Kein Sprinter, aber unerhört günstig: Die neue Samsung-SSD 860 QVO im Test

Stephan Wiesend |
Die bis zu vier TB große SSD von Samsung bietet ein fast schon revolutionäres Preis-Leistungsverhältnis.
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Die neue SSD eignet sich etwa gut für den Einbau in einen alten Mac.

IDG

Noch immer haben die schnellen SSDs herkömmliche Festplatten nicht komplett abgelöst, zu schlecht ist noch immer das Verhältnis vom Preis zum Speicherplatz. Für das Time-Machine-Backup oder den Familien-Server kommen so nur seltenst SSDs zum Einsatz. Hier bahnt sich aber ein Wandel an: Mit der neu eingeführten QLC-Speichertechnologie werden SSDs nämlich noch einmal deutlich billiger. Eine 1- oder 2-TB-SSD ist damit plötzlich erschwinglich. Für einen ersten Test stellte uns Samsung ein Vorserienmodell ihrer neuen Samsung 860 QVO vor - in der fast schon altmodisch wirkenden SATA-Version. Für ihren Verwendungszweck keine schlechte Wahl, passt diese doch problemlos in einen alten Mac, ein günstiges Festplattengehäuse oder NAS. Wir testen die neue SSD kurz in externen Gehäuse sowie in einem Macbook Pro von 2011. Das ist ein altes Gerät, im Unterschied zu einem USB-Gehäuse kann das Macbook aber die Performance intern besser ausnutzen. Sind die neuen SSD ja außerdem für das Aufrüsten eines alten Macbook oder Mac Mini höchst interessant.

Hohe Leistungen mit Abstrichen

Für die Messung der Leistung nutzen wir die Benchmarkprogramme Black Disk Speedtest und AJA System Test.

Laut Datenblatt ist unsere 1-TB-SSD mit 1 GB LPDDR4 ausgestattet, bei den beiden größeren Modellen sind es zwei bzw. 4 GB Cachespeicher. Lese- und Schreibtempo sollen aber bei allen Modellen identisch sein, bis zu 550 MB/S beim Lesen und 520 MB/s beim Schreiben. In der Praxis und unter macOS liegt die Leistung aber wie erwartet etwas niedriger.

Im ersten Test macht die SSD einen guten Eindruck: AJA System Test bescheinigt der günstigen SSD eine gute Performance von 477 MB/s im Schreiben und 518 MB/s im Lesen - für eine SATA-SSD ein Bestwert. Bei alltäglichen Aufgaben gibt sich die SSD keine Blöße. Auch beim besten Standard-Test, der Messung der Boot-Zeit, kann die SSD überzeugen. Das alte Macbook Pro benötigt für das Booten von High Sierra nur 23 Sekunden - ebenfalls ein guter Wert. Auch die Zugriffszeiten sind auf dem üblichen Niveau, wie ein kurzer Test mit dem Tool Anamorphous Disk Mark bestätigte.

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Die SSD zeigte gute Transferleistungen.

Mit den internen SSD eines Macs kann sie aber bei weitem nicht konkurrieren, so erzielte in unserem Test die interne SSD eines iMac Pro 2860 MB/s beim Schreiben und 3300 MB/s beim Lesen. Die Funktion TRIM ließ sich mit dem Befehl Trimforce problemlos aktivieren.

Turbo Write

Schwächen zeigt die neue SSD aber beim Umgang mit sehr großen Dateien, wie sie beim Videoschnitt vorkommen. Hohe Schreibleistungen werden nämlich nur bis zu einer bestimmten Cache-Größe erreicht. Wir erhöhen dazu die Größe der Testdatei auf 16 GB und prüfen, ob die Transferleistung einbricht. Beim Lesen gibt es hier keine Einschränkungen, die Schreibleistung bricht aber überraschend deutlich ein. Nach etwa einem Viertel des Schreibvorgangs sinkt die Schreibrate nämlich von 477 MB/s auf 70 MB/s und bleibt konstant bei dieser Transferrate.

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Ist der Schreibcache verbraucht, sinkt die Schreibleistung auf etwa 70 MB/s ab, wie auf der Grafik zu sehen ist.

Der Hintergrund: Für den Einbruch ist ein zweistufiger Cache verantwortlich: Laut Samsung ist dieser Turbo Write Cache 6 GB groß, nach Überschreiten dieses Volumens kommt ein zweiter Cache „After TurboWrite“ zur Verwendung. Interessant: Bei der 1 TB großen SSD soll das Schreibtempo dann bei 80 MB/s liegen (wir hatten allerdings nur 70 MB/s gemessen) bei den Größen 2 TB und 4 TB soll es beim 160 MB/s liegen. Nur bei einer Restkapazität von 169 GB kann dieser zweite Cache laut Hersteller arbeiten, man sollte also besser nur 800 GB der 1000 GB nutzen.

4 Bit pro Speicherzelle = niedriger Preis

Mit der neuen Technologie QLC oder Quadruple Level Cells könnte sich eine echte Revolution anbahnen. Erstmals werden hier vier Bit pro Speicherzelle gespeichert, was den Herstellern die Produktion besonders günstiger SSDs ermöglicht. Für die von uns getestete SSD mit 1 TB gibt Samsung so einen sehr günstigen Listenpreis von 160 Euro an, die Version mit 2 TB soll 310 Euro und die Version mit 4 TB noch bezahlbare 620 Euro kosten. Dagegen muss ja ein Mac-Anwender für einen Mac Mini mit 1 TB statt 128 GB  fast 1000 Euro Aufpreis zahlen... Etwas überrascht sind wird, dass es die neuen SSD nur in den Größen 1 TB, 2 TB und 4 TB gibt - bei kleineren SSDs ist das Angebot allerdings bereits sehr groß. Ungünstig ist nach unserer Meinung jedoch der Name 860 QVO, da Verwechslungen mit der teuren Schwester-SSD 860 EVO leicht möglich sind.

Samsung ist übrigens nicht der einzige Anbieter von QLC-SSDs, so gibt es bereits Speicherzellen von den Konkurrenten Intel und Micron (Crucial) –  Alternate hat beispielsweise bereits eine QLC-SSD von ADATA mit 960 GB für 113 Euro angekündigt.

Die neue Technologie hat aber Nachteile: Die Anforderungen an den Controller der SSD ist höher, die Lebensdauer geringer und die Schreibleistung niedrig. Hohe Leistung soll bei Samsungs SSD ein intelligentes Caching-System, hohe Qualität dagegen eigene Controller und der firmeneigene V-NAND-Speicher garantieren. Für die meisten Anwender ist dies aber in der Praxis kein Problem. Bei den meisten Alltagsaufgaben ist die Lese-Performance wichtiger, beispielsweise beim Starten eines Programms oder Öffnen einer Datei. Bei üblicher Nutzung wie dem Öffnen eines Programms oder der Bearbeitung einer Bilddatei fallen außerdem nur niedrige Datenmengen an. Ein Trost für Video-Profis ist dies natürlich nicht: Kopiert man beispielsweise eine 10-GB-Videodatei oder einen Ordner mit 10 GB an Daten, bricht die hohe Schreibleistung schnell ab und Kopiervorgänge erfolgen plötzlich mit Festplatten-Tempo. Samsung schlägt Anwendern mit höchsten Ansprüchen deshalb vor, eine schnelle aber kleine SSD wie die 970 Pro mit einer weniger leistungsfähigen aber günstigen QLC-SSD zu kombinieren. 

Lebensdauer

Ein Nachteil der QLC-Speicherzellen ist die geringere Lebensdauer, die Herstellergarantie liegt aber bei drei Jahren Garantie. Die so genannte TBW gibt Samsung mit 360 TB für die 1-TB-Version an - als würde man die SSD 360 Mal komplett beschreiben. Das klingt nicht nach viel, laut Studien von Samsung „verbrauchen“ Anwender aber üblicherweise gerade einmal 10 GB pro Tag, was knapp 10,3 TB in drei Jahren entspricht. Die Lebensdauer sollte also kein Problem sein, außer man nutzt die SSD für Server-Anwendungen.

Fazit:

Die neue SSD eignet sich gut als Festplattenersatz, trotz Schwächen in den Leistungswerten. Ideal ist sie für Heimanwender und Büroaufgaben. Als Arbeits-Medium für 4K-Filmer würden wir sie dagegen weniger empfehlen. Interessant finden wir die neue SSD ebenso für externe Speichermedien.