Melomania

Das Hauptproblem von InEar-Kopfhörern, ob sie nun völlig drahtlos sind oder mit Kabel aneinander oder sogar an das iPhone gebunden sind: Wenn sie nicht richtig in den Gehörgängen sitzen, klingen sie nicht gut.

Das war leider auch gleich unsere erste Erfahrung mit den Melomania 1 von Cambridge Audio, als wir sie direkt aus der Schachtel nahmen. Die ab Werk aufgezogenen Silikonstöpsel passten nicht zu unseren Ohren, der Klang blieb matt und dünn. Leider brachten zwei andere Paar Überzieher keine nennenswerte Verbesserung. Erst mit den ebenso mitgelieferten formbaren Schaumstoffstöpseln war das Ergebnis merklich besser – schon an der starken passiven Abschirmung gegenüber Außengeräuschen zu merken.

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Hersteller

Cambridge Audio

Produkt

Melomania 1

Preis

130,-

Vorteile

Guter Sitz, hohe Wiedergabetreue,  weit günstiger als AirPods

Nachteile

wenig druckvoll im Bass

Alternative

Airpods (2)

Doch bei True-Wireless-Hörern müssen wir immer mit Apples Airpods vergleichen. Beim Preis gewinnt Cambridge Audio schon einmal klar: 129 Euro kosten die Hörer samt per Micro-USB aufladbare Ladebox. Man vergleiche das mit den 179 respektive 229 Euro, die Apple aufruft - letzterer Preis gilt für die kabellose Ladeschachtel. Für jeweils 10 Euro bietet Cambridge Audio noch Siliconhüllen in mehreren Farben an.

Beim Klang liegen Apples Ohrhörer aber klar vorne, mit deutlicheren Bässen, klareren Mitten und saubereren Höhen – einzig die Abschirmung gegen Außengeräusche ist wegen des lockeren Sitzes nicht so deutlich.

Die Verbindung zum Abspielgerät ist bei den Melomania aber genau so gut, wenn nicht gar besser. Aus der Schachtel nehmen, in die Ohren stecken, schon hört man, dass die Ohrhörer verbunden sind und im nächsten Moment spielt auch gleich die Musik weiter – das Album, das wir zuletzt gehört hatten, mit Melomania und Airpods: "Western Stars" von Bruce Springsteen.

Einmal tippen, egal ob rechts oder links, stoppt und startet die Musik wieder, Doppeltipp rechts springt zum nächsten Titel, Doppeltipp links einen zurück. Ein langer Druck rechts macht die Musik lauter, links geht das Volumen auf die gleiche Weise dann wieder zurück. Um Siri zu aktivieren (oder einen anderen Sprachassistenten) stoppt man mit einem Tipp erst die Musik und tippt dann doppelt. Nebeneffekt beim Ausprobieren all der Funktionen: Die Melomania 1 rutschen noch ein Stück tiefer in den Gehörgang, was den Sound geringfügig verbessert, aber mit der Zeit drücken sie dann sehr in den Ohren – die Airpods tragen sich einfach bequemer.

Deshalb kommen wir auch nicht auf die Idee, die angegebenen neun Stunden Akkulaufzeit überprüfen zu wollen. Vier weitere Ladungen will die Ladeschachtel bereit halten, insgesamt kann man mit einer vollen Ladung 45 Stunden am Stück hören. Bei unseren Hörproben bemerken wir kaum einen Schwund an Ladung, hier glänzen die Melomania in jedem Fall. Die Unterstützung von Bluetooth 5 macht die langen Laufzeiten möglich und sorgt zudem für eine größere Reichweite bis zu 30 Metern. AAC und aptX lassen Musik in hoher Auflösung auf den Ohrhörer streamen – wenn man denn die Unterschiede hören könnte.

Vielleicht soll das auch so klingen, wie wir es empfinden. Selbst beschreibt Cambridge Audio das gewünschte Klangerlebnis des "Great British Sound" so: Es werde nichts weggelassen und nichts hinzu gefügt. Na gut, nochmal mit Klassik versucht: Die Unterschiede werden ein wenig kleiner, dünn kommt uns der Klang aber immer noch vor, im Vergleich zu den Airpods. Dann noch eine Eigenproduktion gehört: Akustische Gitarre, Synth-Bass in der Subkontraoktave und eine nur leicht angezerrte E-Gitarre. Vielleicht wird hier der Unterschied klarer: Der Bass dröhnt nicht so, wie wir das beabsichtigt hatten, aber die Gitarren klingen etwas authentischer und natürlicher.

Nochmal einer Stimme gelauscht: Skin von Skunk Anansie erklärt uns, dass wir nicht im Recht sind, nur weil wir uns gut fühlen (Hedonism). Die Aufnahme vom Live-Album der britischen Band klingt auf den Melomania 1 klar und sauber, vor allem Skin. Deutlich mehr Wucht haben aber auch hier die Airpods, wenn auch der Bass ein wenig überbetont ist. Ohne Bass nur Stimme und Akustikgitarre: Heather Findlay & Chris Johnson "Live at the Cafe 48", der zweite Titel "Caught i a Fold". Gut differenzierter Klag, gewiss, aber ohne Wärme und nur mit wenig Druck.

Beim Telefonieren haben wir noch eine Besonderheit: Stereo. Unsere Gesprächspartnerin hören wir auf beiden Ohren, laut, deutlich und klar. Irritierend für uns: Die eigene Stimme hören wir nur noch über Knochenleitung. Irritierend für die Gesprächspartnerin: Sie hört uns gar nicht gut auf dem Telefon. Ob die Melomania als Headset taugen, bezweifeln wir, für gelegentliche Anrufe scheinen sie durchaus geeignet.

Fazit

Die Melomania 1 von Cambridge Audio sind zweifelsohne eine Alternative zu den Airpods. Im Vergleich zu diesen fehlt es ihnen aber vor allem an Bass. Der Tragekomfort ist auch etwas geringer, der Sitz dafür besser. Wen die Nachteile nicht stören, ist aufgrund des niedrigeren Preises aber gut bedient, vor allem die Laufzeit erfreut.

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