Bedient wird "Gehe zum Ordner" fast ausschließlich per Tastatur.

Bei der täglichen Arbeit am Mac verbringt man viel Zeit damit, per Maus durch Ordner und Unterordner zu navigieren – um eine Datei zu öffnen oder eine Datei in einen bestimmten Zielordner zu kopieren. Mit Monterey gibt es für Produktivitäts-Fans nun eine interessante neue Option: Apple hat nämlich die uralte Funktion „Gehe zum Ordner“ stark ausgebaut und dabei offensichtlich Tastatur-Fans im Blick. Nicht zuletzt für Nutzer eines Notebooks ist eine Bedienung per Tastatur oft schneller, auch in Sonderfällen wie dem Zugriff per Remote-Software. Bisher war diese Funktion des Finders eher Profis bekannt. Man kann über diese Eingabe per Eintippen (oder Einkopieren) eines Dateipfades wie „/Library/Fonts/“ Ordner gezielt aufrufen, selbst unsichtbare Systemordner. In der aktuellen Version hat Apple einige neue Funktionen ergänzt, die die Systemfunktion weit interessanter machen.

So rufen Sie die Funktion auf

Verfügbar ist die Funktion, wenn der Finder aktiv ist, etwa wenn Sie den Schreibtisch vor sich haben. Nun können Sie per Tastenbefehl oder den Menübefehl „Gehe zu > Gehe zum Ordner… “ die Eingabe aufrufen. Einfacher und schneller rufen Sie die Funktion über „Shift/Command/G“ auf (⇧⌘G). Unter Monterey bietet die Funktion nun eine komplett neue Oberfläche. Man sieht eine Eingabezeile und darunter ein noch leeres Fenster. Bei einem späteren Aufruf werden zuletzt eingegebene Pfade hier aufgelistet. Erfahrene Anwender kennen das Prinzip von der Ordnernavigation per Terminal.

So rufen Sie das Heimverzeichnis und den Benutzerordner auf

Sie wollen den einen der Ordner im obersten Verzeichnis öffnen? Geben Sie einfach das Zeichen „/“ ein. Die Ordner HD, Benutzer, Programme, Library und System werden aufgelistet, per Anklicken oder Pfeiltaste und Enter-Taste geöffnet. Mit der Tilde (Wahltaste+N) rufen Sie das Heimverzeichnis auf.

Eine Autovervollständigung hilft bei der Eingabe.

Im Speichern- oder Öffnen-Dialog nutzen

Warum die Funktion nicht unterschätzt werden sollte: Sie können sie auch beim Öffnen oder Sichern einer Datei verwenden. In vielen modernen Apps steht die Option per Tastenbefehl zur Verfügung – und nur per Tastenbefehl. Das kann sinnvoll sein, wenn Sie eine Datei in einen bestimmten Unterordner einsortieren oder eine Datei in einem bestimmten Ordner öffnen wollen.

Man kann die Funktion auch aus anderen Apps nutzen.

Hilfe bei der Eingabe

Wodurch die Funktion erst interessant wird: Sie müssen fast nie einen kompletten Pfad eingeben: Das System versucht schon während der Eingabe per Autovervollständigung den gesuchten Ordner zu erraten. Auch die zuletzt genutzten Ordner werden berücksichtigt. Wollen Sie etwa den Ordner „Bilder“ aufrufen, müssen Sie nur „b“ eingeben und erhalten im unteren Fenster den Pfad zum Bilderordner vorgeschlagen – in unserem Beispiel „/Users/stephan/Pictures/“.

Jetzt haben Sie außerdem zwei Optionen: Sie können per Pfeiltaste oder Mausklick den Vorschlag auswählen, dann erhalten Sie den Ordner im Finder angezeigt.

Als zweite Option können Sie aber noch weiter in Unterordnern suchen. Statt „Enter“ zu drücken, bestätigen Sie dazu den Vorschlag per Tabtaste. Der Pfad wird dann in der oberen Leiste angezeigt und ist der neue Ausgangspunkt. Wollen Sie etwa den Ordner „Camera Roll“ aufrufen, geben Sie als Ergänzung hinter „Pictures/„ ein „c“ ein.

Was man wissen sollte: Dabei wird das gerade ausgewählte Verzeichnis berücksichtigt und ein Ordner vom System durchsucht und die enthaltenen Ordner und Dateien berücksichtigt.

Tags unterstützt

Etwas unerwartet: Auch Tags werden unterstützt. Geben Sie statt einem Pfadnamen einen Tag-Namen wie „Gelb“ ein, wird auch dieser Tag als optionaler Pfad angezeigt – und Sie können so bequem Dateien mit diesem Tag öffnen. Das Speichern bzw. Zuweisen eines Tags ist dagegen nicht möglich.

Einige Einschränkungen

Was man wissen sollte: Anders als Spotlight, berücksichtigt das System eben nicht alle Ordnernamen auf der Festplatte. Sucht man nach einem speziellen Unterordner wie „Tests2020“, den man seit Monaten nicht mehr verwendet hat, benötigt man den kompletten Pfadnamen. Nur die wichtigsten Hauptordner wie „Dokumente“, „iCloud“ oder der gerade verwendete Ordner werden vorgeschlagen. Für die Suche nach einer bestimmten Datei oder einem Ordner ist Spotlight weiter die bessere Wahl.

Kontextmenü

Praktisch sind einige Optionen, die per Kontextmenü zur Verfügung stehen. Sind im unteren Fenster Dateien oder Ordner zu sehen, können Sie per rechter Mausklick ein Kontextmenü öffnen. Neben dem Öffnen des übergeordneten Ordners können Sie ein Infofenster öffnen, einen Pfadnamen kopieren und den Ordner im Terminal öffnen.

Per Kontextmenü erhält man unter anderem den genauen Pfad

Fazit

Die Funktion ist sicher nicht für jeden interessant, ist doch etwa für Einsteiger ist die Navigation per Maus viel einfacher. Arbeitet man aber gerne mit Tastatureingaben, ist die neue Funktion sicher einen näheren Blick wert.