedergabe und bis zu 9 Stunden surfen, geht man über das Mobilfunknetz online.

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Auch weitere Features teilt das 10,5-Zoll-Gerät mit dem 12,9-Zöller: Die 12-Megapixel-Kamera an der Rückseite und die 7-Megapixel-Frontkamera. Die vier Lautsprecher für Stereoklang in jeder Ausrichtung. Den Retina-Blitz (mit Hilfe des Bildschirms) und die Videoaufnahme in 1080p für die Frontkamera. 4K-Video und LED-Truetone-Blitz für die rückwärtige Kamera. Als Fotoapparat mögen die iPads etwas unhandlich sein, stehen der vom iPhone bekannten Qualität aber kaum etwas nach.

Noch etwas haben iPad Pro 12,9 und 10,5 Zoll gemeinsam: Den SmartConnector. Das darüber angebundene Smart Keyboard bietet nun auch für das kleinere Modell eine Fullsize-Tastatur. Will heißen: Die Mittelpunkte der Buchstabentasten stehen mindestens 17 Millimeter auseinander. Somit ergibt sich ein zum Macbook 12 Zoll ähnliches Tippgefühl.

Ein Unterschied besteht aber neben der Größe noch zur 12,9-Zoll-Variante: Das kleinere iPad Pro ist neben Gold, Space Grau und Silber noch in einer vierten Farbe erhältlich: Rosegold. Sieht aber auch ganz gut aus.

Empfehlung: Das iPad Pro 10,5 richtet sich im Prinzip an den gleichen Nutzerkreis wie das 12,9-Zoll-Modell, ist aber etwas günstiger und dank seiner geringeren Größe ein Stück mobiler. Auch wer den Preis als Kriterium heranziehen möchte, sieht hier einen Unterschied, der aber nicht wesentlich ist.

Brot und Butter: iPad 9,7

Wir blicken kurz auf die Historie des iPad zurück. Auf das originale Gerät aus dem Jahr 2010 folgte das iPad 2 im Frühjahr 2011. Ein Jahr darauf hatte Apple die dritte Generation herausgebracht, die jedoch niemals offiziell iPad 3 hieß, sondern nur "das neue iPad". Ein halbes Jahr später war für das Modell aber schon Schluss, das iPad 4 brachte als wesentliche Neuerung den Lightning-Port und hielt  sich länger Zeit im Angebot, obwohl es vom iPad Air schon ein Jahr später abgelöst wurde, das eben nicht iPad 5 hieß. Auf das Air folgte das Air 2 (siehe nächsten Abschnitt) und dann längere Zeit nichts mehr, weil Apple das Tablet in Richtung iPad Pro weiter entwickelte. Seit März 2017 und damit sieben Jahre nach dem Original ist das iPad zurück, das wir der besseren Unterscheidung wegen iPad 9,7 (early 2017) nennen – gut möglich, dass auch der Nachfolger schlicht iPad heißen wird und sich nur im Produktionsjahr in der Nomenklatur unterscheiden ließe.

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Das iPad löst das iPad Air 2 ab und ist also gewissermaßen so etwas wie das iPad 7. Der bewährte Formfaktor von 9,7 Zoll bleibt, die darin eingebaute Technik ist aber dem Stand der Zeit angepasst. Ein klein wenig dicker und schwerer als das iPad Air 2 und das iPad Pro 9,7 arbeitet das neue iPad von 2017 mit einem A9-Prozessor und muss sich bei den meisten Leistungstests nicht verstecken. Der Preis ab 399 Euro ist interessant: Sogar für das kleinste iPad Mini zahlt man mehr. So ist das iPad 2017 gewissermaßen das Brot-und-Butter-Tablet und dürfte sich vor allem im Bildungsbereich, in Unternehmen und bei Behörden großer Beliebtheit erfreuen und auch in allen anderen Segmenten, in denen der Preis das wichtigste Verkaufsargument ist. Abstriche muss man vor allem gegenüber dem iPad Pro machen: Die Kameras lösen deutlich geringer auf (8 MP hinten, 1,2 (!) MP vorne), mit dem Apple Pencil kann man auf dem Einsteigergerät auch nicht arbeiten. Am ehesten kann man das iPad als großformatiges iPad Mini beschreiben, jedoch mit jüngerem Prozessor. Farben gibt es drei (kein Rosegold), Speicherausstattungen nur zwei.

Empfehlung: Wenn es ein iPad sein soll und man keine allzu hohen Ansprüche stellt, dann sollte es ein iPad sein. Für den Konsum von Inhalten ist das iPad besser geeignet als für deren Produktion, aber in Schule, Universität oder als Zweitgerät im Office durchaus eine Empfehlung wert. Der Preis ist (beinahe) unschlagbar.

Nur noch mehr im Abverkauf: iPad Air 2 – Das Allzweckgerät

Das iPad 9,7 ersetzt das iPad Air 2 und ergänzt es nicht. Bei Apple sind ab und an einige Modellvarianten als generalüberholte Geräte zu kaufen, zu Preise knapp über 400 Euro. Bei Amazon und anderen Händlern hat man eine geringfügig größere Auswahl. Findet man dort ein vertrauenswürdiges Angebot, kann man getrost zuschlagen, denn d as im Oktober 2014 präsentierte iPad Air 2 ist nach wie vor ein hervorragendes Tablet. Der 9,7-Zoll-Bildschirm vereint 2048 mal 1536 Pixel, das ist zwar genau so viel wie auf dem iPad Mini 4, die größere Fläche macht es aber gerade dann bei der Nutzung angenehmer, wenn die Augen schon ein wenig nachlassen. Mit dem Air 2 hat Apple das iPad sogar gegenüber dem Vorgänger von 2013 noch dünner gemacht – und damit leichter. Bei der Leistung gab es hingegen keine Einsparungen, im Gegenteil. Der A8X-Prozessor mit seinen drei Kernen beeindruckt nicht nur in Benchmarks, sondern vor allem im Alltag, unterstützt von 2 GB RAM. Das iPad 2 ist also einfach ein leichtes und schnelles Tablet mit einem beeindruckenden Bildschirm.

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Empfehlung: Eigentlich für jeden geeignet, ideal aber wegen seines geringen Gewichts und des recht großen Bildschirms. Aber eben nur noch schwer zu bekommen.

iPad Mini 4 – klein und oho

Als Apple das iPad Air 2 im Oktober 2014 präsentierte, bekam das iPad Mini lediglich noch den Touch-ID-Sensor hinzu, die dritte Generation war aber eher eine Enttäuschung. Im Jahr 2015 hat Apple Entscheidendes nachgeholt und das iPad Mini in seiner vierten Generation so weit aufgerüstet, dass es fast zum großen iPad Air 2 identisch ist. Mit einigen Unterschieden: Der Bildschirm hat zwar ebenfalls 2048 mal 1536 Pixel, aber eben auf 7,9 und nicht auf 9,7 Zoll verteilt. Die Augen sollten dafür noch halbwegs scharf sehen können, um den Bildschirm zu genießen. Der A8-Prozessor steht dem im iPad Air 2 kaum etwas nach, zumal das iPad Mini 4 ebenfalls mit 2 GB RAM kommt. Vor allem beherrscht es wie die beiden größeren aktuellen Modelle alle Funktionen von iOS 11, seit iOS 9 etwa die Split-View-Ansicht, bei der man zwei Apps parallel betreiben kann. Das Retina-Display ist direkt auf das Glas laminiert, was die Reparatur zwar erheblich erschwert, aber den Eindruck vermittelt, als könne man die Pixel anfassen. Wer den kleinsten Bildschirm bei der höchsten Leistung haben will, der greift zum iPad Mini 4. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich beim iPad Mini aber um ein Auslaufmodell. Es ist zwar in drei Farben, aber nur noch mit einer Speicherkonfiguration zu haben, 128 GB. Somit ist das iPad Mini teurer als das günstigste, aber nur ein Viertel der Daten fassende iPad 2017.

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Empfehlung: Perfekt, für den, der ein iPad will, es aber möglichst klein braucht – auch im Preis.