Studie: Privater Surfmodus schützt nicht vor Googles Neugier

Hans-Christian Dirscherl |
Eine Studie hat untersucht, ob der private Surfmodus im Browser verhindert, dass eine Google-Suche individuell auf den Nutzer zugeschnittene Treffer liefert. Das Ergebnis ist eine Warnung für alle Nutzer, denen Datenschutz wichtig ist.

Wenn Sie mit Ihrem Google-Konto angemeldet sind und auf Google eine Websuche starten, dann passt Google die Trefferliste an die Informationen an, die Google über Sie besitzt. Das ist keineswegs nur negativ zu bewerten (aus Datenschutzgründen), sondern ganz im Gegenteil sorgt diese Zuschneiden der Trefferliste auf Ihre von Google gespeicherten Interessen dafür, dass Sie auch wirklich die für Sie relevantesten Treffer finden.

Doch andererseits sollte man erwarten dürfen, dass die Treffer einer Google-Suche nicht auf Sie zugeschnitten werden, wenn Sie nicht mit Ihrem Google-Konto angemeldet sind und sogar den Privaten Surf Modus (Privates Fenster/Inkognito Fenster) Ihres Browser nutzen. Doch dem ist eben nicht so, wie eine Studie zeigt, die von der auf Datenschutz fokussierten Suchmaschine DuckDuckGo in Auftrag gegeben wurde. Die Studienteilnehmer mussten dafür alle die gleichen Suchanfragen starten, nachdem sie sich bei Google abgemeldet und sogar den privaten Surfmodus gestartet haben.

Laut der Studie sollen die meisten Studienteilnehmer trotz Verwendung des privaten Surfmodus von der Google-Suche Treffer geliefert bekommen haben, die sich je nach Nutzer voneinander unterschieden haben und ganz offensichtlich auf sie zugeschnitten waren. Ganz offensichtlich personalisierte Google die Treffer also, obwohl es eigentlich gar nicht wissen konnte, wer da gesucht hat.

Auf der ersten Seite der Trefferliste bekamen einige Testteilnehmer Links angezeigt, die anderen Studienteilnehmern nicht angezeigt wurden. Auch die Suchergebnisse bei News und Videos unterschieden sich erheblich von Nutzer zu Nutzer – die alle, wie gesagt, abgemeldet und im privaten Surfmodus die gleichen Suchanfragen gestellt haben. Diese Unterschiede traten sogar auf, wenn die Teilnehmer die gleichen Suchanfragen zur gleichen Uhrzeit gestartet haben. Bei einer tatsächlich anonymen Suche würde man dagegen erwarten, dass Studienteilnehmer, die zur gleichen Zeit nach den gleichen Suchbegriffen auf Google suchen, annähernd identische Treffer angezeigt bekommen sollten. Die Möglichkeit, dass der Standort des Suchenden die Trefferlisten beeinflusst haben könnte, schlossen die Studienmacher aus, nachdem sie die Links überprüft hatten: Nur ganz wenige hatten einen Bezug zum Aufenthaltsort des Studienteilnehmers.

Die Studie kommt zu dem Fazit, dass der private Surfmodus und das Ausloggen beim Google-Konto die Privatsphäre der Nutzer nicht ausreichend vor der Neugier des Datenkraken schützen würden. Denn über die IP-Adressen und Browser-Fingerprinting können Webseiten und Suchmaschinen ihre Nutzer durchaus noch identifizieren.

Eine Schwäche der Studie ist allerdings die geringe Teilnehmerzahl: Nur 87 Probanden aus den USA nahmen teil. Zudem ist DuckDuckGo natürlich kein neutraler Auftraggeber, sondern will als mit Google konkurrierende Suchmaschine sich ja vor allem dadurch von Google unterscheiden, dass es die Privatsphäre der Nutzer respektiert.

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