Warum Apple von Intel zu AMD wechseln sollte

Jason Cross |
Anders als der Wechsel von x86 zu ARM wäre der Wechsel des Chip-Lieferanten für Mac-CPUs von Intel zu ARM ein Klacks. Und brächte gewissen Nutzen, meint Jason Cross.
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AMD Desktop

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Gerüchten zufolge plant Apple, eigene CPUs und GPUs für Macs zu produzieren. Die T2-Prozessoren, die schon heute in iMac Pro, Macbook Pro, Mac Mini und Macbook Air ihren Dienst verrichten, sind nur ein winziger erster Schritt – der große Sprung wäre, so etwas wie den A12X zu nehmen und ein Macbook darum zu bauen. Das wäre sowohl hinsichtlich der Leistungswerte als auch des Kosten-Nutzen-Verhältnisses sinnvoll. Vielleicht noch wichtiger ist aber, dass es Apple die volle Kontrolle über seine gesamte Plattform gäbe und es dem Unternehmen ermöglichte, auf eine Weise Fortschritte zu erzielen, die nicht möglich sind, solange es das Herzstück seiner Computer andere Unternehmen bauen lässt.

Aus diesen und weiteren Gründen halte ich es für sinnvoll, dass Apple mit der Umstellung von macOS auf ARM beginnt und Computer mit eigenen CPUs und GPUs baut. Aber dieser Übergang wird Jahre dauern. In der Übergangsphase sollte Apple aber schon mal Intel über Bord werfen und voll auf die Chips von AMD setzen.

Bessere Performance bei weniger Leistungsaufnahme

Die Consumer-Chips, die AMD in diesem Jahr ausliefern wird – neue Ryzen-Chips der dritten Generation auf Basis des Zen 2-Kerns und der Ryzen Threadripper High-End-Desktop- und Workstation-Chips mit der gleichen Technologie – werden Intel mehr als nur ärgern. Die aktuelle Generation dieser Chips bringt gleiche oder gar bessere Performance als Intels Lösungen in fast allen Aufgaben außer High-End-Gaming. Und seien wir ehrlich, so sehr ich auch Mac-Spiele liebe, Gaming ist einfach kein relevanter Markt für den Mac.

Wir hatten bisher nur wenige Einblicke in die neuen 7nm-Produkte, die AMD in diesem Jahr ausliefern will, diese haben es aber gewaltig in sich. Während seiner CES-Keynote zeigte AMD eine frühe Technik-Demo des neuen Ryzen-Chips der dritten Generation, der noch mit reduzierter Geschwindigkeit lief. Trotzdem schlug er einen Intel Core i9-9900K in einem Cinebench-Test. Eine beeindruckende Leistung, wenn man bedenkt, dass beide Chips die gleiche Anzahl von Kernen (acht) und Threads (16) bieten.

Aber als Lisa Su von AMD den nämlichen Ryzen-Chip hochhielt, fiel vor allem das Layout auf. Es sieht so aus, als gäbe es absichtlich noch Platz für ein zweites 8-Core-, 16-Thread- "Chiplet", was mich zum Schluss kommen lässt, dass die Firma sich noch bedeckt hielt, indem sie nur die 8-Kern-Version zeigte. Wenn AMD mit Intel schon bei gleicher Kernanzahl mithalten oder die Konkurrenz gar  übertreffen kann und dann eine reguläre Desktop-CPU 16 Kernen und 32-Threads liefert, werden sie mit ziemlicher Sicherheit die Spitzenposition in der Performance einnehmen, trotz der Verbesserungen, die Intel in diesem Jahr noch  vornehmen wird.

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Hmm....sieht so aus, als ob dort noch Platz für weitere acht Kerne und 16 Threads wäre.

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Die CES-Demo von AMD war auch auf andere Weise von Bedeutung. Das Ryzen-Testsystem der dritten Generation verbrauchte rund 25 Prozent weniger Energie als das Intel-System. Wenn der finale Chip mit etwas höherer Taktrate läuft, mag sich dieser Abstand verringern, aber es ist eine richtig große Sache, wenn AMD die Leistung von Intel mit Prototypen bei deutlich geringerem Stromverbrauch erreicht oder übertrifft.

Jetzt können Sie diese Erkenntnis auf einen Threadripper-Chip der dritten Generation skalieren, der eine perfekte Ergänzung für den kommenden Mac Pro wäre. Wie bei den ersten beiden Threadripper-Generationen können wir davon ausgehen, dass diese der Epyc-Server-Chip-Linie von AMD ähnlich sein werden, was bedeutet, dass wir mit bis zu 64 Kernen und 128 Threads rechnen können.

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Bereits jetzt wäre der iMac Pro mit dem Thread Ripper der zweiten Generation besser dran. Stellen Sie sich den Sprung vor, den die dritte Generation bringen würde.

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Können Sie sich einen Mac Pro vorstellen, der gegen Ende dieses Jahres mit bis zu 64 Kernen und 128 Threads ausgeliefert wird, mit einer Pro-Kern-Performance auf dem Niveau der neuesten und besten Chips von Intel? Oh, und AMD ist auch bei der Unterstützung von PCI Express 4.0 führend. Apple liebt es, jede Menge schnelle I/Os in seine Pro-Desktop-Computer zu stecken, so dass das nur eine weiteres Argument für AMD ist.

Der Preis ist heiß

Apple verlangte stets hohe Preise und war nie günstig, will aber sicherlich nicht mehr für seine CPUs bezahlen als nötig. Seit der Einführung von Ryzen im Jahr 2017 bietet AMD eine außergewöhnliche Performance pro Dollar. Selbst seine leistungsstärksten Desktop-Chips (die in vielen Aufgaben oft schneller sind als die von Intel) können Hunderte von US-Dollar weniger kosten.

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Apple liebt schnelle I/Os. AMD wird PCIe 4.0 als erstes liefern!

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Natürlich zahlt ein großer und renommierter Hersteller wie Apple keine Straßenpreise. Aber es ist schwer vorstellbar, dass AMD die Preise von Intel nicht unterbieten kann, so dass Apple einige dieser Einsparungen an die Kunden weitergeben könnte. AMD ist bereits der einzige Anbieter für Mac-GPUs (bei Macs mit diskreter Grafik), und es wäre ein riesiger Gewinn für AMD, Apples CPU-Geschäft von Intel zu übernehmen, selbst wenn es nur um Desktops ginge. Allein der Anstieg des AMD-Aktienkurses würde es wahrscheinlich wert sein, fast ohne Marge zu arbeiten.

Unkompliziert für Entwickler

Es könnte beunruhigend sein, den CPU-Anbieter zu wechseln... Warum sollte man sich die Mühe machen, wenn es nur ein paar Jahre dauern wird, bis Apple seine eigenen CPUs in alle Macs verbaut? Aber ein solcher Umstieg hat mehr gemein mit dem Wechsel von Nvidia zu AMD bei den Grafikkarten. Für die meisten Entwickler wären die Folgen beinahe unsichtbar.

Die breite Kompatibilität zwischen Intel- und AMD-CPUs bedeutet, dass Entwickler nicht viel Arbeit erledigen müssen. Tatsächlich würden die meisten Apps einfach laufen, ohne dass man Änderungen vornehmen müsste. Entwickler, die wirklich für die Architektur von AMD optimieren wollen, finden viele vertraute Werkzeuge dafür. Tatsächlich finden sich einige der am besten optimierten Codes von AMD in der Linux-Community, die einen geringeren Abstand zu macOS hält als die Windows-Welt. Im Vergleich zu einer App, die auf ARM laufen soll, wäre es ein Kinderspiel, den gesamten aktuellen macOS-Katalog auf den Ryzen-Prozessoren von AMD arbeiten zu lassen.

Fanclub inklusive

Apple scheint mehr daran interessiert zu sein, ein Dienstleistungsunternehmen zu werden, als viele Desktop-Computer zu verkaufen, aber das macht Macs nicht überflüssig – es ist immer noch wichtig, einiges an Hardware zu verkaufen. Tatsächlich stagnieren die Mac-Verkäufe in letzter Zeit und könnten einen kleinen Schub durchaus vertragen. Auf lange Sicht ist die Innovation eigener Apple-Chips der beste Weg, dies zu erreichen.

Das macht eine leidenschaftliche Fangemeinde aus: Bei einem Bruchteil des Marktanteils mehr als viermal so viele Abonnenten für den Subreddit.

Auf kurze Sicht schadet es nie, einen Haufen verrückter Fanboys zu haben, die sich begeistert einen Computer kaufen, nur weil er die Prozessoren und GPUs ihres Lieblingsunternehmens verwendet. Es gibt Intel-Fans und es gibt AMD-Fans, aber die AMD-Fangemeinde hat die Art von radikaler "Immer der Underdog"-Einstellung, die genau zu Apple passen dürfte. Wenn Sie nicht glauben, dass ein AMD-Fan den Kauf seines ersten Macs in Betracht ziehen wird, nur weil er einen Ryzen-Threadripper-Chip enthält, haben Sie noch keinen AMD-Fan getroffen.

ARM-basierte Macs werden eine Weile dauern

Die Leistung des A12X im iPad Pro ist bereits gut genug für ein dünnes und leichtes Macbook, aber es ist um ein Vielfaches langsamer als der Intel-Prozessor eines 18-Kern iMac Pros aus dem Jahr zuvor. Dann spielen auch noch die GPU-Leistung eine Rolle, die Speicherbandbreite, jede Menge von PCI Express .... kurz gesagt, Apple ist ziemlich nah dran, alle Komponenten zu bauen, die es für ein großes, dünnes und leichtes Macbook benötigt, aber Jahre entfernt von der Art von großen Hochleistungschips, die für zukünftige iMac Pro und Mac Pro  benötigt werden.

Das ist in Ordnung. Der Übergang zum ARM Mac sollte, wenn er stattfinden soll, zuerst mit dünnen und leichten Laptops beginnen und dann langsam in der Produkthierarchie nach oben klettern. Nicht nur, dass die aktuellen Chips der A-Serie von Apple den Leistungs- und Funktionserwartungen dieser Laptops viel näher kommen, auch die unvermeidlichen Kompatibilitätsprobleme werden weniger problematisch sein.

Dünne und leichte Mac-Laptops – das Macbook und das Macbook Air – sind Consumer-Geräte. Die Leute benutzen sie, um im Internet zu surfen, E-Mails zu checken, Musik zu hören, Videos anzusehen und vielleicht ein wenig an Inhalten zu erstellen (einfache Fotobearbeitung und dergleichen). Wenn macOS zu ARM übergeht, müssen Entwickler viel Arbeit mit dem Umschreiben von Anwendungen leisten, aber die Verbraucherbedürfnisse des Macbook Air können fast vollständig durch die integrierten Apps von Apple erfüllt werden. Bis auf wenige Ausnahmen können Verbraucher die Apps ziemlich einfach wechseln; wenn ihre bevorzugte Notizapplikation keine ARM-kompatible Version hat, können sie eine andere ausprobieren.

Aber High-End-Mac-Desktops – der iMac Pro und der Mac Pro – sind für Menschen gedacht, die große Videobearbeitungsaufgaben, 3D-Modellierung und -Animation sowie High-End-Bildbearbeitung (wie Filmemacher) als Aufgabe haben. Die Pro-Apps, auf die sie sich verlassen, werden häufig aktualisiert, um neue Funktionen hinzuzufügen, aber größere Veränderungen in einer neuen Architektur können Jahre dauern. Und Kunden können nicht einfach zu einem konkurrierenden Produkt wechseln – sie müssen ihr Unternehmen davon überzeugen, es zuerst zu kaufen, und dann haben sie Jahre alte Daten und Bibliotheken zu bewältigen.

Ich denke, Apple sollte die Mac-Linie auf ARM umstellen und mit dem Macbook und Macbook Air beginnen. Da Apple immer größere und leistungsfähigere Chips entwickelt, kann es x86-Prozessoren durch eigene ARM-Chips im Macbook Pro, dann im iMac, dann im iMac Pro und Mac Pro ersetzen. Und in den Jahren, in denen das Unternehmen diese Chips entwickelt und versendet, werden die Anbieter von Pro-Level-Anwendungen über alle Tools und die nötige Zeit verfügen, um ihre Software umzustellen.

Selbst wenn der Übergang zu Apple-Prozessoren in Macs in diesem Jahr beginnt und schnell erfolgt, wird es wahrscheinlich einige Jahre dauern, bis die gesamte Produktpalette einen Apple-Prozessor enthält. Während dieser Zeit sollte sich das Unternehmen an AMD wenden, um seine x86-Prozessoranforderungen zu erfüllen. Und wenn Apple nicht auf ARM umsteigt, umso mehr Grund, sich hinter das Unternehmen zu stellen, das die aufregendsten x86-Desktop-Prozessoren entwickelt.