USB-C

Lange war es in Planung, nun ist es beschlossene Sache: Die EU hat sich darauf geeinigt, USB-C als Standardstecker für kabelgebundenes Laden festzulegen. Bis Herbst 2024 sollen demnach unzählige Geräte mit dem universellen USB-C-Anschluss ausgestattet werden. Betroffen sind nicht nur Smartphones, sondern auch Tablets, Kopfhörer, Kameras und vieles mehr – kurz gesagt: ein guter Teil von Geräten, die Apple produziert und verkauft.

Beschluss kommt nicht überraschend

Besonders für den Technik-Riesen aus Cupertino dürfte dieser Beschluss schmerzhaft, aber nicht ganz unerwartet sein. Denn als eines von wenigen Unternehmen hat es von Anfang an gegen einen solchen Standard lobbyiert (wir berichteten) . 11 Millionen Tonnen Elektroschrott sollen im Zuge der überarbeiteten EU-Richtlinie jährlich vermieden werden. Apple hingegen hatte bisher argumentiert, dass wegen eines USB-C-Zwangs überhaupt erst Millionen von Lightning-Kabeln und -Adaptern überflüssig würden und so tatsächlich mehr unnötiger Elektroschrott entstehen würde.

Außerdem würde ein solcher Standard Innovationen im Keim ersticken. Doch wirft man einen Blick auf die Unterschiede zwischen Lightning und USB-C (oder, genau genommen, die dazugehörigen Verbindungsstandards), dann wird deutlich, dass USB die proprietäre Technologie von Apple unlängst überholt hat. Wirklich abgeneigt ist man bei Apple gegenüber USB-C jedoch sowieso nicht, denn das Unternehmen verbaut den Standard schon lange in seinen Macbooks und legt aktuellen Geräten wie dem iPad ein USB-C-Ladegerät bei – aber eben in Kombination mit einem Lightning-auf-USB-C-Kabel.

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Was wird aus dem alten Lightning-Zubehör?

Zunächst hat Apple noch ein Weilchen Zeit für die Umstellung. So soll das iPhone 14 Gerüchten zufolge noch mit Lightning ausgestattet sein – auch wenn ich mir vorstellen könnte, dass Apple die Entscheidung der EU schon erwartet hat und deshalb bereits USB-C testen soll . Spätestens mit dem iPhone 16, vielleicht sogar mit dem iPhone 15, ist dann aber Schluss. Übergangsweise dürfte Apple für Besitzer älterer iPhones und iPads wahrscheinlich auf einen Lightning-auf-USB-C-Adapter setzen, zeitgleich aber neues Zubehör mit USB-C-Stecker auf den Markt bringen. Als Apple-User hat man sich ja sowieso an Adapter und Hubs gewöhnt – so wie ich mich an den USB-C-Hub für mein Macbook Pro gewöhnt habe. Die Produktion von Lightning-Zubehör wird indes nach und nach gesenkt, bis sie gänzlich eingestellt wird und nur noch USB-C-Geräte hergestellt werden.

Die nukleare Lösung

Historisch betrachtet scheut Apple allerdings auch nicht davor zurück, radikalere Maßnahmen zu ergreifen. Als eins der ersten Unternehmen verabschiedete es sich von der 3,5-mm-Klinke im iPhone und später im iPad. Was seinerzeit viel Missmut verursacht hat, ist heute vergeben und vergessen. Denn mit der Abschaffung der Stereo-Klinke wurde der Weg für kabellose Kopfhörer endgültig geebnet und Airpods und Beats verkaufen sich auch in Krisenzeiten wie warme Semmeln – zumindest laut eines Berichts des Marktforschungsunternehmens Canalys. Und bis auf einige wenige Hersteller, die krampfhaft an der 3,5-mm-Klinke im unteren Preissegment festhalten, ist sie inzwischen aus den Flagship-Smartphones sämtlicher Hersteller verschwunden.

Auch mit der Entscheidung, seit dem iPhone 12 kein Ladegerät mehr mitzuliefern, ist bei vielen Kunden zunächst auf Unverständnis gestoßen und bei der Konkurrenz auf Spott. So hat sich Samsung noch im Oktober 2020 darüber lustig gemacht und kündigte schon im Januar 2021 an, dass es bei der Galaxy S21-Reihe ebenfalls kein Ladegerät mehr in die Box legen würde – und versuchte, die Werbung heimlich zu löschen .

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Und auch bei der USB-C-Pflicht der EU könnte Apple einen eigenen, radikalen Weg gehen und den Anschluss mit dem iPhone 15 oder iPhone 16 einfach komplett abschaffen. Die Voraussetzungen sind schließlich alle da: Airdrop zur kabellosen Datenübertragung existiert seit über zehn Jahren, Kopfhörer sind, wie bereits erwähnt, immer beliebter, Magsafe fürs iPhone hat kabelloses Laden angenehmer gemacht und mit macOS Ventura funktioniert das iPhone auch als eindrucksvolle kabellose Webcam für Macbooks und das Studio Display.

Der letzte Schritt, um das iPhone und sicherlich auch das iPad von der wortwörtlichen Leine zu nehmen, ist, gänzlich auf den Kabelanschluss zu verzichten und die Transformation zum komplett kabellosen Smartphone abzuschließen. Gerüchte dazu gibt es schon sehr lange und für mich ist es nur eine Frage der Zeit.