iOS 11 saugt den Akku leer? Tipps für mehr Akku-Laufzeit

Stephan Wiesend |
Das neue System iOS 11 führte bei vielen Anwendern zu verkürzter Akkulaufzeit, wir erklären die Hintergründe und zeigen, was Abhilfe schafft.

Beschwerden über verkürzte Akkulaufzeit gibt es eigentlich nach jedem größeren iOS-Update. Beim Update auf iOS 11 sind die Beschwerden aber noch zahlreicher als jemals zuvor – die Leistung scheint durch das neue System zwar nicht zu sinken , anders sieht es aber aktuell noch mit der Akkulaufzeit aus. Sogar Statistiken schienen einen höheren Akkuverbrauch zu bestätigen:  So meldete die Softwarefirma Wandera kurz nach Erscheinen von iOS 11 , bei (von ihrer Software überwachten) iOS-Geräten wäre die Akkulaufzeit von durchschnittlich 240 auf 96 Minuten gesunken. Ein erschreckend niedriger Wert, der viel Aufmerksamkeit in den Medien erregte. Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten: Diese ersten Messungen basierten nämlich nur auf sehr wenigen Prozent an iOS 11-Nutzern, zudem finden nach einem Systemupdate sehr viele Hintergrundaktionen statt. Dazu gehören unter anderem die Indizierung von Daten für Spotlight, Siri und iCloud-Synchronisierungen. Bei einer neueren zweiten Statistik von Wandera ist die Akkulaufzeit dann auch deutlich gestiegen: Statt 96 Minuten lag die durchschnittliche Akkulaufzeit am 4. Oktober bei besseren 159 Minuten. Auch die ersten Updates von iOS 11 scheinen die Akkulaufzeit zu verbessern.

Von Problemen scheinen übrigens vor allem Besitzer älterer iPhones wie iPhone 6, iPhone SE oder auch iPad Air zu berichten. Oft kann ein aktueller Prozessor die anfallenden Hintergrundprozesse schneller oder stromsparender abarbeiten, was bei alten iPhones zu sinkender Akkulaufzeit führt. Außerdem sind nach dem Update auf iOS 11 möglicherweise  einige stromfressende Funktionen aktiv, die vor dem Update deaktiviert waren.

Mit den folgenden Tipps können Sie aber die Akkulaufzeit verbessern:

Die einfachste Lösung: Stromsparmodus

Ist Ihnen vor allem lange Akkulaufzeit wichtig, können Sie einfach den Stromsparmodus aktivieren. Die Option „Stromsparmodus“ finden Sie unter Einstellungen > Batterie. Um den Akku zu schonen, deaktiviert das System einige Hintergrundaktivitäten. Bei aktivem Stromsparmodus ändert sich die Farbe des Akkusymbols in gelb. Nicht benötigte Optionen können Sie aber natürlich auch gezielt selbst deaktivieren.

„Hey Siri“ deaktivieren

Siri startet auf Wunsch nur durch den Sprachbefehl „Hey Siri“. Vor allem bei alten iPhones sorgt dies für hohen Stromverbrauch, wir empfehlen deshalb die Deaktivierung. Die Voreinstellungen finden Sie unter Einstellungen > Siri & Suchen > Auf „Hey Siri“ achten. Halten Sie wenig von Siris Suchvorschlägen, können Sie diese Option hier gleich auch deaktivieren. Bietet doch iOS 11 hier weitaus mehr Optionen.

image description

Der Stromsparmodus: Nur echt mit dem gelben Akku-Symbol

Stromfresser identifizieren

Unter „Einstellungen > Batterie“ zeigt das iPhone, welche Apps in den letzten 24 Stunden respektive 7 Tagen die meiste Energie verbraucht haben. Auch wenn allein durch das Wissen über die Stromfresser noch nicht viel gespart ist, hilft diese Anzeige oft weiter. Leider werden Systemdienste nicht mit aufgelistet.

image description

So identifiziert man Stromfresser. Aber wollen wir unser iPhone wirklich ohne Musik nutzen?

Helligkeit verringern, Bildschirm automatisch ausschalten

Neben dem Display an sich ist die Hintergrundbeleuchtung einer der größten Stromfresser. Daher sollten Sie ihn für optimale Laufzeit nur so hell einstellen wie nötig. Das gelingt automatisch, wenn Sie unter „Allgemein > Bedienungshilfen > Display-Anpassungen“ die Option „Auto-Helligkeit“ eingeschaltet lassen. Unter den Bedienungshilfen sollte man außerdem gleich überprüfen, ob „Assistive Touch“ deaktiviert ist.

Unter Allgemein > Anzeige & Helligkeit lässt sich einschalten, nach welchem Zeitraum das Display automatisch ausschaltet, wenn keine Aktion erfolgt. Stellen Sie den Wert auf „30 Sekunden“.

Schalten Sie das Display zudem über den Ein-/Ausschalter aus, wenn Sie die Arbeit beendet haben. Über die Zeit spart das Strom. Die 3D-Darstellung bietet nette Effekte beim Neigen des iPad oder des iPhones, einige Nutzer behaupten gar, sie würden seekrank. Auf jeden Fall braucht der Effekt CPU-Power. Wer auf den Effekt verzichten kann, wählt in den Einstellungen „Allgemein > Bedienungshilfen > Bewegung reduzieren“ und schaltet die Option ein.

Automatik: Airdrop und Datenaustausch

Mit Airdrop lassen sich zwischen iOS-Geräten, die die Funktion unterstützen, in einem lokalen Netzwerk Daten einfach tauschen, viele Apps unterstützen das bereits. Doch die Funktion benötigt auch den Akku-Saft. Das iPad und iPhone benutzen dazu Bluetooth und Wi-Fi. Schalten Sie im Kontrollzentrum Airdrop nur bei Bedarf ein, sonst verbraucht das Bluetooth-Modul auf der Suche nach Kommunikationspartnern stetig Strom.

Um Bluetooth komplett zu deaktivieren, muss dies unter iOS 11 über die Systemeinstellungen erfolgen .

Hintergrundaktualisierung deaktivieren

In den Einstellungen lässt sich unter Allgemein  > Hintergrundaktualisierung für unterstützte Apps einstellen, ob sie im Multitasking-Betrieb im Hintergrund ihre Daten per WLAN oder Mobilfunkverbindung aktualisieren dürfen, etwa die App Google Maps im Hintergrund den aktuellen Standort anzeigt.

Die Funktion nutzen schon sehr viele Apps, bei den wenigsten ist sie sinnvoll, und sie verbraucht zudem Strom. Schalten Sie die Option für die Apps aus, die im Hintergrund „schlafen“ sollen. Insbesondere die Facebook-App ist gerne im Hintergrund aktiv, dabei lohnt es sich auf jeden Fall, solche Aktivitäten zu unterbinden.

Auf 3G oder LTE verzichten

Bringt auch nur einen kleineren Zeitvorteil, ist aber der Überlegung wert, will man unterwegs zwar erreichbar sein, das Internet aber nicht nutzen: Schalten Sie 3G oder LTE für den Mobilfunk aus. Das können Sie über die „Einstellungen > Mobiles Netz“, indem Sie einfach „Mobile Daten“ ausschalten.

Visuelle Effekte abschalten, keine Spiele

Schön sind sie ja, die mit iOS 7 eingeführten visuellen Effekte. Aber natürlich kosten sie Energie, insbesondere die animierten oder 3D-Wallpaper. Wählen Sie also einen ruhigen Hintergrund Die 3D-Effekte lassen sich abstellen unter „Einstellungen > Allgemein > Bedienungshilfen > Bewegung reduzieren“.

Kamera dezent einsetzen

Das iPhone ist ja meist die beste mitgeführte Kamera. Vor allem dann, wenn sie die einzige ist. Fotografieren benötigt aber Energie aus dem Akku. also ab einem gewissen Füllstand nicht mehr alles knipsen, sondern nur noch ausgewählte Motive. Und besser auch den Blitz ausschalten.

Mitteilungen

Geradezu inflationär zugenommen hat die Nutzung von Mitteilungen oder Push-Benachrichtigungen durch Apps. Hier empfiehlt sich die Auswahl der Option „Mitteilungen > Vorschauen zeigen  >  Wenn entsperrt“. Die Anzeige im Sperrbildschirm kann  nämlich auch ein Stromfresser sein. Für jede App können Sie festlegen, ob und in welcher Form sie Mitteilungen senden darf. Das Senden von Mitteilungen kostet natürlich immer Strom, hier schalten Sie bei unwichtigen Apps einfach alle Optionen aus und setzen „Erinnerungsstil“ auf den Wert „Keine“.

An Energie für E-Mails und iCloud sparen

Push-E-Mail ist sehr praktisch, kostet aber Energie, da der Mail-Client im Hintergrund stets die E-Mail-Server checkt. Also schalten Sie die Funktion einfach über „Accounts & Passwörter“ ab. Im „Datenabgleich“ können wählen, dass Sie Ihre Mails sich lieber selbst holen - so viel ist nicht gespart, sucht das iPhone dennoch alle 15 Minuten nach neuen Nachrichten. Der Akkulaufzeit hilft auch enorm, hat man seine Kommunikation in nur einen Account gebündelt, bleiben weniger Server zum Abrufen. Belassen Sie es also bei einem Account und löschen die anderen.

Keine automatischen Updates

Eine auf den ersten Blick enorm nützliche Funktion bietet iOS in den Einstellungen unter „iTunes & App Store“. Die Option „Updates“ unter „Automatische Downloads“ sorgt dafür, dass automatisch App-Updates geladen werden. Damit ist das iPad und iPhone immer auf dem aktuellen Stand. Per Voreinstellung kann das auch unterwegs über die Mobilfunk-Verbindung erfolgen. Je nach Zahl der installierten Apps sorgt dies aber auch schnell für kurze Akkulaufzeiten.