Irgendwann werden die Leute recht behalten, die teils schon seit Jahren davon sprechen, dass Apple den Mac erneut auf eine andere Prozessorplattform umziehen wird. Bisher rechneten die meisten der Auguren damit, dass Apple es mit einem Macbook versuchen werde, einem Gerät, das so flach wie das von 2015 bis 2019 gebaute Macbook sein könnte, aber dabei so leistungsstark wie ein iPad Pro, der – wie Apple immer wieder gerne behauptet – die Leistungsfähigkeit eines Desktop-Rechners habe.

Letztens ließ Apples ehemaliger Top-Manager Jean-Louis Gassée aufhorchen, der schon in Bälde einen Mac Pro mit ARM-Chip am Horizont sieht – ein Hersteller sei durchaus  in der Lage, mit seinen Chips den Intel-Xeon-CPUs des heutigen Mac Pro Feuer unter dem Hintern zu machen.

Es wäre also kein Problem für Apple, komplett von Intel auf ARM zu wechseln , auf Dauer müsse man keine zwei Systeme pflegen – sondern nur für eine Übergangszeit. Aber das ist ja Apple gewohnt.

Der erste Mac setzte auf die 68k-Prozessoren von Motorola, Anfang der Neunziger entschied sich Apple für die PowerPC-Plattform, zusammen angetrieben mit IBM und Motorola. Im Jahr 2005 schließlich die für manche überraschende Wende hin zu Intel – die Basis von Mac-OS X, Openstep, war aber seinerzeit ursprünglich für die x86er konzipiert. In den Zeiten des ersten Umstiegs lieferten Softwareentwickler sogenannte Fat-Binaries, in denen zwei Programmdateien enthalten waren, eine für 68k-Macs, die andere für den PowerPC. Später übernahm die „Übersetzungsschicht“ Rosetta die Aufgabe, Programmbefehle von PPC-Software dem Intel-Chip verständlich zu machen. Was sich Apple für den anstehenden Umstieg auf ARM – so er denn wirklich ansteht – hat einfallen lassen, werden Entwickler schon in acht Wochen auf der (virtuellen) WWDC erfahren.

Denn sicher wollen sie auf dem Mac bleiben, auch wenn die iOS/iPadOS-Plafform eine größere Reichweite hat. Dass Apples Produkte aber auch für die Hersteller attraktiv sind, die an sich in anderen Welten unterwegs sind, hat Tradition, die sogar länger reicht als die Geschichte des Mac.

Es war am 2. April 1980, als Microsoft seine erste Hardware vorstellte, die Z-80 SoftCard . Die machte es im Wesentlichen möglich, den Apple II dazu zu bringen, sich wie ein CP/M-Computer zu verhalten – also einer, dessen Betriebssystem auf Intel-Chips setzt. Schon damals fand man in Redmond die Produkte, die die Kollegen in Cupertino bauten, offenbar so cool, dass man mit dabei sein wollte. Der Coprozessor SoftCard war eine Idee von Paul Allen und kostete stolze 350 US-Dollar. Bis 1986 hatte Microsoft das Produkt noch im Angebot, da war aber schon der Mac erschienen und machte alles neu.

Denn Allens und Gates’ Firma war von Anfang an dabei, Software direkt für den Mac zu entwickeln – und von dessen Konzept so begeistert, dass man es lizenzieren wollte. Nach dem harschen „Nein“ aus Cupertino zu dieser Idee kopierte man eben lieber das Konzept – und Apple musste fortan schauen, nicht den Anschluss an das sogenannte Wintel-Kartell zu verlieren: Windows und Intel. Positiver Nebeneffekt des Umstiegs von vor 15 Jahren: Windows auf Mac zu installieren, war danach ein Klacks. Entweder gleich nativ via Bootcamp auf eine eigene Partition oder mithilfe eines Virtualisierungsprogramms wie Parallels Desktop oder Vmware Fusion.

Windows auf dem Mac wird nach einem möglichen Umstieg auf ARM nicht ausgedient haben – oder vielleicht doch. Für viele Anwender sind etliche Programme wichtig, die es nur für Windows gibt – oder eben seit ein paar Jahren auch für das iPad. Mit Catalyst hat Apple schon eine Technik am Laufen, mit der man von Anfang an Programme für mehrere Plattformen entwickeln kann, Virtualisierer und – wie früher – Emulatoren sind dann nicht mehr nötig. Man wird gespannt sein, welche Antwort Parallels und Vmware auf die Herausforderung ARM finden – wenn sie denn kommen wird.