iOS 16 ist schon optisch deutlich vom Vorgänger zu unterscheiden.

Wie jedes Jahr hat Apple im Rahmen der WWDC den ersten Ausblick auf die nächsten Software-Versionen im Apple-Ökosystem gegeben. Einen großen Teil der Präsentation hat iOS 16 eingenommen, über 30 Minuten lang stellen Craig Federighi und Co. eine ganze Reihe neuer Funktionen vor. Die wichtigsten haben wir für Sie zusammengefasst.

Apple gibt nach: Widgets auf dem Sperrbildschirm

Die wohl bedeutendste Änderung hat nicht lang auf sich warten lassen, direkt zu Beginn stellte Federighi den neuen, editierbaren Sperrbildschirm vor. Entgegen dem Status Quo, bei dem sich abseits des Hintergrundbildes nicht sonderlich viel im iPhone-Sperrbildschirm anpassen lässt, erlaubt iOS 16 eine umfangreiche Individualisierung . Mit einem langen Tippen auf eine beliebige Stelle des Sperrbildschirms öffnet sich der Bearbeitungsmodus. Der Nutzer kann aus einer Galerie an vorgefertigten Stilen wählen oder einen ganz eigenen Sperrbildschirm erstellen. Dabei lassen sich unter anderem die Farbgebung und sogar die Schriftart ändern. Außerdem können Widgets nun direkt auf dem Sperrbildschirm platziert werden, ein Feature, das sich Nutzer seit der Einführung von Widgets auf dem iPhone wünschen. Daraus ergeben sich viele praktische Anwendungsmöglichkeiten, so können Sie Informationen wie das Wetter, Details zu Ihrem aktuellen Workout oder das Ergebnis eines Fußballspiels direkt auf dem Sperrbildschirm anzeigen lassen.

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Ein schönes Details ist der sogenannte Multi-Layer-Effekt, mit dem sich Motive vor die angezeigte Uhrzeit versetzen lassen. Das verleiht dem Sperrbildschirm eine räumlich, visuell ansprechende Optik.

Der Sperrbildschirm war lange Tabu, doch in iOS 16 können Sie zahlreiche individuelle Anpassungen vornehmen.

© Apple

Sie können mehrere verschiedene Sperrbildschirme anlegen und durch einfaches Wischen zwischen ihnen wechseln. Das funktioniert auch in Kombination mit den Fokus-Modus, der in iOS 15 eingeführt wurde. Sie können beispielsweise einen eigenen Sperrbildschirm einrichten, der während Ihrer Arbeitszeit (oder wenn Sie sich an Ihrer Arbeitsstätte befinden) automatisch aktiviert wird.

Apple stellt auch eine Schnittstelle für Entwickler bereit, so dass diese eigene Widgets für ihre Apps entwickeln können.

Mitteilungen kommen bald vonunten

In einem Nebensatz stellte Apple noch vor, dass Mitteilungen nun von unten nach oben dargestellt werden. Damit bleibt der Hauptteil des Sperrbildschirms frei von Anzeigen.

Drei "revolutionäre" Neuerungen für Nachrichten-App

Wer schon einmal eine Apple-Keynote verfolgt hat, weiß, dass auch kleine Updates gerne frenetisch bepriesen werden. In diesem Jahr ist die Nachrichten-App ein gutes Beispiel dafür. Denn auch, wenn die neuen Funktionen ohne Zweifel praktisch sind, fallen Sie doch eher in die Kategorie "längst überfällig". Verschickte Nachrichten lassen sich in iOS 16 nachträglich bearbeiten, sie können Ihre Tippfehler also endlich korigieren. Darüber hinaus können Sie verschickte Nachrichten auch nach dem Verschicken noch löschen, sodass ihr Chatpartner sie nicht mehr lesen kann.

Schließlich können Sie Nachrichten-Threads, die sie bereits geöffnet haben, als ungelesen markieren.

Diktieren wird effizienter

Mithilfe der Diktat-Funktion lässt sich Text auch sprechen statt schreiben, eine KI wandelt das Gesprochene in Text um. Bisher war das zwar grundsätzlich praktisch, um schnell längere Texte zu verfassen, aber auch fehleranfällig. Da die Tastatur während des Diktierens ausgeblendet wird, ist das ausbessern von Fehlern hakelig. In iOS 16 bleibt die Tastatur während des Diktierens eingeblendet, getippter Text und diktierter Text lässt sich frei kombinieren. Außerdem fügt die künstliche Intelligenz automatisch die passenden Satzzeichen ein. Wie gut das funktioniert, werden wir nach dem Erscheinen von iOS 16 ausgiebig testen.

Live Text übersetzt und rechnet um - auch in Videos

Eine der faszinierendsten Neuerungen in iOS 15 war die Live-Text-Funktion, mit der sich Text, Telefonnummern, Adressen und generell alles geschriebene aus Fotos herauskopieren lässt. In iOS 16 wird die Funktion weiter ausgebaut. Es wird auch möglich sein, Text in Videos auszulesen. Dafür muss das Video lediglich pausiert und der gewünschte Text wie in einem Foto per langem Tippen markiert werden. Diese Funktion muss allerdings von den Entwicklern der Video-App eingebaut werden, weshalb Apple eine entsprechende Schnittstelle bereitstellt.

Live Text kann in iOS 16 auch Texte übersetzen und Währungen konvertieren.

© Apple

In iOS 16 ist Live Text außerdem in der Lage, markierten Text zu übersetzen und Summen einer Fremdwährung in die eigene Währung zu konvertieren.

Visuelles Nachschlagen: Objekte mit einem Tippen aus Bildern ausschneiden

Ein eindrucksvolles Beispiel technischer Finesse war eine Ergänzung der Funktion "Visuelles Nachschlagen", die eigentlich dazu dient, Objekte wie Pflanzen oder Tiere in Fotos zu erkennen und Informationen dazu anzuzeigen. iOS 16 ist darüber hinaus in der Lage, diese Objekte per einfachem Tippen und Ziehen freizustellen und auszuschneiden, um sie als eigenes Foto an einem anderen Ort einzufügen. Das ganze funktioniert per künstlicher Intelligenz und ist bekannt aus Bildbearbeitungsprogrammen wie Adobe Photoshop, bedarf aber für gewöhnlich einiger Rechenleistung und nimmt etwas Zeit in Anspruch. Es wird interessant sein zu sehen, wie das iPhone diese Aufgabe bewältigt.

Neue Features für die iPhone-Wallet - aber nur in den USA

Apple hat einige neue Features für die Wallet-App angekündigt, die aber vorerst US-Amerikanern vorbehalten sind. Mit Apple Pay Later lassen sich Zahlungen via Apple Pay in vier einzelne Raten aufteilen. Schlüssel für Autos, Gebäude, Hotelzimmer und ähnliches lassen sich nun mit anderen Teilen, zum Beispiel per Mail. Außerdem wird es in einigen US-Bundesstaaten möglich sein, seine persönlichen Identifikationsdaten in der Wallet zu hinterlegen und sich bei Services zu verifzieren. Auf Prognosen, wann eine solche Funktion in Deutschland ankommt, lassen wir uns lieber nicht ein.

Eigene Bibliothek für Familienfotos

Mit der neuen iCloud Fotomediathek für Familien lassen sich Fotos einfacher mit den Liebsten teilen. Verschiedene Nutzer des selben Accounts können Fotos für diese geteilte Mediathek freigeben, sodass alle Mitglieder darauf Zugriff haben. Jeder Nutzer kann dabei auswählen, welche Fotos er teilen möchte und dabei auch verschiedene Sortierungen nutzen. Zum Beispiel lässt sich auswählen, dass nur Fotos, auf denen bestimmte Personen zu sehen sind, geteilt werden. In der Kamera-App wird ein eigener Button hinzugefügt. Wenn dieser aktiviert ist, werden alle geschossenen Fotos direkt in der Familien-Mediathek geteilt.

In iOS 16 können Sie Familienfotos in einer eigenen Fotomediathek teilen.

© Apple

Die Funktion lässt sich auch so einstellen, dass Fotos automatisch geteilt werden, wenn Familienmitglieder (genauer ihre iPhones) anwesend waren, während das Foto geschossen wurde. Den verschiedenen Familienmitgliedern können unterschiedliche Berechtigungen zugewiesen werden, zum Beispiel ob Fotos aus der Mediathek bearbeitet oder gelöscht werden dürfen.

Safety Check: Schutz für Missbrauchsopfer

Funktionen wie "Wo ist?" oder das Aufrufen von Nachrichten über mehrere Geräte hinweg sollen eigentlich das Leben erleichtern, können sich bei Personen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, auch negativ auswirken. Um Nutzer in solchen Fällen davor zu schützen, aufgespürt oder ausspioniert zu werden, führt Apple den Safety Check ein. In einem Gefährdungsfall kann der iPhone-Nutzer den Zugriff Dritter auf alle persönlichen Daten stoppen und sich, wenn nötig, von allen anderen Geräten abmelden. Das Gerät in der Hand des Nutzers verbleibt damit das einzige, auf dem die Daten der betroffenen Person abrufbar sind.

Wann wird iOS 16 veröffentlicht?

Eine Beta für Entwickler ist ab heute verfügbar, die öffentliche Beta soll dann im Juli folgen. Der Release wird im Herbst stattfinden, wohl wie jedes Jahr zusammen mit dem Verkaufsstart der neuen iPhone-Generation.