Lagoon ANC in der Farbvariante "Traveler"

Bevor wir aber uns der Personalisierung des Klangs widmen, hören wir uns den Beyerdynamic Lagoon erst einmal in der Werkseinstellung an – und lauschen auf die aktive Geräuschunterdrückung (ANC). Der leichte OverEar-Kopfhörer liegt uns trotz Hochsommerhitze angenehm auf dem Kopf, die Schaumstoffmuscheln lassen es uns erst nach geraumer Zeit warm werden. Das hat sicher auch mit der Klimaanlage im Büro zu tun, die wir aber benötigen, um uns einen Eindruck von der ANC-Qualität zu verschaffen. Denn es sind ja gerade tiefe, brummende Töne, welche die Technik des Gegenschalls in der Lage ist, auszufiltern.

Den Kopfhörer aufgesetzt, und schon wird das lästige, aber wohltuende Brummen deutlich leiser. Die Abschirmung gegen Außengeräusche ist aber bei weitem nicht so, dass wir gar nichts mehr hören würden – so wuchtig ist der Lagoon ANC nicht. Schalten wir die erste Stufe des ANC-Systems ein, ist das Brummen nicht verschwunden – es wird aber deutlich leiser und wir hören es etwas höher, also eher als Zwitschern. In der zweiten Stufe ist noch weniger vom Brummen zu vernehmen. Die Espressomaschine hören wir gar nicht mehr den Kaffee aufbrühen, wenn ANC aktiv ist. Genau so sollte es auch funktionieren – für die nächste Bahn- oder Flugreise ist der Lagoon ANC eine Empfehlung wert. Die Ansagen wird man zwar mit dem Kopfhörer auf nicht verstehen, aber zumindest mitbekommen, dass man jetzt vielleicht besser mal den Kopfhörer abnimmt. Das Außengeräusch können wir uns aber nicht durchreichen lassen.

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Hersteller

Beyerdynamic

Modell

Lagoon ANC

Preis

399,-

Vorteile

Guter Klang, mit Profil noch verbessert, leicht, gut bedienbares Touchfeld

Nachteile

Hoher Preis

Alternative

Nuraphone

Dafür bietet uns die Touch-Steuerung am rechten Hörer neben den üblichen Funktionen wie Vor/Zurück, Lauter/Leiser und Anruf annehmen/Siri starten noch eine interessante Option: Mit einem Wisch, an dessen Ende wir den Finger auf dem Pad lassen, spulen wir die Musik (oder die Sprachnachricht oder den Podcast …) vor und zurück – das ist recht hilfreich.

Mehr Licht und Ladestrom

Im Sommer stört es zwar eher nicht, in der dunklen Jahreszeit sind ständig blinkende LEDs an Kopfhörern aber ein Ärgernis, nicht nur für die Umstehenden, sondern auch für den Nutzer selbst. Wie oft hatten wir uns schon gefragt, wo das seltsame Blinken herkommt, bis wir die Earphones als Urheber identifizierten. Beyerdynamic löst das Problem mit seiner Light Guide genannten Methode elegant, indem es die Status-LEDs in das Innere der Ohrschalen montiert hat. Dort leuchten sie an der Kante zwischen Stoffgitter und Schaumstoffschale in rot, gelb oder grün – je nach Ladezustand oder im bekannten Rot-Blau, wenn der Kopfhörer im Pairingmodus ist. Setzt man den Lagoon auf oder legt ihn wieder ab, erlöschen die Lichter sofort. Mehr Folgen haben die Beschleunigungssensoren aber nicht, die Musik stoppt also nicht, wenn wir den Kopfhörer absetzen. Interessant: Der Akku des Lagoon lädt via USB-C, was schnelleres Wiederaufladen als mit Micro-USB ermöglicht. In 15 Minuten kamen wir von 10 Prozent Ladung auf 50 Prozent, eine weitere Viertelstunde später bei 60 Prozent. Nach etwa anderthalb Stunden am iMac (900 mA) war der Kopfhörer wieder aufgeladen. Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit 45 Stunden ohne ANC und mit 24,5 Stunden mit Geräuschunterdrückung an.

Musik mit hoher Wiedergabetreue – personalisierbar

Vor allem wollen wir mit dem Lagoon ANC aber Musik hören. Und hier ergibt sich die nächste Empfehlung: Sanfte Mitten und klare Höhen, deutliche, aber nicht übertriebene Bässe. Insgesamt ein stimmiges Bild hoher Wiedergabetreue, man hat das Gefühl, dass der Mix, den wir hören, genau so von den Toningenieuren und Musikern gedacht war. Dabei haben wir den Lagoon ANC noch gar nicht einmal personalisiert.

Welche Auswirkung ein für uns persönlich abgestimmtes Klangprofil hat, stellten wir letzten Winter mit dem Nuraphone fest . Der Lagoon ANC verspricht uns ebenso eine Anpassung, macht es mit seiner Mosayc genannten Technologie aber eine Nummer kleiner. Denn während wir den innovativen Kopfhörer aus Australien nur richtig auf unserem Kopf und in den Gehörgängen platzieren mussten und den Rest die Lautsprecher, Mikrophone und die App erledigte, ist beim Lagoon ANC in der App MIY unsere aktive Mithilfe gefragt. Ähnlich wie beim Hörtest beim Hörgeräteakustiker oder dem Ohrenarzt spielt uns die App Töne unterschiedlicher Frequenz in variierender Lautstärke vor. Wenn wir was hören, müssen wir auf dem iPhone eine rote Schaltfläche drücken und diese wieder loslassen, wenn wir nichts mehr wahrnehmen. Der Test dauert etwa zwei Minuten pro Ohr, das Profil ist dann auf dem Kopfhörer gespeichert.

Die App dient der Personalisierung des Kopfhörers und der Konfiguration seiner Bedienelemente - und passt auch genau auf, wie viel wir wie laut hören. Schön.

Wie stark aber das derart erstellte Profil Einfluss auf den Equalizer nimmt, regelt man mit einem Schieber in der App. Der Hersteller empfiehlt eine mittlere Einstellung – und in der Tat gefällt uns das ganz gut. Den Regler auf Anschlag gedreht, wird der Sound aber nicht schlechter – das Nuraphone übertreibt es bei extremem Einsatz mit dem Bass – nur noch einen kleinen Tick lauter. Das ist vor allem der Unterschied, den wir zwischen "Profil aus" und Profil in "Mittel- oder Endstellung" hören: Die Musik wird ein wenig lauter und deutlicher – ohne dass wir am Lautstärkeregler geschraubt hätten.

Jedes Ohr hört anders – jedes?

Wir merken also einen Unterschied, wenn wir das Profil aktivieren. Aber wie individuell ist das? Wir machen den Blindtest mit der Kollegin, die uns letztens beim Test der zweiten Airpods-Generation verblüffte , weil sie reproduzierbar einen Unterschied hörte, wo eigentlich kaum einer sein sollte. Das Ergebnis ist interessant: Auf dem mit unserem Profil versehenen Lagoon ANC hatte sie praktisch die gleichen Hörempfindungen: In Mittelstellung ein guter Klang, wieder ausgeschaltet ein wenig dumpf und etwas leiser, in der Maximaleinstellung ein klein wenig besser als in der Mitte, aber nicht zu aufdringlich vom Sound. Das schreit nach einer weiteren Stichprobe, nun ist der Kollege dran, der sich letztens über den starken Bass des Aiwa-Lautsprecher gefreut hat. Irgendwie klingen seine Schilderungen vertraut: Ja, ohne Anpassung klingt es im Vergleich ein wenig dumpf, lauter und klarer in der Mittelstellung und noch ein wenig lauter beim Maximum, aber ohne wirklich noch besser zu werden. Unsere 18-jährige Schülerpraktikantin steuert nur noch eine kleine Variante bei: Ihren jungen Ohren, die noch den vollen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz wahrnehmen sollten, gefällt der Sound in Maximalstellung eindeutig am Besten – wohl gemerkt, wir haben mit vier Paar Ohren dem selben Profil gelauscht.

Aber drehen wir die Sache mal um und lassen den Kollegen den Hörtest absolvieren und das Profil erstellen. Selbst meint er nun, in der vollen Beimischung der Klangindividualisierung gefalle ihm der Lagoon ANC merklich am Besten, riesig seien die Unterschiede aber nicht. Dennoch hörbar in Lautstärke und Klarheit. Nun lauschen wir selbst wieder Klängen aus Berlin (Rammstein), und siehe da: Das Profil des Kollegen hat für uns praktisch keine Auswirkungen! Man muss genau hinhören, um kleine Nuancen unterscheiden zu können. Es kommt also beim Profil doch stark auf den Ausgang des Hörtests an.

Klein, faltbar und leicht, aber großer Klang!

© beyerdynamic

Fazit

In Sachen Klangqualität, Komfort, ANC und Bedienbarkeit hat uns der Lagoon ANC überzeugt. Das Klangprofil hingegen sehen wir ein wenig ambivalent: Ohne Frage hat es den Sound noch einmal verbessert, aber nur, wenn wir mit den eigenen Ohren den Hörtest absolvierten. Unterschiedliche Profile lassen sich aber nicht hinterlegen, um etwa den Kopfhörer auf mehrere Personen aufzuteilen. Dass diese ein Profil gleich empfinden, kommt eben nicht immer vor. Ohne Frage ist der Beyerdynamik Lagoon ANC ein sehr guter OverEar-Kopfhörer mit überzeugendem ANC, der Preis von 400 Euro ist aber recht sportlich.

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