Wie der legendäre Nokia-Klingelton entstand

Simon Lohmann |
Der wohl bekannteste Handy-Klingelton aller Zeiten des finnischen Telekommunikationskonzerns, Nokia, wurde vor über 100 Jahren komponiert - von einem Spanier.
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Das Nokia 3310 kam Ende 2000 auf den Markt.

Champhei / Shutterstock.com

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie "Nokia" hören? Vielleicht an alte Modelle, wie zum Beispiel das kultige Nokia 3310? Oder doch an den klassischen Klingelton, der sich seit mehr als einem Vierteljahrhundert in unsere Köpfe eingebrannt hat?

Interessanter Weise stammt die Komposition des Nokia-Klingeltons gar nicht aus der Feder des finnischen Telekommunikationskonzerns. Tatsächlich streiten sich die Geister, wer genau die einprägsame Melodie komponierte.

Fest steht: Francisco Tárrega, ein spanischer Musiker, der als einer der größten klassischen Gitarristen gilt, komponierte die Melodie, so wie wir sie heute kennen. Tárrega hinterließ bis zu seinem Tod im Jahr 1909 eine beeindruckende Anzahl an Kompositionen der Romantik – dank Nokia zählt das Stück "Gran Vals" zu seinen bekanntesten Werken. Tárrega komponierte das Gitarrensolo im Jahr 1902, in welchem bereits zu Beginn des Stücks in wenigen Takten eben jene Melodie vorkommt, die durch Nokia weltberühmt wurde.

Zu der Zeit, als Nokia noch den Telefonmarkt dominierte, ertönte diese Melodie laut Quartzy weltweit rund 1,8 Milliarden mal pro Tag aus den Taschen der Nutzer. Kein Wunder also, dass wir uns noch so gut an den Klingelton erinnern.

Die Geschichte des Nokia-Ohrwurms geht sogar noch weiter zurück: 1834 schrieb der polnische Komponist Frédéric Chopin den Walzer "Grand Valse Brillante". Tárrega nahm sich Chopins Walzer zum Vorbild und verfasste das Klavierstück für die Gitarre. Hört man genau hin, kann man bei Chopins Walzer ebenfalls die Melodie in Minute 01:37 heraushören – jedoch nicht ganz so prägnant wie in Tárregas Version.

1993 hatte Nokias Marketing-Abteilung diverse Melodien zur Auswahl. Dass sich der Konzern für Tárregas "Gran Vals" entschied, hatte einen einfachen Grund. Das Europäische Recht sieht vor, dass 70 Jahre nach dem Tod eines Komponisten sein Werk für die Öffentlichkeit frei verfügbar ist. Da Tárrega nicht älter als 57 wurde und somit zu diesem Zeitpunkt bereits 84 Jahre tot war, umging Nokia die Gefahr, bestehende Urheberrechte zu verletzen.