Spaziergänger in München. Symbolbild.

"A shot in the dark beats a walk in the park" – wer AC/DC kennt, weiß, dass da nicht mit Pistolen geschossen wird. Wir lassen die alten Herren aus Australien aber ihre postpubertären Fantasien besingen, zu anderen Trainingsarten, bei denen es mehr Rock'n Roll zur Motivation braucht, legen wir gerne wieder "Power Up" auf.

Heute spazieren wir lieber durch den Park, genauer gesagt, den Regent's Park in London. Unsere Füße bleiben zwar am Rande Münchens auf dem Boden, auf unserer abendlichen Runde durch die Gemeinde begleitet uns aber der Schauspieler, Regisseur und Autor Stephen Fry. "Zeit fürs gehen" ist Bestandteil von Apples neuem Abo Fitness+ und da das Wetter noch zu gut ist, um das Fahrradergometer im Keller aufzubauen und wir lieber draußen unsere Runden drehen, probieren wir eben zunächst die Spaziergänge aus. Für das Fahrradtraining mit Kopfhörer und am Ende noch Blick auf den Bildschirm sind Straßen auch nicht geeignet.

Das ist bei "Zeit fürs Gehen" neu

Spazierengehen und dabei einen Podcast hören, was soll daran neu sein? Die von Apple zusammengestellten Trainingsspaziergänge sind eben keine Podcasts, nicht einmal Interviews wie etwa der des preisgekrönten Talkradios "Die blaue Couch" des Bayerischen Rundfunks (die es auch als Podcast gibt). Die Gemeinsamkeit: Eine prominente Person steht im Mittelpunkt. Der Unterschied: Einen Moderator benötigt es nicht, der oder die Prominente erzählt aus seinem oder ihren Leben und spaziert dabei mit. Die Gespräche, respektive Monologe wurden offenbar wirklich im Gehen aufgenommen. Entsprechend langsamer erzählen die Persönlichkeiten aus Kultur, Unterhaltung und Sport auch. Was so manchem beim zweiten wesentlichen Unterschied zu den Gesprächen im Studio des BR entgegen kommen dürfte: Denn die mit spazierenden Partner kommen aus den USA, dem UK oder anderen englischsprachigen Ländern.

Ein Abschluss in Anglistik ist aber nicht nötig, um etwa Stephen Fry gut zu verstehen, der Mann hat Erfahrung mit Sprache und ist eben auch zu Fuß unterwegs.

Fry haben wir ehrlich gesagt ausgewählt, weil er die erste prominente Person in der Liste von Apples Spaziergängen war, mit deren Namen wir etwas anfangen konnten. Weiter unten in der Liste fallen uns unter anderem noch Shawn Mendes auf, Brandi Chastain Draymond Green und natürlich Dolly Parton, mit der Apple das Projekt "Time to Walk" Anfang des Jahres startete . Kurzbiographien und ein Abriss des Themas, über die die Promis sprechen, finden wir in der Fitness-App auf iPhone und Apple Watch, da wird es den Winter über noch einige Spaziergänge geben müssen – was ja Sinn und Zweck der Übung ist. So manche und so mancher macht neugierig.

Bilder auf die Apple Watch per Vibrationsalarm

Das Training starten wir wie einen herkömmlichen Spaziergang auf der Apple-Watch über die Trainingsapp, es bietet sich an, die gewünschten Episoden zuvor geladen zu haben, unterwegs nachladen geht auf den Datentarif – wobei es sich um überschaubare Datenmengen handelt.

Der Walk durch den Park in London mit Stephen Fry ist etwa 42 Minuten lang, davon erzählt Fry 29 Minuten lang über wichtige Ereignisse seines Lebens, wie ihn etwa Oscar Wildes Dramen und sein noch dramatischeres Leben früh prägten und überhaupt erst für die Schauspielerei begeisterten. Schon früh in seiner Karriere traf er in London auf Emma Thompson und Hugh Laurie, mit denen er noch heute freundschaftlich verbunden ist.

Die Erzählung fesselt und ist wie erwähnt recht einfach zu verstehen, nur wenn Fry über mentale Gesundheit spricht und seine Probleme mit der Depression, hätten wir gerne die Gelegenheit, den ein oder anderen Fachausdruck nachzuschlagen. Geht auf der Apple Watch schlecht, optimal geeignet ist die Uhr aber dafür, den Vortrag unterstützende Bilder auf das Display zu bringen, angekündigt durch einen kurzen Vibrationsalarm. Drei Songs, die mit dem Erzählten und dem Erzähler mehr oder weniger zusammenhängen, beschließen das Programm – so sind auch andere Folgen aufgebaut, wie wir etwa am Beispiel von Brandi Chastain bemerken, deren legendären Gewinnerschuss im Elfmeterschießen des Finals der Weltmeisterschaft 1999 natürlich noch vor Augen haben, ehe uns die Uhr das Bild des legendären Jubels zeigt. Aber das war nicht im Park, sondern in der Rose Bowl zu Passadena, gar nicht so weit von Apples Hauptquartier entfernt.

Fazit

Spazierengehen muss nicht langweilig sein, Podcasts sind zur Begleitung beinahe ein besseres Medium als die Lieblingsmusik, aber "Zeit fürs gehen" hat das Potential, das alles zu schlagen, selbst so manchen Schuss im Dunklen.