iPhone XS (Max): Meine Gründe dagegen

Halyna Kubiv |
Klar, jedes neu in Cupertino vorgestellte iPhone ist immer „das beste iPhone, das wir je entwickelt haben.“ Doch reicht dieses Beste aus?
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iPhone XS

Apple

Mittwoch Abend hat Apple seinen Nachfolger des iPhone X vorgestellt – in zwei Größen und gleich drei Farben soll das neue iPhone kommen. Wählt man die Variante in Gold und in der Max-Größe, wird das offensichtlich genug, dass man gerade das neueste Smartphone von Apple mit sich führt. Doch wenn man gar nicht angeben will und einfach sich nach den besten Möglichkeiten umschaut, lohnt sich der Umstieg überhaupt?

Der Kollege Müller hat in seinem Artikel aufgeführt , wieso er sofort auf das iPhone XS umsteigen würde, wir konnten der Argumentation nicht folgen.

Vor allem wenn man das iPhone X, iPhone XS und iPhone XR gegenüberstellt, bleiben nur noch wenig Unterschiede, die einen höheren Preis und somit den Umstieg rechtfertigen würden. Bei den Video-Aufnahmen hat Apple kräftig an der Kamera geschraubt, mit Stereo-Aufnahmen ist ein eindrucksvolles Präsentationsvideo gelungen, doch diese Feinheiten fallen beim Betrachten nur Profis auf. Das Netz haben schon längst verwackelte vertikale Videos von Infuencern erobert, die (fehlende) Qualität hat der Verbreitung nicht geschadet. Klar, wir hätten nichts dagegen, wenn diese Videos dank neuen iPhones besser werden. Es ist nun leider kein Verkaufsargument für Otto Normalverbraucher – „Oh, geil! Meine Videos können jetzt Stereo-Sound“

Dual-SIM und eSIM

An sich würden wir begrüßen, dass Apple den Schritt wagt und den SIM-Slot ganz weg lässt. Offenbar lassen sich dazu die Mobilfunkanbieter vor Ort noch nicht überreden. Deswegen kommt Apple jetzt mit einer Zwitterlösung der eSIM und einer physischen SIM. In China kann man dagegen zwei SIM-Karten in den Slot stecken. Was in China, Osteuropa und anderen Regionen durchaus sinnvoll ist und ziemlich viel Geld dem Nutzer sparen kann, ist in Deutschland nur ein Punkt auf der Feature-Liste. Die Tarife hierzulande sind im Vergleich ziemlich teuer, bieten aber dafür eine Telefonie- und SMS-Flat in andere Netze. Anderswo bieten die Provider die kostenlosen Minuten und SMS nur ins eigene Netz an, hier sind die Rufe nach der Doppel-SIM verständlich. In Deutschland sind dazu nur zwei Anbieter – Vodafone und deutsche Telekom – dabei, solche eSIM-Tarife anzubieten. Ob sich bei solcher Konstellation für den Nutzer ein Mehrwert ergibt, bleibt zweifelhaft.

Gigabit LTE

IPhone XS bietet im Unterschied zu iPhone XR und iPhone X einen besseren LTE-Chip, der die Datenverbindungen bis zu 1000 Mbit pro Sekunde erlaubt. Videos streamen und aufwendige Spiele zocken wird auch unterwegs ohne Ruckler und Hänger möglich. In Deutschland muss aber dieses „unterwegs“ sehr genau ausgewählt werden. Momentan bietet nur Vodafone in vier Städten (Berlin, Hannover, Düsseldorf und Hamburg) Gigabit-Stationen an. Coole Neuerung beim iPhone XS, in Deutschland aber fast nicht nutzbar.

Fotos unter niedrigen Beleuchtung

Wie ein Kind hat sich Phil Schiller gefreut, als er auf der Bühne die neue Unschärfe-Funktion vorgestellt hat. Jetzt kann man die Bokeh-Effekte nach der Aufnahme einstellen. Wir würden uns freuen, wenn Apple an seinem Teleobjektiv gearbeitet hätte und bessere Aufnahmen unter niedriger Beleuchtung erlauben würde. Selbst Apple-Mitarbeiter geben bei den Foto-Schulungen zu, in dunklen Räumen oder nach Sonnenuntergang statt Porträt-Aufnahmen auf den Auto-Modus zu wechseln. Zu lichtschwach ist die Telekamera, was auf den Fotos zum Rauschen und verschwommenen Objekten führt. Hier sehen wir noch den Nachholbedarf.

Keine wirkliche S-Generation

Apple hat eine lange Tradition mit den S-Iterationen seines Smartphones. Das Design bleibt gleich, dafür werden neue Funktionen vorgestellt, die den Kauf fast schon selbstverständlich machen. Mit iPhone 4S kam Siri und hatte den Begriff von digitalen Assistenten und der Sprachsteuerung für die ganze Branche festgelegt. Mit iPhone 5S kam die Touch ID und zeigte, dass die Passwörter als Zugangssicherung ganz schön antiquiert sind. Bei iPhone 6S war es 3D-Touch – ein bis jetzt unterschätztes Bedienungskonzept von iOS. Apple verdeutlichte auf der vergangenen Keynote, dass das ARKit die Zukunft der Smartphones ist. Blöd nur, dass zwei der drei gezeigten Apps noch nicht verfügbar sind. „Elder Scrolls: Swords“ erscheint nach Angaben von Bethesda erst am 1. Dezember.

Abschließend lässt sich sagen, dass die aktuelle Generation von iPhone XS (Max) besonders schwer hat. Nicht, dass es ein schlechtes Smartphone ist. In der Konstellation aber mit dem iPhone XR und immer noch verfügbaren iPhone X (bei Drittanbietern, versteht sich) bleiben nur wenige Argumente, warum sich der Kauf lohnen würde.