Macbook Pro mit Bizonbox 3 und Nvidia 1080 Ti über Thunderbolt 3

Halyna Kubiv |
Seit Apple und Intel die neue Schnittstelle Thunderbolt 3 veröffentlicht haben, öffnen sich für Profis neue Anwendungsmöglichkeiten.

Apple hat Ende 2016 eine Reihe der neuen Macbook Pro vorgestellt und in sie die zusammen mit Intel  konzipierten Schnittstelle Thunderbolt in Version 3 eingebaut. Bis zu 10 Gigabit pro Sekunde kann die Schnittstelle an Daten übertragen, dazu werden Datenkanäle für USB, Display-Port und PCIe unterstützt. Den unterschiedlichen Dockingstationen wurde so der Weg an das Macbook freigeräumt. Seitdem erscheinen immer wieder neue Zubehör-Konzepte, die Macbooks im Profi-Bereich attraktiver machen können: Wir haben zuletzt eine RAID-Station von Lacie getestet. Doch externe Festplatten und RAIDs gab es schon immer am Mac, dank Thunderbolt 3 sind nun externe GPUs möglich, wir probieren als Beispiel eine Nvidia 1080 Ti zusammen mit der Bizonbox 3 an einem Macbook Pro 15 Zoll aus dem Jahr 2016 aus.

Bizonbox 3

Die ersten Ankündigungen für die eGPU-Box gab es bereits im letzten Jahr, die ersten Tests trudelten erst 2017 ein. Wir konnten uns von dem US-amerikanischen Anbieter Bizon Tech eine der ersten Versionen der Bizonbox 3 sichern, einer Dockingstation für die neuesten Macs, die die Anbindung der externen Karten erlaubt. Die neue Box kostet beim Anbieter 650 US-Dollar, dieser kann sie weltweit verschicken. Soweit wir wissen, gibt es in Deutschland noch keinen Händler, der die Bizonbox im Angebot hat. Unsere Bizonbox ist in der Silber-Version angekommen, nach Wunsch kann man sich noch die Space-Grau-Variante aussuchen, die Farben passen logischerweise zu den neuen Farb-Varianten des Macbooks. In der Packung sind neben der Box noch ein Netzteil, die beiden Netzkabel, ein Thunderbolt-3-Kabel für die Verbindung mit dem Macbook, die Bedienungsanleitungen, die man nicht unterschätzen darf und ein HDMI-Dongle, der den GPU-Betrieb ohne ein externes Display erlaubt.

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Der HDMI-Dongle kommt in einem giftigen Grün.

Die Bizonbox 3 hat sich definitiv einen Platz auf dem Arbeitstisch neben dem Macbook verdient, denn nicht nur die Farbe ist perfekt auf das silberne Macbook angepasst, Bizon Tech nutzt hier noch eine sehr ausgesuchte optisches Metapher – die Box sieht wie eine schmalere, kleinere und in die Länge gezogene Version des Mac Pro bis 2011. So wird einem gleich klar: Hier arbeitet die Pro-Power in einem Pro-Tower. Doch auch hier gibt es gleich Abzugspunkte: Das Netzteil ist nicht in der Box eingebaut sondern wird mit einem Kabel verbunden, die Aluminium-Kiste hat den Charme den alten Do-It-Yourself-Projekte aus den Achtzigern, die wird keinen Platz auf einem gut aufgeräumten Arbeitstisch finden. Gut, dass das Netzwerkkabel lang genug ist, so kann das hässliche Netzteil getrost unter dem Tisch verschwinden.

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Die Hinterseite der Box mit dem angeschlossenen Netzteil darf keiner sehen.

Zusammenbau

Für ein solch kompliziertes Projekt geht der Zusammenbau erstaunlich leicht. Wir würden auf jeden Fall empfehlen, sich zunächst die Bedienungsanleitung vorzunehmen, diese ist gut bebildert und verständlich, allerdings liegt nur eine englische Version vor. Man braucht für die wenigen Schrauben, die es zu lösen gilt, keinen besonderen Schraubenzieher, wie es beim iPhone der Fall ist. An der Unterseite muss man vier Schrauben lösen, dann gleitet das Gehäuse ab, es wird der eigentliche Steckplatz mit der Grafikkarte-Platine sichtbar. Hier muss man noch zwei zusätzliche Schrauben abschrauben, die die PCIe-Schutzgitter festhalten. Danach kommt die Grafikkarte in den dafür vorgesehenen Slot, die zwei Schrauben kommen wieder an ihren Platz und so befestigen wir die Grafikkarte im Gehäuse.

Die Bizonbox stellt zwei Sechs-Pin-Anschlüsse und zwei Zwei-Pin-Anschlüsse für PCIe Power Connectors der Grafikkarten zur Verfügung, so sind somit unterschiedliche Anschluss-Kombis möglich. Für Geforce 1080 TI benötigen wir einen 6-Pin-Connector und einen 8-Pin-Connector, damit die Karte ausreichend mit Strom versorgt wird. Danach geht es in der umgekehrten Reihenfolge: Den inneren Teil mitsamt der Karte wieder ins Gehäuse einschieben, vier Schrauben wieder befestigen, die Box mit dem Netzteil und das Netzteil mit der Steckdose verbinden – Im Prinzip können wir die Box in Betrieb nehmen.

Sofware-Installation

Etwas länger als der Zusammenbau der eGPU-Station dauert die Vorbereitung des Systems. Bis jetzt sieht Apple den Betrieb einer externen GPU nicht vor, damit das Macbook die Karte überhaupt erkennt, muss der SIP-Schutz aufgehoben werden. Danach steuern wir die Webseite von Bizon Tech an, der Anbieter hat eine Software zum Download bereit gestellt, die den GPU-Betrieb am Mac steuert. Z-Manager unterstützt Versionen ab macOS Sierra 10.12.1, Beta-Versionen jedoch nicht. Es sind im Grunde genommen nur zwei große Knöpfe, die wir im Z-Manager drücken müssen, nach jedem Schritt jedoch startet der Rechner neu. Beim dritten Neustart müssen wir das Thunderbolt-Kabel ans Macbook anschließen, nun können wir die Grafikkarte bei einer Anwendung ausprobieren.

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Das Z-Manager am Mac.

Hier muss man anmerken, dass der Standard-Fall für die eGPU-Nutzung bei Bizonbox 3 über ein externes Display vorgesehen ist. Viele Profi-Apps wie Adobe Premiere oder After Effects erlauben das jedoch, direkt in den Einstellungen festzulegen, welche GPU zum Einsatz kommt. Für andere Fälle gibt es den HDMI-Dongle.

Die Fortsetzung folgt:

Man kauft sich die teure Box und eine noch teurere Grafikkarte nicht aus Spaß, sondern man möchte entweder Profi-Programme am Rechner verwenden und von der Leistung profitieren oder man will einfach anspruchsvolle Spiele spielen. Der Kostenfaktor bei unserem Setup beträgt rund 1500 Euro (590 Euro für die Bizonbox 3 und rund 900 Euro für Geforce GTX 1080 Ti). Was die zusätzliche Grafikleistung bring, werden wir in Kürze an dieser Stelle berichten. Die Bizonbox 3 befindet sich momentan im Testcenter und wird auf Herz und Nieren geprüft.