Revolutioniert Apple Arcade mobiles Gaming?

Kris Wallburg |
Apple Arcade hat den Anspruch, die mobile Spieleindustrie umzukrempeln und Qualitätsspiele und Spieler zusammenzubringen. In der Epoche der Free-To-Play-Spiele ein willkommener Gedanke. Mit plattformübergreifendem Spielen möchte Apple zusätzliche Anreize schaffen, doch ob das Prinzip Spiele-Abonnement letztlich funktioniert, entscheidet der Konsument.
Screenshot Apple.com

Plattformübergreifendes spielen ist aktuell ein Alleinstellungsmerkmal von Apple Arcade

Screenshot Apple.com - Link zur Großansicht des Bildes

Seit der Markteinführung von Smartphones, angefangen mit dem iPhone, hat mobiles Gaming eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Vergleicht man die ersten Handyspiele wie Snake oder Space Invaders mit heutigen Spielen, ist der Fortschritt ebenso beeindruckend wie der von Pong zu heutigen Blockbuster-Konsolenspielen. Smartphones werden immer leistungsfähiger und in Folge dessen werden auch Spiele immer umfangreicher und grafisch anspruchsvoller.

Die Branche boomt, im Jahr 2017 war das Smartphone die beliebteste Spielekonsole. Hardcore-Gamer tun diese Statistiken oft ab und argumentieren, dass eine Runde am Smartphone spielen nichts mit Gaming im klassischen Sinne zu tun hat. Das hat damit zu tun, dass Gaming ein kulturell geprägter Begriff ist und auch gewisse Stigmata mit sich bringt, die einem Smartphone-Spieler meist nicht auferlegt werden. Aber unabhängig von dieser Diskussion ist mobiles Gaming in der Gesellschaft angekommen und in allen Altersgruppen gegenwärtig.

Free-to-Play-Spiele – Gar nicht mal so kostenlos

Doch die Smartphonespiele-Industrie hat ein Problem und das hört auf den Namen "Free to play (F2P)". Das sind Spiele, die kostenlos im App Store heruntergeladen und gespielt werden können. Sie finanzieren sich über Werbung im Spiel oder, und das ist inzwischen das rentabelste Feld in der Videospielbranche , über In-Game-Käufe. Das sind Transaktionen, die im Spiel getätigt werden, um sich Vorteile gegenüber anderen Spielern zu erkaufen. Diese Free-to-Play-Spiele sind oft so aufgebaut, dass sie ständig Anreize für den Spieler schaffen , Geld auszugeben. Sogenannte Lootboxen, die für echtes Geld erworben werden können und dem Spieler nach dem Zufallsprinzip Ingame-Inhalte freischalten, riefen sogar die Glücksspiel-Behörden auf den Plan.

Das sehen nicht nur Verbraucherschützer kritisch, auch viele Entwicklerstudios kritisieren das Free-to-Play-Prinzip. Denn parallel zu den tausenden Free-to-Play-Titeln in den App Stores existieren Spiele, die für eine einmalige Zahlung erworben werden können und frei sind von Werbung und In-App-Käufen. Deshalb sind die Spiele auch frei von künstlich erzeugten Kaufreizen. Viele dieser Spiele sind extrem kreativ designt und bringen mehr Spieltiefe mit als die eher arcadigen F2P-Titel. Doch den Entwicklerstudios, die hinter diesen Spielen stecken, fällt es schwer, eine breite Masse und Verkaufszahlen zu erreichen, die auch nur ansatzweise mit denen von beliebten F2P-Titeln mithalten können. Der Einstiegspreis ist ein großes Hindernis, denn die Bereitschaft für ein Smartphonespiel Geld auszugeben ist immer noch gering. Im Free-to-Play-Segment hingegen sind die Umsätze gewaltig, was dem Prinzip der Spiele zu verdanken ist. Spieler können das Spiel kostenlos herunterladen und ausprobieren. Zu Beginn kann der Spieler noch rasch Fortschritte machen ohne Geld auszugeben. Je weiter er im Spiel kommt, desto schwieriger und langwieriger wird aber der Prozess, die Motivation, ein wenig Geld zu investieren um schneller voranzukommen, steigt. 

Und wer Geld für In-Game-Käufe ausgibt, investiert aufs Jahr gerechnet oft mehr als ein ganzes Dutzend kostenpflichtiger Spiele kosten würde. Laut einer Studie von Slice Intelligence gaben In-Game-Käufer in F2P-Titeln in den USA durchschnittlich 87 US-Dollar jährlich aus. Das meiste Geld gaben Käufer für das Spiel "Game of War - Fire Age" aus, im Durchschnitt 549 US-Dollar. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Preis von kostenpflichtigen Spielen im Apple App Store beträgt 0,49 US-Dollar. 

© Slice Intelligence

Wer In-Game-Käufe tätigt, gibt im Durchschnitt 87 US-Dollar aus. Je nach Spiel auch deutlich mehr.

© Slice Intelligence - Link zur Großansicht des Bildes

Plattformübergreifendes Spielen soll mobiles Gaming auf die nächste Stufe hieven

Dennoch schaffen es die kostenpflichtigen Titel nicht, sich gegen die vermeintlich kostenlosen Spiele durchzusetzen. Und hier setzt Apple Arcade an. Das Prinzip: Für einen Festpreis erhält der Spieler Zugang zu über 100 Titeln. Vollwertige Spiele, ohne In-Game-Käufe und Werbung. Diese Spiele sind exklusiv in Apples Arcade-Programm verfügbar, müssen also nicht den direkten Kampf um Marktanteile gegen die Free-to-Play-Titel antreten. Dadurch können sich die Entwickler voll darauf konzentrieren, das reine Spielerlebnis so ansprechend wie möglich zu machen und auch Ideen umzusetzen, die möglicherweise nicht den Mainstream-Markt ansprechen. 

Natürlich muss sich die Spielebibliothek von Apple Arcade trotzdem dem Wettbewerb stellen, schließlich möchte Apple die Spieler motivieren, das Angebot in Anspruch zu nehmen. Dafür bietet das Unternehmen auch Anreize neben dem reinen Spielerlebnis. Plattformübergreifendes Spielen lautet hier das Stichwort. Der Gedanke ist keineswegs neu. Sie spielen ein Spiel, unterwegs, auf dem Smartphone, zum Beispiel im Bus. Dann kommen Sie zuhause an, wechseln auf ihren Mac und spielen dasselbe Spiel weiter, und zwar an der Stelle, an der Sie auf dem Smartphone zuletzt aufgehört haben. Die Apple Arcade-Spiele sollen ausnahmslos plattformübergreifend spielbar sein, und zwar auf iOS, MacOS und tvOS. 

Wir erinnern uns an Apples Projekt Marzipan , das Entwicklern Werkzeuge zur Verfügung stellen sollte, Apps ohne großen Aufwand für andere Betriebssysteme in Apples Softwarekosmos anzupassen. Ob diese Werkzeuge bei den Spielen Anwendung finden, oder ob ein anderes Prinzip dahinter steckt, ist noch nicht bekannt. Sicher ist aber: Apple beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, Apps für mehrere Plattformen verfügbar zu machen.

Ob Apple es mit Arcade schafft, die mobile Spieleindustrie umzukrempeln, können wir aktuell nur mutmaßen. Der dahinterstehende Gedanke, weg von den auf Umsatz ausgerichteten Free-to-Play-Titeln hin zu qualitativ hochwertigen Spielen, ist definitiv zu begrüßen. Letztlich bestimmt der Konsument mit seiner Kaufentscheidung darüber, ob das Projekt ein Erfolg wird oder nicht.