Reolink Argus 2: IP-Kamera mit eigenem Kraftwerk

Peter Müller |
Dank Akku flexibel einsetzbar und mit einem optionalen Solarpanel fast unabhängig: Die Reolink Argus 2 zeigt nur kleine Schwächen beim Bild und bei der Erkennung von Bewegungen.
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Reolink Argus

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Nachtest vom 9. Januar 2019: Wir hatten vor einem halben Jahr einen Nachtest versprochen, aus zweierlei Gründen: Die gewählte Position löste im Sommer für unseren Geschmack zu viele Fehlalarme aus und wir wollten wissen, wie sich das eigene Kraftwerk macht, wenn die Sonne gefühlt kaum über den Horizont lugt. Zudem hat Reolink zur CES ein interessantes neues Modell angekündigt, das wir in Kürze testen wollen.

Ein erstes Ergebnis unseres Nachtests: Wenn es draußen ruhiger ist, da bekommen wir natürlich auch deutlich weniger Alarme per Push oder in das E-Mail-Postfach zugestellt. Im Sommer hatten vom Wind bewegte Rosenzweige zu oft über Bewegungen vor der Linse informiert. Im Winter können wir zwar nach wie vor nicht die Empfindlichkeit fein justieren, gerade einmal drei Stufen bleiben - bei anderen Kameras können wir zehn und mehr Abstufungen vornehmen. Aber da kaum noch Blattwerk im Sichtfeld ist, bleibt es auf unserem iPhone recht ruhig - bis eben Bewegungen von Personen oder dem Haustier uns alarmieren, das nach wie vor sehr zuverlässig.

An einer anderen, ebenso ruhigen Stelle montiert, mit Blick auf dem Boden, hatten wir im Sommer schon mal überprüft, wie lange die Reolink Argus 2 mit einer Akkuladung auskommt. Etwas mehr als eine Woche lautete die Antwort, doch war ortsbedingt die Kamera eher selten in den Alarmzustand gegangen.

Auf die Frage, die wir uns im trockenen und sonnigen Sommer schon stellten, haben wir erst jetzt eine Antwort bekommen. Ja, das Solarpanel trägt die Kamera auch durch die dunkle Jahreszeit. Es gibt aber einen Haken dabei: Solange kein Schnee die Solarzellen bedeckt, reicht das trübe, kaum über acht Stunden währende Tageslicht aus, die Betriebsbereitschaft in einer eher ruhigen Beobachtungssituation aufrecht zu erhalten. Nach den Niederschlägen in der Nacht zum 9. Januar haben wir zwar vor der Tür die weiße Pracht weggefegt, aus Testgründen aber auf die Reinigung des Panels verzichtet. Die Kamera, die wir in den letzten Tagen mit dem Schummerlicht immer auf um die 20 Prozent Ladung halten konnten, hatte am späten Vormittag noch elf Prozent Ladung und meldete uns am frühen Nachmittag schließlich einen zu geringen Ladeszustand. Kurz darauf meldete sich die Kamera aber wieder in der App, nun zu zehn Prozent geladen. Ein bisschen Licht dringt auch durch die Schneedecke, aber heute Abend werden wir das Panel wieder vom Schnee befreien und die Kamera an der Steckdose wieder ein wenig aufladen - ehe wir sie nächste Woche durch ein Modell ersetzen, das vom gleichen Solarkraftwerk seine Energie beziehen wird.

Das Solarpanel liefert auch im Winter ausreichend Energie - sofern man es vom Schnee befreit.

Ein Nachteil besteht nach wie vor: Aufzeichnungen der Alarme speichert die Kamera weiter nur lokal. Für sein 4G-Modell hat der Hersteller aber bereits eine Cloud-Lösung angekündigt, die in Kürze in ihre Betaphase gehen soll. Der Vorteil des nichtlokalen Speichers: Entdeckt ein Eindringling die Kamera und lässt sie samt Speicherkarte mitgehen, gelangt man dennoch an die Aufnahmen.

Original vom 3. Juli 2018: Deutlich günstiger als die zuletzt von uns getestete Nest Outdoor IQ ist die Außenkamera von Reolink, aber dafür muss man auch deutliche Abstriche machen. Immerhin kostet die Lösung von Reolink mit 150 Euro weniger als die Hälfte als die zugegebenermaßen sehr gute smarte Außenkamera von Nest – ein Abo für Cloudspeicher und Zusatzfunktionen gibt es auch keines.

Die Abstriche beginnen bei der Bildqualität der Aufnahmen, diese sind zwar in der Auflösung maximal 1080p, wir sehen aber einen deutlichen Abfall gegenüber anderen Kameras. Bei der nicht optimalen Netzwerkverbindung (die Kamera kann nur 2,4 GHz), die wir draußen vor der Terrassentür mit ihrem Dreifachglas nun einmal haben, will uns die Argus 2 lieber die niedrige (flüssige) Auflösung von 640 mal 360 Pixeln zeigen, 15 fps ist bei beiden Auflösungen aber das Maximum.

Die Filme reichen dennoch vollkommen aus, um den überwachten Bereich einzusehen, bei uns ist es die Terrasse – an der Vordertür würden wir öffentlichen Grund mit filmen, daher der Rückzug ins Private. Verwenden ließe sich die durchaus formschöne Kamera auch im Innenbereich, für draußen liegt eine Art Regenüberzug bei und vor allem eine Wandhalterung. Diese passt natürlich nicht zu denen bereits verwendeter Kameras, weswegen unsere Terrassenwand nach Einsatz der Bohrmaschine allmählich wie ein Emmentaler aussieht …

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Alarm meist zu empfindlich

Eine Gesichts- oder wenigstens eine Personenerkennung bekommen wir mit der Argus 2 nicht, die von der Kamera auf unser iPhone gepushten Meldungen sprechen immer nur generell von einem Alarm. Das ist aber auch nicht das Produktversprechen der Reolink Argus 2. Was aber stört, ist die nur schlecht einstellbare Empfindlichkeit des Bewegungsmelders. Sicher ist eine Überwachungskamera nichts wert, wenn sie erst aktiv wird, fuchtelt jemand direkt vor ihrem Objektiv wild herum, doch selbst in der unempfindlichsten Einstellung bekommen wir derart viele Push-Nachrichten, dass wir den Sensor gleich wieder abstellen. In der höchsten Stufe sind es bereits leichteste Bewegungen von Ästen im Wind, die uns alarmieren. Auch das könnte man besser lösen: Die Zeiten, zu denen der Sensor aktiv ist, lassen sich zwar für jeden Wochentag separat einstellen, aber nur stundenweise. Anders als etwa die Nest IQ Outdoor filmt die Argus 2 nicht kontinuierlich. Das hat aber zur Folge, dass die Clips oft zu spät nach der erkannten Bewegung einsetzen, wer schnell vorbeihuscht, der muss Entdeckung nicht befürchten. Wir können das an den nach Hause kommenden Familienmitgliedern erkennen, die die Terrasse schnell überqueren – auf dem Film ist dann nur noch zu sehen, wie ein Rucksack samt seines Trägers das Wohnzimmer betritt. Aber in einem realistischen Einsatzszenario ist die Kamera ja auch eine Tür oder ein anderes Hindernis gerichtet.

Der Vorteil der Kamera: Ein Cloud-Abo wie bei den Nest-Produkten und bei anderen Anbietern ist nicht notwendig. Die Aufnahmen speichert die Kamera auf einer Micro-SD-Karte, die jedoch nicht im Lieferumfang enthalten ist und die wir extra besorgen mussten. Kein Vorteil ohne Nachteil: Die Reolink Argus 2 ist von einem potentiellen Einbrecher recht schnell samt Speicherkarte demontiert - kann man nur hoffen, dass man seine Kamera im Ernstfall unauffällig genug platziert hatte.

Unabhängig von der Steckdose

Was uns aber aber der Lösung gefällt: Der wiederaufladbare Akku. Wir können die Kamera also jenseits jedweder Steckdose betreiben und müssen nur darauf achten, dass sie noch unser WLAN findet – wir sind aber mit Mesh so weit ganz gut ausgerüstet . Je nachdem, wie oft der Alarm auslöst, leert sich der Akku schneller oder langsamer, man sollte also immer die Batterieanzeige in der App im Blick behalten.

Oder man greift zu einem sinnvollen Zubehör: Einem Solarpanel, das man an den Akku anschließt. Bei unserer Konfiguration in den Rosen bekommt das Panel zwar nur für ein paar Stunden direkte Sonneneinstrahlung (mit einigen Schatten), doch das reicht völlig aus, um die Ladung der Kamerabatterie stets auf etwa 95 bis 100 Prozent zu halten. Nun ist es zur Zeit des Tests auch fast 16 Stunden hell, wie sich die Situation im Winter ergibt, werden wir in etwa einem halben Jahr nach testen (wir wollen uns die 16 Stunden lange Nacht aber lieber erst gar nicht vorstellen).

Das Nachtbild ist im Übrigen recht anständig und fällt in der Qualität kaum ab, wir sollten allerdings die Rosen mal wieder zurück schneiden, damit wir mehr sehen.

Fazit

Wer mit den Einschränkungen hinsichtlich Bildqualität und Alarmintelligenz zurecht kommt, dem kann man die Reolink Argus 2 als flexibel platzierbare IP-Kamera für den Außenbereich empfehlen. Vor allem das für Energienachschub sorgende Zubehör ist sein Geld wert.

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