Die möglichen Hinweise kommen von niemand geringerem als Craig Federighi selbst.

Dass Apple durchaus über sich selbst lachen kann und der Humor in den Keynotes nicht zu kurz kommt, sollte jedem spätestens seit der diesjährigen Worldwide Developers Conference klar sein. Die WWDC 2021 startete Apple beispielsweise mit einem Einspieler, in dem Entwickler ihre Vorstellungen für einen Eröffnungsfilm für die Entwicklerkonferenz beschreiben sollten. Das Ergebnis: Ein Tim-Cook-Double steigt aus einem DeLorean DMC-12 (bekannt als Zeitmaschine aus "Zurück in die Zukunft") und hält ein zum Fluxkompensator umfunktioniertes iPhone in die Höhe, eine junge Frau rettet ein Programmierer-Team, indem sie ein Bug-Problem fixt (woraufhin in waschechter Musical-Manier und einstudierter Choreographie das Lied "We made an App" performt wird), und schlussendlich eröffnen (natürlich wieder Doubles) Apple CEO Tim Cook und Apples Chef-Entwickler Craig Federighi an den E-Gitarren in einer Rock-Arena und mit jeder Menge Pyro-Technik die WWDC.

Doubles von Tim Cook und Craig Federighi an den E-Gitarren

© Apple

Die Eröffnung zeigt: Der Spaß kommt bei Apple nicht zu kurz. Und genau das sollte man auch im Hinterkopf behalten, wenn man sich die Frage stellt, ob Craig Federighi während der Keynote tatsächlich Anspielungen auf ein kommendes Apple Car versteckt hat. Ebenfalls muss ich an dieser Stelle sagen: Ein so großes Event wie die WWDC (laut Tim Cook verfolgten die WWDC 2020 rund 25 Millionen Menschen) ist bei Apple von vorne bis hinten durchgeplant. Jedes Wort, jeder Satz, jede Szene und jedes Detail – und sei es nur unscharf im Hintergrund zu sehen – ist geplant. Und das gilt natürlich auch für die kleinen Späße, die Apple hier und da mit in die Keynote einbaut.

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Sie wollen einen Beweis? Kein Problem! Haben Sie einen genaueren Blick auf den Abspann der Keynote geworfen? Zugegeben, nach der rund zwei Stunden langen Präsentation war man fast schon froh, als sich die Keynote dann dem Ende neigte. Da hat man den Abspann vielleicht nicht mehr ganz so aufmerksam verfolgt. Allerdings hat Apple hier ein paar Infos zur "Production Health and Safety" geliefert und angegeben, dass Cast und Crew täglichen Temperatur-Checks unterzogen wurden, ausreichend Sicherheitsabstand eingehalten wurde, alle Masken trugen und die Drehorte regelmäßig desinfiziert wurden. Ach ja, und natürlich durfte auch folgender Hinweis nicht fehlen: "No iPads were harmed in the making of this event" – eine Anspielung darauf, dass Craig Federighi bei einer Anmoderation ein von oben ins Bild fallendes 12,9-Zoll großes iPad Pro auffing.

Nochmal Glück gehabt: Kein iPad kam bei den Dreharbeiten zu Schaden

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Apple Car: Zufall oder zwei versteckte Hinweise?

In den letzten Monaten gab es unzählige Spekulationen über ein mögliches Auto von Apple. Mittlerweile sogar so viele, dass man gar nicht mehr auf dem Schirm hat, was stimmt und was sich im Nachhinein als Fehlinformation herausstellte.

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Manche glauben jedoch, einen versteckten Hinweis auf ein kommendes Apple-Car in der WWDC-Keynote vom Montag gefunden zu haben – und zwar von niemand geringerem als Apples Chef-Entwickler Craig Federighi selbst. Nach rund einer Stunde und zwanzig Minuten, – gerade als die Vorstellung der neuen Home-Features zu Ende ging, – reißt Federighi in seiner Garage eine Plane von einem Auto. Es handelt sich dabei um ein älteres Roadster-Modell, vielleicht ein alter Spider von Alfa Romeo. Ganz genau können wir das Modell nicht zuordnen. Wie in dem kurzen Einspieler jedoch zu sehen ist, hat dieses Auto Carplay installiert. Etwas untypisch für ein solch altes Auto, was jedoch vielleicht im Nachhinein eingebaut wurde. Die Sequenz ist schnell geschnitten und fast so schnell vorbei, wie sie angefangen hat. Federighi fährt zu mitreißender Musik in die Parkgarage des Apple-Hauptquartiers und nach einem Szenenwechsel läuft er auch schon durch unterirdische Gänge des Campus und betritt ein Labor, um das neue macOS Monterey vorzustellen. 

Nicht gerade umweltfreundlich: Federighi auf dem Weg zur Arbeit.

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Der Einspieler wirft einige Fragen auf. Apple betont seit einigen Jahren, wie umweltfreundlich das gesamte Unternehmen geworden ist und was es noch für die Zukunft plant. Apple ist laut eigenen Angeben bereits CO2-neutral und bis 2030 sollen dies auch alle Produkte sein. Tatsächlich hat Apple eine eigene Webseite , in der es nur um Umweltschutz geht. Dass Apples Chef-Entwickler jeden Tag mit einer Umweltschleuder ins Büro kommt, ist eine merkwürdige Art zu zeigen, dass Apples Chef-Etage Rücksicht auf den Klimawandel nimmt. Warum hat sich Apple nicht dazu entschlossen, Federighi etwa mit einem Elektro-Auto zur Arbeit fahren zu lassen, oder etwa mit einem neuen BMW, sodass der Chef-Entwickler nochmal eine der neuen Wallet-Funktionen zeigen kann und das Auto mit seinem iPhone entsperrt? Oder warum radelt "Hair-Force-One" (ein von Apple-Fans ausgedachter Kosename für Federighi) nicht durch die Gärten des Apple Campus? Apple wird sich schon was dabei gedacht haben. Nur was genau? Sehen Sie selbst:

Einen zweiten Hinweis könnte man nur wenige Minuten später sehen, nach der Präsentation von macOS Monterey. Federighi kündigt an, noch mehr Neuigkeiten parat zu haben: "Wir haben noch mehr, über das wir sprechen wollen. Aber zunächst: Lassen Sie uns von hier verschwinden". Anschließend beamt sich Federighi mit einem Tipp auf seiner Apple Watch über ein Portal in einen Maschinenraum, in den Teich vom Apple-Park und erst dann an das ursprüngliche Ziel – den nächsten Präsentationsraum. Das kommentiert Federighi (bei Minute 1:33:30) nur mit "Ich hätte wahrscheinlich besser das Auto nehmen sollen."

Eine zweite Auto-Anspielung innerhalb von wenigen Minuten? Wie bereits gesagt: Auch solche Scherze sind von Apple ganz bewusst geplant. Die fehlgeschlagene Teleportation könnte man so interpretieren, dass Apple mit der Entwicklung des Apple Car noch nicht fertig ist, es also noch etwas Zeit bedarf, bis wir tatsächlich ein Apple Auto zu Gesicht bekommen.

Natürlich kann es sich dabei nur um einen kleinen Spaß von Apple handeln, der nichts weiter zu bedeuten hat. Schließlich teleportiert sich Federighi auch anfangs in die Keynote, wonach auch keiner darüber spekulieren wird, ob Apple möglicherweise an einer Portal-Technologie arbeitet. Auffällig – und in gewisser Weise auch etwas Apple-untypisch – ist es jedoch schon. Denkbar ist auch, dass Apple ganz bewusst solche Anspielungen gewählt hat, um aktuellen Gerüchten entgegenzuwirken. Wenn wir doch nur wüssten, was Apple sich wirklich dabei gedacht hätte. Zufall oder doch versteckte Hinweise?