Schlaues Fahrradschloss: iLock It

Peter Müller |
Das Fahrrad einfach vor dem Bäcker oder dem Biergarten abstellen und es kommt dennoch nicht weg: Das geht mit dem iLock It.
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iLockit

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Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt nicht nur im richtigen Moment, sondern sperrt es auch immer gut ab. Faustregel: Das Schloss sollte ungefähr zehn Prozent des Fahrradneuwertes kosten. Absolute Sicherheit gewinnt man mit keiner der gängigen Lösungen, Seilschlösser sind von geschickten Händen mit dem richtigen Werkzeug in Sekunden durchgeschnitten, Faltschlösser halten keinen Bolzenschneidern stand und selbst massive Bügelschlösser lassen sich von Profis knacken. Immerhin gilt: Je besser das Schloss, umso größer der Aufwand. Fahrraddiebe nehmen in der Regel den Weg des geringsten Widerstandes. Also ist ein Faltschloss besser als ein Seilschloss, das aber wiederum viel besser ist als gar nicht absperren. Ideal sind Kombinationen aus mehreren Schlössern.

So leidet aber der Komfort. Wie gerne würde man doch sein Radl vor dem Bäcker an den Fahrradständer lehnen und den Laden einfach betreten? Kann man mit einer alten Mühle machen, deren Restwert den zehnfachen Kaufpreis des billigsten Schlosses vom Radl-Discounter noch unterbietet.

Kann man aber auch mit dem intelligenten Fahrradschloss iLock It. In seiner Grundausstattung ist es gut genug, um Gelegenheitsdiebe abzuschrecken und zu behindern, es lässt sich aber auch noch sinnvoll erweitern. Dabei erhöht es die Diebstahlsicherheit ohne jedwede Komforteinbußen.

I Lock it beim Anbieter für 130 Euro kaufen

Montage am Rahmen, Stahlbügel durch die Speichen

Bei dem iLock It handelt es sich um einen an den Rahmen montierbares Speichenschloss, der Hersteller liefert für die Montage zwei Gewindeschrauben mit – die meisten Fahrräder haben am Hinterrohr entsprechende Bohrungen. Smart wird das Schloss durch die Verbindung zum Smartphone (iPhone oder Android), die per Bluetooth erfolgt. In der App kann man nun festlegen, ob sich das Schloss automatisch schließt, wenn man sich weiter als fünf Meter entfernt und sich wieder von selbst öffnet, wenn man sich dem Radl wieder nähert. Das ist nicht ab Werk eingestellt, wohl aber die Diebstahlsicherung: Rüttelt jemand am gesicherten Rad, ertönt ein Alarm.

Dieser ist zwar nicht besonders laut, sollte aber zumindest die Umstehenden auf den womöglich versuchten Diebstahl hinweisen. Das von uns letztes Jahr getestete Smart Halo hatte einen deutlich schrilleren Alarm, aber das iLock It ist ja vor allem ein Schloss und kein smarter Tacho mit Alarmanlagenfunktion.

Man kann auf das automatische Ver- und Entriegeln auch verzichten und das Schloss mit dessen Schalter schließen und wieder öffnen - letzteres aber natürlich nur dann, wenn das iPhone in der Nähe ist. Vor dem Schließen sollte man darauf aufpassen, dass keine Speiche im Weg des Riegels ist – diese werden Ihnen diese Vorsicht mit längerer Haltbarkeit danken. Immerhin zuckt der Stahlbügel des Schlosses beim geringsten Widerstand zurück, die Speiche bleibt intakt, das Radl dann aber ungesichert. Wenigstens macht uns die App per Benachrichtigung darauf aufmerksam, wenn etwas beim Abschließen schief gegangen ist.

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Dann aber schnell zum Radl zurück!

Was nicht passt, lässt sich passend machen

Einrichtung und Kopplung gingen uns flott von der Hand, bei der Montage wurde es aber ein klein wenig knifflig. Denn an unserem Crossbike von Trek standen uns das am Hinterrad montierte Schutzblech respektive dessen Aufhängung im Weg – die Schrauben wurden so zu kurz und keine der drei pro Seite angebotenen Bohrungen passte zur Geometrie. Immerhin liefert der Hersteller auch zwei Kabelbinder mit, wir hatten uns vor zwei Jahren ja auch schon beim Wahoo Elemnt mit einer derartigen Lösung beholfen. In seinem Shop bietet iLock It aber Installationsadapter an, im Wesentlichen sind das per Kabelbinder (sic!) am Rahmen anbringbare Gewinde. Für solche Radl ohne Vorbohrungen oder schwieriger Geometrie. Das sinnvolle Zubehör kostet aber nochmals 10 Euro extra.

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Ein Hoch dem Kabelbinder! Rechts oben im Bild der Schalter des iLock It, darunter an der Seite die Buchse für das Ladekabel.

Ebenso nur mit optionalen Zubehör, das wir im Test nicht zur Verfügung hatten, lässt sich ein Grundproblem von Speichenschlössern lösen. Denn Diebe könnten das derart abgesperrte Fahrrad einfach davontragen. Der Alarm ist wie gesagt nicht sehr laut und so mancher wird ihn dennoch abschalten, weil er ja auch gerne mal dann anspringt, wenn er das nicht sollte. In unserem Test ist das ein paar Mal passiert, weil das Schloss die Annäherung nicht erkannt, bevor wir am Radl zu rütteln begannen. (Ein anderer Grund für den Alarm könnte ein leerer Smartphoneakku sein, hierfür gibt es aber eine Lösung, zu der wir später kommen.) Mit einem Einsteckkabel (18 Euro) oder einer Einsteckkette (26 Euro), die man in eine am Schloss angebrachte Buchse stöpselt, kann man sein Radl noch an einen Fahrradständer, einen Baum, Zaun oder Verkehrsschild festbinden – wie gesagt, auch das ist nicht zu hundert Prozent sicher, erschwert aber bei wenig oder gar nicht beaufsichtigten Rädern den Klau noch ganz erheblich.

Zugang für mehrere Personen und bei leerer Batterie

Was aber, wenn man das iPhone verloren hat oder ganz einfach der Akku leer ist? Hier bietet der Hersteller gleich zwei Lösungen an. Als Zubehör kann man noch für 25 Euro einen Sender kaufen, der das Schloss aufsperrt oder man behilft sich mit einem Farbcode. Ab Werk ist ein solcher für jedes Exemplar individuell vergeben und auf die Kurzanleitung gedruckt. Die LEDs des Schalters am Schloss leuchten in blau, rot und grün, sechs Stellen hat der Code, also bestehen 729 Möglichkeiten für die Farbkombination. Den Code einzugeben, ist schnell gelernt: Schalter drücken, warten, bis die richtige Farbe leuchtet, loslassen, für die Eingabe der nächsten Stelle wieder drücken und das entsprechend wiederholen. Nach drei falschen Eingaben wird eine fünfminütige Sperre aktiv.

Dieser Farbcode dient auch dazu, das Fahrrad von mehreren Personen nutzen zu lassen. In der App kann man weitere Codes erstellen und die eben mit anderen Nutzern teilen, diese benötigen zum Entsperren also nicht das gekoppelte Smartphone oder einen dafür konfigurierten Schlüssel.

Ein GPS-Modul hat das Schloss nicht, dennoch merkt sich die App den Standort, an dem man es abgeschlossen hat - so lässt es sich leichter wieder finden, die App führt per GPS auf Wunsch mit Hilfe von Apple Maps sogar hin. Durch den Verzicht auf GPS gewährleistet der Hersteller eine längere Akkulaufzeit, sechs bis neun Monate soll sie betragen, also eine ganze Fahrradsaison. Zum Aufladen benötigt man natürlich ein weit längeres als das mitgelieferte Micro-USB-Kabel, will man das Schloss nicht ab- und wieder anmontieren. Mit einer Powerbank lädt es sich natürlich weit bequemer.

Fazit

Mit einem Preis von 129 Euro ist das iLock It für ein Speichenschloss recht teuer, die Intelligenz, die zu einem komfortablen Sicherheitsgewinn führt, rechtfertigt den Preis jedoch. Unser Crossrad hat zwar nicht das zehnfache oder mehr gekostet, wir bleiben aber bei unserer generellen Skepsis und schließen das Fahrrad mit dem iLock It alleine aber nur dann (automatisch) ab, wenn wir in der Nähe sind oder nicht allzu lange wegbleiben. Erst mit der optionalen Einsteckkette würden wir uns wirklich sicher fühlen, im Rahmen der Möglichkeiten.