Tim Cook stellt iPhone 13 vor.

Die virtuellen Keynotes Apples kennt man mittlerweile: Eine Viertelstunde vor Beginn beginnt Lounge-Musik zu spielen, Punkt sieben Uhr ändert sich die Animation, eine wilde Kamerafahrt endet im  Apple Park und fokussiert auf Tim Cook. Aber Apple fällt immer wieder etwas Neues ein. Die von Shazam dann doch erkannte Filmmusik "Le Hierva Se Movia" geht nahtlos über in ein Cover des Songs "California Soul" von Ashford & Simpson aus dem Jahr 1967 – dem gleichen Erscheinungsjahr wie "California Dreaming" von The Mamas & The Papas – nett und unerwartet. Auch die Kamerafahrt enthielt einige Überraschungen: Von den Dünen der Mojave-Wüste zur Küste des Big Sur - und am Ende trat Tim Cook aus den Kulissen. Gewiss, nur ein Präludium. Aber eines mit Soul und ein paar Überraschungen, die die üblichen Leaker nicht auf dem Schirm hatten – und sie teils Lügen straften. Aber dazu später.

iPad auf einer neuen Stufe, vor allem das Mini

Immerhin, so mancher Gerüchtekoch hatte in den letzten Tagen die richtigen Schlüsse aus der schlechten Verfügbarkeit des aktuellen iPad 8 gezogen , andere ( Hallo, Mark Gurman! ) waren sich sicher, dass Apple erst später in diesem Herbst neue iPads auf einem zweiten Event zeigen werde. Ein zweites Event ist immer noch möglich, aber es wird ohne neue iPads auskommen müssen. Denn Apple erneuerte nicht wie absehbar das Einsteiger-iPad, sondern auch das iPad Mini , was man eher für Frühjahr 2022 erwartet hatte.

Das schlicht iPad genannte Einsteigergerät geht mittlerweile in seine neunte Generation und dürfte sich in dem Jahresrhythmus eingependelt haben, in dem auch iPhone und Apple Watch stecken. Die Änderungen des bewährten Gerätes fallen nicht spektakulär aus, machen es aber sichtlich besser: Der A13 Bionic treibt nun das Gerät, das nach Aussagen Apples damit dreimal schneller werde als die besten Chromebooks und gar sechsmal schneller als anderen Tablets. Vom iPad Pro erbt das iPad die Funktion Center Stage, damit bleibt man bei Videokonferenzen oder bei der Aufnahme eines Streams für Tik Tok und Co immer im Bild – man erahnt die Zielgruppe. Doch soll auch iPadOS 15 mit zahlreichen Neuerungen etwa für Widgets und Multitasking das iPad nützlicher im Alltag machen. Der Preis in US-Dollar bleibt gleich: Ab 329 US-Dollar für alle und 229 US-Dollar für Bildungseinrichtungen. Die Farbpalette bleibt mit Space Gray und Silber übersichtlich. Auch das dürfte mit der Zielgruppe in Schulen und Behörden zusammenhängen.

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Bunter wird dafür das iPad Mini und dem iPad Air 4, das Apple letzten September vorstellte , ähnlicher. Das Design ist nun das ohne Home-Button und mit dünneren Rahmen, anders als bei den iPads Pro ist aber wie im iPad Air 4 eine Touch-ID im Einschalter verbaut. Der Prozessor ist eine kleine Überraschung, denn das iPad Mini bekommt eben nicht den A14 des iPad Air des >Vorjahres, sondern gleich den A15. Das hatte Apple aber erst am Schluss der Keynote verraten. Die Farben unterscheiden sich leicht von denen des iPad Air: Purple, Pink, Starlight und Space Gray nennt Apple sie. Wie das iPad Air 4 (und die iPad Pro) hat das neue Mini nun auch USB-C als einzige Schnittstelle und unterstützt den Apple Pencil der zweiten Generation. Neu ist die 5G-Konnektivität, die Apple bei den iPads Pro erst im Frühjahr 2021 eingeführt hatte. Die Preise bleiben gleich, ab 499 US-Dollar ruft Apple dafür auf.

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Wie viel Uhr es ist

Nein, wir lassen keinen Kalauer aus, der sich anbietet: Nach Apple kann man beinahe die Uhr stellen. Erneut nach drei Generationen vergrößert der Hersteller den Bildschirm, der um 20 Prozent größer ist als der der Series 4/5/6 und gar um 50 Prozent größer als der der ersten drei Varianten. Das schafft Platz, etwa für Komplikationen, die auf einigen Zifferblättern mehr Daten anzeigen und eine virtuelle Tastatur in der Nachrichten-Anwendung. Das Design straft einige Leaker Lügen – hallo, Jon Prosser – denn die Apple Watch Series 7 wird keineswegs so eckig wie die aktuellen iPhones, sondern sogar noch runder. Und die Story, dass alte Armbänder nicht mehr passen würden , hat sich komplett als Hirngespinst erwiesen. Derartiges würde Apple wohl nur tun, wenn sich das Design komplett ändern würde. Aber eine runde Uhr wird Apple wohl nie bauen. Neue Gesundheitsfunktionen bekommt die Uhr diesmal nicht, etwa Sensoren, die den Blutdruck vermessen. Auch der Akku hält nicht länger durch als bisher, soll sich nur weit schneller aufladen lassen. Dafür weitet Apple seinen Service Fitness+ aus, der "im Herbst" auch in Deutschland und insgesamt in 21 Ländern verfügbar sein soll – auf Englisch, mit Untertiteln. Seltsam: Die an sich völlig veraltete Apple Watch Series 3 bleibt für Preise ab 199 Euro im Handel, dazu auch die Apple Watch SE für 279 US-Dollar. Die Farben der Uhr: Midnight, Starlight, Grün, Blau und Rot für die Aluminium-Uhren, Space Gray, Silber und Gold für die Edelstahlvarianten und helles wie dunkles Titan.

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Die neue Generation iPhone

Was will man über das iPhone denn noch sagen? Tim Cook lobt dessen Superlative bezüglich Multifunktionalität und überragender Kameratechnik bei höchsten Standards an die Datensicherheit und Privatsphäre, erwähnt die jüngste CSMA-Kontroverse aber mit keinem Wort. Klar, ist ja auch eine Verkaufsveranstaltung.

Apple kann das iPhone nicht jedes Jahr neu erfinden, aber es immer noch schrittweise verbessern. Und das sollte mit iPhone 13 und iPhone 13 Mini gelungen sein. Wie jedes Jahr ist das SoC eine Weiterentwicklung, diesmal heißt es A15 und bringt wie der A14 zwei Hochleistungs- und vier Effizienzkerne. Die Zahl der Kerne der neuronalen Engine hat sich auf 16 vergrößert, die GPU bleibt bei vieren. 15 Prozent mehr CPU-Leistung und 30 Prozent mehr bei der GPU gegenüber der Konkurrenz sollen so gewährleistet sein. Vom iPhone Pro Max des Vorjahres erben die 13er den beweglichen Bildstabilisator: Der Sockel des CCD gleicht Verwackler aus. Die Kameras auf der Rückseite sind nun diagonal angeordnet, die Aperturen werden für eine bessere Lichtausbeute etwas größer.

Worauf Apple besonders stolz ist: Der Cinematic Mode. Beim Filmen kann man so automatisch oder per Tipp den Fokus ändern und etwa den Hintergrund scharf stellen, wo zuvor der Vordergrund scharf war. Hobbyfilmer und auch Profis lieben das.

Der hocheffiziente A15 soll aber Nebenwirkungen haben, die allen zugutekommen: Das iPhone 13 Mini soll 1,5 Stunden länger durchhalten als das iPhone 12 Mini und das iPhone 13 gar 2,5 Stunden länger als sein direkter Vorgänger. Die Farben sind wieder ein wenig blasser geworden und heißen Pink, Starlight, Midnight, Blau und Rot. Die Preise bleiben gleich, zumindest in US-Dollar.

Das iPhone 13 Pro schließlich unterscheidet sich von den 13er vorwiegend durch das Kamerasystem und das Display. Die Telekamera beherrscht mit ihren 77 mm Brennweite nun einen optischen dreifach-Zoom, Nachtmodus haben nun alle drei Kameras. Mit Pro Motion meint Apple nicht nur einen Bildschirm, der eine Wiederholrate von 120 Hz bietet, sondern eine Technologie, die diese Wiederholrate an die Bedürfnisse anpasst. Bei eher statischem Gebrauch tun es auch 10 Hz, was Energie spart. Auch die 13 Pro werden daher 1,5 respektive 2,5 Stunden länger durchhalten.

Die Größen (6,1 und 6,7 Zoll) des 13 Pro und des 13 Pro Max bleiben ebenso gleich wie die Preise, die Farben heißen nun Graphit, Gold, Silber und Sierra Blue.

Alle iPhone 13 sind ab diesem Freitag bestellbar, am 24. September sollen sie bei den Kunden eintreffen.

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