Propel Center

Schon gestern hatte der Nachrichtensender CBSN angekündigt , Apple-Chef Tim Cook werde in einem Interview im Morgenmagazin "This Morning" ab 7 Uhr Ostküstenzeit etwas Wichtiges verkünden, das weit über neue Produkte hinausginge. Kaum war die Sendung angelaufen – mit Berichten über das zweite Impeachment gegen Präsident Trump – stellte Apple in seinem Newsroom die Initiative vor , die Tim Cook später Interview näher erläutern soll.

Apple will – und hier gibt es eben den Bezug zur rassistischen Politik des abgewählten Präsidenten – für seine Racial Equity and Justice Initiative (REJI) 100 Millionen US-Dollar bereitstellen, um "systemischen Rassismus in Frage zu stellen und die Rassengerechtigkeit landesweit voranzutreiben". REJI hatte Apple bereits im Juni vergangenen Jahres aufgesetzt, angesichts der Morde an Breonna Taylor, George Floyd und anderen People of Color (PoC). "Wir alle sind der dringenden Arbeit zum Aufbau einer gerechteren, gerechteren Welt verantwortlich – und diese neuen Projekte senden ein klares Signal für Apples anhaltendes Engagement", zitiert Apples Pressemeldung nun den CEO des Unternehmens  Tim Cook. 

Cooks Interview auf CBSN kann man sich hier ansehen:

Konkret setzt Apple nun das Geld etwa zur Gründung des Propel Centers ein, eines "einzigartigen Lern- und Innovationscenters für die HBCU-Commuity". Das Akronym steht hierbei für "Historically Black Colleges and Universities", Bildungseinrichtungen, die vor dem Inkrafttreten des Civil Rights Acts im Jahre zur höheren Bildung von Afroamerikanern gegründet worden, die zu jener Zeit nur eingeschränkte Bürgerrechte genossen. Ein Viertel des 100-Millionen-Dollar-Fonds, als 25 Millionen US-Dollar werde dazu aufgewendet, um die HBCU-Institute, ihre Studierenden und Dozenten mittels einer robusten virtuellen Plattform miteinander zu vernetzten und einen physischen Campus im Atlanta University Center zu errichten.

Das Propel Center werde dabei "eine breite Palette von Bildungswegen anbieten, darunter KI und maschinelles Lernen, landwirtschaftliche Technologien, soziale Gerechtigkeit, Unterhaltungskunst, App-Entwicklung, Augmented Reality, Design und kreative Kunst, Karrierevorbereitung und Unternehmertum". Experten von Apple sollen die Initiative unterstützen und bei der Entwicklung von Lehrplänen helfen.

Im Rahmen seiner Partnerschaften mit HBCUs werde der Mac-Hersteller auch zwei neue Zuschüsse zur Unterstützung von HBCU-Engineering-Programmen geben, heißt es weiter: "Apples neue Innovation Grants werden den HBCU Colleges of Engineering helfen, ihren Lehrplan für Silizium- und Hardware-Engineering in Partnerschaft mit Apples Experten zu entwickeln. Das neue Faculty Fellows Program wird HBCU-Pädagogen unterstützen, die Forschung und Entwicklung betreiben, mit Mentoring-Programmen, Unterstützung bei der Entwicklung von Lehrplänen und Mitteln zur Ausstattung ihrer Laborräume."

Hinzu kommen 100 individuelle Stipendien für Studierende aus "unterrepräsentierten Gemeinschaften" – Bildungschancen sind in den USA sehr ungleich verteilt, Herkunft und Vermögen spielen eine weit größere Rolle als Talent.  Das will Apple ändern, wie Lisa Jackson, Vizepräsidentin für Umwelt, Politik und soziale Initiativen von Apple erklärt: "Jeder Mensch verdient gleichberechtigten Zugang zu Chancen, unabhängig von Hautfarbe oder Postleitzahl. Zu lange sind farbige Gemeinschaften mit groben Ungerechtigkeiten und institutionellen Hindernissen konfrontiert, um den amerikanischen Traum zu verfolgen." Jackson leitet die REJI, die auf Apples Arbeit zur Förderung der Rassengerechtigkeit in Bildung, Wirtschaft und Strafjustiz aufbaut.

Akademie in Detroit, Finanzierung von Unternehmern

Neben Atlanta, Georgia nimmt Apple auch Detroit, Michigan in den Fokus, jene als "Motwon" bezeichnete einstige Hochburg der niedergehenden Automobilindustrie. Noch im Laufe dieses Jahres will Apple in der Innenstadt seine erste Entwickler-Akademie in den USA eröffnen und somit beim notwendigen Strukturwandel helfen. "Die Akademie wurde entwickelt, um junge schwarze Unternehmer, Schöpfer und Programmierer zu befähigen und ihnen zu helfen, die Fähigkeiten zu erwerben, die für Arbeitsplätze in der schnell wachsenden iOS-App-Wirtschaft erforderlich sind." Detroit habe laut jüngster Volkszählung in den USA eine "lebendige schwarze Unternehmer- und Entwickler-Community", mit rund 50.000 Einzel- und Kleinunternehmern. Die Kurse der Akademie entwickelt Apple zusammen mit der Michigan State University. Sie sind offen für jeden, auch ohne formale Vorbildung, selbst Programmieranfänger können teilnehmen. An diese Zielgruppe richtet sich ein 30-tägiges Einführungsprogramm, das den Beruf des Entwicklers schmackhaft machen und vor allem erklären soll, das vollständige Akademieprogramm zieht sich dann über zehn bis zwölf Monate.

Zur Finanzierung von Gründern mit dunkler Hautfarbe stellt Apple zehn Millionen US-Dollar für den in New York tätigen Wagniskapitalgeber Harlem Capital zur Verfügung, hinzu kommen 25 Millionen Dollar für  den Clear Vision Impact Fund von Siebert Williams Shank, der laut Apple "kleinen und mittleren Unternehmen Kapital zur Verfügung stellt, mit Schwerpunkt auf Unternehmen in Minderheitenbesitz."