Nicht nur in der Küche geeignet

Der Homepod Mini war eine Ansage, als Apple ihn im Rahmen des Events " Hi, Speed ." Mitte Oktober vorstellte: Homepod-Klang in klein, und das zu einem Preis, der gerade dazu verlockt, einen Mini für (fast) jeden Raum anzuschaffen. Denn der Homepod Mini ist wie sein großer und wuchtigerer Bruder ja weit mehr als nur ein Lautsprecher, dient er eben auch als Siri-Station, als solche auch zur Steuerung des Heims respektive der darin aufgestellten HomeKit-Geräte und nun auch als Sprechanlage, als Intercom. Wir haben den Homepod Mini getestet, in mehreren Räumen.

Homepod Mini schon heute im Apple Store abholen

Den ersten Soundvergleich konnte dabei der Homepod Mini an sich nicht verlieren. In der Küche schlägt er die bisher dort verwendeten Lösungen um Längen. Mit im Wettbewerb: Ein etwa sieben Jahre altes DAB+-Radio von Sony und der integrierte Bluetooth-Lautsprecher der Küche, den wir meist mit einem Echo Flex von Amazon versorgen. Gerade in der Küche ist es wichtig, die Hände freizuhalten, was Siri noch nicht so lange kann, bot uns Alexa schon seit jeher: Verschiedene Timer zu stellen etwa. Oder Radio per Stream von TuneIn.

Das übersichtliche Testfeld in der Küche. Die weiße Zwiebel unten links ist kein Gemüse, sondern ein smarter Lautsprecher.

© Macwelt

Das kann der Homepod (Mini) mittlerweile auch, wie wir aber wissen, hinkt der Stream immer ein wenig dem Funksignal hinterher, gleichzeitig auf Homepod (oder Alexa-Lautsprecher) und dem DAB+-Gerät Radio hören ist nicht ratsam. Unmittelbar hintereinander die Tonquellen durchprobiert stellen wir aber fest: Der Homepod Mini ist das Beste, was der Küche passieren konnte. Ein satter und klarer Sound, der zur Not auch die Töpfe und das Geschirr in den Schränken wackeln lassen könnte. Wie dünn klingt dagegen die bisher verwendete Streaming-Lösung mit einem Lautsprecher, der jedoch nur um die 50 Euro Aufpreis gekostet hatte – vom Echo Flex wollen wir gar nicht sprechen. Selbst das DAB+-Radio kann beim Klang in keiner Weise mithalten – und da wir es mit den Händen bedienen müssten und keinen weitergehenden Nutzen haben, setzen wir es an sich nur noch Samstag Nachmittag ein – wenn die Bundesliga im Radio läuft, sind auch nur Sekunden der Verzögerung lästig. Zumal hat es mit TuneIn immer wieder mal das Problem gegeben, dass der Stream kurz aussetzte und bei einem Zeitpunkt etwa eine Minute in der Vergangenheit wieder einsetzte. Zum Musikhören ist aber der Homepod Mini unschlagbar, zumal er locker auch die lautesten Pfannen und Pürierstäbe übertönt.

Welche Musik man damit hören kann? Quer durch das Gemüsebeet!

Homepod Mini muss ständig an die Steckdose

Der Nachteil für den Einsatz als Küchenradio wird aber gleich hier offensichtlich: Dank seiner adaptiven Raumorientierung und des 360-Grad-Klangs kann man den Homepod Mini zwar überall hinstellen, aber eben auch nur dort, wo es eine Steckdose gibt. Glücklicherweise haben wir die Küche diesbezüglich großzügig geplant, erinnern uns aber auch an die Zeiten, als wir die Wahl hatten, ob denn nun das Rührgerät oder das Radio Strom bekommt. Den kompakten Bluetooth-Lautsprecher, der bisher als Soundquelle dient, haben wir nicht aussortiert, was später noch wichtig wird. Aber angesichts der ersten Bilder der Apple-Präsentation konnten wir leise hoffen, dass der Homepod Mini auch einen Akku mitbringt. Wie der große Bruder Homepod benötigt er aber dauerhaft Strom. Das Kabel lässt sich auf der Seite des Homepod Mini nicht abziehen, wenigstens endet es an der anderen Seite in einem USB-C-Stecker – und hier legt Apple den passenden Power-Adpater auch noch bei. Unser Homepod hingegen ist ein Modell aus UK, das zwar mit Adapter sehr gut funktioniert – dieser ist aber zusammen mit dem Stecker derart klobig, dass sich das Kabel nicht durch Engstellen fädeln lässt, wie sie sich etwa zwischen Regalbrettern und Wand ergeben.

So steht der Homepod bei uns im Wohnzimmer auch an einer anderen Stelle, als man ihn vermuten würde, als Soundausgabe für das Apple TV ist er bei uns nicht geeignet. Nun kommen wir aber zu den wirklich interessanten Klangvergleichen, in einem Raum, in dem auf starke Wiedergabe auch mehr Wert gelegt ist als in der stets lauten und scheppernden Küche.

Der Homepod Mini findet noch gut Platz im Medienregal, anders als der große Bruder.

Was will man erwarten, von einem Lautsprecher, der keine 100 Euro kostet, wenn man ihn gegen einen des gleichen Herstellers antreten lässt, der mehr als das Dreifache kostet und etwa das vierfache Volumen aufweist und somit deutlich mehr Luft bewegt? Der intelligenten Klangverbesserung mittels S5-SiP (bekannt von der Apple Watch Series 5), das Apple "Computational Audio" nennt, setzt die Physik Grenzen.

Komplizierter Klangvergleich

Dennoch schlägt sich der Homepod Mini wacker. Gegenüber dem Homepod klingt er merklich dünner, vor allem an Bass fehlt es. Der ist beim großen Homepod aber an manchen Stellen so übertrieben betont, dass man sich erstens fragt, ob das im Sinne des Künstlers ist und ob denn nicht zweitens ein Equalizer in der App sinnvoll wäre. Hier lässt Apple aber nicht mit sich reden, was der beste Sound für den Raum ist, entscheidet der Homepod (Mini) ganz für sich allein, nach Kriterien, die bei bestimmten Musikstilen zu besseren Ergebnissen führen, bei anderen zu nicht so guten.

Für sich genommen gibt der Homepod Mini unsere bevorzugte Musik aber in einer angenehmen Qualität auch im Wohnzimmer wieder, der Bass ein wenig dünn, Mitten und Höhen aber nicht zu spitz und gut voneinander getrennt.

Neben dem Vergleich mit dem schier übermächtigen Konkurrenten aus dem gleichen Haus muss sich der Homepod Mini noch zwei Mitbewerbern stellen, die er an sich schlagen müsste. Zunächst holen wir den Wonderboom von Ultimate Ears wieder aus dem Bade- ins Wohnzimmer: Für seinen Preis (damals zunächst 99 Euro) und Größe in der Tat ein sehr ordentlicher Speaker, den wir in der Küche auch lange als höherwertige Alternative zum Amazon Echo respektive eben als dessen Ausgabe genutzt hatten. Mit den Jahren ist der Wonderboom nicht schlechter geworden, seine robuste Technik hält auch hohe Luftfeuchtigkeit aus – für Küche und Bad also optimal. Im Wohnzimmer, in dem wir Besseres erwarten und auch gewohnt sind, klingt der Wonderboom recht dünn – der Homepod Mini ist zwar im Bass nicht wesentlich stärker, sein Klang bietet aber mehr Räumlichkeit, Instrumente und Stimmen in Pop, Jazz und Rock trennt Apples Lautsprecher weit besser. Auch mit Klassik hat er wenig Probleme, klingt dabei zarter als sein wuchtiger großer Bruder. Der Homepod (Mini) gelangt via Internet oder WLAN-Streaming (AirPlay) an bessere Daten als der Wonderboom via Bluetooth, ein wenig unfair ist dieser Vergleich also auch. Der kleine Schwarze mit den markanten Steuerungen an der Vorderseite darf wieder in Räume, in denen wir keinen Homepod aufstellen würden.

Der Wonderboom kann mit dem Homepod Mini nicht mithalten, an das Apple TV lässt er sich nicht koppeln.

Richtig beweisen muss sich aber der Homepod Mini in weiteren Äpfel-Birnen-Vergleich, nun stellen wir das Apple TV 4K so ein, dass es die Audiospur nicht per HDMI auf den Fernseher schickt, sondern via WLAN an den direkt daneben stehenden Homepod Mini. Abgesehen davon, dass wir die unterschiedliche Höhe der beiden Lautsprecherlösungen sehr wohl wahrnehmen, ist der Unterschied bei Filmen und Serien nicht besonders groß. Das mag aber auch daran liegen, dass wir bisher nur einen Homepod Mini testen konnten und kein Stereopaar – das sollte neue Räumlichkeiten im Klang erschließen. Der Unterschied zum TV sollte dann klarer sein, der Abstand zu Mono-Bluetooth-Lautsprechern aus der gleichen Preiskategorie größer und der zum Homepod womöglich kleiner – das werden wir in einem Nachtest erfahren.

Mehr Räumlichkeit mit Stereo – und im ganzen Haus kommunikativ

Denn die Idee, Homepod und Homepod Mini mal probeweise zu einem Stereopaar zusammenzuschließen, ist eine schlechte. Eine derart schlechte, dass Apple das verhindert, respektive in der Home-App keine Möglichkeit bietet, das zu bewerkstelligen. Würden wir ehrlich gesagt auch gar nicht hören wollen …

Immerhin können wir von Mac, iPhone oder iPad aus auch beide Homepods mit der gleichen Musik versorgen. Sind dann eben zwei Mono-Speaker, die links und rechts stehen und das Gleiche wiedergeben, nur eben mit unterschiedlichem Klang. Die Idee dahinter, die Apple schon länger verfolgt: In jedem Raum einen Homepod stehen haben, sodass man nichts vom Podcast oder der Fußballübertragung versäumt, wenn man von der Küche ins Wohnzimmer, in den ersten Stock, in den Keller und wieder zurückgeht. Auch deshalb halt Apple den Preis unter 100 Dollar respektive Euro gehalten, ein ausgewachsener Homepod in einem jedem Raum käme dann doch etwas teurer. Immerhin ist es dem iPhone egal, auf welche Airplay-Lautsprecher es streamt, sie müssen eben nur den Standard unterstützen.

Neu ab iOS 14.2 ist das Intercom. Wenn denn schon in jedem Raum ein Homepod (Mini) steht, lässt sich dieser doch auch gut als Gegensprechanlage nutzen. Nicht wirklich, über das Intercom kann man aber von jedwedem Apple-Gerät aus Sprachnachrichten an bestimmte Räume oder das gesamte Heim inklusive der Airpods von Familienmitgliedern Sprachnachrichten schicken – und diese antworten. Ist zwar nichts Neues, wer sein Heim mit Alexas vollgestopft hat, kennt das schon. Ein wenig intuitiver erscheinen Einrichtung und Bedienung mit Siri dann aber doch. Selbst vom Auto aus kann man via Carplay die Familie anfunken und etwa die eigene Ankunft vorankündigen oder nach Wünschen für das Takeaway fragen – völlig ohne Hände und ohne Fummelei.

Was noch fehlt

Ein paar Sachen, die Apple schon bei der Präsentation gezeigt hatte, fehlen aber noch. An der Sprache scheitert etwa die Mehrbenutzererkennung, diese ist nach wie vor auf Englisch beschränkt. So bekommt man auch im Deutschen noch kein Update von Siri vorgelesen, mit Wetterbericht, Terminen oder den neuesten Nachrichten – das gibt Siri auf Anfrage an den Homepod an das angeschlossene iPhone aus. Später kommen soll auch eine neue Funktion, mit der man die Steuerung des Homepod (Mini) auf das iPhone übernehmen kann. Wie oft fragten wir uns schon bei zufälligen Abspielen unserer Mediathek, was denn da jetzt gerade laufe und ob man da nicht gleiche das komplette Album hören möchte. Bis Siri uns versteht, haben wir auch etliche Knöpfe am iPhone gedrückt und gewischt, fortan soll es genügen, einfach das iPhone an den Lautsprecher zu halten, dieses übernimmt alle wesentlichen Informationen vom Lautsprecher und bietet an, ihn nun zu steuern. Das ist im Prinzip die inverse Funktion zur Continuity – nähern wir uns mit dem Musik oder Podcasts spielenden iPhone dem Lautsprecher, übernimmt er davon die Soundausgabe.

Der Weg vom Homepod Mini auf das iPhone soll bald möglich sein.

Auch noch warten müssen, wird man darauf, dass der Homepod (Mini) Musik aus dem Angebot von Amazon Music auf Sprachbefehl hin abspielt – bisher bleibt wie bei anderen Quellen nur der Airplay-Stream vom iPhone oder iPad. Apple hat die Integration von Amazon Music und dem hierzulande eher irrelevanten Pandora für die "nächsten Monate" angekündigt – auf Spotify wird man länger warten müssen, unter Umständen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Fazit

Der Homepod Mini hat ein paar Schwächen und es fehlen Funktionen, die Apple bald nachziehen sollte. Seine Stärken sind aber unbestritten: Für seinen Preis wartet er mit einem hervorragenden Sound auf, die Integration in das Apple-Ökosystem ist nahtlos, das Design unbestritten gelungen. Vor allem aber hat das Gesamtpaket gegenüber ähnlichen Lösungen von Amazon und Google weit höhere Ansprüche an Sicherheit und Privatsphäre. Befürchtungen, sich mit einem Smart Speaker eine Wanze in das Haus zu holen, sind in Sachen Homepod (Mini) unbegründet.