Der Saal bleibt leer, doch die Bühne hell erleuchtet

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Im Jahr 2020 hat Apple noch keine einzige seiner traditionellen Keynotes abhalten können, aber aus der Not eine Tugend gemacht. Auf eine mögliche Show im Frühjahr hat Apple verzichtet und stattdessen einige neue Produkte per Pressemitteilungen angekündigt. Die Entwicklerkonferenz WWDC fand erstmals komplett online statt, bei der Eröffnungskeynote setzte Apple aber neue Maßstäbe in Sachen virtueller Präsentation. Die Shows für neue Apple Watches und iPads ( "Time Flies" am 15. September ) respektive neue iPhones und dem Homepod Mini (" Hi, Speed" am 13. Oktober ) standen dem in wenig nach, nur waren sie mit jeweils rund einer Stunde recht kurz. Das lässt Raum und Zeit für eine dritte solche Show im Herbst, was für Apple eine Premiere wäre. Aber ungewöhnliche Zeiten eben. Mit diesen Veranstaltungen rechnen wir also in den kommenden zwölf Monaten.

November Mac

Der erste Mac mit Apple Silicon komme noch in diesem Jahr, man habe aber auch noch fantastische Intel-Macs in der Pipeline, versprach Apple-CEO Ende Juni auf der WWDC bei der Ankündigung vom Wechsel der Prozessorplattform. Mit dem neuen iMac 27 Zoll kam ein durchaus vielversprechender Intel-Mac in der Zwischenzeit (per Pressemitteilung), lang ist das Jahr nicht mehr. Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass Apple den wichtigsten Mac (oder gleich mehrere davon) der letzten Jahre einfach so ankündigt und in den Handel bringt, eine weitere virtuelle Keynote scheint gesetzt zu sein. Einen möglichen Termin nennt nun der meist recht treffsichere Leaker Jon Prosser: 17. November , bis zum 30. Dezember hat Apple dann noch ein wenig Zeit für die Auslieferung. Ein zweites Produkt für die dritte Keynote könnte ein neues Apple TV mit A12Z und U1 sein, als für Spiele weit bessere Lösung, die auch zusammen mit den Homepods Mini als Hub im Smart Home dient. Oder auch die ominösen Airtags, die wären dann aber auch ein Produkt für das nächste Jahr. Nicht vor dem nächsten Jahr ist auch mit den Airpods Studio zu rechnen, jenen Overear-Hörern mit U1-Chip für räumliche Orientierung.

Auf ein Neues in 2021

Nächstes Jahr wird alles anders – hoffentlich. So wie zuvor wird es nicht mehr werden, so groß ist der angerichtete Schaden. Aber schon ab dem 20. Januar 2021 kann die Zeit nach Trump beginnen und Monate danach vielleicht auch eine neue Freiheit nach der Pandemie. Für die Inauguration von POTUS 46 werden aber vermutlich noch weniger Leute vor Ort sein als 2017, aufgrund der dann immer noch notwendigen Kontaktbeschränkungen.

Apple wird nicht völlig unbeschadet aus der Krise kommen, hat aber die besten Aussichten, wie weit glimpflicher zu überstehen als etwa Fluggesellschaften. Von daher wird Apple auch im Frühjahr 2021 Neues zu zeigen haben, Hardware, Software, Services. Wie das aussieht, lässt sich heute schlecht vorhersagen, 2021 wird sich aber das große Thema "Der Mac wechselt von Intel aus Apple Silicon" nach den ersten Produkten aus dem Herbst 2020 fortsetzen. Und was heute ein schöner Traum ist, wird im März 2021 vielleicht ja doch wahr: Eine klassische Frühjahrskeynote vor Publikum – die Chancen sehen derzeit aber immer schlechter dafür aus, geht dann also virtuell weiter. Jon Prosser ist ja der Ansicht, dass die Airpods Studio der Aufhänger der Show werden , es könnte aber auch das iPad Pro wieder eine Renovierung bekommen und die Gelegenheit für ein "one more thing" wäre gegeben. Für die AR-Brille Apple Glass bietet sich aber eher eine andere Veranstaltung an.

WWDC wieder mit Publikum

Sportveranstaltungen finden in Deutschland seit Herbst wieder mit reduziertem Publikum statt und auch nur dann, wenn vor Ort die Infektionszahlen relativ klein erscheinen. Wer weiß, ob und wie lang das noch gut geht, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn dann die Saison 2020/21 im kommenden Mai/Juni auf die Zielgeraden gehen sollte, ist das Schlimmste hoffentlich überstanden und die Stadien wieder voll.

Die USA hat es aufgrund politischen Versagens des Weißen Hauses weit schlimmer getroffen, und doch darf man hoffen, dass selbst dort im kommenden Frühsommer die Krise weitgehend überstanden ist. Die Entwicklerkonferenz WWDC könnte wieder Entwickler aus aller Welt mit Apple-Ingenieuren in Cupertino zusammentreffen lassen – vielleicht nicht mehr 5000 Entwickler und 1000 Ingenieure und vielleicht nicht aus allen Weltgegenden, aber immerhin.

Auf dem Plan steht dann der Big-Sur-Nachfolger, der macOS 12 heißen könnte und den Namen einer weiteren kalifornischen Sehenswürdigkeit beigestellt bekommt. iOS 15, iPadOS 15, tvOS 15 und watchOS 8 werden auf die heute aktuellen Versionen folgen. Und vielleicht ist Apple ab Sommer 2021 auch bereit für das nächste große Ding, eine Apple Glass genannte AR-Brille. Vor allem für Entwickler dürfte interessant sein, was mit dem Gerät geht und was nicht.

Und schon wieder ein neues iPhone

Die von Covid-19 im Jahren 2020 ausgelösten Verzögerungen werden sich auch noch im Jahr 2021 und danach eine Rolle spielen, gut möglich also, dass auch im kommenden Jahr das iPhone später kommen wird, also erst gegen Oktober. Nach dem großen Sprung von 2020 könnte ein Jahr darauf eher wieder eine evolutionäre Weiterentwicklung anstehen, iPhone 12s statt iPhone 13.