Das iPhone SE, erstmals vorgestellt im März 2016, wird häufig als Budget-iPhone, Einsteiger-iPhone oder auch "das iPhone für den kleinen Geldbeutel" bezeichnet. Das ist alles wahr, trotzdem gibt es neben dem geringen Preis auch weitere Gründe, sich für ein iPhone SE zu entscheiden.

Die Rolle des iPhone SE in Apples Ökosystem

Apple hat mit dem iPhone SE von Beginn an eine klare Strategie verfolgt: Ein iPhone, zukunftssicher dank aktuellem Prozessor, kombiniert mit älterer, aber erprobter Hardware für einen günstigen Preis. Damit unterscheidet es sich von anderen Mittelklasse-Smartphones, die zwar oft mit mehr Features ausgestattet sind (größeres Display, mehr Kameras) aber dafür auch mit einem mittelmäßigen Prozessor ausgeliefert werden. Dass Apple soviel Wert auf Rechenleistung legt, hängt mit zwei Grundprinzipien zusammen.

Erstens: Die Nutzererfahrung soll auf allen Geräten, auch den günstigeren, anstandslos sein. Die Bedienung muss flüssig, die Einbindung in den Rest des Ökosystems nahtlos sein. Bedenken Sie, der Chip im iPhone SE 2 ist der gleiche wie im iPhone 11 Pro, das zum Start fast 600 Euro mehr kostete. An Leistung mangelt es dem kleinen Gerät also nicht. Wer sich ein iPhone SE kauft, bekommt kein "abgespecktes" iPhone-Erlebnis. Es fügt sich nahtlos in das Ökosystem ein, bietet alle Annehmlichkeiten von iOS und ist in jederlei Hinsicht ein solides und zuverlässiges Gerät.

Zweitens: Apple versorgt iPhones so lange mit Updates, wie kein anderer Smartphone-Hersteller. Bei der Einführung des ersten iPhone SE wurde es mit iOS 9 ausgeliefert. Mehr als fünf Jahre später sind wir bei iOS 15 angelangt und es ist immer noch mit dem SE von 2016 kompatibel. Zugegeben, dies ist wohl der letzte Update-Zyklus für dieses Gerät, trotzdem ist es Apple anzurechnen, Geräte über einen so langen Zeitraum mit aktueller Software zu versorgen.

Die Zukunft des iPhone SE

Zwischen der Vorstellung des ersten und zweiten iPhone SE sind vier Jahre vergangen. Das ist ein ungewöhnlich langer Zeitraum für die Aktualisierung eines Technikproduktes, hängt aber sicher auch damit zusammen, dass das iPhone SE 1 auch nach mehreren Jahren noch sehr beliebt war. Die Aktualisierung im Jahr 2020 war trotzdem nötig, denn die Technik hat sich stetig weiterentwickelt und die Hardware konnte gegenüber anderen Mittelklasse-Smartphones einfach nicht mehr mithalten. Dass bis zum nächsten iPhone SE weitere vier Jahre (von 2020 aus gerechnet) vergehen, ist allerdings unwahrscheinlich.

Das erste iPhone SE wird immer noch mit aktueller Software versorgt.

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Ich gehe davon aus, dass Apple künftig einen Zweijahreszyklus für die Aktualisierung der SE-Reihe einhalten wird, um das Gerät dauerhaft als günstiges Einsteiger-iPhone und attraktiven Konkurrenten von Mittelkasse-Smartphones zu etablieren. Dementsprechend wäre das nächste Update bereits in diesem Monat. Darauf deutet auch die bisherige Berichterstattung hin.  Über den genauen Namen gibt es noch keine gesicherten Informationen. Die bisherigen zwei Modelle unterscheiden sich nur durch ihre Generationsbezeichnung, der Name ist gleich geblieben. Einige Leaker berichten , dass das kommende Modell "SE Plus" heißen wird, der Einfachheit halber werde ich in diesem Artikel aber vom iPhone SE 3 sprechen. Auch deshalb, weil andere Gerüchte auf zwei verschiedene iPhone-Modelle hinweisen, doch dazu später mehr. Darüber, was wir genau im iPhone SE 3 zu sehen bekommen, gibt es bereits zahlreiche Spekulationen. Manche davon mehr, andere weniger wahrscheinlich.

Das erwartet uns

Ziemlich sicher ist, dass Apple seiner bisherigen Linie treu bleiben wird. Das iPhone SE wird weiterhin nicht auf die allerneueste Hardware setzen, sondern sich daran bedienen, was Apple in älteren Modellen schon erprobt hat. Ich rechne beispielsweise damit, und es deckt sich auch mit den aktuellen Gerüchten, dass das nächste iPhone SE weiterhin im Gehäuse des iPhone 8 zuhause sein wird. Das heißt, das Display bleibt 4,7 Zoll groß (oder klein, wie auch immer Sie das sehen möchten). Auf Power-User und Smartphone-Enthusiasten wirkt dieser Formfaktor wohl fast schon antik, betrachtet man allerdings die Zielgruppe des iPhone SE, ergibt die Größe Sinn. Wer Wert auf ein großes Display legt, wird ohnehin eher zu einem iPhone 13 oder sogar iPhone 13 Pro greifen, um zusätzlich von dem OLED-Display der teureren Modelle zu profitieren. Das iPhone SE deckt die grundsätzlichen Anforderungen ab, es richtet sich an die Nutzer, die ihr Smartphone für die klassischen Aufgaben nutzen: Zum Telefonieren, Nachrichten verschicken, Musik hören, für den gelegentlichen Schnappschuss. Dafür brauchen Sie kein riesiges Display und das iPhone SE passt zudem deutlich besser in die Hosentasche. Gleiches Gehäuse bedeutet, dass Face-ID wohl auch weiterhin den teureren Modellen vorbehalten sein wird. Das kann, je nach Geschmack, Fluch oder Segen sein. Viele Nutzer aktueller iPhones vermissen die Möglichkeit, das Gerät entsperren zu können, ohne es jedes Mal anheben zu müssen.

iPhone SE der ersten und zweiten Generation.

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Wir können außerdem davon ausgehen, dass die Single-Kamera auch im iPhone SE 3 Bestand haben wird. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass das Kameramodul im Vergleich zum aktuellen Modell fast identisch bleiben wird. Die verbaute Weitwinkellinse erfüllt Ihren Zweck und schießt hervorragende Bilder, für einen größeren Sensor ist im Gehäuse kaum Platz. Das heißt aber nicht, dass sich die Foto- und Videoqualität nicht trotzdem verbessern wird. Die Qualität von Smartphonekameras wird mittlerweile von der Nachbearbeitung durch künstliche Intelligenz genauso bestimmt wie durch die Qualität der Hardware. Und da das nächste iPhone SE, das lässt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, mit dem allerneusten A-Prozessor ausgestattet sein wird, steht genug Rechenleistung zur Verfügung.

Und wo wir gerade beim Thema sind: Wenn das nächste iPhone SE tatsächlich im Jahr 2022 vorgestellt wird, wird wohl der A15 Bionic Chip die Rechenleistung zur Verfügung stellen. Dazu gibt es nicht viel zu sagen, es ist der leistungsstärkste Smartphone-Chip auf dem Markt und wird problemlos über mehrere Jahre seinen Zweck erfüllen. Auch das japanische Tech-Magazin Macotakara berichtet, dass der A15-Chip im nächsten iPhone SE verbaut sein wird.

Auch wenn die rückseitige Kamera des iPhone SE 3 vermutlich kein großes Upgrade erfahren wird, hoffe ich doch, dass zumindest die Frontkamera etwas verbessert wird. Statt 7 Megapixel, die eine anständige, aber doch eher durchschnittliche Bildqualität bieten, wäre es gerade in heutigen Zeiten schön, mit der 11-Megapixel-Linse aktuellerer Modelle ein besseres Tool für Videoanrufe und -konferenzen zur Verfügung zu haben.

Schließlich erlaube ich mir an dieser Stelle noch einen Wunsch zu äußern, der die größte Schwachstelle des aktuellen iPhone SE (2. Generation) betrifft. Apple hat es seit dem iPhone 11 zunehmend geschafft, eine Schwäche in eine Stärke umzuwandeln: Jahrelang galten iPhones als etwas schwächlich, wenn es um die Laufzeit und Lebensdauer der Akkus ging. Ich erinnere mich an mein iPhone 8, ein Dienstgerät, dass ich nach einigen Monaten zurückgab, da es bei regelmäßiger Nutzung (die als Tech-Redakteur eben dazugehört) spätestens am Nachmittag bei einer einstelligen Akkuladung angekommen war. Mein aktuelles iPhone 13 Pro Max hält ohne Probleme zwei Tage durch. Bitte Apple: Das muss auch beim iPhone SE möglich sein. Ob es durch einen größeren Akku, ein besseres Energiemanagement oder eine Kombination von beidem passiert - das nächste iPhone SE muss länger durchhalten.

iPhone SE Plus: Notwendigkeit für ein "Super-SE" besteht nicht

Es gibt auch Gerüchte , dass wir in nächster Zeit nicht nur ein SE-Modell zu Gesicht bekommen. Und zwar soll uns neben dem Update für das kleinere Modell auch ein "iPhone SE Plus" erwarten. Dabei soll es sich um ein aktualisiertes iPhone 11 handeln, sprich: Dual-Kamera, größeres Display, Face-ID zusammen mit dem neuesten Prozessor. Grundsätzlich würde dieses Vorgehen zu Apples Strategie passen, etwas ältere Hardware mit Rechenleistung aufzurüsten und den SE-Stempel zu verpassen. Ich stimme auch zu, dass der Zeitpunkt kommen wird, an dem das Gehäuse, das in ähnlicher Form erstmals mit dem iPhone X eingeführt wurde, das Fundament für ein iPhone SE bilden wird. Doch dass dies schon im nächsten Jahr passiert, ist eher unwahrscheinlich. Das iPhone 11 wird noch immer im Apple Store angeboten und ist mit einem Einstiegspreis von 579 Euro immer noch am unteren Ende von Apples iPhone-Preisgestaltung. Die Gerüchte sind hinsichtlich des Zeitrahmens auch nicht sonderlich zuverlässig, der Analyst Ross Young sprach erst vom Frühjahr 2023, dann von 2024.

iPhone SE 3: das günstigste 5G-iPhone?

Die Frage bleibt, ob das kommende iPhone SE auch mit einem 5G-Modem ausgestattet sein wird. Das ist nicht nur eine Frage der Kosten, sondern auch des Designs. Das iPhone 12 war das erste iPhone mit 5G-Kapazitäten, dafür wurde die Position der Antennen im neuen Gehäuse extra angepasst. Das iPhone 8, in dessen Gehäuse das nächste SE wahrscheinlich zuhause sein wird, wurde nie mit 5G im Hinterkopf entwickelt. Ich bin kein Ingenieur und kann Ihnen nicht sagen, wie schwierig es ist, die Position der Antennen dementsprechend anzupassen, aber es gehört jedenfalls mehr dazu, als einfach ein paar neue Komponenten einzusetzen. Aus deutscher Sicht ist die 5G-Kompatibilität ohnehin zu vernachlässigen, bei der aktuellen Netzabdeckung können sie das Thema bei der Smartphone-Wahl ruhig vernachlässigen. In den USA und anderen Ländern ist der Netzausbau deutlich weiter und da selbst Android-Smartphones der Mittelklasse inzwischen größtenteils über 5G verfügen, besteht seitens Apple schon ein gewisser Druck, in diesem Bereich nicht zurückzufallen. Außerdem könnte Apple einen weiteren Kaufanreiz schaffen, denn mit einem Prozessorupgrade alleine wird es schwer, Besitzer des aktuellen iPhone SE 2 zu einem Upgrade zu überzeugen. Ich gehe deshalb davon aus, dass Apple einen Weg finden wird, das nächste iPhone SE auf 5G aufzurüsten. In diese Richtung gehen auch die meisten Gerüchte, so berichtet das japanische Tech-Magazin Macotakara , dass im nächsten SE-Modell das gleiche 5G-Modem wie im iPhone 13 verbaut sein wird.

Preisanstieg ist zu erwarten

Das nächste iPhone SE wird sicherlich das günstigste Modell in Apples Portfolio bleiben, trotzdem ist mit einem Preisanstieg zu rechnen. Wie hoch dieser ausfällt, hängt davon ab, welche neuen Features tatsächlich umgesetzt werden. Vor allem 5G könnte die Produktionskosten deutlich ansteigen lassen, was dann wiederum an den Verbraucher weitergegeben wird. Wenn Apple darüber hinaus auch noch die kleinste Speichergröße auf 128 GB anhebt, wie zuletzt beim iPhone 13, werden auch noch einige Euro obendrauf kommen. Eine Preiserhöhung auf 529 oder sogar 549 Euro ist also denkbar.

Sollte sich wirklich ein iPhone SE Plus dazugesellen, das auf dem iPhone 11 basiert und ebenfalls mit 5G ausgestattet ist, können Sie mit Preisen ab 600 Euro rechnen, eventuell sogar mehr. Aber auch das spricht gegen ein solches Modell, schließlich ist das iPhone 12 derzeit schon ab 679 Euro bei Apple zu kaufen.

Weiterentwicklung ohne Revolution

Das iPhone SE war noch nie das Modell, mit dem Apple große Neuerungen eingeführt oder Tech-Enthusiasten angesprochen hat. Das ist auch nicht Sinn und Zweck des iPhone-Einsteigermodells. Das iPhone SE erfüllt die grundlegenden Aufgaben eines Smartphones schnell und souverän, passt sich nahtlos in das Apple-Ökosystem ein und ist eine günstigere Alternative für diejenigen, die iOS den Vorzug vor Android geben, aber kein Highend-Smartphone benötigen. Nicht mehr und nicht weniger erwarten wir vom iPhone SE 3: Solange Apple die Stellschrauben an den richtigeen Stellen dreht, muss die Drehung selbst gar nicht so groß sein.