Krym ist Ukraine - die Seegrenze in der Straße von Kertsch fehlt aber bei Apple Maps

Update vom 10. Dezember 2019:

Kritik : Die Krim scheint russisch zu sein – so lange man in Russland Apples Karten- oder Wetter-App nutzt. Diese willkürliche Grenzziehung mag russischen Gesetzen entsprechen, hat aber Kritik ausgelöst. Nun hat sich eine Gruppe von Abgeordneten des Europa-Parlaments in einem Brief an Apple gewandt und gefordert, die Krim wieder mit völkerrechtlich gültigen Grenzen darzustellen:  "Unsere Botschaft ist klar: Kein Land kann sich über die internationale Rechtsstaatlichkeit stellen. Daher ist es alarmierend, dass private Unternehmen wie Apple bereit sind, diese Gesetze zu untergraben, um die Beziehungen zur Russischen Föderation aufrechtzuerhalten".

Update vom 02. Dezember 2019:

Eine Apple-Sprecherin hat gegenüber der BBC angekündigt , Apple werde sich umstrittene Grenzen nochmals genauer ansehen, um die Darstellung in der Karten-App präziser zu gestalten. An der Darstellung der Krim wird sich aber für russische Anwender nichts ändern, wie Apple betont. Die Krim in Russland als russisch auszuzeichnen, erfolge lediglich unter dem Druck der dortigen Gesetze - aber auch außerhalb Russlands ist die Halbinsel nicht mehr eindeutig der Ukraine zugeordnet, anders etwa als bei Google Maps. Apple habe aber über Monate hinweg mit der russischen Regierung über die Darstellung in der Karte verhandelt und nach einem Weg gesucht, die Krim als undefinierte Region zu kennzeichnen. Außerhalb Russlands besteht die Ansicht, die Krim nicht als russisch anzuerkennen, wie groß der Druck auch sein mag. Andere besetzte Gebiete oder umstrittene Grenzverläufe könnten von Apples angekündigte Maßnahmen für Kartenapp aber durchaus betroffen sein. So ist heute etwa das nur teilweise international anerkannte Kosovo von Serbien getrennt – durch eine gestrichelte Linie. 

Kommentar vom 28. November 2019:

Wer in den Achtziger Jahren öfter mal Nachrichtensendungen des Bayerischen Rundfunks gesehen hat – zu jener Zeit weniger öffentlich-rechtlich als Staats- und Parteisender Bayerns und der CSU – wird sich an die gestrichelten Linien auf Karten erinnern, die die Grenzen Deutschlands von 1937 zeigten. Das ging bis zu Schluss so, als die Springertitel der DDR längst schon die Gänsefüßchen genommen hatten. Die Linien um Pommern und Schlesien zeigte der BR ja mit einigem Recht: Bis zur Ratifizierung des 2+4-Vertrages waren sie völkerrechtlich gültig. Aus bekannten Gründen hatte es nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu einem Friedensvertrag respektive einem damit gleichkommenden Abkommen etwas länger gedauert.

Gleichwohl waren die Striche Ausdruck einer politischen Gesinnung: Die DDR war zwar Fakt und ebenso, dass Schlesien und Pommern nun polnisch sind. Anerkannt haben das die Chefs des Bayerischen Rundfunks bis 1990 nicht. Dann war die DDR Geschichte, und das polnische Pommern und Schlesien sind ein Fakt, dem sich nicht einmal mehr die CSU verweigert.

In Sachen Krim ist die Lage genau anders herum: Völkerrechtlich gehört diese seit 1954 zur Ukraine, die seit 1991 (wieder) unabhängig ist. De facto kontrolliert aber Russland die Region, seit einer im Jahr 2014 vorgenommenen Annexion samt massiv manipulierter Volksabstimmung. Apple setzt in seiner Kartenanwendung aber nun die Striche anders – so, wie es der Kreml wünscht. Dort, wo eine Linie sein sollte, in der Meerenge von Kertsch, ist keine mehr. Stattdessen ist die Krim per gestrichelter Linie vom ukrainischen Festland getrennt – korrekterweise als Trennlinie zwischen zwei Provinzen. Zum Vergleich: Google Maps setzt hier auch eine Trennlinie, die einer Provinzgrenze, anders als Apple um Sewastopol herum eine Staatsgrenze. Und in der Straße von Kertsch zeigt in Google Maps eine Linie die Seegrenze zwischen Russland und der Ukraine, die in Apples Karten nun fehlt. Wie die konkrete Darstellung mit einer russischen IP-Adresse aussieht, entzieht sich unserer Kenntnis.

Beugt sich Apple den völkerrechtswidrigen Fakten oder dem Druck der von Moskau erlassenen Gesetze? Schwer zu sagen. Eine politische Haltung Apples lässt sich daraus nicht ableiten. Allenfalls die Haltung, das Beste für die Firma herauszuholen und brav den Gesetzen von Autokraten zu folgen, in China, in Russland, anderswo. Oder anderen Autokraten um den nicht vorhandenen Bart zu schmeicheln und sie Fabriken "eröffnen" zu lassen, die seit sechs Jahren produzieren.

Das mag Apple in jedem Fall nutzen, zeugt aber von wenig Rückgrat. Einem Rückgrat übrigens, das wir auch sonst bei keinem profitorientierten Unternehmen in Fortune-500-Größe finden. Die gleiche Duma hat übrigens erst vor wenigen Tagen ein Gesetz verabschiedet, das Smartphone-Hersteller verpflichtet, ihre Geräte auf dem russischen Markt mit den vorinstallierten russischen Apps zu liefern. Dies sollte ab dem 1. Juli 2020 gelten . Mal schauen, wie das Unternehmen, das sich um nicht weiteres als um Datenschutz seiner Kunden sorgt, das Vorinstallieren der staatlich entwickelten Apps verargumentiert.