Das geht am Mac Mini nur mit eGPU

Im zweiten Teil des eGPU-Ratgebers ging es darum, wie gut sich die externen Grafikkarten bei der täglichen Arbeit schlagen.

Diesmal liefere ich ein Update mit macOS Catalina und einer weiteren Grafikkarte, der Sapphire Pulse Radeon RX 5700XT in einer Sonnet eGFX Breakaway Box 650 . Da es auch darum geht, wie gut sich die neue AMD GPU schlägt, vergleiche ich sie mit dem ehemaligen Spitzenmodell, der Sapphire Nitro+ Radeon RX Vega64.

eGPUs mit typischen Aufgaben in der Praxis

Für das Update habe ich die gleichen Aufgaben, mit dem gleichen Material, wie im zweiten Teil genutzt . Somit sind die Ergebnisse vergleichbar und machen auch klar, inwieweit die neuen Softwareversionen in Verbindung mit dem aktuellen macOS Catalina sich auswirken. Ich darf vorwegnehmen, die Ergebnisse haben zum Teil erstaunt.

Es kommen typische Aufgaben vor, bei denen ich die Zeit gemessen habe, die die Programme hierfür benötigten. Bei den Bildbearbeitungsprogrammen sind es Aufgaben, wie RAW-Konvertierung, Skalieren, Filter und als JPEG exportieren. Bei den Videoschnittprogrammen geht es um das Abspielen von komplexen Videoschnitten und das Exportieren in verschiedenen Formaten.

Bildbearbeitung und eGPU

Für unseren Testlauf mit Bildbearbeitungsprogrammen habe ich mir neben dem Platzhirsch Adobe Photoshop CC 2020, auch die Spezialisten für Bildoptimierung Adobe Lightroom Classic 9.2, Skylum Luminar 4 und Phase One Capture One 20 näher angesehen. Das Ausgangsmaterial ist identisch zum letzten Artikel, es sind RAW-Aufnahmen von einer Fujifilm X-H1.

Alle Programme mussten die gleichen 60 RAW-Aufnahmen als Stapelverarbeitung in ein JPEG konvertieren. Dabei wurden die Bilder mit einem Color Lookup beziehungsweise einer Vorgabe optimiert und auf eine Bildgröße von 4000 Pixel auf der langen Kante skaliert.

Bei den Programmen von Adobe macht es bei der Stapelverarbeitung keinen Unterschied, ob jetzt eine schnelle Grafikkarte zum Einsatz kommt oder nicht. Hier wirkt sich eine bessere Grafikkarte ausschließlich positiv auf die Werkzeuge für Bildbearbeitung und Bildretusche aus.

Bei Capture On 20 und Luminar 4 sieht das anders aus. Hier bringt eine schnelle Grafikkarte auch eine deutliche Verbesserung bei der Stapelverarbeitung mit sich. Besonders deutlich bei Capture One 20. Überraschend ist, wie lange Luminar 4 für die vergleichbare Stapelverarbeitung benötigt.

Videobearbeitung und eGPU

Der Mac ist bei Videofilmern beliebt, das merkt man an der Auswahl professioneller Videoschnittprogrammen. So schaue ich mir natürlich nicht nur an, wie sich Apples Final Cut Pro X schlägt, sondern auch Adobe Premiere Pro CC 2020 und Blackmagics Davinci Resolve 16.

Ich stelle den Programmen folgende Aufgaben:

1.Videoschnitt eines 3:40 Minuten langen Familienvideos in 4K/H.264, aufgenommen mit einer Fujifilm X-T2
2.Videoschnitt eines einminütigen Video in 4K/ProRes mit Material unterschiedlicher Auflösung aus RED Kameras

Beim Videoschnitttest geht es nicht nur um die Arbeit im Schnittprogramm, sondern auch um den Export. Hierbei werden beide Videoprojekte in den Codecs ProRes 422 HQ, HEVC und H.264 exportiert. Zusätzlich werden die Videos in drei verschiedene Auflösungen exportiert, um den Einfluss des Skalierens zu messen.

Diesen Einfluss merkt man auch bei dem zweiten Videoclip aus Red-Material, das Videos mit unterschiedlichen Auflösungen von 4K bis 8K zu einem 4K Projekt kombiniert.

Adobe Premiere Pro CC 2020

Die Ergebnisse von Adobe Premiere Pro CC  2020 sind wie schon mit der alten Version 2019 vergleichbar. Bei der Arbeit mit Premiere ist eine Arbeitsverbesserung mit einer eGPU bemerkbar. Beim Export im Prinzip auch, außer beim Codec H.264. Hier arbeitet hauptsächlich die interne GPU und die externe GPU verlangsamt den Export sogar noch. Außer das Videomaterial muss skaliert werden, dann schlägt die Stunde der eGPU. Die RX5700XT kann sich nicht von der Vega 64 absetzen, der Einsatz von beide GPUs kombiniert gibt nochmals einen leichten Schub. Somit kann sich auch bei der Arbeit mit Premiere eine eGPU bezahlt machen.

Apple Final Cut Pro X

Schon im letzten Test konnte ich feststellen, dass eine eGPU sich positiv auf die Schnittarbeit und den Export auswirkt. Wie stark die Beschleunigung ist, hängt vom eingesetzten Codec des Quellmaterials ab. Ist das Quellmaterial im Codec ProRes 422 HQ und wird nach HEVC oder H.264 exportiert, so kann eine eGPU den Export nicht beschleunigen. Erst wenn beim Export auch eine Skalierung stattfindet. Anders sieht es bei Quellmaterial in H.264 aus oder wenn nach ProRes 422 HQ exportiert wird. Hier gibt es teilweise eine deutliche Beschleunigung mit eGPU.

Zwei Dinge sind aber mit Final Cut Pro auffällig:

1. Die neue RX 5700XT zeigt, wenn überhaupt nur einen leichten Vorteil gegenüber der Vega 64
2. Die aktuelle Final Cut Pro Version 10.4.8 ist in Verbindung mit einer eGPU unter Catalina langsamer geworden.

Normalerweise geht man davon aus, das mit jeder neuen Version, die Programme etwas schneller werden. Bei Prozessen, wie dem Export lässt sich so etwas einfach nachprüfen. Über die Ergebnisse war ich erstaunt. So war die Vega 64 unter Mojave immer schneller und selbst die interne GPU von Intel war beim Export in HEVC und H.264 schneller, wenn nicht skaliert werden musste.

Eine Softwareoptimierung stelle ich mir anders vor. Ich werde das mit den nächsten Versionen beobachten.

Davinci Resolve 16

Wie schon die Vorgängerversion, so überzeugt auch Davinci Resolve 16 mit seiner sehr guten Unterstützung von Grafikkarten.

Egal bei welchem Codec und mit welchem Ausgangsmaterial eine eGPU bringt immer eine deutliche Beschleunigung. Beide Grafikkarten liegen Gleichauf und wie zu erwarten, bringen zwei Grafikkarten in unserer Konstellation keine Verbesserung. Das liegt aber daran, das wir die kostenlose Version zum Test haben, nur die kostenpflichtige Version bringt eine Unterstützung mehrerer Grafikkarten mit.

Auch hier kann man in der Aktivitätsanzeige deutlich sehen, eine schnellere Grafikkarte bringt nicht unbedingt ein Mehr an Beschleunigung, weil der Grafikprozessor einfach weniger ausgelastet wird. Die CPU wird auch bei allen Aufgaben deutlich gefordert, so arbeiteten CPU und GPU Hand in Hand.

Fazit

Es gibt Licht und Schatten beim Einsatz einer externen Grafikkarte am Mac Mini. Der Große Schatten sind die Treiber und die Implementierung vonseiten Apples. Das wirkt sich nicht nur auf die Geschwindigkeit aus, die nimmt nämlich mit besseren Grafikkarten nicht automatisch zu, sondern auch auf die Stabilität. Näheres hierzu in der Box.

Stress und Frust mit eGPU am Mac Mini

Man könnte meinen, Apple möchte dem kleinen Mac Mini die eGPU Unterstützung nehmen. So haben Nutzer seit Monaten Probleme über Probleme beim Einsatz von externen Grafikkarten.

Ob das schwarze Bildschirme beim Rechnerstart sind oder zuletzt sogar Abstürze: Mit jedem macOS Update ist es nicht besser geworden, sondern mit 10.15.4 sogar noch schlimmer. Setzt man fleißig auf die Arbeit der externen Grafikkarte, friert irgendwann der Mac Mini mit einer Panic ein und startet neu. Ein Phänomen, das macOS 10.15.2 noch nicht kannte. So wie es aussieht, wird die Panic durch den Grafikkartentreiber verursacht. Die Panic tritt auf, ein paar Minuten, nachdem der Mac Mini wieder aus dem Ruhezustand aufwacht.

Ein Workaround gibt es hierzu noch nicht. Für den schwarzen Bildschirm beim Rechnerstart hingegen schon. Verbindet man den Bildschirm gleichzeitig mit der eGPU und dem HDMI des Mac Mini, startet der Rechner problemlos.

Jetzt sieht man das Bild über HDMI, damit man die eGPU nutzen kann, zieht man den HDMI-Stecker einfach ab. Das Ganze ist etwas umständlich, aber es funktioniert.

Die Probleme betreffen übrigens eine Vielzahl von eGPUs, so konnte ich das mit allen eGPUs aus unseren Artikeln feststellen. Also auch mit der Blackmagic eGPU aus dem Apple Store.

Wir bleiben dran!

Licht ist, das sich eine schnellere Grafikkarte bei fast allen Programmen auf eine flüssigere Bedienung und die Werkzeuge auswirkt. Somit hat man direkt ein besseres Gefühl. Bei einer Stapelverarbeitung beziehungsweise dem Konvertieren von Videos sieht das wiederum nicht ganz so eindeutig aus. Hier kommt es auch zur Ernüchterung, das mit Catalina so einige Operationen langsamer statt schneller geworden sind.

Bleibt zu hoffen, dass mit der nächsten macOS Version sich das wieder bessert.

Welche Grafikkarte jetzt nehmen?

Im Prinzip reicht für die meisten Bildbearbeiter eine Sonnet eGFX Breakaway Puck 570 oder vergleichbar. Bei Video sieht es hier etwas anders aus, hier kann sich das Investment in das neue Spitzenmodell von AMD schon eher rentieren. Das hat aber auch damit zu tun, dass unsere Grafikkarten von Sapphire für erfreulich günstige 429,- Euro zu haben ist. Zusammen mit einem externen Gehäuse wie der eGFX Breakaway Box,
liegt man hier bei rund 750,- Euro.