Bei Ebay-Bewertungen sollte man auf bestimmte Signale achten.

Stöbern Sie auf Ebay nach Produkten von Apple, finden Sie schnell viele günstige Angebote: Ein iPhone 13 für 749 Euro oder gar Airpods Max für 389 Euro! In unseren Schnäppchen-Empfehlungen finden Sie diese Angebote aber fast nie. Der Grund: Die Qualität der Angebote bei Ebay hat sich in den letzten Jahren nach unserer Meinung nicht gerade positiv entwickelt. Wie immer mehr Käufer in sozialen Medien und auch Leser der Macwelt berichten, sind viele „brandneue“ Produkte in Wirklichkeit gebraucht, Airpods immer öfter billige Kopien und der Frust durch Rücksendungen und Erstattungen groß.

Damit tun wir zwar vielen anständigen Ebay-Händlern Unrecht, uns ist aber das Risiko zu groß, Leser zu verärgern. Sehr oft sind es die immer gleichen Details die, misstrauisch machen.

Günstige Airpods

Ein eigenes Problemfeld sind Airpods-Angebote, die immer öfter einfach gefälscht sind. Hier hat sich in China offenbar eine eigene Industrie entwickelt, die täuschend ähnlich aussehende Produkte herstellt – mit originalgetreuer Passform, aber mieser Tonqualität. Wie Sie gefälschte Airpods erkennen, haben wir hier beschrieben . Aktuell würden wir eher zu Airpods von Fachhändlern greifen, auch hier gibt es immer wieder günstige Angebote.

„Neutrale“ Bewertungen

Es muss aber nicht immer gleich eine Fälschung sein: Beim Kauf eines „brandneuen“ iPads und körpernah genutzten Airpods Pro erwartet man eigentlich ein originalverpacktes nagelneues Produkt. Bei unseriösen Händlern stellt man als Käufer aber oft fest, dass der Akku schon einige Zyklen auf dem Buckel hat oder der Kopfhörer wohl doch eine Retoure ist. Folgt man dem Konzept von Ebay, sollten Bewertungen eines Ebay-Händlers dessen Seriosität garantieren. In den letzten Jahren ist dieses System aber immer mehr in Verruf geraten und die Aussagekraft hat nach unserer Einschätzung stark abgenommen. Anscheinend bieten immer mehr Dienstleister gegen niedrige Gebühren gefälschte Bewertungen an, das Problem betrifft auch Amazon und andere Plattformen.

Es ist außerdem gar nicht so einfach, eine negative Bewertung abzugeben: Bei der Kommunikation mit Händlern wird ein Käufer laut Berichten oft mit Gutscheinen oder Rabatten von negativen Bewertungen abgehalten. Aktuell wären wir selbst bei Händlern mit 100 Prozent positiven Bewertungen etwas misstrauisch. Ruft man Bewertungen auf, muss man etwa auch auf die „neutralen“ Bewertungen achten. Bei ihnen hat der Händler nämlich den Kaufpreis oft schon nach einer Beschwerde des Käufers erstattet. Dieser Kauf geht dann nicht mehr in die Benotung des Shops ein. Findet man hier aber Beschwerden wie „schon benutzt“, „für den asiatischen Markt“ oder bei Airpods „Probleme mit dem Klang,“ sollte man dies als Alarmsignal sehen.

Selbst bei seriösen Anbietern finden sich hier übrigens oft Beschwerden über DHL und Co.  – das ist fast unvermeidlich und sagt wenig über die Seriösität des Angebots aus.

Namen des Anbieters

Oft ist eine kleine Google-Recherche die schnellste Methode, einen Ebay-Shop zu prüfen. Aktuell empfehlen wir, nicht den aktuellen Shop, sondern den namentlich angegebenen Besitzer des Shops zu überprüfen. Einige Anbieter, deren frühere Shops bereits einen schlechten Ruf haben, machen nämlich einfach einen neuen Ebay-Shop auf. Den Namen des Besitzers finden Sie unter „Impressum“ aufgeführt, oft gibt es zu diesen Anbietern schon viele Berichte in sozialen Medien und Foren.

Wichtig ist dieses Impressum auch um den Standort des Anbieters zu bestimmen. Wir empfehlen teurere Geräte etwa nicht in Asien zu bestellen, hier kann es schnell zu Problemen bei Garantie oder Rückerstattungen kommen.

Interessant ist auch eine Liste der Seite Mydealz, die sich auf Schnäppchenangebote spezialisiert hat. Der Dienst pflegt eine lange Sperrliste an problematischen Händlern (auch bei Amazon), die in Beiträgen der Seite nicht berücksichtigt werden sollen.

Spielarten von Neu

Was einigen Käufern vielleicht nicht ganz klar ist: Neben dem Zustand „Neu“ kennt Ebay auch den Begriff „Neu. Sonstige“. Hier handelt es sich meist einfach um Gebrauchtgeräte, auch wenn es sich um „Ausstellungsstück“, „Vitrinengeräte“ oder Ähnliches handelt. Hier sollte man sich einfach keine Illusionen machen, ein wenig erinnert dies an den Gebrauchtwagen "der einer älteren Dame gehörte". Oft ist der Zustand erstklassig, eine Garantie gibt es dafür aber nicht.

Gebrauchtgeräte werden oft als "Neu. Sonstige" verkauft.

Warum man auf das Zubehör achten sollte

Oft sind Macs deshalb günstig, weil der Anbieter sie preisgünstig im Ausland erworben hat. Meist wird dies offen kommuniziert,  bei Desktops mit dieser Herkunft erkennt man dies oft an Floskeln wie „US-Netzteil plus Adapter“. Das ist eigentlich unbedenklich, man sollte aber nur bei einem guten Rabatt zu einem solchen Reimport greifen. So sind manche Reparaturprogramme von Apple auf Geräte einer bestimmten Region begrenzt – das Austauschprogramm für das US-Gerät gilt dann etwa nur in den USA.

So heißt es etwa zu dem aktuellen iPhone-12-Programm „Unter Umständen bietet Apple die Reparatur nur in dem Land bzw. der Region an, in dem/der der Kauf ursprünglich getätigt wurde. Für in einem EWR-Mitgliedsstaat gekaufte iPhone-12- oder iPhone-12-Pro-Geräte ist der Service in allen EWR-Mitgliedsstaaten erhältlich.“

Positive Beispiele

Das bedeutet nicht, dass es keine guten Angebote auf Ebay gäbe. So nutzt beispielsweise der Apple-Händler Gravis seinen Ebay-Shop intensiv und bietet hier gelegentlich Basisversionen von Macs und iPads zu sehr günstigen Preisen an. Auch andere Fachhändler wie Computeruniverse und einzelne Filialen von Saturn und Mediamarkt bieten oft Schnäppchen an. Nebenbei muss es ja nicht immer der Profi-Händler sein. Gibt es doch bei Ebay auch viele Privatverkäufer, die oft einfach einen Fehlkauf loswerden wollen.