Sidebar Fotos auf dem iPad

Die Kamera eines iPhones ist längst zu einem Verkaufsargument der neuen Geräte geworden. Auf der iPhone-Keynote präsentiert meistens Phil Schiller ausgiebig die neuen Möglichkeiten der Kamera und der Software dahinter. Auf der WWDC ging es zuletzt wie gewöhnlich um Betriebssysteme, so haben Apples Ingenieure die neuen Funktionen rund um Fotografie und Video eher in Nebensätzen erwähnt, doch auch sie lassen sich sehen.

watchOS: Neue Komplikation

Die wenigsten Neuerungen rund um Fotos hätte watchOS 7 zu präsentieren, aber das ist ja System bedingt. Das Zifferblatt mit den eigenen Fotos kann um neue Filter konfiguriert werden, sodass die Schattierungen der Farbe der Armbänder und der Kleidung entsprechen. Die Kamera-App auf der Apple Watch gibt es seit je her, aber erst mit watchOS 7 kann man eine entsprechende Komplikation auf das eigene Zifferblatt einstellen. Wer oft Fotos per Fernauslöser schießt, wird die Funktion lieben.

macOS: Video-Bearbeitung

Unter iOS 13 hat die Foto-App einen mächtigen Video-Editor spendiert bekommen. Die Videos lassen sich direkt auf dem Gerät bearbeiten: Zuschneiden, Begradigen, Spiegeln, Aufhellen oder Kontraste verbessern – die native Foto-App auf dem iPhone steht in Sachen Video-Bearbeitung iMovie in fast nichts nach. Die gleichen Funktionen ziehen nun auf den Mac. Zwar war auch davor schon möglich, in Quicktime oder direkt in Finder beispielsweise das Video zu kurzen, macOS Big Sur bindet alle Bearbeitungsfunktionen in Foto zusammen.

Wer schnell retuschieren will, Pickel im Gesicht oder einen Baukran vor blauem Himmel, konnte schon davor schnell zu Fotos greifen und das entsprechende Werkzeug bemühen. Laut Apple nutzt das Retusche-Tool jetzt das maschinelle Lernen, um Pickel oder andere Objekte aus dem Foto mit besseren Ergebnissen zu entfernen. Bei den Porträt-Fotos lassen sich auf dem Mac Effekte nachjustieren, die App kann auch im Unterschied zu iOS- und iPadOS-Versionen Filter-Effekte bei den Fotos bearbeiten. Endlich lassen sich die Fotos und Videos ohne Dritt-Apps beschriften. Auf dem Mac wird dafür das Feld "Beschreibung" aus dem Info-Register des einzelnen Fotos zuständig sein. Wie auch unter iOS und iPadOS hat Apple die Rückblicke etwas verbessert, im Herbst kommen neue lizenzfreie Soundtracks hinzu.

iPadOS: Navigieren durch die Fotosammlung

Ab iPadOS 14 kann man Bilder seiner Foto-Sammlung filtern und sortieren, die App selbst wird etwas überarbeitet und erhält eine neue Seitenleiste wie die meisten iPadOS-Apps von Apple. Wie auf dem Mac und dem iPhone verändert Apple etwas die Navigation durch die Fotos: Man kann leichter in die Ansichten ein- und auszoomen, um ein bestimmtes Bild zu finden. Die Beschriftungen der Fotos und Videos sind auf der Plattform mit dem Apple Pencil wohl noch nützlicher als auf dem iPhone, Apple hat ebenfalls die Auswahl-Ansicht der Foto-Mediathek bearbeitet, die Fotos lassen sich dabei nach Suchbegriffen durchsuchen. Live Fotos werden anscheinend besser stabilisiert.

Die meisten Neuerungen, die die Kamera des iPads betreffen, fallen in den Bereich AR, nicht umsonst hat Apple der neuesten Generation des iPad Pro einen Lidar-Sensor spendiert. Aber auch bei gewöhnlichen Fotos und Videos gibt es ein paar Änderungen: Fortan werden dem Nutzer eigene Selfies besser gefallen, weil das System diese Selbstporträts automatisch spiegelt. Im Video-Modus gibt es direkt in der Kamera-App eine Option, die die Auflösung und Bildrate ändert, bislang wurde diese Abkürzung nur dem iPhone 11 und Konsorten vorbehalten. Die QR-Codes lassen sich besser scannen, selbst wenn sie sehr klein sind oder an gekrümmten Oberflächen angebracht sind.

iOS 14: Deutlich schnellere Kamera

Alle oben beschriebenen Neuerungen, außer bei watchOS 7 versteht sich, kommen in einer Form oder in einer anderen auch auf iOS 14, wenn sie nicht schon längst implementiert worden waren. Quick-Take-Video (Tippen und Halten des Auslöse-Knopfs für Video) ist nun auch für iPhone XS und XR möglich. Apple verbessert auch den Nachtmodus, indem das Gerät das Gyroskop nutzt, um dem Anwender die Hinweise auf Verwackelungen zu geben. Die Aufnahme im Nachtmodus kann man nun mittendrin beenden. Die Lauter- und Leiser-Tasten unterstützen nun diverse Kamera-Modi: Lauter-Taste löst eine Serien-Aufnahme aus, Leiser-Taste – eine Video-Aufnahme. Die Belichtungseinstellung in einem einzelnen Foto kann man nun für einen anderen Bereich definieren als Fokus. Die Kamera-App wird deutlich schneller: Bis zu 25 Prozent Beschleunigung verspricht Apple vom Start der App bis zum Moment, wenn der Nutzer tatsächlich ein Foto machen kann. Die Fotos nach einander lassen sich um 90 Prozent schneller machen. Diese Beschleunigungen werden jedoch erst ab iPhone XS und neuer unterstützt.