Sphero Bolt – Blinkender Roboter mit Bildungsauftrag

Halyna Kubiv |
Mit dem Sphero Bolt kann man viel Blödsinn anstellen, aber auch auf Umwegen jungen Leuten die Programmierung näher bringen.
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Sphero Bolt

IDG

Zugegeben, wir haben bei dem Testen unsere Kollegen mit dem schnell rollenden Bolt nicht umgehauen, das war ja auch nicht Sinn und Zweck der Übung. Der Roboter von Sphero kann in bestimmten Fahrmodi eine Geschwindigkeit entwickeln, die eines Lightning McQueen würdig wäre. Das neue Spielzeug von Bolt ist jedoch nicht an die "Cars"-Serien angelehnt, sondern ist Angaben des Herstellers im Kern dem putzigen Star-Wars-Begleiter BB-8 gleich. Und tatsächlich, ziemlich viele Funktionen sind vom BB-8 vererbt. Was fehlt, ist der Patrouillen-Modus und der Star-Wars-Flair. Technisch hat sich Sphero Bolt indes weiter entwickelt. Die Hersteller haben den Roboter in eine durchsichtige Hülle gesteckt, schon auf den ersten Blick sieht man, dass es sich hier um ein hochtechnologisches Spielzeug handelt. Neben der Hauptplatine, auf der noch ein LED-Screen in der Auflösung von 64 Pixel setzt, sieht man das gesamte Fuhrwerk und die Ladespule, die den Bolt mit Energie versorgt.

Ausstattung und Spezifikationen

Neben dem Roboter selbst liegt in der Verpackung nicht viel: Ein Mini-USB-Kabel zum Aufladen, eine kurze Anleitung, Marketing-Sticker und die Ladeschale. Diese ist ebenfalls durchsichtig, so kann man gut beobachten, wie das induktive Laden funktioniert. Drahtlos aufladbare Geräte, werden immer verbreiteter, die Technologie dahinter immer versteckter bzw. dezenter. Mittlerweile gibt es schicke Ladematten, die wie Design-Objekte aussehen. Sphero Bolt enthüllt hier ein wenig, wie viel Know-How dahinter steckt. 

Das LED-Display haben wir bereits erwähnt, aber auch an den Sensoren hat Sphero seine Roboter weiter entwickelt. Bolt setzt auf zwei Bewegungsmotoren statt nur einem in den früheren Versionen . Neben den üblichen Gyroskop, Geschwindigkeitssensor und Drehwinkelsensor hat Bolt zusätzliche Infrarotsensoren, die für die Kommunikation unter einander dienen, also unter mehreren Bolt-Robotern, Licht-Sensoren und Magnetometer. Der letztere dient dazu, Sphero Bold genauer in der relativen Position zu dem Nutzer zu platzieren. Der Hersteller nennt diese Funktion Auto-Aiming. Der vollaufgeladene Sphero Bolt hat die Akkulaufzeiten bis zu zwei Stunden unter "Volllast", also etwa beim Fahren. Wenn man ihn nicht so intensiv nutzt, beispielsweise als Joystick oder per Edu-App programmiert, kann sich die Akkulaufzeit auf bis zu fünf Stunden erweitern.

Mit Sphero Bolt spielen und fahren

Für die profaneren Zwecke wie Fernsteuerung und Spiele reicht die App "Sphero Play" aus dem App Store oder Google Play. Zugegebenermaßen macht dies auch einen Heidenspaß. Zur Fernsteuerung bietet die App für Bolt fünf unterschiedliche Modi, neben dem klassischen Joystick kann man den Roboter virtuell "kicken", dieser verhält sich dann in etwa wie ein Fußball nach dem Tritt - Effet inklusive. "Scream Drive" haben wir in der Büroumgebung nicht ausprobiert – hier müsste man eigentlich schreien, um den Bolt zu beschleunigen. Sehr lustig fühlt sich der Neigen-Modus an: Dafür muss man das eigene iPhone in unterschiedliche Richtungen neigen, Bolt versteht diese Bewegungen als Richtungsanweisungen.

Wechselt man in der App zu den Spielen, muss man den Bolt in die Hand nehmen. Denn hier wechseln das iPhone und der Roboter ihre Rollen: das iPhone dient zur Darstellung, und der Bolt – zur Steuerung. Neigt man Bolt in unterschiedliche Richtungen, bewegen sich die Objekte auf dem Bildschirm entsprechend, in manchen Spielen wie beispielsweise "Exile II" versteht der Roboter auch noch das Antippen der Oberfläche, damit werden die Schutzmodi des Weltall-Flugzeuges ausgewählt. Zunächst erscheint die Steuerung des Spiels mit dem Bolt etwas ungewöhnlich: Die Bewegungen auf dem Bildschirm und Bolt als Joystick scheinen von einander abgekoppelt zu sein. Gewöhnt man sich jedoch an diese zusätzliche Abstraktionsebene, sind die Spiele recht unterhaltsam: "Exile II" erinnert an den Klassiker "Space Battleship", "Rundfahrt" mutet fast schon meditativ an.

Mit Sphero Bolt programmieren lernen

Hat man nun genügend mit Bolt gespielt, kann man langsam sich oder das eigene Kind an Programmieren heran tasten lassen. Hierzu stellt Sphero eine zusätzliche App zur Verfügung: "Sphero Edu". Wer schon einmal mit Siri Shortcuts, ehemals Workflow, zu tun hatte, wird sich in der App wieder finden. Diese bietet unterschiedliche Blöcke von Bewegungsmustern über LED-Anzeigen bis zu Tönen, die es zusammenzustellen gilt. Mit dem Tipp auf "Starten" fährt der Roboter das gerade erstelltes Programm ab, so kann man auf spielerische Weise lernen, was Variablen, Funktionen, Schleifen, Boolesche Operatoren sind – alles Begriffe, die auch im "richtigen" Programmieren vorkommen.

Fazit

Für ein Weihnachtsgeschenk, das man nach den Winterferien wieder vergisst, ist Sphero Bolt mit rund 170 Euro etwas zu teuer. Will man jedoch damit noch Programmieren lernen oder jemandem anderen beibringen, ist der kleine runde Roboter ein guter Start in JavaScript-Sprache. Dafür ist aber die kleinere Alternative Sphero Mini mit knapp 60 Euro fast unschlagbar.

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Sphero Mini, geöffnet. Die Katze hat ihren Spaß.

Sphero Mini: Kleiner geht immer

Der Sphero Bolt ist im Prinzip wie der BB8, nur ohne eine zweite Kugel als "Kopf". Der Hersteller hat aber noch ein weiteres Modell neu aufgelegt: Den Sphero Mini. Der Hersteller will mit diesem Gerät demosntrieren, wie sehr man die dafür notwendige Technik schrumpfen kann. Das gelingt auch, auf einen Durchmesser von etwa vier Zentimetern. Verzichten muss man auf die Transparenz des Bolt, zum Laden schraubt man die weiße Plastikkugel auf und steckt ein Micro-USB-Kabel an.

Wir haben das kleine Wunder zu Hause ausprobiert und dabei auch einen Test nachgeholt, der im Büro nicht möglich war: Die Steuerung per Schrei. Ehrlich gesagt hat es uns diese Option überhaupt nicht angetan, vielleicht wäre das ja etwas für eine Bühnenshow, aber uns macht es heiser und irritiert die Mitbewohner.

Vor allem den Vierbeinigen, für den der Sphero Mini ja genau die richtige Größe hat. Der Kater reagiert auch tatsächlich auf die rollende Kugel und pfotet erst mal neugierig danach. Nachdem er den Mini aber ein, zwei, dreimal durch den Raum geschussert hat, verliert er das Interesse. Und der Mini völlig die Orientierung: Klar, wenn ihn andere Kräfte als die seiner Motoren durch Zeit und Raum bewegen, wissen die Gyroskopen buchstäblich nicht mehr, wo oben und wo unten ist und wir müssen den Kugelroboter neu ausrichten.

Schön für uns: Das Leuchten aus dem Inneren der Kugel, die Farbe und Helligkeit können wir in der App leicht ändern, alle Farben sind genehm. Die Katze interessiert das nicht, feline Wesen sind bekanntlich farbenblind. Zur Steuerung von Spielen auf dem iPhone ist der Sphero Mini aufgrund seiner Kompaktheit die womöglich bessere Wahl als der Sphero Bolt. Und der Preis von 60 Euro ist in der Tat unschlagbar, auch wenn es den Kater zu anderen Spielen drängt, bei denen man so richtig beißen und kratzen kann. pm