Fitbit Sense

Die Apple Watch hat in den letzten fünf Jahren den Markt von Smartwatches und Mittelklasse-Fitnesstracker im Sturm erobert, so muss sich fast jeder Neuzugang auf dem Markt mit der Uhr von Apple messen. Fitbit hat den Trend erkannt und bietet seit zwei Jahren eine etwas billigere Konkurrenz Fitbit Versa an. Der neue Fitness-Tracker Sense ist nun seit September auf dem Markt und überholt die Apple Watch ausgerechnet dort, wo Apple am meisten investiert: im Gesundheitsbereich.

Gesundheitliche Funktionen

Zwar hat Sense nur eine tatsächlich neue Funktion beim Start im September vorgestellt: Der EDA-Scan soll dem Nutzer helfen sich zu entspannen, gleichzeitig zeigt die Fitbit-App, wie hoch der Stress-Index ist. So richtig schlau sind wir aus dem EDA-Scan nicht geworden, die Ergebnisse werden recht versteckt in dem Achtsamkeits-Panel in der Heute-Ansicht angezeigt. Dazu muss man noch "Dein Weg" bei der Auswertung wählen, erst dann werden die Ergebnisse der Messungen angezeigt. Bei den EDA-Scans handelt es sich um die elektrodermale Aktivität der Haut, vereinfacht gesagt, der Fitbit-Tracker misst den elektrischen Leistungswiderstand der Haut, der auf die veränderte Schweißsekretion hinweisen kann.

Der Hintergedanke dabei: Je mehr Schweiß die Haut ausscheidet, desto höher ist der Einfluss-Faktor auf den Körper, dies könnte Temperatur, Bewegung und eben Stress sein. So richtig ausgereift scheint die Funktion nicht: Zum einen muss man die App auf dem Smartphone richtigghehend durchwühlen, bis man auf die Ergebnisse kommt, zum anderen sind sie weniger aussagekräftig: Wer sich zwei Minuten Zeit für den Scan nehmen kann, kann sich währenddessen entspannen, tief durchatmen und die Stressbelastung schon durch diese kurze Verschnaufpause senken. Richtig spannend wird die Messung, wenn das Gerät den Nutzer bei den unbewussten Stresssituationen warnt und eine Ruhepause vorschlägt.

Stressmessung des Fitbit Sense

Abgesehen von der Stressmessung bietet Fitbit Sense noch jede Menge anderer Gesundheitsfunktionen, die in der Kombination das Gerät ziemlich einzigartig machen: Vor wenigen Wochen hat Fitbit eine Erlaubnis in Deutschland erhalten, das EKG auszulesen, die entsprechende App findet sich mittlerweile auf der Uhr. Die Sauerstoffmessung ist ebenfalls dabei wie die gewöhnliche Herzfrequenzmessung. Fitbit Sense kann auch die Hauttemperatur des Nutzers feststellen und in der App anzeigen, doch diese Funktion hat ihre Beschränkungen: Der Nutzer muss mindestens drei Nächte die Uhr im Bett anhaben, denn die Temperatur wird nur im Schlaf gemessen. Dabei handelt es sich um die Hauttemperatur, diese kann von der Kerntemperatur des Körpers abweichen. Die Fitbit-App zeigt zudem keine absoluten Werte, sondern nur noch Abweichungen von der Norm: Beispielsweise +0,5° C, -3° C etc.

Temperaturmessung des Fitbit Sense

Auch Sauerstoffmessung kommt mit Restriktionen, es gibt keine App, wodurch der Nutzer aktiv diese Messung vornehmen kann. Fitbit Sense kann den Wert nur im Schlaf feststellen, wenn diese länger als drei Stunden dauert. Selbst das ist hilfreich, beispielsweise um Schlafapnoe festzustellen. Mehr über Sauerstoffmessung in der Medizin haben wir hier berichtet: " Blutsauerstoffmessung: Einschätzung eines Arztes ".

Always-On-Display

Eine richtig coole Besonderheit erwähnt Fitbit in seiner Pressemitteilung in einem Nebensatz: Das neue Display kann nun immer eingeschaltet bleiben, die Anzeige wird etwas dunkler dargestellt, bietet jedoch den Komfort einer analogen Uhr, mit der man keine Angst haben muss, ob die smarte Uhr die Handbewegung nach oben erkennt und die Uhrzeit rechtzeitig darstellt. Die permanente Anzeige am Display kann man direkt auf der Uhr einstellen, wenn man darauf nach links wischt und in die Einstellungen-App wechselt. Gleich oben findet sich die Display-Einstellung, tippt man darauf, muss man ziemlich weit nach unten scrollen, bis man zu der Always-On-Option gelangt. Ist die permanente Anzeige aktiviert, beträgt die Akkulaufzeit knapp zwei Tage statt gewöhnlichen vier bis sechs Tage ohne Always-On.

Wer aus Fitbit Sense eine Apple Watch machen will, soll bei den Zifferblättern "Circles" (für 2 US-Dollar) auswählen: Die drei Ringe sehen den bekannten Aktivitäts-Ringen der Apple Watch zum Verwechseln ähnlich aus.

Zifferblatt "Circles" sieht bekannt aus...

Design, Ausstattung, Akkulaufzeiten

Fitbit Sense erinnert in der Design-Sprache an einen anderen Fitness-Tracker von Fitbit – Versa, in den Abmessungen ist das neue Produkt etwas größer und bringt 40,37 mm in der Breite und Höhe und knapp 12,45 mm in der Tiefe. Die Ecken des Trackers sind abgerundeter, in der Form ist er näher einem Kreis als am Rechteck. Man kann Sense in zwei Farbvarianten haben – Schwarz und Gold, Standardarmbänder sind angepasst: Carbon für die schwarze Variante und Mondweiß für die goldene. Fitbit bietet jedoch in seinem Shop noch zusätzliche Modelle wie Sport-, Gewebe- und Lederarmbänder in unterschiedlichen Farben an. Die Ladescheibe von Sense unterscheidet sich von denen beigelegt bei Versa, man kann sie also nicht in Wechsel verwenden. Ein Novum ebenfalls: An dem kleinen iPhone-Netzteil mit 5V wollte Sense nicht mehr aufladen, wir haben nur noch eine Warnung bekommen, dass die Uhr womöglich sehr langsam auflädt. Erst an einem größeren Netzteil von iPad Mini mit 10 Watt hat die Uhr nicht mehr gemeckert. Ein eigenes Netzteil liefert der Hersteller traditionell nicht. Fitbit Sense kostet direkt beim Hersteller 329 Euro, die Straßenpreise sind um knapp zehn Euro niedriger.

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Fazit

Klar, Fitbit Sense bietet übliche Fitness-Funktionalitäten wie es auch Fitbit Versa und Ionic tun ( ausführlicher Bericht findet sich hier ), auch Benachrichtigungen vom Smartphone werden gespiegelt. Der Hersteller behält hier eine Besonderheit, dass sie nicht automatisch freigeschaltet werden, sondern der Nutzer soll nach ein paar Tagen Nutzung in den Einstellungen der App nachschauen, welche App-Benachrichtigungen die Uhr bereits erkannt hat und in Zukunft zustellen kann. Fitbit will aber mit Sense eindeutig in den medizinischen Bereich vorrücken, die Fülle an Sensoren und Auswertungen macht den Tracker zu einem abgespeckten aber dennoch Gesundheitslabor eines Menschen. Bleibt natürlich die Frage, was der einzelne Nutzer aus den ganzen Messungen verstehen kann, aber die stellt sich auch bei anderen Gadgets, die gleiche oder ähnliche Gesundheitsfunktionen anbieten.