(Fast) jeder Mac kann schneller werden

Der Umstieg auf Apple Silicon hat sich für den Mac gelohnt: Die Maschinen mit M1, M1 Max, M1 Pro, M1 Ultra und M2 sind deutlich schneller gegenüber vergleichbare Intel-Macs geworden, bei den mobilen Macs weiß zudem die Akku-Laufzeit zu gefallen. Der neueste Streich: Das Macbook Air M2. Dieses ist sogar dann noch schnell , wenn wegen hoher Außentemperaturen die Hochleistungskerne sich mehr oder minder deaktivieren. Es ist also die richtige Zeit, sich einen neuen Mac anzuschaffen, wenn der alte wieder nur herumzickt?

Tipp: Mac beschleunigen mit CleanMyMac X

Die Versuchung einer Neuanschaffung ist also groß, wenn der iMac aus dem Jahr 2017 nur noch quälend in die Puschen kommt: Zwischen Einschalten und Anmeldung vergeht schier eine Ewigkeit. Auch sonst wirkt das System irgendwie zäh: Programme starten nur verzögert und ständig dreht sich dieser verdammte Wasserball an der Stelle des Mauszeigers – untrügliches Anzeichen für zu langsame Hardware. Aber in unserem alten iMac steckt noch eine Festplatte. Das könnte ein Lösungsansatz sein, kostet aber Geld und erfordert etwas Geschick beim Austausch – oder gleich professionellen Service.

Der iMac von 2017, auf dem sich selbst noch das im Herbst kommende Betriebssystem macOS 13 Ventura installieren lässt, ist aber nur ein Beispiel: Gerade Besitzer älterer Systeme verspüren unter macOS nach und nach eine Verlangsamung bis hin zu dem Gefühl, dass die Kiste jetzt wirklich ausgetauscht werden muss. Genau das muss nicht sein: Mit ein wenig Arbeit lässt sich ein alter Mac noch ein paar Jährchen nutzen – ganz ohne aufwendige Aufrüst-Aktionen! Denn schuld sind eher ein vermülltes System als mangelnde Hardware-Leistung.

Tipp: Mac beschleunigen mit CleanMyMac X

Alten Mac wieder flott machen

Natürlich: Die Zeiten, in denen der 2017er-iMac eine Rakete war, sind lange vorbei. Doch zum Wegschmeißen ist er ebenfalls viel zu schade. Schließlich ist dieses Modell laut dem Benchmarking-Tool Geekbench in Sachen Rechenleistung nicht viel langsamer als ein Intel-iMac aus dem Jahr 2020  – zumindest hinsichtlich Single-Core-Leistung. Im Vergleich zum iMac 24 Zoll mit M1-Chip aus dem Jahr 2021 fällt er indes schon deutlich zurück. Aber das ein oder andere Jahr spielt er noch bei der Musik mit und muss das auch: Einen 27-Zoll-iMac hat Apple derzeit nicht im Angebot.

Nach fünfeinhalb Jahren noch lange nicht reif für das Alteisen

Für die meisten Ansprüche ist die Leistung der über fünf Jahre alten Maschine völlig ausreichend. Damit ist der iMac im Grunde noch rundum für aktuelle Office- und Internetaufgaben geeignet – man muss ihn nur wieder flott bekommen. Und das ist mit geringem Einsatz von Zeit und Geld möglich. Der "Beachball des Todes" ist danach weitestgehend verschwunden. Die folgenden Maßnahmen sind natürlich auch bei Mac Pro und Macbook Pro sowie Mac Mini oder Macbook Air möglich – und natürlich auch mit allen aktuellen Modellen, bei denen es gelegentlich hängt.

Zunächst: Bestandsaufnahme

Bevor Sie mit der Beschleunigung des alten Macs beginnen, muss jedoch zunächst einmal Zeit für eine Bestandsaufnahme sein: Was für ein Mac-Modell haben Sie eigentlich – und wie ist es ausgestattet? Klicken Sie oben links auf das Apfel-Symbol und wählen Sie „Über diesen Mac“. Hier wird Ihnen nicht nur das Modell angezeigt, sondern auch die Speicherausstattung und der Prozessortyp. Der Desktop-Mac ist mindestens von 2015, ein Macbook Pro oder Macbook Air von 2015 oder jünger? Dann können Sie sogar noch macOS 12 Monterey installieren – für macOS Ventura bestehen ab Herbst etwas höhere Anforderungen, die Macs müssen zwei Jahre jünger sein . Wichtig ist allerdings der Arbeitsspeicher – da sollten es bei Geräten mit klassischer Festplatte schon 8 Gigabyte oder mehr sein. Geräte mit schneller Apple-SSD wie das Macbook Air kommen sogar mit 4 Gigabyte für einen zuverlässigen Betrieb aus. Die Macbook Pro von 2016 (mit Touchbar) haben gar so schnelle SSDs, dass man in der Grundausstattung mit 8 GB RAM kaum Abstriche machen muss.

Soll ich das aktuelle macOS auf meinem alten Mac installieren?

Ist diese Mindestanforderung erfüllt, spricht nichts dagegen, dem alten Mac zunächst die aktuelle macOS-Version zu verpassen – Anfang August 2022 ist das macOS 12.5 Monterey . Das bringt bereits einen ordentlicher Perfomance-Boost. Denn anders als bei Windows ist macOS nicht so schlimm in Sachen Ressourcenverbrauch: Auch alte Macs können problemlos mit der neuesten Version laufen. Gleichzeitig stellen Sie durch das Upgrade sicher, dass alle Treiber und sonstigen Systemfunktionen auf dem neuesten Stand sind. Wichtig: Machen Sie vor dem Upgrade ein vollständiges Time-Machine-Backup auf einer externen Festplatte und legen Sie diese anschließend in eine Schublade. Damit stellen Sie sicher, dass Sie notfalls jederzeit auf ihre zuletzt verwendete macOS-Version zurückgehen können! Das aktuelle macOS laden und installieren Sie danach einfach aus dem Mac App Store.

Achtung!

Achtung!
© IDG

Prüfen Sie vor dem Upgrade auf eine neuere Betriebssystem-Version, ob Ihre essentielle Software dann noch läuft. Gerade alte Programme wie MS Office oder Photoshop können bei einem großen System-Upgrade über mehrere macOS-Versionen problematisch sein. Fragen Sie dafür gegebenenfalls beim Hersteller nach!

macOS schneller machen: Autostart ausmisten

Ist der Mac auf dem neuesten Stand, kann die eigentliche Beschleunigung losgehen. Denn macOS ist längst nicht so problemlos, wie Apple das gerne suggeriert. Gerade Software-Altlasten können das System massiv in die Knie zwingen. Hier sind es vor allem Autostart-Objekte und andere alte Software, die das System unnötig langsam machen. Insofern ist es sinnvoll, zuerst einmal alle Standard-Ordner für solche Autostart-Objektive durchzusehen. Der erste Blick sollte in die Systemeinstellungen führen:

  • Klicken Sie hier auf „Benutzer & Gruppen“.

  • Wählen Sie ihren aktuellen Benutzer.

  • Klicken Sie auf das Tab „Anmeldeobjekte“.

  • Hier sollte nur auftauchen, was Sie wirklich benötigen, also neben dem iTunes-Helper eigentlich nichts. Hier finden sich auf alten Macs oft zahllose alte Einträge. Ganz schlimm: Solche mit einem kleinen gelben Dreieck dahinter.

  • Markieren Sie nicht mehr benötigte Autostart-Objekte und drücken Sie auf das Minus-Zeichen.

Das sollte schon einen großen Geschwindigkeitsbonus beim Systemstart und im laufenden Betrieb bringen, ist aber natürlich nur ein erster Schritt der durchzuführenden Optimierungsmaßnahmen.

Systembremsen mit KnockKnock identifizieren

Als Nächstes sollten Sie ein kleines Gratis-Tool auf Ihrem Mac installieren: KnockKnock von Objective-See . Die Software ist ein Analysetool, die dabei hilft, Systembremsen aufzuspüren – und die können Sie weder auf einem aktuellen, noch auf einem alten Mac gebrauchen!

KnockKnock findet Autostart-Objekte, die tiefer im System versteckt sind

  • Laden Sie das Tool herunter.

  • Entpacken Sie das ZIP per Doppelklick, sofern das nicht schon von Safari erledigt wurde.

  • Kopieren Sie die App in den Programme-Ordner.

  • Starten Sie KnockKnock anschließend aus dem Programme-Ordner.

  • Klicken Sie auf „Scan“, um Systembremsen zu finden.

  • Gegebenenfalls verlangt KnockKnock noch die Eingabe des Administrator-Passworts: Geben Sie dieses ein und klicken Sie auf „Immer erlauben“.

Damit auch das Basis-System durchsucht werden kann, braucht KnockKnock das Administrator-Passwort

Systembremsen löschen

Nach dem Scan zeigt KnockKnock Ihnen alle Systemdateien an, die beim Start mitgeladen werden und dadurch das System belasten. Essenziell ist hier der Eintrag „Kernel Extensions“ sowie „Launch Items“. Hier finden Sie nicht selten zahlreiche Einträge aus längst gelöschten oder vergessenen Programmen. Praktischerweise zeigt KnockKnock bei den „Launch Items“ – dem zweiten „Autostart“-Ordner von macOS – auch gleich den Pfad zu dem Programm an, zu dem der Eintrag gehört. Dadurch können Sie die Launch Items relativ einfach identifizieren. Bei den Kernel-Extensions ist das nicht ganz so einfach – allerdings haben die nicht selten sprechende Namen. Mit einem Klick auf das Auge mit der Bezeichnung „Show“ können Sie ein Finder-Fenster öffnen und die Extension oder das Launch Item einfach löschen.

Achtung!

Achtung
© IDG

Hier dürfen Sie auf keinen Fall blind alles ausmisten! Manche Extensions gehören fest zum Betriebssystem! Löschen Sie nur, was Sie eindeutig zuordnen können. Gegebenenfalls hilft es, den Namen der KEXT oder des Launch-Items zu googeln.

Festplatte aufräumen

In einem nächsten Schritt sollten Sie einen Blick auf Ihre Festplattenbelegung werfen: Ist das Mac-Laufwerk sehr voll, bleibt nur wenig Platz für beschleunigende Funktionen wie zum Beispiel den virtuellen Arbeitsspeicher und System-Caches. Als Faustregel gilt: Rund 15-20 Prozent der Mac-Festplatte sollten frei bleiben, damit das Betriebssystem sich hier nach Gutdünken ausbreiten kann. Gerade auf älteren Macbooks mit SSD kann der Platz schnell knapp werden. In einem solchen Fall können Sie alte Medien wie Filme und Musik löschen oder auf ein externes Laufwerk – etwa einen sehr kompakten USB-Stick verschieben. Diese Laufwerke sind inzwischen ausreichend groß, um eine ganze Fotos- oder Musik-Mediathek aufzunehmen: Verschieben Sie die jeweilige Mediathek dafür einfach auf das externe Laufwerk und öffnen Sie Fotos beziehungsweise iTunes/Music anschließend mit gedrückter (Option)-Taste, um den neuen Speicherort auszuwählen. Das Original können Sie dann von der Festplatte löschen. Unseren Ratgeber, wie Sie am besten den Mac aufräumen, finden Sie hier .

Mac bereinigen mit CleanMyMac X

Nicht mehr benötigte Netzwerkdienste abschalten

Was ebenfalls ein Quäntchen Performance zurückholt, ist das Abschalten nicht benötigter Netzwerk-Systemdienste. Je nachdem, wie Ihr Mac bisher eingerichtet war, sind davon möglicherweise unnötig viele aktiv:

  • Öffnen Sie die Systemeinstellungen.

  • Wählen Sie „Freigaben“.

  • Schalten Sie hier alle Dienste ab, die Sie nicht mehr benötigen.

Dadurch, dass weniger Netzwerkdienste aktiv sind, wird der Mac effektiv weniger belastet. Natürlich sollten Sie Dienste, die Sie nutzen möchten, aktiviert lassen.

Berechnung von Ordnergrößen deaktivieren

Und noch ein kleiner Geschwindigkeits-Tipp: Öffnen Sie ein Finder-Fenster und wählen Sie hier „Darstellung > Darstellungsoptionen einblenden“. Entfernen Sie hier, falls vorhanden, den Haken bei „Alle Größen berechnen“: Auf diese Weise muss der Finder nicht mehr so viel arbeiten, wenn Sie ein Finder-Fenster öffnen. Beim Komfort ändert sich durch diese Option nichts.

Die Berechnung der Ordnergrößen im Finder ist ein echter CPU-Fresser. Schalten Sie sie ab.

Transparenz reduzieren

Gerade alte Macs haben oft sehr schwachbrüstige Grafikkarten – es kann also durchaus ein wenig nutzen, noch die Grafikeffekte auf ein Minimum zurückzufahren. Öffnen Sie dazu zunächst die Systemeinstellungen und wählen Sie „Bedienungshilfen“. Unter „Anzeige“ finden Sie hier die Option „Transparenz reduzieren“. Durch den geringeren Anspruch an die Grafikeffekte wird dadurch die grundsätzliche Systemlast reduziert, außerdem wirkt die Option einem Ruckeln der Systemoberfläche entgegen.

Gerade auf alten Macs hilft das Reduzieren der Transparenz

Widgets überprüfen

Des Weiteren sollten Sie einen Blick in den Eintrag „Erweiterungen“ in den Systemeinstellungen werfen: Unter „Heute“ finden Sie alle automatischen Benachrichtigungsfunktionen der Mitteilungszentrale. Entfernen Sie hier möglichst viele Haken.

Widgets sind im Hintergrund aktiv und belasten damit das System. Schalten Sie sie ab.

Seit macOS 11 Big Sur hat die Mitteilungszentrale eine eigene Systemeinstellung. Um die Mitteilungen auf dem Bildschirm zu reduzieren, müssen Sie eine jede einzelne nach und nach aufrufen und den Schieberegler von Grün auf Weiß stellen.

Siri abschalten

Anschließend ist es sinnvoll, Siri auszuschalten, indem Sie unter "Systemeinstellungen >  Siri" den Haken „Siri fragen“ deaktivieren. Achtung: Siri gibt es auf vielen älteren Macs gar nicht, im System ist sie erst seit macOS 10.12 Sierra.

Sofern Siri auf dem Mac läuft und Sie die Dame nicht benötigen, sollten Sie sie abschalten) (BU: )

Time Machine und Spotlight einschränken

Zu guter Letzt sollten Sie noch zwei weitere Optionen „tunen“: Zunächst ist es sinnvoll, Spotlight ein wenig zu begrenzen. So muss der Dienst zum Beispiel nicht unbedingt in einer Time-Machine-Backup-Festplatte suchen: Öffnen Sie "Systemeinstellungen > Spotlight" und definieren Sie unter „Privatsphäre“ Ordner und Laufwerke, in denen Spotlight nicht suchen soll. Zusätzlich können Sie auch im Tab „Suchergebnisse“ Haken für Suchen entfernen, die Sie nicht benötigen, etwa „Entwickler“ oder „Schriften“ – das beschleunigt die Suche maßgeblich.

Alte Programme löschen

Falls Sie noch Lust haben, können Sie jetzt noch ein wenig weiter aufräumen: Löschen Sie alte Programme, allerdings nicht durch einfaches Verschieben in den Papierkorb, sondern mit der Gratis-Software AppCleaner : Statt in den Papierkorb ziehen Sie die App in das AppCleaner-Fenster. Das Tool sucht danach alle im System verstreuten zugehörigen Installationsdateien heraus und löscht diese gleich mit. Dokumente, die mit den Apps erstellt wurden, sind von diesem Vorgehen natürlich nicht betroffen.

Löschen Sie nicht mehr benötigte Apps mit AppCleaner.

System nicht mehr herunterfahren

Zum Ende noch ein kleiner Workflow-Geschwindigkeitstipp: Gerade Macs mit klassischen Festplatten benötigen viel Zeit zum Booten und Auslagern von virtuellem Arbeitsspeicher sowie dem Anlegen von Cache-Files. Nach einem Neustart sind aber Teile dieser Beschleunigungsdateien wieder gelöscht und müssen neu angelegt werden, wodurch der Mac anfangs nach dem Neustart besonders lahm ist. Macs mit rotierender Festplatte sollten deshalb nur bei längerer Nichtbenutzung ausgeschaltet werden, etwa für den Urlaub. Ansonsten gilt: Lassen Sie Ihren Mac laufen und legen Sie ihn nur über das Menü "Apfel > Ruhezustand" schlafen. Der Stromverbrauch in diesem Modus ist minimal, Sie sparen sich aber die lästige Zeit für das Hoch- und Runterfahren und die ersten Minuten, bis der virtuelle Arbeitsspeicher sinnvoll aufgebaut und alle Programme im RAM sind.

Fazit: neues Feuer in alten Öfen

Das war es auch schon: Der alte (oder aktuelle) Mac sollte wieder deutlich flotter arbeiten – und ist für aktuelle Anwendungen gerüstet, selbst wenn er wie das Beispiel-System aus dem Einstieg ein paar Jahre alt ist. Neuere Macs profitieren aber natürlich auch von dieser Behandlung, sodass Sie sich unter dem Strich über ein deutlich schnelleres System freuen können, selbst wenn der Mac sehr alt ist. Die oben stehenden Maßnahmen entfachen neues Feuer in alten Töpfen – und sparen im Zweifel die Anschaffung eines neuen, teuren Zweitrechners.

Arbeitsspeicher ist nicht teuer - hilft aber nicht in jedem Fall.

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