Neue Vorwürfe gegen Facebook

Nach Amazon, Apple und Google steht nun Facebook in der Kritik, die Sprachnachrichten seiner Nutzer ausgespäht zu haben, ohne sie konkret vorher darauf aufmerksam zu machen. Wie Bloomberg meldet , soll Facebook externe Dienstleister damit beauftragt haben, die Audio-Chats seiner Nutzer in Texte zu transkribieren. Die Dienstleister hätten hunderte Menschen beauftragt, die persönlichen Chats der Facebook-Nutzer anzuhören und in eine Textform zu bringen.

Als Quelle nennt Bloomberg Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sein. Facebook wurde zu den Vorwürfen befragt und bestätigte diese. Man habe aber die Verarbeitung von Audio-Dateien vor einer Woche gestoppt, nachdem die Fälle bei den Konkurrenten publik geworden seien. Vor dem Transkribieren seien die Chats anonymisiert worden.

Außerdem betonte Facebook, dass nur dann die Audio-Chats von Nutzern transkribiert worden seien, wenn die Nutzer der App Facebook Messenger in den Einstellungen einem Transkribieren der Sprach-Chats zugestimmt hätten. Facebook meint damit wohl die „Sprache zu Text“-Funktion, die sich in der App ein- und ausschalten lässt. Wie genau, erfahren Sie in diesem Support-Beitrag auf der Facebook-Seite.

Dort ist zwar die Rede davon, dass bei Aktivierung der Funktion die Sprachnachrichten in Textform umgewandelt werden, allerdings fehlt der Hinweis, dass der Nutzer damit Facebook das Recht einräumt, fremde Menschen die Audio-Chats anzuhören und zu verarbeiten. Stattdessen wird betont, dass die „Sprache zu Text“-Funktion maschinelles Lernen verwende. Immerhin: Dem Support-Beitrag ist auch zu entnehmen, dass die „Sprache zu Text“-Funktion bei allen geheimen Unterhaltungen, die auch verschlüsselt übertragen werden, automatisch deaktiviert wird.

Facebook nennt auch einen Grund, warum die Audio-Chats von fremden Menschen angehört und dann in Texte umgewandelt wurden. Man habe damit überprüfen wollen, ob die eingesetzten KI-Routinen den Inhalt der Gespräche richtig interpretiert hätten.


Bereits im April 2019 war bekannt geworden, dass tausende Mitarbeiter bei Amazon die Alexa-Mitschnitte abhören. Mitte Juli wurde dann bekannt, dass auch Google seine Mitarbeiter die Google-Assistant-Gespräche belauschen lässt . Ende Juli verriet ein Informant, Apple höre die vertraulichen Gespräche seiner Nutzer ab.

Für Facebook kommt der neue Vorfall eher zu einer ungünstigen Zeit. Das soziale Netzwerk sieht sich ohnehin den Vorwürfen ausgesetzt, die Nutzerdaten nur schlecht zu schützen und musste erst neulich wegen des Cambridge-Analytica-Skandals eine Rekordstrafe von 5 Milliarden US-Dollar an die US-Handelsaufsicht zahlen.

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