Onkyo TX-8250

Reichte es zu Zeiten der Audio-CD noch, das der Hifi-Verstärker gute analoge Eingänge hatte, so sind die Anforderungen heute viel umfangreicher. An erster Stelle steht hier natürlich die Netzwerkfähigkeit, also der Zugriff auf Audio-Streaming Dienste wie Spotify und Amazon Music. Aber auch das Abspielen von Musik von einem zentralen Server im eigenen Haus, meist von einem Netzwerkspeicher (NAS) wie einer Synology DS. Als Musikfreund im Apple-Universum soll der neue Verstärker natürlich auch Airplay 2 können.

Möchte man jetzt den Verstärker aber nicht nur für die Musikberieselung in der Küche einsetzen, sondern auch zum gepflegten Musikhören, kommt noch ein weiteres Stichwort ins Lastenheft: Highres Audio. Also die Fähigkeit mit einer Musikqualität wie im Studio, mit mehr als 16Bit und 44kHz umgehen zu können.

Setzt man sich ein Limit von 600,- Euro für einen Netzwerkfähigen Verstärker, so hat man grundlegend die Wahl zwischen Stereo und Surround.

In genau diesem Preisrahmen bewegen sich der Surround Receiver Pioneer VSX-934 und der Stereo-Receiver Onkyo TX-8250. Derzeit gibt es beide Geräte sogar für unter 500,- Euro.

Ausstattung

Was bekommt man eigentlich für einen so günstigen Preis?

Die Ausstattungsliste beider Receiver liest sich jedenfalls schon einmal beeindruckend. Beim Audio-Streaming ist das neben dem Pioneer/Onkyo eigenen Multiroom-System FlareConnect, DTS Play-Fi, DLNA, Apple Airplay 2, Sonos Connect, Amazon Music, Spotify, TIDAL, Deezer und TuneIn Internet Radio.

Neben Ethernet und WLAN nehmen die beiden auch Kontakt zu einem Smartphone via Bluetooth entgegen. Sogar zwei USB-Anschlüsse gibt es, aber leider nur für FAT32 und nicht für Festplatten. An Musik-Formate werden dekodiert FLAC, WAV, ALAC, DSD, AIFF, WMA, MP3 und AAC. Das ganz mit bis zu 24Bit und 192 kHz, also Highres Audio.

Der Pionier VSX-934 überzeugt mit einer aufgeräumten Front. Trotzdem ist er direkt am Gerät bedienbar.

© Pionier

Gesteuert wird die ganze Vielfalt entweder über eine klassische Fernbedienung, wobei hier die großen Displays helfen, oder über eine Smartphone-App – bei beiden im identischen Look.

Unterschiede gibt es erst beim Radio und natürlich bei der Elektronik wie dem Verstärker. Während der Pioneer VSX-934 sich mit UKW/RDS Radio begnügt, liegt dem Onkyo ein DAB+-Dongle bei. Auf der Elektronik-Seite protzt der Pioneer mit sieben Kanälen mit je 170 Watt und den üblichen Surround Audio-Formaten wie Dolby Atmos und DTS:X. Natürlich gibt es auch 4K-Unterstützung an den HDMI-Ports und ein Upscaling.

Das große Display ist praktisch bei der Bedienung über die Fernbedienung.

© Pionier

Der Onkyo TX-8250 richtet sich direkt an Stereo-Hörer mit seinem hochwertigen 384-kHz/32-Bit-DA-Wandler und hat sogar einen Phone-Eingang für einen Plattenspieler. Der Verstärker leistet „nur“ zweimal 135 Watt.

Klassisches Verstärker-Design das keine Fragen aufwirft. So ist der Onkyo auch direkt am Gerät einfach zu bedienen. Neben schwarz, gibt es den TX-8250 auch in Silber.

© Onkyo

Nutzt man den TX-8250 beispielsweise für das Abmischen von Videos am Schnittrechner und auch zum gepflegten Musikhören im gleichen Raum, ist der Anschluss für den zweiten Lautsprecher sehr praktisch.

Auf der Rückseite finden sich für moderne Verstärker viele wichtige Anschlüsse. Neben Eingängen für USB, Ethernet und WLAN, alleine vier digitale Eingänge.

© Onkyo

Was sie wieder beide haben, ist der Pure Audio Modus, bei dem alle „Klang-Verbesserer“ abgeschaltet werden. Also für den „reinen“ Klang. Und genau in diesem Modus teste ich die zwei Receiver für Euch.

DTS Play-Fi und Google Chromecast

In einem Punkt heben sich Pioneer und Onkyo von den Mitbewerbern ab, sie unterstützen DTS Play-Fi und Google Chromecast . Der Vorteil liegt darin, dass man als Hardwarehersteller nicht für jeden Streamingdienst eine eigene Unterstützung einbauen muss. So klingt sich beispielsweise Qobuz über DTS Play-Fi ein. Wie das funktioniert, ist einfach erklärt: In der DTS Play-Fi App konfiguriert man alle Streamingdienste, die man verwenden möchte und steuert den Verstärker dann komplett über die DTS Play-Fi App. Die App von Pioneer oder Onkyo braucht man dann eigentlich nicht mehr.

Neben dem von mir getesteten Qobuz, sind unter anderem auch Amazon Music, Spotify und Tidal mit dabei. Eine vollständige Liste gibt es auf https://play-fi.com/de/ .

Positiv an DTS Play-Fi ist auch die Multiroom Unterstützung und Highres-Audio bis 24Bit/192kHz. Darüber hinaus ist eine laufende Musiksteuerung auf einem iOS-Gerät auch auf dem Sperrbildschirm möglich. Das Userinterface könnte allerdings übersichtlicher sein und eine Highres-Audio-Wiedergabe hat beim TX-8250 nicht geklappt. Für Highres-Audio muss man dann auf DLNA ausweichen.

Google Chromecast hat einen anderen Ansatz und tritt in Konkurrenz zu Apple Airplay und DLNA. Es ist also eine Möglichkeit Musik im lokalen Netzwerk zu streamen. Am Beispiel der macOS-App von Qobuz erklärt, muss Qobuz weder Apple Airplay noch DLNA lizenzieren und nutzt stattdessen das in Pioneer und Onkyo eingebaute Google Chromecast. Was für die Entwickler von Apps einfach ist, gestaltet sich aber in der Umsetzung nicht ganz überzeugend. So ist die Reaktionszeit auf Befehle über Google Chromecast sehr viel langsamer – um nicht zu sagen schlicht unerträglich langsam – im Vergleich zu Apple Airplay und DLNA. Des Weiteren wird kein Highres-Audio unterstützt. Es ist daher aus heutiger Sicht noch Luft nach Oben.

Soundcheck

Was einem beim VSX-934 direkt auffällt ist, dass man den Lautstärkeregler ein Stück weiterdrehen muss, um eine zu anderen Verstärkern vergleichbare Lautstärke zu erreichen. Das ist ungewohnt, hat aber nichts mit einer zu geringen Leistung zu tun, sondern mit der logarithmischen Skalierung.

Heute ist Party angesagt – Elektro-Pop von den 80zigern bis heute. Und so bringen uns die Pet Shop Boys auf Touren. „Love Etc.“ ist so ein typischer Party-Song. Sehr klar und erstaunlich hell spielt der Pioneer auf. Das ist mir schon fast ein wenig zu direkt und so gilt der erste Blick auf die Klangregler, aber nein alles auf Null. Der Bass kommt nicht wirklich überzeugend – hier sind klar unseren anspruchsvollen Piegas keine optimale Kombination mit dem Pioneer. Etwas besser schlägt sich hier der Onkyo. Sehr analytisch mit etwas mehr Bass.

Wir schwenken über zu Rock-Pop mit Depeche Mode. Live sind Depeche Mode eine Wucht, Live in Berlin spielen die Jungs wie junge Götter. „A Paint hat I´m used to“ versöhnt uns wieder mit unserer Pioneer-Kombination. Dave Gaham steht wunderbar präsent im Vordergrund, das Schlagzeug und die Gitarre treiben schön das Publikum an. Den Titel spielt man gerne richtig laut. Leider kommt man dann auch schon bald an die Leistungsgrenzen des Verstärkers, Verzerrungen sind wie immer die Folge. Das spielt der Onkyo wesentlich souveräner, bevor Verzerrungen zu hören sind, streikt der Redakteur.

Also schwenken wir weg von leistungshungriger Party-Musik hin zu Schmuse-Musik. „Big Love“ von Simply Red ist unser erster Titel aus der soften Kategorie. Sehr angenehm die Wiedergabe, schön aufgelöst die Stimme von Mick und auch die akustischen Instrumente lassen einen schön mitschunkeln. Mit mehr Schmelz und musikalischerer Interpretation zeigt uns der Onkyo, was ein auf Stereo-Musik optimierter Receiver kann. Wunderbar – hier vergisst man die Zeit.

Jetzt suchen wir etwas aus der Fraktion hoch aufgelöst in 24Bit/48kHz, das können unsere beiden nämlich auch. Diana Krall liefert uns mit „I Can´t tell you why“ genau den richtigen Titel. Wieder zuerst der Pioneer. Dianas Stimme wird sehr gut aufgelöst, man kann sehr schön mitverfolgen, wie sie mit ihrer Stimme spielt. Ihre kleine Band sitzt direkt dahinter, was ein wenig eng wirkt. Eine viel freiere Bühne zaubert der Onkyo. Bedarf es noch eines Beweises, dann ist spätestens jetzt klar, sucht man einen Receiver zum gepflegten Musikhören, ist der Onkyo eine hervorragende Wahl.

Wir beenden die Schmuse-Sitzung mit George Michaels toller Interpretation des Police-Hits „Roxanne“. Sehr hell und klar schmettert George uns "Roxanne" mit dem Pioneer entgegen, das ist schon sehr direkt. Hier spielt der Onkyo wieder in einer anderen Liga und gibt George mehr Gefühl in die Stimme. Ein wunderbarer Song zum Abschluss.

Dieser Audiotest hat wieder eindeutig gezeigt, die Wahl der richtigen Lautsprecher entscheidet maßgeblich, wie ein Verstärker perfomt. Die Piegas sind sehr anspruchsvolle Lautsprecher, aber gerade deswegen und wegen der einmaligen Hochtöner so besonders geeignet für einen Test.

Verlässt man den Pure Audio Modus, ist es kein Problem mit dem Bassregler einen volleren Sound zu zaubern. Auf der Suche nach einem vollen Sound habe ich auch ein paar andere Lautsprecher angeklemmt. Und siehe da, die mochte der Pioneer wesentlich mehr.

Die App

Pioneer und Onkyo sind aus dem gleichen Hause, das merkt man auch an der App für iOS. Sie ist für beide Geräte identisch, nur mit dem Unterschied, dass bei der einen App Pioneer und der anderen Onkyo steht.

Die Apps von Pioneer und Onkyo geben sich schwarz, sind aber dadurch nicht immer einfach zu bedienen. Es nerven gelegentliche Abstürze und teilweise verzögerte Reaktion.

© Thomas Bergbold

Der Look ist auf den ersten Blick modern schwarz mit weißer Schrift. In der Praxis ist dem Nutzer allerdings nicht immer alles sofort klar. Die Auswahl der Musikquelle sowie der Zugriff auf die Musik auf dem Server ist noch klar und einfach. Was die Benutzung etwas schwierig macht, ist die Tatsache, dass die App gelegentlich verzögert reagiert oder sogar abstürzt.

Über die App kann man sehr einfach den Audio-Modus ändern und den Ton anpassen.

© Thomas Bergbold

Ein weiterer Punkt darf bei einer iOS App eigentlich auch nicht mehr fehlen, die Musiksteuerung über den Sperrbildschirm. Das bieten die Apps von Pioneer und Onkyo leider nicht.

Fazit

Pioneer hat mit dem VSX-934 den Spagat geschafft, einen sehr preisgünstigen Surround Receiver zu schaffen, ohne auf die wichtigsten Streaming-Features zu verzichten.

Gespart wurde am Verstärker, was aber abhängig von den Lautsprechern mehr oder weniger ins Gewicht fällt. Mit meinen Piegas, hat es im Test nicht so gut harmoniert, mit kleinen Regalboxen schon eher. Im Vergleich zur Melody X aus unserem letzten Test ist der Sound etwas dünner, die Melody X ist aber auch ein klassischer Stereo-Verstärker. Wer mehr Leistung braucht und klanglich einen deutlichen Sprung machen möchte, findet in der LX-Serie von Pioneer sehr gut klingende Surround-Receiver.

Was man eindeutig sagen muss, wir haben hier mit unter 500,- Euro Straßenpreis einen absoluten Preisbrecher vor uns und das auch noch mit nicht nur zwei Kanälen, sondern mit sieben. Der Streaming-Player kann absolut überzeugen, bietet er doch nicht nur Airplay 2, sondern auch HighRes Wiedergaben bis 24 Bit und 192 kHz. Das ist schon klasse. Da kann man über den schwachen Verstärker hinwegsehen, oder greift etwas tiefer in die Tasche, beziehungsweise spendiert ihm noch einen Subwoofer.

Klanglich kann der Onkyo TX-8250 absolut punkten. Als reiner Stereo-Receiver hat er zwar auf dem Papier mit 2x135 Watt eine geringere Leistung, in der Praxis hat er meine Piegas aber viel besser im Griff und spielt sehr musikalisch auf. Für den reinen Musikgenuss ist er daher die viel bessere Empfehlung.

Die Streaming-Features sind genauso umfangreich und beeindruckend wie beim VSX-934. Schade ist nur, dass die USB-Anschlüsse kein ExFat unterstützen – auch beim Pioneer nicht. Dafür ist sein großes Plus die vier digitalen Eingänge. Zum Beispiel für Highres USB-Digital Adapter, die am Mac oder iPad angeschlossen sind.

Infos Pioneer

Modell: VSX-934
Preis: 419,- Euro
Vorteile: guter Klang, viele Streaming-Formate und Dienste, HighRes-Audio fähig, günstiger Preis
Nachteile: schwache Endstufen

Infos Onkyo

Modell: TX-8250
Preis: 475,- Euro
Vorteile: toller Klang, kräftiger Verstärker, sehr gute Ausstattung, viele Streaming-Formate und Dienste, HighRes-Audio fähig
Nachteile: keine