Fahrradnavigation mit iPhone und Komoot, als Halterung dient SP Connect aus dem ersten Teil unseres Ratgebers.

Sich mit dem iPhone den schnellsten oder kürzesten Weg weisen lassen, ist dank Apple Karten eigentlich kein Problem. In einer fremden Stadt zu Fuß und im Auto haben viele das schon ausprobiert, doch mit dem Fahrrad muss die App von Apple aufgeben. Die Fahrradnavigation ist zwar vorgesehen, doch in Deutschland noch ohne Funktion.

Fahrradnavigation mit dem iPhone – Teil 1

Da fragt man sich, warum nicht die Fußgänger oder Auto Navigation verwenden. Der Teufel liegt hier im Detail und dürfte direkt einleuchten, bei beidem werden Fahrradspuren nicht beachtet. Wenn also reine Fußgängerwege und für Fahrradfahrer verbotene oder gefährliche Straßen nicht in Frage kommen, muss man sich nach einer Alternative umsehen.

Normalerweise fällt einem hier sofort Google Maps ein und in der Tat bietet die App von Google auch eine Fahrradnavigation an. Google Maps ist aber nicht der einzige Service, ein anderer bei Outdoor-Freunden beliebter Service ist Komoot aus Deutschland.

Google Maps

Google bietet ein umfangreiches Kartenmaterial mit einer nicht ganz so einfachen Routenplanung. Wer aber einfach nur ein Ziel eingibt und sich auf dem schnellsten Weg dorthin navigieren lasen möchte, findet in Google Maps eine einfache Lösung. Die Routenführung ist gut und findet auch meist die richtigen Fahrradwege. Aber nicht immer und so kann es sein, dass eine mögliche kürzere Strecke nicht genommen wird, weil Google den Fahrradweg noch nicht kennt. Oder weil Google einem keinen Schotterweg zumuten möchte.

Wer sich in der Stadt navigieren lassen möchte, findet in Google Maps eine von dem Datentransfer abgesehen gute Navigationslösung. Soll es aber eine Reise mit dem Fahrrad sein oder eine Tour mit dem Mountainbike in die Natur, muss man sich nach geeigneteren Lösungen umsehen. Zum Beispiel Komoot.

Komoot

Komoot bietet Inspiration für Touren, ist ideal für die Routenplanung und eine Navigationslösung mit Web-Zugang und App.

© Thomas Bergbold

Komoot ist mehr als eine einfache Navigationslösung für Fahrradfahrer. Genaugenommen ist Komoot eine Community zum Austausch von Routen und lohnenden Zielen, die auch als Grundlage für die eigene Routenplanung dienen kann. Neben „normalen“ Fahrradfahren werden auch die Fahrradsportarten Mountainbike, Rennrad, Bikepacking (Fahrradreisen), sowie Laufen und Wandern unterstützt.

Eine auf die jeweilige Sportart optimierte Routenführung sowie angepasstes Kartenmaterial sorgt für eine optimale Navigation.

Neben dem Zugang über einen Web-Browser stellt Komoot auch eine App für das iPhone zur Verfügung. Kooperationen mit GPS-Herstellern wie Garmin und TwoNav sorgen für eine Verknüpfung zu deren Navigationsgeräten.

Der Einstieg

Um Komoot nutzen zu können, benötigt man einen Account. Dieser erst einmal kostenlos, Kosten entstehen erst durch zusätzliche Dienste. Am Web-Browser lassen sich mit dem kostenlosen Account beispielsweise Routen planen, importieren und analysieren. Ebenso kann man in den vielen Vorschlägen der Community stöbern, um Anregungen für eigene Touren zu finden.

Ein Obolus ist erst zu entrichten, wenn man die Navigation einsetzen möchte. Hier gibt es zwei Modelle Komoot Maps und Komoot Premium. Bei Komoot Maps kauft man Karten oder Pakete von Karten, zum Beispiel eine Einzelregion für 3,99 EUR, ein Regionen-Paket für 8,99 EUR oder das Weltpaket für 29,99 EUR. Ein neuer User bekommt zum Start die erste Einzelregion geschenkt, ansonsten handelt es sich um Einmalzahlungen mit keinen weiteren Kosten. Mit den Komoot Maps ist dann neben einer Turn-by-Turn-Sprachnavigation, die Navigation ohne Internetzugang auf dem iPhone, sowie auf Geräten wie Apple Watch und GPS-Geräten möglich.

Komoot Premium bietet Features, die für Poweruser interessant sind. Das sind ein Mehrtagesplaner, sportspezifische Karten, die beispielsweise für Mountainbiker mehr Informationen zur Strecke bieten, die Wetterbedingungen vor dem Tourstart, ein Live-Tracking mit Echtzeitinformationen zum eigenen Standort für Freunde und Familie, eine Versicherung für die Ausrüstung und bei Pannen sowie Rabatte bei Shops.

Ein besonderes Feature der Premium-Version sind die eigenen Collections. Sie sorgen für Ordnung und Struktur, wenn man viele Touren plant und organisieren möchte.

Organisation ist alles. Die eignen Touren, Höhepunkte, die man markiert hat und Collections, die man gut findet, hat man im schnellen Zugriff. In der Premium-Version hat man hier noch die Möglichkeit, eine eigene Struktur zu schaffen.

© Thomas Bergbold

Unsere erste Tour

Eine große Anzahl an fertigen Touren zum Nachfahren findet man im Menü „Entdecken“.

© Thomas Bergbold

Für die Planung von Touren bietet Komoot viele nützliche Funktionen. Beim Start von Komoot landet man zunächst im Menü „Entdecken“. Hier kann man entweder direkt eine Sportart auswählen und den Ort eingeben, um passende fertige Touren zu finden, oder man lässt sich von dem darunter stehenden persönlichen Inspirations-Feed inspirieren. Dieser wird gespeist aus Inhalten von abonnierten Profilen, Collections, die von der Redaktion oder Sponsoren erstellt wurden, sowie von einem intelligenten Algorithmus. Der intelligente Algorithmus wertet dabei neben dem Standort auch die Lieblingsaktivitäten aus. Als Basis für diese Empfehlungen werden Informationen aus dem OSM Kartenmaterial und der Community ausgewertet.

Der Routenplaner ist sehr übersichtlich gestaltet. Die Höhepunkte sind perfekte Wegpunkte für die Planung der eigenen Route.

© Thomas Bergbold

Wer keine Inspiration benötigt, kann auch direkt in das Menü „Routenplaner“ gehen. Die erste wichtige Angabe ist die Sportart, zum Beispiel Mountainbike. Zur Wahl steht hier mit oder ohne Motor. Start- und Endpunkt der Tour lässt sich dann intuitiv über die Karte auswählen oder per Texteingabe eingeben. Das ist sehr übersichtlich gemacht und bei der Routenplanung helfen vorwiegend die vielen zur Verfügung stehen Highlights (POIs).

Die Routenplanung ist eines der Highlights bei Komoot. Mit einer ausführlichen Übersicht der geplanten Route und wichtigen Information zu den Wegen ist man bestens vorbereitet.

© Thomas Bergbold

Am Ende bekommt man eine individuelle auf die Sportart optimierte Route mit detaillierten Angaben zur Entfernung, den Höhenmeter und der Wegbeschaffenheit. Sehr informativ ist auch das Höhenprofil, das einem genau anzeigt, wo auf der Strecke welche Steigungen oder Gefälle auf einen warten. Weitere Highlights lassen sich mit einem Klick der Tour hinzufügen oder der Routen-Verlauf lässt sich per Drag-and-Drop verschieben. Tipps erleichtern einen die Bedienung.

Die Routenführung überzeugt mit einer übersichtlichen Darstellung, Sprachansage und einem hervorragenden Routen-Ergebnis.

© Thomas Bergbold

 

Empfehlung

Komoot macht es einem einfach eine passende Tour für einen Ausflug zu finden oder eine eigene Tour von Grund auf zu erstellen. Durch die große Community und die dadurch verbundene große Datenbasis kann Komoot gerade in Europa voll überzeugen.

Die von den Nutzern angelegten Höhepunkte mit Bild und Text erleichtern es einem eine eigene Tour zu planen. So hat man nicht nur optisch einen Hinweis auf das, was man erwarten kann, sondern auch durch die textliche Beschreibung. Wichtige Hinweise zu Wegbeschaffenheit, Zugangsbeschränkungen oder in der Premium-Version dem Wetter, sorgen für weniger Stress bei der Planung und mehr Freude bei der Tour.

Aber nicht nur das Erstellen eigener Touren überzeugt auf der ganzen Linie – es ist sogar viel besser als beispielsweise Garmin Basecamp und TwoNav Land – sondern auch die Inspirationen anderer Nutzer, Tourismusbüros oder von Komoot selbst.

Hat man die passende Tour gefunden oder erstellt, geht es an die Navigation. Hier stellt man dann nicht nur fest, dass Komoot meist den besten Weg gefunden hat, sondern auch, dass das Navigieren mit dem sehr aufgeräumten Bildschirm und die rechtzeitige Anweisung zum Kinderspiel wird. Komoot hat uns aber nicht nur in Verbindung mit dem iPhone sehr gut gefallen, sondern auch als Planungstool für GPS-Geräte. Mehr dazu in einem der nächsten Artikel zur Fahrradnavigation.

Durch die sehr attraktive Preisstruktur von Komoot, angefangen mit einem großen Funktionsumfang der Freemium-Version, ist die Einstiegshürde sehr niedrig und das Suchtpotential für aktive Radfahrer sehr hoch.

https://www.komoot.de/discover

Note: 5 Sterne

Vorteile: hervorragendes Planungstool, ausgezeichnetes Routen-Ergebnis, attraktive Preisstruktur, viele Hilfen wie Highlights und Inspirationen, aktive Community

Nachteile: Collections nur bei Komoot Premium