Drei Kameras - das reicht nicht für die Bezeichnung Pro

Wenn Sie jetzt auf Apple.com vorbeischauen, ist das erste, was Sie oben auf der Seite sehen werden, das iPhone 11 Pro. Es bietet professionelle Kameras, ein professionelles Display und eine professionelle Leistung sowie ein Bild einer Dreifach-Kamera, die äußerst eindrucksvoll aussieht. Apple nennt es "das erste iPhone, das leistungsfähig genug ist, um als Pro bezeichnet zu werden".

Quatsch. Das iPhone 11 Pro verfügt über den gleichen A13 Bionic Prozessor wie das iPhone 11. Es hat viele der gleichen Kamerafunktionen, einschließlich des neuen Ultraweitwinkelobjektivs. Und die Akkulaufzeit ist zwar für eine fantastische 18- bis 20-stündige Videowiedergabe ausgelegt, aber nicht viel besser als die 17 Stunden des iPhone 11. Tatsächlich war das einzige Feature, das Apple in seinem Intro-Teaser-Video zeigte, der Kamera-Buckel.

Grundsätzlich ist das iPhone 11 Pro nicht mehr "Pro" als das iPhone XS am Vortag. Apple entschied lediglich, dass es an der Zeit war, einen neuen Namen auf das iPhone zu setzen, um die Dinge durcheinander zu bringen, und warf einen 26 US-Dollar 18W USB-C-Adapter in die Box. Und damit wurde der Name "Pro" für jede andere Produktlinie verbilligt.

Ein 'Pro' unter einem anderen Namen

Als wir zum ersten Mal von dem iPhone Pro hörten, beschwor es sofort Bilder von einem radikal neuen Gerät mit einer Vielzahl von neuen Funktionen: Ein USB-C-Anschluss. ProMotion-Display. Apple Pencil Unterstützung. Höherer Basisspeicher. Vielleicht sogar microSD-Kartenunterstützung und ein Smart Connector. (Allerdings hat Apple selbst solche Features nie versprochen, allenfalls waren dies Gerüchte aus unzuverlässigen Quellen – Anm. d. Red).

Das iPhone 11 ist nicht allzu anders als das iPhone 11 Pro.

© Apple

So hat uns Apple trainiert, an seine "Pro"-Geräte zu denken: Leistungsstärker, erweiterbarer und leistungsfähiger als die Low-End-Modelle. Das ist bei den iPhone 11 Pros nicht der Fall. Wenn überhaupt, dann dient das iPhone 11 Pro dazu, das Einstiegsmodell iPhone 11 attraktiver zu machen. Wenn Sie nicht unbedingt das größtmögliche iPhone Display haben müssen, gibt es nichts an dem iPhone 11 Pro, was es zu einem "Pro"-Gerät macht, es sei denn, Sie zählen Midnight Green als "Pro"-Farbe.

Mit dem iPad Pro, dem iMac Pro, dem Macbook Pro und dem Mac Pro gibt es bedeutende und offensichtliche Upgrades gegenüber ihren billigeren Pendants. Sie wissen sofort, ob Sie das zusätzliche Geld für sie ausgeben wollen, und Power-User können sicher sein, dass sie das zusätzliche Geld für eine Maschine ausgegeben haben, die ihren Bedürfnissen entspricht, vom USB-C-Anschluss des iPad Pro bis hin zu den verrückten technischen Daten des Mac Pro. Es gibt ein gewisses Maß an Vertrauen, dass Apple ein Gerät für einen bestimmten Benutzertyp entwickelt hat und einen Wert basierend auf diesem Namen liefert.

Der "Pro" im iPhone 11 Pro hingegen ist kaum mehr als reines Marketing. Ja, sie haben bessere Bildschirme und bessere Kameras als das iPhone 11, aber Apple hat keine echten professionellen Funktionen auf die neuen iPhones gebracht, außer den Upgrades, die sie sowieso bekommen hätten. Phil Schiller machte eine große Sache aus dem sogenannten XDR-Display, aber die Verbesserungen gegenüber dem Display des XS, Kontrastverhältnis und Helligkeit – machen es kaum zum "Pro"-Kaliber.

Die dritte Kamera des iPhone 11 Pro ist eigentlich das einzige "Pro"-Feature

© Apple

Als das iPad Pro auf den Markt kam, war es nicht nur ein iPad Air mit einem größeren Bildschirm. Es brachte einen neuen A9X-Prozessor, den Apple Pencil und das Smart Keyboard sowie vier Lautsprecher mit Surround-Sound mit. Das iPhone 11 Pro liefert keine dieser Innovationen, trotz Apples rhetorischer Aufbruchstimmung. Auf einen Schlag verwandelte Apple das "Pro"-Label von einem geeigneten Deskriptor in einen reinen Marketing-Fluff und Millionen von Menschen werden so klug sein wie zuvor.

Ein großartiges Telefon, aber kein 'Pro'.

Nichts davon bedeutet, dass das iPhone 11 Pro schlecht ist. Ich liebe die neue grüne Farbe und das mattierte Glas und die Verbesserungen der Akkulaufzeit gegenüber den Modellen des letzten Jahres sind fantastisch. Und natürlich ist die Kamera wirklich beeindruckend und wird sicher an der Spitze der Smartphone-Liste stehen. Aber den "Pro"-Namen an sie anzuhängen, ist ein billiger Trick.

Das iPhone 11 Pro sieht super aus, es ist nur kein echtes "Pro"-Gerät

© Apple

Apple weiß, dass seine Pro-Level-Produkte ein gewisses Gütesiegel tragen, und hofft, von dieser Stimmung zu profitieren. Wenn das iPad Pro seinen Premium-Preis wert ist, dann muss es auch das iPhone Pro sein, oder? Selbst ohne den Namen " Pro " ist es extrem schwer, den 450 Euro Unterschied zwischen dem 64 GB iPhone 11 und dem 64 GB iPhone Pro 11 Max zu rechtfertigen, aber mit ihm hebt Apple Unterschiede zwischen den beiden Modellen hervor, die einfach nicht da sind. Ja, der OLED-Bildschirm ist größer der LCD-Bildschirm des iPhone 11 und hat den Zusatz "XDR", aber ansonsten sind sich die beiden Telefone sehr ähnlich, von den Kamerafunktionen bis zur Akkulaufzeit.

Das ist es, was den Namen "Pro" so frustrierend macht. Apple hätte die Smartphones in realer Weise differenzieren und damit einen Mehrwert für das obere Ende schaffen können, ohne das Einstiegsmodell zu beeinträchtigen. Ein besserer Prozessor, mehr Basisspeicher, USB-C oder eine der Gerüchteküche-Funktionen, die wir nicht erhalten haben – Reverse-Wireless-Ladung, Apple Pencil-Unterstützung – hätte einen großen Beitrag dazu geleistet, dass das iPhone 11 Pro seinen Namen wirklich verdient.

Stattdessen haben wir ein iPhone XS 2 mit dem falschen Namen bekommen. Aber hey, zumindest hat Apple den "Pro"-Preis nicht erhöht.

Übersetzung von Macworld.com