Profi-Software auf dem Mac: Open-Source-Alternativen

Christian Rentrop |
Apple engagiert sich, wenn auch nur im kleinen Stil, in der Open-Source-Szene. Umgekehrt ist das Unix-System macOS natürlich ideal für Portierungen von Linux auf den Mac geeignet. Wir zeigen einige tolle Open-Source-Alternativen zu bekannter Mac-Software.
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Fotolia.de, maciek905

149 Euro kostet Microsoft Office für den Mac, wer Outlook braucht, muss sogar 279 Euro berappen. Die Bildbearbeitung Photoshop Creative-Cloud-Abo schlägt sogar mit sogar 23,79 Euro monatlich zu Buche – Cloud-Zwang inklusive. Und auch viele andere Programme sind ziemlich teuer, ob als Abo oder als Einmal-Lizenz. Wer seinen Mac mit den nötigen Tools ausstatten will, sucht deshalb in aller Regel nach Gratis-Alternativen. Doch auch Apples Mac App Store bietet hier nicht wirklich viele Optionen: Zwar gibt es für einfache Office-Aufgaben Apples kostenlose iWork-Suite und für Bildbearbeitung Tools wie Pixelmator oder Affinity , die deutlich günstiger als Photoshop sind.

Das Problem mit den Dateiformaten

Allerdings haben all diese Programme zwei riesige Nachteile: Sie besitzen oft deutlich weniger Funktionen als das „Original“ – und arbeiten in aller Regel mit proprietären Dateiformaten, also Dateiformaten, die nur von dieser einen App geöffnet werden können. Das Problem mit proprietären Dateiformaten ist nämlich, dass sich die Dateien nicht mehr öffnen lassen, wenn das Programm vom Markt verschwindet. Wer einmal versucht hat, Apple-Works-Dateien in Pages zu öffnen, weiß, was gemeint ist. Das ist zwar theoretisch auch bei Microsoft und Adobe der Fall, doch deren Formate sind so weit verbreitet, dass sie quasi als Standard anzusehen sind. Doch wie lässt sich gleichzeitig Zukunftssicherheit herstellen, ohne auf Funktionen verzichten zu müssen? Genau hier kommen Open-Source-Alternativen ins Spiel: Sie besitzen einerseits den nötigen Funktionsumfang und können andererseits durch ihren offengelegten Quellcode in aller Regel von jedem Entwickler weitergeführt werden. Ein Verschwinden ist damit fast unmöglich. Und auch alte Dateien lassen sich jederzeit öffnen.

Lösungen für jeden Zweck

Open-Source-Software hatte in der Vergangenheit allerdings immer ein Geschmäckle: Immerhin handelt es sich mehr oder weniger um freie „Bastelprojekte“ nicht professionell eingebundener Entwickler oder Entwicklerteams. Die Zeiten sind aber inzwischen vorbei: Open-Source-Programme sind inzwischen auch auf dem Mac leistungsstarke Alternativen zu bestehenden Lösungen großer Hersteller. Wer nicht beruflich auf Microsoft, Adobe und Co. angewiesen ist, kann also guten Gewissens auf quelloffene, kostenlose Software setzen – und damit viel Geld sparen! Im Folgenden haben wir Ihnen eine Liste der wichtigsten Programme und ihrer Open-Source-Alternativen zusammen gestellt: Alle Programme sind kostenlos und können wie jede Mac-App ganz einfach auf dem Mac installiert werden.

01 Alternative zu Microsoft Office: OpenOffice

Es muss nicht immer Microsoft sein: Obwohl Microsoft in Sachen Office-Lösungen deutlich über 80 Prozent Marktanteil hält, hat Microsoft Office für den Mac einige gravierende Mängel. Neben immer wieder auftretenden Sicherheitslücken ist die Programmsammlung vor allem ein teurer Spaß: In der Home & Student-Version für den Privatgebrauch kostet es zwar „nur“ 149 Euro. Alternativ kann ein Abo für 69 Euro im Jahr abgeschlossen werden. Das mag zunächst nicht so teuer klingen, doch über die Jahre summiert sich das natürlich auf.

Deutlich günstiger, nämlich kostenlos, geht es mit OpenOffice: Das aus dem MS-Office-Konkurrenten StarOffice erwachsene Gratis-Office-Paket für den Mac wird professionell von der Apache Software Foundation gepflegt. Die ist ihrerseits auch für den extrem weit verbreiteten Apache-Webserver verantwortlich, der das Internet zu großen Teilen trägt. Insofern ist es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass hier die Entwicklung zerfasert oder das Programm einfach vom Markt verschwindet. Zumal große Unternehmen wie Google, Facebook und sogar Microsoft selbst die Arbeit der Apache Software Foundation unterstützen. Apache OpenOffice ist dadurch eine echte Alternative zu bestehenden Microsoft-Produkten: Die enthaltenen Programme Writer (Textverarbeitung), Calc (Tabellenkalkulation) und Impress (Präsentationen) ersetzen nahtlos die Programme von Microsoft, können dabei aber deutlich mehr als zum Beispiel Apples Pages, Numbers oder Keynote. Zumal OpenOffice ohne Weiteres mit MS-Office-Dokumenten umgehen kann und selbst wie die aktuelle Microsoft-Suite ein XML-basiertes Dateiformat besitzen, wodurch die Dateien zukunftssicher sind.

Downloadlink: OpenOffice für Mac

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Mit OpenOffice lässt sich arbeiten. Es ist eine vollwertige MS-Office-Alternative

02 Alternative zu Adobe Photoshop: GIMP

Photoshop war 1990 nicht die erste, aber langfristig die wohl die erfolgreichste Bildbearbeitung: In Sachen Bildbearbeitung ist Adobe Weltmarktführer, und das in vielerlei Hinsicht zurecht. Allerdings hat Photoshop einen großen Nachteil: Es ist alles andere als einsteigerfreundlich – und dazu noch ausgesprochen kostspielig. Zwei gute Gründe also, sich nach Alternativen zu Photoshop umzusehen. Die bereits erwähnten Tools Pixelmator und Affinity sind sicherlich brauchbare Alternativen, doch mit dem Leistungsumfang steigt oft auch die Lernkurve – und so ist auch Affinity schon nicht mehr wirklich einsteigerfreundlich.

Ganz anders steht es da mit der Open-Source-Alternative GIMP – der Name steht für „GNU Image Manipulation Program“: Lange Jahre fristete das Programm auf dem Mac ein Schattendasein, weil es nur als Linux-Port mit der alternativen Benutzeroberfläche X11 verfügbar war. Das sah nicht nur scheußlich aus, sondern war auch für die Bedienung nicht wirklich förderlich. Das ist aber längst vorbei: Seit 2012 gibt es GIMP als native Mac-App ohne Zusatzsoftware: GIMP seit Version 2.8.2 lässt sich bequem wie jede andere Mac-App im Programme-Ordner installieren. Dabei ist es erstaunlich klein: Die gesamte Programmdatei hat gerade einmal knapp über 200 Megabyte groß – kein Vergleich zum Speicherfresser Photoshop. Trotzdem erinnert es in vielerlei Hinsicht an den Platzhirsch und kann natürlich auch mit Photoshop-Dateien umgehen.

Downloadlink: GIMP für Mac  

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Die Bildbearbeitung Gimp ist manch kommerzieller Software überlegen.

03 Alternative zu Final Cut: OpenShot & Shotcut

Der Mac ist seit jeher wie gemacht für Videobearbeitung: Leistungsstarke Hardware und eine gute Softwareunterstützung seitens Apple machen die Hardwareplattform zum Mittel der Wahl, wenn es um Videoschnitt geht. Dummerweise ist Apple bei der Positionierung seiner Software etwas knausrig: Im Einsteiger-Segment gibt es das doch recht einfache und kostenlose iMovie, im Profi-Bereich ist Final Cut das Nonplusultra. Und dazwischen? Nun... nichts. In Zeiten von Youtube dürfte iMovie vielen Usern aber schnell zu eng werden, während das teure Final Cut ungelernte Anwender schnell überfordert.

Zum Glück gibt es gleich mehrere Open-Source-Alternativen. Die besten: OpenShot und Shotcut. Beide Programme sind deutlich leistungsstärker als iMovie, beide Programme sind natürlich kostenlos erhältlich. Vor allem OpenShot dürfte dabei viele Anwender glücklich machen: Das recht simpel gehaltene Programm erinnert in seiner Oberflächengestaltung an iMovie, hat aber deutlich mehr Funktionen zu bieten. Shotcut besitzt ein anderes Konzept: Hier gibt es zum Beispiel keine Medienbibliothek, stattdessen werden Dateien per Drag-and-Drop ins Wiedergabe-Fenster beziehungsweise die Spuren gelegt. Die Bedienung beider Programme ist leider nicht ganz trivial. Zudem gibt es bei hochauflösendem Videomaterial hier und da selbst auf aktueller Hardware Performance-Probleme – ein i7-Prozessor ist daher dringend angeraten. Auch funktional sind beide Programme eher iMovie ohne Einschränkungen als eine vollwertige Final-Cut-Alternative. Dennoch: Probieren kostet ja nichts – und das ist ja auch das Schöne an Open-Source-Software.

Downloadlinks:

Openshot für Mac

Anleitung OpenShot

Shotcut für Mac

Shotcut Erste Schritte

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Shotcut ist ein hübsches Nichtlineares Schnittprogramm.

04 Alternative zu Logic Pro X: Audacity

Während die Open-Source-Software in Sachen Videoschnitt noch nicht ganz an das Qualitätsniveau aktueller Bezahlsoftware herankommt, ist sie bei Audioschnitt-Software deutlich weiter: Das Tool Audacity kann es durchaus in manchen Bereichen mit Logic aufnehmen. Sicherlich nicht in der professionellen Musikproduktion, doch zum Beispiel beim Audioschnitt – Stichwort Podcast – oder bei der Nachbearbeitung bereits vorhandener Audio-Dateien: Etwa dann, wenn es darum geht, Schallplatten oder Kassetten zu digitalisieren , Rauschen zu entfernen und generell mit analogen Audioquellen zu arbeiten und diese zu digitalisieren. Ein solches Programm fehlt in der Mac-Grundausstattung: Garageband wurde eher in Richtung Musikproduktion entworfen, während Logic Pro X in vielerlei Hinsicht zuviel des Guten ist. Anders als viele andere komplexere Open-Source-Programme hat Audacity auch keine so steile Lernkurve. Daher sollte Audacity auf keinem Mac fehlen, auf dem mit Musik gearbeitet wird.

Downloadlink: Audacity für Mac

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Audacity ist ein mächtiger Audio-Editor, der die Lücke zwischen Garageband und Logic schließt.

05 Alternative zu Ultra Edit: Erbele

Manche User dürften sich fragen, wofür eigentlich diese mysteriösen Texteditoren benötigt werden, die ständig überall gesucht werden. Schließlich gibt es doch TextEdit? Nun: Text-Editoren sind vor allem für Entwickler praktisch, die Websites oder Software entwerfen: Sie blenden Zeilennummern ein und färben Quelltext für mehr Übersicht. Sie können aber natürlich auch dafür genutzt werden, Texte zu schreiben und diese zum Beispiel in Markdown zu formatieren. Während es unter Windows allerdings reihenweise kostenlose Text-Editoren gibt, werden die Mac-Varianten in aller Regel wie UltraEdit als Shareware vertrieben.

Nicht so Erbele (Schwäbisch für „Wald-Erdbeere“): Erbele ist nicht nur praktisch, sondern auch aus seiner Entstehungsgeschichte heraus sehr interessant. Der Editor macht sich die Idee hinter quelloffener Software zunutze: Denn Erbele ist ein Fork des inzwischen kostenpflichtigen Smultron . Genauer gesagt ist Erbele die Fortsetzung des 2013 eingestellten Smultron-Forks Fraise (französisch für, genau: Erdbeere) . Oder des Original-Smultron, das jedoch aus der Open-Source-Lizenz genommen wurde. Da raucht der Kopf, oder? Wichtig ist letztlich nur, dass Smultron und Erbele eng verwandt sind – und Erbele ein wunderbar leistungsstarker Mac-Editor ist.

Downloadlink: Erbele für Mac

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Erberle ist ein mächtiger und schlanker Text-Editor

06 Alternative zu Transmit: Cyberduck

Und ein weiterer Tipp für Web-Entwickler: Auch FTP-Programme sind unter macOS eher von der kostenpflichtigen Sorte. Zwar beherrscht macOS FTP, SSH und Co. im Terminal, doch das will wohl niemand ernsthaft benutzen. Anders als der Windows-Explorer kann der Mac-Finder FTP auch nur lesen, aber nicht beschreiben. Um Dateien auf einen FTP-Server zu übertragen, ist also ein FTP-Client vonnöten. Etwa dann, wenn Sie eine Website beim Hosting-Anbieter hochladen möchten. Nun gibt es unter macOS das hervorragende, aber auch sehr teure Transmit . Oder das ebenfalls nicht günstige YummyFTP Pro . Die Open-Source-Alternative Fugu wird auch seit sieben Jahren nicht mehr gepflegt . Was also tun?

Nun: Cyberduck laden! Das schlägt zwar im AppStore ebenfalls mit rund 27 Euro zu Buche, doch ist eigentlich Open-Source-Software. Und deshalb kann es legal und kostenlos von der Hersteller-Website geladen werden. An Cyberduck zeigt sich eine weitere Facette von quelloffenen Programmen: Open Source bedeutet nämlich eben nicht immer, dass ein Programm kostenlos ist. Im Fall von Cyberduck haben Sie allerdings die Wahl: Sie können die Gratis-Variante von der Website nutzen – oder eine Lizenz im App Store erwerben und damit die Arbeit der Entwickler unterstützen. Da Cyberduck ein hervorragendes Tool für alle möglichen Server ist, ist das auch die Variante, die wir empfehlen, wenn Sie das Programm häufiger verwenden.

Downloadlink: Cyberduck für Mac

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Cyberduck ist kostenfrei über die Website erhältlich. Wer die Entwickler unterstützen will, kann zur kostenpflichtigen AppStore-Version greifen.

07 Alternative zu Adobe Indesign: Scribus

Adobe Indesign ist das Nonplusultra, wenn es darum geht, professionell zu layouten und zu setzen. Allerdings muss es nicht unbedingt die teure Adobe-Lösung sein: Das Open-Source-Tool Scribus erlaubt durchaus erste Schritte im Desktop-Publishing – und das zum Nulltarif. Die Piratenpartei empfiehlt sogar den Einsatz dieser Software für Print-Material und es gibt eine Reihe von Publikationen , die tatsächlich mit Scribus erstellt wurde. Die Software ist also alles andere als eine Unbekannte im professionellen Layout-Geschäft, auch wenn der Standard, na klar, nach wie vor von Adobe vorgegeben wird. Trotzdem: Für kleine Magazine, Schülerzeitungen, Parteizeitungen, Kirchenbriefe und ähnliche Publikationen ist das Programm wunderbar geeignet und erlaubt Satz und Layout mit professionellem Anspruch.

Downloadlink: Scribus für Mac

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Scribus ist ein Open-Source-DTP-Programm – ideal für Projekte, wo Adobe-Produkte nicht nötig sind

08 Alternative zu Toast: Burn

Ja, es gibt sie noch: Menschen, die Dinge auf CD oder DVD brennen . Und selbst, wer glaubte, gar keine optischen Medien mehr zu benötigen, wird dann und wann an den Punkt kommen, wo eben doch der für den Notfall angeschaffte 20-Euro-CD-Brenner für den USB-Anschluss zum Einsatz kommen muss. Allerdings fehlt dann in den allermeisten Fällen die passende Brennsoftware. Das Nonplusultra-Tool in dieser Hinsicht ist Toast Titanium von Roxio , doch das ist recht überfrachtet und mit fast 90 Euro auch alles andere als preiswert für gelegentliches Brennen. Deutlich einfacher und vor allem kostenlos ist da die Open-Source-Alternative Burn. Das Programm bietet die nötigen Basisfunktionen, um zum Beispiel eine ISO-Datei auf DVD oder CD zu brennen oder um eine MP3- oder Audio-CD für’s Autoradio zu erstellen. Auch 1:1-Kopien und sogar das Auslesen von CD-Images sind kein Problem. Praktischerweise ist die Bedienung ausgesprochen simpel, wodurch Burn so gut wie keine Vorkenntnisse erfordert. Angeschlossene DVD- und CD-Brenner, egal welcher Marke, werden von MacOS ohnehin automatisch erkannt. Und obwohl Burn nicht mehr ganz taufrisch ist, läuft es nach wie vor wunderbar auf High Sierra und älteren macOS-Versionen.

Downloadlink: Burn für Mac

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Burn ist ein gutes Brennprogramm, das auf keinem Mac fehlen sollte

09 Alternative zu Adobe Lightroom und Aperture: Darktable

Und noch ein Adobe-Produkt hat sich die Open-Source-Szene vorgenommen: Lightroom, oder in seiner guten, alten Mac-Variante: Aperture. Beide Programme sind beziehungsweise waren professionelle RAW-Entwickler und Bildverwaltungen, und auch Darktable bringt genau diese Funktionen auf den Mac-Desktop: Wer professionell Bilder sammelt und bearbeitet, wird an einem solchen Tool nicht vorbei kommen. Apple hatte Aperture ja zugunsten von Fotos sterben lassen, dummerweise ist Fotos nach wie vor keine echte Alternative zum mächtigen Pro-Tool. Und Lightroom? Nun ja: Auch das ist zwar von Apple offiziell als Alternative genannt worden, doch kostet eben wieder einmal relativ viel Geld, nämlich fast 12 Euro im Monat, Cloud-Zwang inklusive. Da ist Darktable sicher die bessere Alternative, denn dieses Open-Source-Tool ist ausgesprochen mächtig: Neben den üblichen Möglichkeiten zur Bildbearbeitung, wie man sie auch aus Fotos kennt, gibt es die Option, RAW-Dateien zu entwickeln. Änderungen werden nichtdestruktiv gespeichert, sprich: Am Bild selbst verändert Darktable wie die vergleichbaren Tools nichts. Stattdessen werden die Änderungen in einer zusätzlichen XMP-Datei festgehalten – so, wie es zum Beispiel Fotos auch macht.

Downloadlink: Darktable für macOS

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Darktable kann viel, was Aperture und Lightroom auch können – aber kostenlos!