NHS App

Aktualisierung vom 23. Februar 2021:

Die britische Studie hat schon vor Abschluss der Peer-Review Aufsehen erregt, so gibt es ein paar Stimmen , die die ersten Ergebnisse zur Wirkung einschätzen. Prof. Dr. Florian Gallwitz, Professor der Medieninformatik an der Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, sieht die Ergebnisse skeptisch. Demnach ist mit der Studie noch kein Nachweis erbracht, dass die App-Warnungen mit den tatsächlichen Infektionsereignissen zusammenhängen. Zum einen lässt sich nicht direkt mit der App feststellen, wie viel Prozent der durch die App gewarnter Nutzer tatsächlich infiziert waren. Zum anderen ist fraglich, ob überhaupt ein statistischer Zusammenhang zwischen den Bluetooth-Begegnungen und tatsächlich Infizierten besteht.

Für Dr. Berit Lange, Leiterin der Klinischen Epidemiologie in der Abteilung Epidemiologie, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), schätzt anhand der Daten, dass die Contact Tracing Apps durchaus in der Lage sind, die manuelle Kontaktnachverfolgung zu unterstützen und einen zusätzlichen Effekt auf das Infektionsgeschehen zu haben.

Der Sprecher vom Corona-Warn-App-Team an dem RKI, Robin Houben, gibt bekannt, dass RKI ebenfalls eine Wirksamkeit-Evaluierung der deutschen Corona-Warn-App vorbereitet:

Die angestrebte Evaluation der Corona-Warn-App besteht aus verschiedenen Elementen: Zum einen soll mit einem der nächsten Releases die Möglichkeit geschaffen werden, dass Nutzerinnen und Nutzer auf freiwilliger Basis an Online-Befragungen teilnehmen. Diese wissenschaftlichen Befragungen sind an bestimmte Ereignisse geknüpft, sogenannte ‚event-driven user surveys‘. So werden zum Beispiel Nutzerinnen und Nutzer, die eine Statusanzeige ‚erhöhtes Risiko‘ erhalten haben, gebeten sich an einer zweiteiligen Befragung zu beteiligen, um mehr über ihr Verhalten vor der Risikobenachrichtigung zu erfahren und ihr geplantes Verhalten danach. Im zweiten Teil der Befragung, die einige Tage nach der Risikobenachrichtigung durchgeführt wird, soll ermittelt werden, wie viele Nutzerinnen und Nutzer, die eine Statusanzeige ‚erhöhtes Risiko‘ erhalten haben, schließlich Corona-positiv getestet wurden.

Darüber hinaus wird – in enger Abstimmung mit den anderen Projektbeteiligten und auch dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit – an einer datenschutzkonformen Möglichkeit gearbeitet, wie Nutzerinnen und Nutzer freiwillig Daten über die Funktion ihrer Corona-Warn-App zur wissenschaftlichen Auswertung zur Verfügung stellen können.

Ursprüngliche Meldung vom 10. Februar 2021:

Britische Wissenschaftler am Alan-Turing-Institut zusammen mit der Universität Oxford haben eine Methode gefunden, wie man Effekte der Nutzung von der Warn-App modellieren kann. Hier muss man jedoch anmerken, dass die britische App bereits 21,63 Mio. Mal installiert wurde, dies beträgt rund 56 Prozent aller geeigneten Bevölkerung im Land (Ab 16 Jahre alt, im Besitz eines Smartphones). Zum Vergleich: Die deutsche Corona-Warn-App hat mit 25,4 Mio. Downloads eine Durchdringung von knapp 44 Prozent ( Anzahl Smartphone-Besitzer in Deutschland 2019 laut Statista – 57,7 Mio.). Dazu haben britische Entwickler im Oktober die Risikoberechnungen angepasst, sodass die App nach dem Update das Risiko höher einschätzt als davor.

Die Forscher haben herausgefunden, dass die Corona-App je nach dem benutzten statistischen Modell bis zu 2,3 Prozent Infektionen mit jedem zusätzlichen Prozent der Nutzung verhindern kann, die untere Grenze ist 0,8 Prozent weniger Infektionen bei einem Prozent der Nutzung. Dies ist anhand einiger Annahmen berechnet: Die dezentralisierte Struktur der App erlaubt es nicht, herauszufinden, wie viele andere Nutzer ein Anwender mit dem positiven Covid-19-Test tatsächlich warnt. Allerdings haben sie statistische Daten von lokalen Gesundheitsämtern mit den positiven Warnungen von der App verknüpft. Von den Behörden haben sie die Daten erhalten, wie viele Menschen sich in eine freiwillige Quarantäne wegen einer möglichen Risikobegegnung begeben hatten. Wenig erstaunlich, dass die relativ hohe Zahlen der freiwilligen Selbsteinschränkungen stark mit den hohen Infektionszahlen korrelierten und umgekehrt. Die Studie schätzt, dass die Corona-App in Großbritannien pro eine Risikobegegnung knapp 3,2 Warnungen und Empfehlung für Quarantäne verschickt. Mehr noch, die erhöhten Risikowarnungen in einer Gegend können fünf bis sieben Tage in Voraus einen Anstieg des Infektionsgeschehens in dieser Gegend voraussagen. So haben die Forscher Anfang Januar Nordwesten und Südwesten von England als kommende Risikogebiete vorhergesehen.

Die Studie ist allerdings noch nicht von unabhängigen Experten überprüft und freigegeben, daher findet sie sich nur auf Github zum Nachlesen . Doch schon jetzt lautet die Empfehlung der Autoren: Nutzt die App, sie funktioniert.