Für Touren über Stock und Stein geeignet - und dennoch straßentauglich

Für ein anständiges Rad ohne Motor gebe ich persönlich in der Regel bis zu 2000 Euro aus – ich bin Vielfahrer und nicht gerade ein Leichtgewicht. Die Pedelecs (manche sagen E-Bike dazu), die ich für mich bisher in Betracht gezogen habe, stehen in der Preisklasse daher auch über 3000 Euro – es soll ja auch ein vernünftiger Motor sein, ein starker Akku und ein vernünftiger Computer am Lenker, den man im Idealfall auch gleich mit dem iPhone oder einem anderen Smartphone verbinden kann. Kurz: meine Ansprüche an Fahrräder mit und ohne Motor sind höher, zur Zielgruppe des E-Mountainbikes für attraktive 1300 Euro gehöre ich daher nicht.

Auf das Netuno des chinesischen Herstellers Eskute bin ich dennoch gespannt. Hält mich das Gerät überhaupt aus? Bringt mir der Motor etwas auf den Strecken, die ich gerne in der Freizeit nehme? Ist es bequem, sicher und gut zu fahren? Woran hat der Hersteller gespart? Und vor allem: Für wen ist dieses Fahrrad geeignet? Die Antworten sind komplex.

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Eskute Netuno E-Mountainbike

Hersteller:

Eskute

Vorzüge:

Robust und einfach, günstiger Preis, unisex und sehr variabel in der Größe, gutes Werkzeug im Lieferumfang, große Zuladung möglich

Nachteile:

Heckmotor greift spät ein, sparsame Ausstattung, Companion-App recht spärlich, unbequeme Griffe

Wertung:

3,5 von 5 Sternen

Preis (UVP):

1.299 €

 

Der erste Eindruck

Eskute erklärt die recht niedrigen Preise für seine Pedelecs ( konsequent E-Bikes genannt , obwohl das an sich eine andere Fahrzeugklasse wäre) mit seinem "Direct-to-Costumer-Geschäft" - also Direktvertrieb über seine eigene Website oder Händler wie Amazon. Das Fahrrad kommt im Sperrgutkarton aus Polen und ist teilweise vormontiert, der Rest gelingt aber dank des mitgelieferten Werkzeugs ohne Probleme. Transportsicherung aus der Vordergabel raus, Vorderrad rein, Lenkervorbau aufgesetzt und den Lenker, an dem die Bremsen bereits montiert waren, angeschraubt. Der LCD-Bildschirm ist in den Vorbau eingelassen, diesen muss man nur noch an das Kabel am Lenker anschließen und zuletzt noch das Vorderlicht anschrauben. Selbst ein Ständer ist dabei, doch ist es entweder der für ein anderes Eskute-Modell oder es fehlt an einer Adapterplatte, jedenfalls lässt er sich so nicht an den Rahmen anschrauben. Aber hey, ein Sportrad mit Ständer? Ich muss ohnehin an Gewicht sparen, denn das mit Akku 28,8 Kilogramm schwere Rad lässt nur maximal 125 Kilogramm Zuladung zu, also Fahrer samt Gepäck und Trinkflasche.

Akkus sind nicht gerade leicht, der hier ist aber leicht entnehmbar.

Der Akku fasst nach Herstellerangaben 522 Wattstunden an Energie und ist in das Unterrohr eingelassen. Man kann ihn aber entnehmen (und auch abschließen), sodass man ihn überall aufladen kann. Der Sattel ist recht weit in der Höhe verstellbar, Eskute gibt für die Größe der Fahrer:innen des Unisex-Modells mit 27,5-Zoll-Reifen 165 bis 195 cm Körpergröße an. Den Lenker kann man hingegen in der Höhe nur mäßig verstellen. Ich finde aber eine ergonomisch halbwegs passende Einstellung für mich.

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Die App – schlicht, aber hilfreich

Sofort nach dem Einschalten des Fahrrads über eine der beiden Tasten unterhalb des Displays fällt die spartanische Ausstattung des Computers auf: Nur die Stufe der Unterstützung (0 bis 5) ist zu sehen und die aktuelle Geschwindigkeit - die auf der Anzeige nicht selten auf 0 km/h zurückfällt, wenn man nicht tritt. Ein wenig mehr Informationen bekommt man über die Companion-App, die immerhin die Gesamtkilometer ausweist und die der aktuellen Tour, die man auch mit einem Tipp aufzeichnen kann. Ein Nachfragen beim Service wegen einer zunächst fehlgeschlagenen Registrierung, hat dieser innerhalb von 24 Stunden beantwortet. Einstellen kann man in der App noch die Helligkeit des Displays, zudem lässt sich das Fahrrad mit einem Passwort sichern. Bringt man das iPhone damit in die Nähe, entsperrt es sich, was aber nur bedeutet, dass Motor, Display und Licht funktionieren. Um ein stabiles Fahrradschloss sollte man sich noch selbst kümmern. Was die App auch noch kann: Beliebig zwischen den Unterstützungsstufen wechseln, das geht mit Knopf nur in eine Richtung.

Die Helligkeit des Displays lässt sich einstellen, unterschiedlich für Tag und Nacht. Die dargestellten Daten sind recht schlicht.

Während unseres Tests nutzen wir für die Vermessung unserer Touren entweder Bordmittel des iPhone oder Apps wie Strava und Komoot, für eine Befestigung für unser Telefon ist am Lenker viel Platz – denn eine Klingel müssen wir uns nicht zulegen, die ist nahe dem linken Bremsgriff montiert.

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Die besten E-Bikes 2022: Trekking- und Mountainbikes

Die ersten Fahrten: Erst in den Wald …

Ab auf die erste Tour, mit auf 3 Bar aufgepumpten Reifen. Der Heckmotor von Bafang, der laut Hersteller bei einer maximalen Leistung von 250 Watt (mehr ist für ein Pedelec nicht erlaubt), ein Drehmoment von 45 Newtonmeter auf das Hinterrad gibt, setzt erst bei einer Geschwindigkeit von etwa 5 bis 6 km/h ein - das irritiert ein wenig, an der Ampel kommt man erst mal nicht schneller weg als mit dem Radl ohne Motor. Das erklärt sich aus Sicherheitsgründen, sagt der Hersteller, erst nach einer vollen Drehung der Kurbel setzt die Unterstützung ein. Dann schiebt er aber kräftig an, gerade im Geschwindigkeitsbereich bis 20 km/h. Danach wird es interessant – dazu später mehr. So richtig merkt man den Schub aber nur in den beiden höchsten der fünf Unterstützungsstufen, die man mit einer der beiden Tasten unterhalb des Displays nur in eine Richtung schalten kann, also dann von fünf direkt auf null. Das gefällt gar nicht, wenn der Schub von hinten plötzlich fehlt.

Bei geringem Tempo muss man gar nicht mal treten, 6 km/h fährt das Fahrrad auch von allein, wenn es mal Schub bekommen hat. Bevor es aber in den Wald auf die Endmoräne geht, erst mal die Bremsen getestet: Die Scheibenbremsen sind mechanisch, hier hat der Hersteller ebenfalls gespart. Hydraulische Scheibenbremsen findet man erst in höheren Klassen. Ich habe aber keine Probleme mit den Bremsen, das Bremsgefühl ist gut, recht präzise lässt sich das Netuno zum Stehen bringen.

Das Naherholungsgebiet der Aubinger Lohe hat bereits Einzug in das Feature "Umsehen" in Apple Maps gefunden - Mountainbiken ist zwar etwas Anderes, als über die Hügel zu fahren, die sich maximal 35 Höhenmeter vom Waldesrand abheben, aber einige der Anstiege sind recht steil, wenn auch nur kurz.

Recht flott für die Strecke über Stock und Stein, bergauf und bergab. Der Puls bleibt auch noch recht niedrig.

Und mit Motor? Ja, aber in anderer Hinsicht. Ich muss gewissermaßen das Treten neu konzipieren, denn im Leerlauf schaltet sich der Heckmotor ab, wie es bei dieser Bauart üblich ist. Das lässt sich in der Ebene prima als eine Art Motorbremse nutzen. Bergauf um die Kurve herum ist das natürlich fatal, wenn in der größten Steigung plötzlich die Power fehlt. Also immer strampeln – und zurückschalten. Bei Mittelmotoren, deren Sensorik weit präziser reagiert und in der Ebene ist es beinahe egal, ob das Radl neben dem in Stufen zuschaltbaren Motor noch eine Schaltung bietet. Hier jedoch nicht – eine Mindesttrittfrequenz ist für die Unterstützung vonnöten. Hat man den siebten Gang eingelegt und Motor schaltet sich ab, weil man zu treten vergisst, sind 15 Prozent Steigung plötzlich wieder so unangenehm, wie sie es ohne Motor sind. Auf zwei Vergleichstouren durch die Aubinger Lohe mit leicht unterschiedlicher Strecke bin ich im Schnitt mit dem E-Mountainbike zwei km/h schneller, sehr schön. Noch schöner: der maximale Puls bleibt weit von den Werten entfernt, den Ärzte empfehlen. Sie wissen ja: 220 bpm minus Lebensalter. Das ist maximaler Spaß bei der Bewegung an der frischen Luft. Sich für einen vernünftigen Trainingseffekt bergauf wieder heftig quälen – das kommt wann anders wieder.

Tipp: Eskute hat brandneue E-Bikes rausgebracht, die anstelle eines Heckmotors über einen Mittelmotor verfügen. Wer es angenehmer findet, mit einem Mittelmotor angetrieben zu werden und nicht so häufig schalten möchte, der sollte sich für das teurere E-MTB mit Mittelmotor entscheiden.

Im Test: Eskute Netuno E-Mountainbike mit Heckmotor (mit Gutschein: pcwelt989)

Eskute Netuno Pro E-Mountainbike mit Mittelmotor (mit Gutschein: pcwelt989)

Vor dem Seerosenteich in der ehemaligen Tongrube mit ihren recht steilen Rändern.

… und dann Pendeln

Wie eingangs erwähnt, ist das Eskute Netuno auch für die Straße zugelassen, das Vorderlicht bezieht seine Energie vom Akku, hinten an das Sattelrohr kann man ein mitgeliefertes Batterielicht anbringen. Also, ab in Arbeit, im großzügigen Fahrradkeller ist immer Platz.

Auf der Ost-West-Strecke hängt mein Durchschnittstempo von den Windverhältnissen ab und noch mehr von der Verkehrslage auf den engen Radwegen. Die vielen Ampeln nivellieren den Unterschied. Für den Test nehme ich den Rückweg aus dem Büro, mit ähnlichen Windverhältnissen (kaum eine Brise) und Verkehr (früher Abend, noch etwas vor der Rushhour). Mit dem Netuno bin ich im Schnitt nur 20,6 km/h schnell, mit meinem Stadtrad (Diamant Elan, ohne Motor) waren es am Tag davor auch schon 20,3 km/h über eine Strecke von etwa 15 Kilometern. Neben den Ampeln bremst mich doch tatsächlich das Prinzip aus: Denn laut Gesetzgeber ist bei 25 km/h Schluss mit der Trittunterstützung, wir würden uns etwas mehr wünschen, zumindest für die Straße. Wenn der Gegenwind nicht allzu heftig wird, kann ich in der Ebene auf freier Strecke mit meinem schlanken Diamant Elan, seinen dünnen Reifen und dem damit verbundenen geringen Rollwiderstand auch noch ein Stück schneller fahren. Mit dem wuchtigen Mountainbike samt seiner Stollenreifen fällt die Beschleunigung jenseits der 25 km/h sehr schwer. Doch ist das Netuno in anderer Hinsicht eben die Wucht: Die vielen Unebenheiten der Radwege schluckt es weg wie nichts. Ist es also etwas für die Stadt, zum Pendeln und Einkaufen? Vielleicht – aber auf Dauer bräuchte man dafür besser noch einen Gepäckträger und Schutzbleche, ein Seitenständer wäre auch von Vorteil.

Das große Experiment

Zum Pendeln ist das Netuno aber eben nicht gedacht, sondern für den Freizeitsport. Kommen wir also zum eigentlichen Test, eine Freizeitrunde, teils über Asphalt, teils über Schotter, schön rauf und runter, etwa 34 Kilometer lang. Am ersten Tag mit meinem privaten Crossbike von Trek, tags darauf dann die Kontrollrunde mit dem E-Mountainbike. Teilweise überschneidet sich die Testrunde mit der des Zeitfahrens der Europameisterschaft im August 2022, bei der die Profis eine Runde um Fürstenfeldbruck drehen. Dabei nehmen sie gleich nach dem Start einen recht kräftigen Anstieg, nach etwa acht Kilometern geht es wieder steil den Berg runter - und dann über die Staatsstraße von Jesenwang zum Kloster Fürstenfeld zurück. Den letzten Teil nehme ich aus guten Gründen nicht unter die Räder - nur für die Profiradler sperren sie am 17. August die Schnellstraße.

Stattdessen zweimal eine angenehme Sommertour, bei noch moderaten Temperaturen und nur sanftem Wind. Der Zeitunterschied ist beträchtlich, im Ziel komme ich mit dem Netuno 15 Minuten früher an. Im Wesentlichen kommt der Zeitvorsprung bergauf zustande, in der Ebene bringt mir der Motor nur wenige Vorteile, von einem durchgängig niedrigerem Puls mal abgesehen. Sehr angenehm bei Temperaturen über 30 Grad.

An diesem Rastplatz bei meiner ersten Zwischenzeit werden im Sommer auch die Profis vorbeirauschen, deutlich flotter.

Was mir schon bei den ersten kurzen Trainingsrunden auffällt: Mag die Ergonomie in Ordnung sein und auch der Sattel nicht unbequemer als bei den anderen von mir genutzten Rädern – der Lenker ist es nicht. Ohne Handschuhe, die wenigstens ein wenig dämpfen, sind die Griffe eher unangenehm zu greifen. Hier müsste ich nachrüsten, würde ich das Fahrrad auf Dauer nutzen - und dann auch einen Flaschenhalter montieren, für den immerhin schon Befestigungsschrauben vorhanden sind.

Meine Runde hätte ich wegen der unangenehmen Griffe aber nicht sofort wiederholen wollen, von der Reichweite hätte es gepasst. Maximal komme ich auf 75 Kilometer mit einer Ladung, stets bei Stufe vier oder fünf. Im Eco-Modus könnte man doppelt so weit kommen, aber bei den Stufen eins bis drei merke ich kaum, dass ich auf einem Pedelec sitze. Der Akku ist übrigens in gut fünf Stunden wieder voll aufgeladen. Auf längere Touren nimmt man besser das nur etwa 500 Gramm schwere Netzteil mit, nicht einen Ersatzakku, der über drei Kilo wiegt.

Fazit

Eigentlich ist es für ein abschließendes Fazit viel zu früh. Denn gerade Vielfahrer haben andere Ansprüche an ihr Material, wer billig kauft, muss oft doppelt bezahlen. Der Direktvertrieb, der den Preis niedrig hält, kommt mit einem Nachteil: Die meisten Fachwerkstätten reparieren nur die von ihnen selbst verkauften Räder, weil sie ohnehin der hohen Nachfrage kaum noch Herr werden. Fände ich überhaupt eine Werkstatt, wie lange halten die originalen Bauteile, wo kommt er Ersatz her? Diese Frage bleibt vorerst unbeantwortet.

Ein E-Mountainbike würde ich mir selbst nicht kaufen, zu sehr schätze ich beim Freizeitradeln die Anstrengung. Zum Pendeln ins Büro käme ein Pedelec schon eher infrage - das Eskute Netuno müsste man zu dem Zweck aber noch mit Gepäckträger, Schutzblechen und neuen Griffen ausstatten.

Oder man kauft zu diesem Zweck ein Trekking-Fahrrad mit Motor. Eskute hat noch diese hier im Angebot, die wir aber nicht testen konnten:

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Wo der Hersteller sonst noch spart, erkennt man auch am spartanischen Display, das lediglich die Geschwindigkeit, den Ladezustand des Akkus und die Stufe der Unterstützung anzeigt. Mit App (eine Lenkertasche für das iPhone gibt es bei Eskute als Zubehör) bekommt man nur spärlich mehr an Information.

Wer nun aber für gelegentliche Touren über Asphalt, Stock und Stein oder ins Büro in die Stadt die Reichweite erhöhen oder die Anstrengung reduzieren will, der ist mit dem Eskute Netuno gut beraten. Für 1.300 Euro erhalten Sie ein solide verarbeitetes Rad mit Heckmotor und wechselbarem Akku, der in das Unterrohr integriert ist, was sehr gefällt. Fährt man nicht jede Woche zweihundert Kilometer, wird man mit diesem E-Mountainbike länger Freude haben.

Eskute Netuno E-Mountainbike bei Eskute für 1.249 Euro (mit Gutschein: pcwelt989)

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