Security-Kameras der Anker-Marke Eufy

Nein, der Kater mag die Kamera nicht. Was soll das auch, der kleine weiße Zylinder mit schwarzem Kopf, der nur auf den ersten Blick wie R2D2 aussieht und auch nicht piept, aber in seinem Weg von der Terrasse ins Wohnzimmer steht und der den Kopf nach ihm dreht und dabei surrt? Als Kater macht man das Naheliegende: Fauchen und nach dem seltsamen Gebilde schlagen .

Die Kamera Eufy Indoor Cam 2K mit Schwenk-Neige-Funktion steht für unseren Test zwar nur locker auf dem Fensterbrett – man kann sie mit einer beiliegenden Halterung und den passenden Schrauben und Dübeln auch fest montieren – verträgt die Tatzenhiebe aber stoisch und mit nur einer geringen Auslenkung. Da die Kamera nicht zurückfaucht oder schlägt, verliert das Tier rasch das Interesse an ihr, weitere Streitfälle kamen bei unserem Test nicht vor.

Was ist denn das? Erst einmal anfauchen.

Haustiere und Personen voneinander getrennt betrachtet

Das wäre aber das Ziel gewesen, zumindest teilweise. Denn die günstigen Kameras von Eufy versprechen nicht nur Haustiererkennung – es gelingt der Software auf dem Gerät auch, Personen von Haustieren zu unterscheiden und die Push-Meldungen entsprechend auszugeben – sondern auch, Haustiere oder gegebenenfalls Eindringlinge bestimmt anzusprechen.  Das soll im Prinzip so funktionieren: Man definiert einen Aktivitätsbereich (oder mehrere davon), wenn sich darin etwas regt, kommt entweder eine blecherne, vom Computer genierte Ansage: "Hey! Was machen Sie – dort?" oder eine selbst definierte und eingesprochene. Wir erklären den Esstisch zu einer Tabuzone für das Tier und nehmen einen Spruch wie "Runter vom Tisch!" auf – für den sich der vierpfotige Mitbewohner aber auch sonst nur interessiert, wenn man ihn mit einer Aktion des Verscheuchens begleitet. So war die Hoffnung relativ gering, dass sich der Kater von der Kamera beeindrucken lässt – aber geklappt hat der Haustieralarm im Test ohnehin nicht.

So sieht die Kamera die Kampfszene

Im eingangs beschriebenen Fall stellen wir auch fest, dass sich die Aktivitätszone mit der Kamera mitbewegt, sie ist also fest an die Koordinaten des aufgezeichneten Bildes gekoppelt, die Umgebung erkennt die Kamera nicht wirklich. Und auch der liebevolle Spruch "Runter vom Tisch!" ertönt nicht, als sich die Katze vor die Kamera in Kampfposition begibt, sondern der Standard: "Was machen Sie dort?" Ja, kämpfen, was soll ein Kampfkater schon anderes machen?

Eufy Indoor Cam 2K bei Amazon (39,99 Euro)

Zwei unterschiedliche Kameras haben wir im Test, neben der im Video gezeigten 2K-Indoor-Kamera mit beweglicher Optik noch eine mit feststehender, die Eufy Indoor Cam 2K – die uns auch ein wenig sinnvoller für den Test mit dem Aktivitätsbereich erscheint und derzeit auch lieferbar ist, im Gegensatz zur Kamera mit Schhwenk-Neige-Technik. Das Problem nun: Die auf dem Schrank stehende Kamera registriert zwar sehr wohl Bewegungen und zeichnet das Geschehen auf, nicht aber die des Katers, wenn er mal wieder verbotenerweise auf dem Tisch Platz nimmt. Wir rücken die Kamera näher heran – leider auch dann keine dringliche Ansprache an den auf den Tisch springenden Kater.

Vielleicht klappt es mit Hunden besser? Größer und gehorsamer?

Kein Akkubetrieb

An den neuen Standort müssen wir erst einmal Strom legen, Akkus bringen die Kameras keine mit. Testweise schließen wir eine voll geladene Anker- Powerbank mit 5000 mAh an, diese ist zwölf Stunden später nur noch zu einem Viertel voll. Kein Wunder, so wie wir im Test die Eufys beanspruchen, die App gibt uns sogar als Warnmeldung getarnte Tipps, wie wir die Aufzeichnungen reduzieren können. Das lässt sich etwa mit den Einstellungen der Modi bewerkstelligen, seit einiger Zeit kennt die App Eufy Security auch Geofencing – wenn wir mitsamt iPhone das Haus verlassen, schaltet sich die Kamera im Modus "Abwesend" erst ein und beendet die Überwachung wieder bei Heimkehr. Etwas überraschend: In der Voreinstellung für "Abwesend" ist ein Alarm bereits aktiviert, was Familienmitglieder samt Haustier überrascht. Der Alarmton ist aber nicht wirklich laut, potentielle Eindringlinge ließen sich davon kaum abschrecken. Da haben wir schon Lauteres gehört – zudem endet das Getute, sobald man das USB-C-Kabel der Stromversorgung abzieht.

Die Einstellung der Modi ist zwar pro Kamera möglich, aber ein wenig unerwartet über die Zentrale der Eufy Security App, wir mussten ein wenig suchen. Schön aber: So lassen sich Zeitpläne für die Aufzeichnung wunderbar definieren, und zwar mit Alarm ("Abwesend") oder auch ohne ("Zuhause"). Eine kontinuierliche Aufzeichnung lässt sich ebenso einstellen, die microSD (bis zu 128 GB) wird dann aber recht schnell voll und muss wieder beschrieben werden, was ihre Haltbarkeit verringert.

Aufnahmen auf Karte, NAS oder in der Cloud

Die Aufzeichnungen landen auf drei verschiedenen Medien: Auf microSD, die man aber extra kaufen muss, auf dem NAS im eigenen Netz (falls vorhanden) oder auf der Cloud des Herstellers. Die ersten 30 Tage sind kostenlos, dann verlangt Eufy im Basis-Plan  pro Gerät 2,99 US-Dollar im Monat oder 29,99 US-Dollar im Jahr, Daten werden 30 Tage lang vorgehalten und nach und nach überschrieben. Ein Premium Storage Plan kostet 9,99 US-Dollar im Monat oder 99,99 US-Dollar im Jahr, gilt für bis zu 10 Kameras, die Daten werden auch hier 30 Tage vorgehalten. Die Server stehen in Europa, unterliegen also europäischem Datenschutzrecht.

Daten selbst zu speichern, ist natürlich die beste Möglichkeit, die Privatsphäre zu wahren. Wird diese aber verletzt, sind auch die Daten samt Kamera schnell verschwunden, zumal die Eufy Cams sehr kompakt und leicht sind – und mit einem festen Griff aus der Wandhalterung gerissen. Ein NAS im eigenen Haus bringt nur bedingt mehr Sicherheit. Wer Eufy keine verschlüsselten Daten auf seinen Servern anvertrauen will, hat noch die Möglichkeit, die Kamera in Apples HomeKit einzubinden, mit allen von Apple versprochenen Vorteilen, was die sichere Datenspeicherung in der iCloud betrifft. Aber auch hierfür muss man extra Speicher kaufen, falls noch nicht geschehen – und verliert vor allem die ein oder andere Funktion. Denn die Unterscheidung zwischen Person, Haustier, Sonstiges sowie Einrichten der Aktivitätszonen erledigt dann Apples KI und nicht mehr die auf der Kamera, die Auflösung sinkt auf 1080p. Ab iOS 14 soll dann aber noch eine echte Gesichtserkennung hinzukommen – das mit dem Haustieralarm funktioniert ohnehin nicht so wie geplant. Die Eufy Cams lassen sich auch in die Smarthomeumgebungen von Amazon/Alexa und Google Assiustant einbauen – hier nicht getestet.

Ausreichende Bildqualität

Wie der Name schon sagt, zeichnen die Kameras mit einer 2K-Auflösung auf, 1920 mal 1080 Pixel, im Live-Stream ist die Auflösung niedriger, je nach verfügbarer Bandbreite passt die Software den Stream an. Die Bildqualität ist in Ordnung, aber nicht überragend. Das Nachtbild immerhin lässt gut Details erkennen. Die Eufy Cams lassen sich auch als Gegensprechanlage nutzen, beim Zwei-Wege-Audio stellen wir nur recht geringe Latenzen fest. Natürlich lässt sich die für 49,99 Euro angebotene Kamera auch aus der Ferne schwenken (fast 360 Grad) und neigen (100 Grad). Die Empfindlichkeit der Sensoren ist in fünf Stufen regelbar, auch auf Geräusche reagiert die Kamera auf Wunsch, startet eine Aufzeichnung und schickt einen Push über App. Hier verspricht die Kamera, auch als Babyfon zu dienen und per KI etwa nur auf Weinen zu reagieren und nicht auf jedes Geräusch. Haben wir nicht getestet, der Kater schnurrt manchmal, wenn er nicht faucht, Weinen gehört aber nicht zu seinem Repertoire.

Fazit

Die beiden Indoor-Security-Cams von Eufy überzeugen vor allem durch ihren Preis von 40 respektive 50 Euro. Dazu muss man aber noch die Kosten für eine microSD einkalkulieren, für das NAS oder für den Onlinespeicher. Bild und Ton sind für den Preis von guter Qualität, wenn auch nicht überragend. An der KI muss der Hersteller aber offenbar noch arbeiten – und wir an der Gehorsamkeit des Haustiers.