Anker PowerConf C300 vs. Elgato Facecam

Wenn uns die Pandemie eines gelehrt hat, dann dass in Zeiten von Home Office eine ordentliche Webcam sehr viel Wert ist. Die in den Macbooks eingebauten Kameras sind zwar gut, aber längst nicht mehr state-of-the-art – erst mit den neuen Macbok Pro M1 Pro und M1 Pro Max kehrt 1080p ein, Macbook Air M1 und Macbook Pro M1 müssen weiterhin mit 720 p auskommen. Wer bei der Konferenz aber besser aussehen möchte, oder wer einen Mac Mini ohne Webcam benutzt, kann aus einer kleinen, aber feinen Auswahl an Webcams auswählen. Zudem sind die aktuellen Webcams mittlerweile mehr als nur einfache Kameras: Sie bieten eine variable Brennweite, automatische und manuelle Belichtung, sowie eine Personenerkennung. 

 
Wir lassen zwei Webcams von Anker und Elgato gegeneinander antreten. Wie sich die Kameras mit Facetime, Zoom und Co schlagen, haben wir im Praxistest ausprobiert. Um eines vorwegzunehmen: Die meisten Webcams stellen die in den Macbook-Modellen eingebauten 720p-Kameras bei Weitem in den Schatten.

Anker PowerConf C300

PowerConf C300 von Anker

© Thomas Bergbold

Was benötigt eine Webcam? Alle Antworten auf diese Frage scheint Anker mit seiner PowerConf C300 beantworten zu wollen. Sie bietet eine Auflösung von 1080p mit 60fps für ein flüssiges und scharfes Bild. Das ist nicht filmreif, für Videokonferenzen aber ausreichend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass so manches Videokonferenz-Programm die Auflösung reduziert, um Bandbreite zu schonen

Anker PowerConf C300 im Test

© Thomas Bergbold

Das Objektiv hat einen maximalen Blickwinkel von 115 Grad, sodass man problemlos drei Personen vor der PowerConf C300 positionieren kann. Der Blickwinkel ist über die Anker-Work-App einstellbar, zum Beispiel auf 90 Grad und 78 Grad für ein Portrait. Die PowerConf C300 hat kein Objektiv mit einer verstellbaren Brennweite, sondern es wird ein Crop durchgeführt, das Bild wird also unschärfer. 

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In einer Videokonferenz ist die Qualität aber trotzdem noch gut. Weitere Extras sind ein Cover, um das Objektiv abzudecken, ein universeller Fuß und eine USB-C Verbindung zum Mac. Die PowerConf C300 hat einen sehr guten Fuß, der nicht nur gut am Macbook hält, sondern auch als kleines Tischstativ verwendet werden kann. Wunder der Stabilität sollte man dabei aber nicht erwarten.

Die App Anker Work

Jede Menge Einstellmöglichkeiten für die PowerConf C300

© Thomas Bergbold

Für Bildeinstellungen und Updates ist die App Anker Work zuständig. Sie wird nicht als Systemerweiterung installiert, sondern nur als einfaches Programm aufgerufen. Neben den grundlegenden Einstellungen zum Bild wie Helligkeit und Schärfe, lässt sich hier die Auflösung und der Blickwinkel anpassen.

Spannend ist die KI-Funktion „Flexibler Aufnahmewinkel“. Zwei Optionen stehen zur Auswahl: „Auto-Frame“ sorgt für einen optimalen Bildausschnitt und Fokussierung auf das Gesicht. Bei „Self-Frame“ kommt die künstliche Intelligenz noch besser zur Geltung, hier folgt der Bildausschnitt und Fokus nämlich der Person auch bei Bewegung. Das Gesicht bleibt also immer in der Bildmitte. Dieses Feature ist vergleichbar mit dem neuen Center Stage von Facetime. 

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Die Belichtung steuert die Software der PowerConf C300 automatisch, eine KI unterstützt dabei, damit das Gesicht immer gut beleuchtet ist. In den Einstellungen nennt das Anker HDR. Das ist nicht vergleichbar mit einem richtigen Licht, hilft aber in der Not.
Alle smarten Helfer zusammen zeigen im direkten Vergleich mit Konferenzpartnern, die eine Apple Facetime HD Cam benutzen, dass das Bild der PowerConf C300 heller und schärfer ist. Man sticht also optisch aus der Menge heraus.

Schön scharf und plastisch zeigt sich das Bild der PowerConf C300 von Anker. In der Standardeinstellung leicht überschäft lässt sich das aber leicht in der AnkerWork App ändern.

© Thomas Bergbold

Fazit: Anker PowerConf C300

Die PowerConf C300 bewirbt Anker als smarte Webcam und in der Tat wirkt es wie Magie, wenn der Blickwinkel der Person folgt. Wenn man also beispielsweise hinter einem Tisch steht oder vor der Kamera sitzt, gleicht die KI die eigene Bewegung sehr gut aus. Man befindet sich somit immer schön in der Mitte des Bildes. Sehr praktisch ist auch, dass die PowerConf C300 noch ein ordentliches Mikrofon mitbringt. Es ersetzt zwar kein richtiges Sprachmikrophon wie aus unserem Vergleichstest „ Mikrofone für Podcast und Home-Office “, kann aber gerade Mac-Mini-Nutzern eine Unterstützung sein. Alles in allem überzeugt die PowerConf C300 durch eine viel bessere Qualität als die 720P Facetime HD Webcams der Macbooks. Der Preis von derzeit 109,99 Euro (regulär 129,99 Euro) ist gut investiert.

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Elgato Facecam

Die Elgato Facecam ist nicht gerade unauffällig.

© Thomas Bergbold

Immer kleiner, immer unauffälliger, so hat man bisher Webcams wahrgenommen – sofern man sie überhaupt gesehen hat. Ganz anders die Facecam von Elgato, sie misst stattliche 8 cm in der Breite und fast 5 cm in der Höhe. Grund dafür ist das Objektiv mit seinen rund 3 cm Durchmesser. Mit einer Blende von f/2.4 ist es relativ lichtstark, zudem überzeugt es mit einem 82-Grad-Sichtfeld. Auf eine Systemkamera mit Vollformat Sensor bezogen, sind das 24mm. Dahinter steckt ein moderner Sony-Stravis-CMOS-Sensor, der nicht nur größer als die üblichen Webcam-Sensoren sein soll, sondern auch weniger rauscht.

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Die Auflösung liegt bei maximal 1080p, also die übliche Full-HD-Webcam-Auflösung. Gamer und Content Creator wird das Enttäuschen, für Zoom und Skype benötigt man nicht mehr. Dafür sorgt eine Bildrate von 60 fps für ein flüssiges Bild. Anschluss an den Mac findet die Facecam über eine USB3.0 Verbindung. Mitgeliefert wird ein passendes Kabel, an der Facecam mit USB-C Buchse und zum Mac hin mit USB-A Stecker. Wer jetzt gerne das Kabel gegen ein reines USB-C-Kabel austauschen möchte, sollte darauf achten, dass es schnell genug ist. Kabel fürs Laden über USB-C sind zu langsam, in unserem Test gelang es uns mit einem Kabel ab USB3.1 Gen 2.

Dank dem eingebauten Stativgewinde lässt sich die Facecam auf jedem Stativ befestigen.

© Thomas Bergbold

Zur Montage auf dem Monitor gibt es eine einfache Klemme mit Neigungsverstellung, die sehr gut ihre Aufgabe erfüllt. Nutzer von Multimountsystemen oder Ringlichtern wie das Ring Light von Elgato, werden sich über das Stativgewinde im Gehäuse der Facecam freuen. Einfach nur die Klemme entfernen, schon kommt das praktische Gewinde zum Vorschein.

Einstellungen wie bei einer Digitalkamera

Das eigentliche Herz ist die vor dem ersten Einsatz zu installierende App Camera Hub. Die Systemerweiterung überwacht im Hintergrund die Facecam und bietet umfangreiche Einstellungen. Der erste praktische Punkt ist die Einstellung des Zooms beziehungsweise Blickwinkels. Standardmäßig verfügt die Facecam über einen Blickwinkel von 83,2 Grad, der sich bis auf 24,4 Grad verringern kann. Doch Achtung, es handelt es sich hierbei um einen Crop. Die Qualität wird dadurch schlechter, weil der neue Blickwinkel aus der 1080p-Auflösung geschnitten wird. Für den Einsatz in Videokonferenzen ist das aber in der Praxis kein Problem. Die gute Qualität, die die Facecam beispielsweise mit dem Quicktime Player aufzeichnen kann, wird in einer Videokonferenz-Software selten erreicht. Um bei der Datenrate zu sparen, wird hier herunter skaliert.

Beeindruckend: Die Camera Hub App bietet Einstellungen, wie man sie von einer Digitalkamera gewohnt ist.

© Thomas Bergbold

Der nächste Punkt ist die Bildeinstellungen für Kontrast, Sättigung und Schärfe. Standardmäßig schärft Camera Hub immer leicht und erreicht damit ein sehr schön plastisches Bild. Wie bei einer Digitalkamera folgt dann der Punkt Belichtung. Hier lässt sich eine manuelle oder automatische Belichtung vornehmen, inklusive Belichtungskorrektur. Dadurch hat man sehr gute Möglichkeiten die eigene Belichtung an die Lichtverhältnisse anzupassen. Tendenziell neigt Camera Hub zu einer leichten Überbelichtung, was für einen luftigen Bildeindruck sorgt. Für eine perfekte Abstimmung auf die Farbe des Lichts sorgt der Weißabgleich, den man nicht nur automatisch, sondern auch mit festen Kelvinwerten einstellen kann. Im letzten Punkt wird neben der Bildfrequenz auch die Rauschreduzierung aktiviert.

Die Kamera-Qualität der Elgato Facecam überzeugt.

© Thomas Bergbold

Fazit: Elgato Facecam

Elgato ist unter Content Creator als Spezialist für Zubehör bekannt und mit der neuen Facecam, runden die Spezialisten ihr Produktportfolie gekonnt ab. Auf den ersten Blick enttäuscht die Beschränkung auf eine Full-HD-Auflösung, hier hätte man für das anvisierte Zielpublikum der Gamer, die sich auf Twitch oder Youtube tummeln, doch etwas mehr erwartet. Somit kann es eine hochwertige Systemkamera trotz des Stativgewindes nur eingeschränkt ersetzen. In einer modernen Thunderbolt-4-Umgebung wird man sich auch schnell an dem USB-A-Stecker stören. Zum Glück lässt sich das Kabel gegen ein entsprechendes Thunderbolt 4 austauschen.

In welchem Bereich die Facecam glänzen kann, ist bei der Bildqualität und im Funktionsumfang. Wer mit Digitalkameras vertraut ist, freut sich über die umfangreichen Einstellungen bis hin zum sehr praktischen Weißabgleich. Bei Videokonferenzen ist der Crop akzeptabel, um einen engeren Blickwinkel zu bekommen. Wenn ich mich aber für Youtube aufzeichnen möchte, leidet die Qualität zu sehr. Und hier kommen wir zum einzigen limitierenden Faktor der Auflösung. Mit 4K hätte die Facecam das Zeug, so manche Systemkamera vom Schreibtisch der Youtuber zu verbannen. Mit Full-HD reicht es aber für viele Gamer und vor allem für eine Videokonferenz voll und ganz. Vor allem, weil die Bildqualität mit einem schönen sauberen Bild überzeugen kann, das unter den Webcams seines gleichen sucht.

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Elgato oder Anker? 

Ob Sie lieber zur Elgato- oder doch lieber zur Anker-Webcam greifen sollten, ist am Ende natürlich eine Frage des Anwendungsbereichs und vor allem auch eine Frage des Geldbeutels. Während Anker für sein Modell rund 110 Euro verlangt, ist die Elgato Facecam mit rund 192 Euro natürlich nochmal eine Ecke teurer. Zudem ist die Elgato Facecam auch noch etwas klotziger, bietet dafür aber mit der mitgelieferten Software ein paar mehr Einstellungsmöglichkeiten als die Anker PowerConf C300. Beide Kameras sind im Vergleich zu den in Macs verbauten Kameras eine deutliche Verbesserung. Sie können sich sicher sein, dass Sie damit in der nächsten Videokonferenz deutlich besser aussehen werden! 

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