iPhone 11

Nach jahrelanger iPhone-Abstinenz sollte es jetzt wieder ein Apple-Smartphone sein. Bei den Tests und Berichten über das iPhone 11 haben mich vor allem die beeindruckenden neuen Kamerafeatures überzeugt, gerade auch die Bildqualität bei Vergleichen zwischen Aufnahmen von Android-Flaggschiffen und der aktuellsten iPhone-Modellreihe. Da liegen Welten zugunsten der iPhones dazwischen, das war für mich ausschlaggebend.

Mit Simplytel, die zu Drillisch gehören, habe ich einen recht zuverlässigen Provider. Dort konnte ich zu einer sogenannten Vorfälligkeitsgebühr mein bisheriges Huawei P20 auslösen, damit ich dieses frei weiterverkaufen kann, und erhielt einen neuen Vertrag zu günstigen Konditionen für das iPhone 11, das man auch auf Lager habe. Klar, dass ich nun wieder für zwei Jahre ”gefesselt” bin, aber das ist es mir insgesamt wert.

Gelernt: Sendebestätigung heißt nicht Zustellung!

Schnell kam die Sendebestätigung von Simplytel – aber genau damit begannen meine Befürchtungen: Mit Hermes sollte das iPhone den Weg zu mir finden. Mit dem Hamburger Paketzusteller als 100-prozentiger Tochtergesellschaft der Otto Group habe ich persönlich schon öfter schlechte Erfahrungen gemacht, die ich an dieser Stelle gar nicht aufzählen will. Lieber wäre mir DHL gewesen, mit denen es bisher immer sehr gut lief, doch ich kann mich nicht daran erinnern, bei der Bestellung die Wahl gehabt zu haben.

Aber noch sah es gut aus. Die App zeigte an, dass das iPhone 11 flott in der Nachbarstadt im Sendelager angekommen war. Und zwar am 13. November, Mittwochs morgens um 2:59 Uhr. Nun sollte es ja nicht mehr lange dauern, bis es auch bei mir abgeliefert würde, maximal auf den Freitag hoffte ich. Doch es passierte genau gar nichts. Der Sendestatus blieb einfach beim Eingang im Lager stehen. Ich kontaktierte Hermes per Telefon, dort wurde mir automatisch mitgeteilt, dass die Lieferung noch ”Heute gegen 18:00 Uhr“ eintreffen würde. Da war es schon Freitag. Doch nichts geschah. Weil ich bei Hermes nicht direkt durchkam, habe ich mich auf verschiedenen Wegen (Kontaktformular, Mail, Anruf) an Simplytel gewendet. Die Auskunft war aber jedes Mal, man müsse erst abwarten, bevor man einen Nachforschungsauftrag in Angriff nehme. Bei einem Kontakt erfuhr ich, dass Neukunden des Providers ihre Sendungen nur noch per DHL erhalten. Das sei aber keine Herabstufung von Bestandskunden. Aha. Sehr ”tröstlich”, brachte mich aber nicht weiter.

Mit Hermes twittert es sich nett, aber…

Zwischendurch hatte ich auch mit einem offenbar sehr netten Mitarbeiter von Hermes über deren Twitter-Kundendienst Kontakt, er wollte sich gleich darum kümmern, aber dennoch geschah nichts.

Zwei Wochen später, es war nun schon der 20. November, hielt ich mein eigentlich längst verschicktes iPhone immer noch nicht in Händen. Hermes reagierte außer mit dem im Effekt fruchtlosen Twitter auf gar nichts, und Simplytel versprach, dass man nunmehr das iPhone mit DHL verschicken würde. Natürlich, ich fühlte mich schon wie in einer Kafka-Erzählung, passierte wieder nichts. Dann wurde ich deutlicher und sagte, ich würde sowohl den Auftrag für das neue iPhone stornieren als auch meinen Vertrag insgesamt kündigen, wenn das iPhone bis Samstag nicht bei mir angekommen wäre. Nun ging alles ganz schnell, nur 24 Stunden später geschah das kleine Wunder, und endlich konnte ich das neue iPhone 11 auspacken und in Betrieb nehmen.

Paketzusteller haben es nicht leicht

Um es klar zu sagen: Paketzusteller haben es wirklich schwer, manche Beschäftigungsverhältnisse sind bekanntermaßen prekär, und der Druck gerade in der Vorweihnachtszeit und bei umsatzträchtigen Aktionen wie rund um Black Friday etc. ist schon enorm. Dass da nicht immer alles glatt geht, kann man nachvollziehen. Aber das war ja in diesem Fall gar nicht mein Problem – sondern es hat sich erst überhaupt niemand bequemt, das Päckchen in den Transporter einzuladen und auszufahren.

Warum und was damit nun geschehen war, werde ich wohl nie erfahren. Ich habe nur einmal mehr gelernt, dass nicht alles bei Online-Bestellungen so flott und problemlos funktioniert, wie man es schon fast gewohnt ist. Bei allen Bedenken, die das auch in ökologisch-ethischer Hinsicht vielleicht haben mag, man kann das so oder so betrachten: Doch wenn man bestellt, möchte man natürlich auch rasch beliefert werden. Also: Für mich ganz klar, Hermes werde ich jetzt erst recht meiden. Obwohl aktuelle Tests wie zum Beispiel auf Stern.de dem Versender mit dem antiken Götterbotennamen für seine Gesamtleistung immerhin noch ein ”befriedigend” zugestehen.

Sehr gute Kritiken bekommt dort vor allem DHL: ”Der Marktführer schnitt sowohl bei den Preisen als auch beim Service am besten ab. Alle Testpakete kamen wie gewünscht an, im Schnitt nach knapp zwei Tagen.” Was nicht ausschließt, dass auch deren Zusteller mal komplett ausrasten, wie hier aus der Nähe von München beschrieben.

Manche Paketversender bieten inzwischen einen sehr guten Service bei der Zustellung an, wenn man sogar per App verfolgen kann, wie viele Lieferstationen das Auto noch entfernt und wann mit dessen Eintreffen zu rechnen ist. Aber Vorsicht – auf die angegebenen Uhrzeiten sollte man sich nicht zu sehr verlassen. Neulich war das Eintreffen des Lieferwagens auf der App bei uns für 15:00 Uhr avisiert, dann war es aber schon um 13:30 Uhr da. Wäre man noch schnell Einkaufen gegangen, hätte man die Lieferung erst einmal verpasst. Und in diesem Fall war es ausgerechnet mein so heiß ersehntes iPhone!

Andere Gepflogenheiten mancher Zusteller sind weniger prickelnd. So muss man nun manchmal mit dem bloßen Finger auf einem abgegriffenen Handy-Display unterschreiben, in einem Fall kürzlich war es sogar an der Oberfläche zersplittert. Nicht schön! Und vermutlich auch noch unhygienisch. Jedenfalls wasche ich mir danach regelmäßig die Hände, als wäre ich im Bus gefahren.

Es läuft …

Und mein neues iPhone? Doch, damit bin ich durchaus glücklich. Obwohl der Wechsel mittels der App ”Auf iOS übertragen” ( Move to iOS ) nicht klappte. Es kam zwar eine Verbindung zwischen den Handys von Apple und Huawei zustande, der Sicherheitscode vom iPhone ließ sich auf dem Android-Smartphone eintragen, dennoch brach es ständig wieder ab, bis ich schließlich auf "Manuell" wechselte, was aufgrund der zahlreichen Online- und Cloud-Verbindungen deutlich komfortabler ist als früher. Dennoch sind viele Details etwa für Bankverbindungen und Apps neu einzurichten.

iPhone: Nicht alles besser, aber Fotos begeistern

Doch nachdem nun fast alles wie gewünscht läuft, geht der Blick noch einmal zurück auf meine jetzt etwa fünfjährige Android-Erfahrung. Die war nicht so schlecht, wie mancher eingefleischte iPhone-Nutzer vielleicht denkt. Man fühlt sich weniger in einer geschlossenen Welt, das Bedienkonzept gerade auf einem Huawei-Smartphone ist recht ähnlich wie auf den Apple-Handys, bis hin zu einer vergleichbaren Suchfunktion. Da ich immer parallel auch ein iPad genutzt habe, fiel mir der Wechsel hin und her nie schwer. Und auch jetzt nicht.

Vermissen werde ich das Pulsieren der Android-typischen Dioden auf dem Smartphone in unterschiedlichen Farben, wenn eine neue Nachricht, Mail oder ein Chat eingegangen ist. Da weiß man schon vorher, ob es sich lohnt, sein Smartphone in die Hand zu nehmen. Auch die Möglichkeit, per Google Pay seinen Paypal-Account – wofür eine virtuelle Kreditkarte eingerichtet wird – zu nutzen, fand ich sehr praktisch. Für Apple Pay habe ich mir nun eigens eine comdirect-Kreditkarte zugelegt, wie viele andere iPhone-User wohl auch, denn Google Paypals Bezahldienst läuft bekanntlich nicht auf den Apple-Smartphones, und Apple Pay unterstützt bisher längst nicht alle Banken und Kreditkarten .

Und einige andere Dinge mehr – doch insgesamt fühle ich mich bereits sehr wohl mit dem iPhone und bin begeistert vor allem von den Foto-Funktionen, die ja schließlich der Hauptgrund für diesen Wechsel nach all den Jahren waren. Einen Vorteil für meine Beiträge auf Macwelt.de hat es zudem – künftig kann ich auch wieder iPhone-Apps testen...