Lautsprecher ist nicht gleich Lautsprecher.

Ein paar gute Lautsprecher sind das A&O beim Abmischen des Videotons. Da reichen weder die eingebauten Lautsprecher des Macs, noch die des Computermonitors.

Der Einstieg sind sogenannte Multimedia-Lautsprecher, die es schon ab wenige Euro gibt. Die Ansprüche an solchen Produkten mit einfacher Technik und Gehäuse aus Kunststoff, sollten nicht so hoch sein. Hat man aber ein Budget ab rund 100,- Euro verbessert sich die Qualität merklich.

Ab dieser Preisklasse bekommt man bei den sogenannten Abhörmonitoren Features wie eingebaute Verstärker, Anschluss über Stereo Klinke, Cinch oder symmetrische Klinke, Bluetooth, eine Zweiwege Bestückung mit getrennten Hochtönern und Tief/Mitteltönern. Einen digitalen USB-Eingang gibt es erst ab rund 300,- Euro. In unserem Artikel "Mac Mini 2018 erweitern, Teil 6: Zubehör für Audio und Eingabe" hatten wir das Teufel Concept C und EVE Audio SC203 vorgestellt.

Content Creator können auf gute Audiomonitore nicht verzichten.

Wird bei den Einsteigern an der Technik gespart?

Für diesem Artikel haben wir uns zwei Einsteiegerlösungen näher angeschaut. Von IK Multimedia die iLoud Micro Monitore für rund 260,- Euro und von PreSonus die Eris E3.5 BT für 124,- Euro.

So unterschiedlich, wie die zwei Lautsprecher aussehen, so haben sie doch einige Gemeinsamkeiten. Eine Zwei-Wege Bestückung mit ¾ Zoll Hochtöner und 3 Zoll Tief/Mitteltöner bei iLoud Micro, bei Eris E3.5 BT sind es 1 Zoll Hochtöner und 3,5 Zoll Tief/Mitteltöner. Zusätzlich gibt es noch bei beiden Bluetooth. Das Modell von PreSonus gibt es für 88,- Euro auch ohne Bluetooth.

Bei den Verstärkern trennen sich die Gemeinsamkeiten. IK Multimedia setzt auf Class-D Verstärker mit Klinke und Cinch Eingang. PreSonus auf einen klassischen Class-AB Verstärker mit zusätzlichem symmetrischen Klinke Eingang, wie man ihn von Audio-Interfaces her kennt.

Kompakte Abhörmonitore wie die iLoud Micro von IK Multimedia sind perfekte Partner für Audio- und Videobearbeitung im kleinen Setup.

PreSonus gibt sich nicht nur optisch als ganz klassischer Lautsprecher, sondern auch beim Gehäuse aus Holz. Hier sind die kleinen iLoud Micro mit den Rundungen etwas moderner, dafür ist das Gehäuse aus Kunststoff. Technisch bieten die iLoud Micro mehr. Ein DSP bietet manuelle Frequenzkorrekturen für den Hoch-, Tiefton und Schreibtischeinsatz. Das ist für die Standortoptimierung ideal. Die PreSonus kontert ebenfalls mit einem Filter für Höhen und Bässe und einem Tieftöner mit Kevlargewebe. PreSonus glänzt mit einem klassischen Ein/Ausschalter auf der Vorderseite, wo sich auch ein Lautstärkeregler, ein Kopfhöreranschluss und ein Aux-Eingang befindet. Zwei Extras gibt es bei den iLoud Micro Serienmäßig, ein Stativgewinde auf der Unterseite der Lautsprecher und einen Klappfuß für eine gewinkelte Aufstellung. Gerade letzteres ist im Nahfeldbereich auf dem Schreibtisch besonders wichtig, damit der Schall von Hoch- und Tief/Mitteltöner die Ohren optimal erreicht. PreSonus bietet das nicht, der Audio-Händler Thomann hat aber eine passende Unterlage für 15,- Euro.

Im Lieferumfang ist bei beiden Herstellern alles dabei um direkt Loslegen zu können. Dazu gehört ein Klinke-Cinch Anschlusskabel und das Verbindungskabel zwischen den zwei Lautsprechern. Beim iLoud Micro ist das ein rund 1,8 Meter langes Spezialkabel, bei PreSonus ein Standard Lautsprecherkabel. Wobei das mitgelieferte Lautsprecherkabel recht dünn ist.

Während das größere PreSonus Gehäuse Platz genug für ein Netzteil hat, benötigen die viel kleineren iLoud Micro ein externes Netzteil.

Sehr unterschiedlich handhaben die Hersteller die Platzierung des Lautstärkereglers. Bei PreSonus ist es ein Drehregler auf der Vorderseite und beim iLoud Micro ein Drehregler auf der Rückseite. Ein automatisches Ein beziehungsweise Ausschalten findet sich bei keinem der Lautsprecher.

PreSonus gönnt seinen Einsteiger Abhörmonitoren Eris E3.5 BT neben dem Ein/Ausschalter auch den Lautstärkeregler sowie einen Aux-Eingang und Kopfhöreranschluss ganz Nutzerfreundlich auf der Vorderseite.

Wie klingt die Einsteigerklasse?

Um es vorweg zu nehmen, erstaunlich erwachsen. Aber der Reihe nach.

Bei Abhörmonitoren geht es nicht darum einen fetten Sound für die Party zu zaubern, sondern Sprache und Musik gut abmischen zu können. Dafür sollten Lautsprecher eher neutral klingen.

Wir starten daher mit Sprachaufnahmen für ein Video Tutorial. Die Sprachverständlichkeit ist bei den iLoud Micro sehr gut. Erstaunlich voll für einen so kleinen Lautsprecher, das macht Spaß. Über die manuelle Frequenzkorrekturen für den Hoch-, Tiefton und Schreibtischeinsatz lassen sich die iLoud Micro sehr gut auf den eigenen Hörraum und Standort einstellen.

Die Eris E3.5 BT stehen den kleineren iLoud Micro in nichts nach, im Gegenteil. Sprachaufnahmen werden viel neutraler wiedergegeben. Die Eris E3.5 BT tragen hier nicht so voll und dick auf. Das ist angenehmer beim Videoschnitt.

Der Einsatz mit Sprache unterscheidet oft Abhörmonitore von einfach Computer-Soundsystemen. Letztere klingen oft zu wuchtig und überzogen. Das merkt man auch bei Musik in unserem Test. Hier ist nicht Krawall angesagt, obwohl sie auch richtig laut können. Aber dann sollte man sie besser mit einem größeren Hörabstand betreiben und nicht auf dem Schreibtisch stehen haben.

Die iLoud Micro lösen sehr schön den Gesang von Sänger und Sängerinnen auf. Nicht zu aggressiv, so dass man lange mit dem Audiomaterial arbeiten kann. Logischerweise fehlt es an Tiefbass, den können die kleinen Gehäuse nicht liefern. Das müssen sie aber für ihren Einsatzzweck auch nicht.

Beim Bass kann die Eris E3.5 BT dank dem größeren Gehäuse mehr bieten, was man speziell bei Musik merkt. Nicht aggressiv zeigen sich die Eris E3.5 BT als perfekte Lautsprecher für Gesang, was aber auch Trompeten wie denen von Till Brönner zugutekommt. Fordert man die Eris E3.5 BT können sie auch richtig laut und bleiben dabei noch lange neutral. Der Bass nimmt zu, Aggressivität bleibt außen vor. Man merkt dann aber auch sehr schnell, dass die dünnen Schaumstoff Pads auf der Unterseite nicht ausreichen, um die Boxen vom Schreibtisch zu entkoppelt. Hier helfen Schaumstoffunterlagen wie die t.akustik Iso-Pads von Thomann.

Für die perfekte Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten bietet die iLoud Micro ein DSP mit manuelle Frequenzkorrekturen für den Hoch-, Tiefton und Schreibtischeinsatz.

© iK Multimedia

Bluetooth

Die Maus ist via Bluetooth mit dem Mac verbunden und die Tastatur auch, warum nicht auch die Lautsprecher?

Mal von den Nachteilen, wie einer etwas schlechteren Audioqualität und einer kleinen Verzögerung ehe man den Ton hört abgesehen, kann das durchaus ein praktisches Feature sein. Vor allem bei Macs, die über keinen Audioausgang verfügen.

Unsere beiden Probanden konnten sich erfolgreich mit unserem Mac Mini verbinden und benutzt werden. Doch ein paar Besonderheiten gibt es schon, die man so nicht von Maus & Co gewohnt ist.

Zum einen verbinden sich die Lautsprecher nicht automatisch mit dem Mac nach einem Start, Neustart oder dem Aufwachen aus dem Ruhezustand. Es hilft aber, den Lautsprecher einfach erst einzuschalten, wenn der Mac hochgefahren ist. Beim PreSonus ist das schnell erledigt, da der kombinierten Ein/Aus-Lautstärkeregler leicht auf der Vorderseite zugänglichen ist. Beim iLoud ist dieser leider ungünstig auf der Rückseite.

In der Praxis verhält sich der iLoud via Bluetooth nicht ganz problemlos, so hat sich unsere Tastatur schon mal abgemeldet, wenn Musik über den iLoud gehört wurde. Hier trägt allerdings auch der von uns eingesetzte Mac Mini 2018 eine Mitschuld. Der zeigt sich mit Bluetooth Geräte divenhaft.

Die bessere Verbindung ist sicher die per Kabel. Zum Glück legen alle Hersteller auch passende Klinke auf Cinch Kabel bei. Die von IK Multimedia sind leider nicht von guter Qualität und verursachen Störungen. Ein starkes Brummen war zu hören, wenn nur die Kabel verbunden waren, ohne sie an den Mac anzuschließen. Mit anderen Kabeln war alles perfekt.

Die Eris E3.5 BT bietet drei Eingangsmöglichkeiten: Stereo Klinke auf der Vorderseite, symmetrische Klinke und Cinch auf der Rückseite. Sogar eine Frequenzkorrektur hat noch Platz gefunden.

© PreSonus

Empfehlung

Sowohl IK Multimedia als auch PreSonus sind keine unbekannten Hersteller in Musikerkreisen. Und das merkt man den Lautsprechern auch an. Kompaktes Gehäuse und eine Klangabstimmung, die sehr gut für das Abmischen von Sprache und Musik geeignet ist. Die iLoud Micro überzeugen durch ihre kompakten Abmessungen und die Schalter für die manuelle Frequenzkorrektur. Ein im Gehäuse integriertes Stativgewinde und ein kleiner Fuß zum Ausklappen für den optimalen Abstrahlwinkel vervollständigen die gute Ausstattung.

Klanglich überzeugen die kleinen iLoud Micros und könnten somit eigentlich uneingeschränkt empfohlen werden. Wenn da nicht das sehr leichte Rauschen im Hintergrund wäre. Im geräuschlosen Mac-Umfeld ist es leicht wahrnehmbar, wenn keine Audiowiedergabe erfolgt. In der Handhabung ist es lästig, dass der Ein/Aus-Schalter auf der Rückseite angebracht ist. Daher ist man in der Regel faul und lässt die Lautsprecher immer an – nicht gut für den Öko-Gedanken.

Die Eris E3.5 BT sind ehrliche Lautsprecher, die rundum viel Spaß machen. Ein kräftiger Verstärker sorgt für ausreichend Schalldruck und einen guten Klang. Daran hat natürlich auch die gute Chasis-Bestückung ihren Anteil. In der Bedienung hat die Eris E3.5 BT die Nase vorn. Alle wichtigen Bedienelemente sind auf der Vorderseite: Ein/Aus-Schalter, Lautstärkeregler und sogar Ein- beziehungsweise Ausgänge. Mit den Eris E4.5 und Eris E5 gibt es zwei größere Versionen, die durch einen größeren Tieftöner einen volleren Klang erreicht. Vom Preis-Leistungsverhältnis sind die Eris E3.5 BT sehr empfehlenswert und wer auf Bluetooth verzichten kann, kann sogar noch etwas Geld sparen.