Fünf mögliche Maßnahmen gegen sinkende iPhone-Verkäufe

Michael Simon |
Apple nimmt weniger ein als ursprünglich erwartet. Der Konzern hat es selbst in der Hand, ob es nur bei einer Delle bleibt.
Dan Masaoka / IDG

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Nach Jahren der Prognosen vom Niedergang Apples bekommen die Analysten endlich Recht: Die iPhone-Verkäufe gehen zurück. Es war klar, dass das früher oder später passieren würde, und es gab genug Indizien dafür, dass Apples erstes Quartal 2018/19 ein Wendepunkt für das iPhone sein könnte. Tim Cook hat in einem Brief an Investoren einen Großteil der Verantwortung für die Zahlen dem Geschäft in China zugesprochen, und während das gewiss teilweise wahr ist, haben auch viele andere Faktoren zum rückläufigen Umsatz beigetragen. Hier sind fünf Gründe, warum das iPhone in Schwierigkeiten steckt und wie Apple das beheben kann.

1. Vereinfachung des iPhone-Angebots

Es gab eine Zeit, in der man die Entscheidung, welches iPhone man kaufen sollte, auf die Frage nach der Farbe reduzieren konnte. Soll es in Schwarz oder Weiß sein? Diese Tage sind natürlich längst vorbei, aber das aktuelle Angebot ist alles andere als einfach zu verstehen. Es gibt das iPhone XR, das ab 849 Euro kostet, aber einen größeren Bildschirm hat als das ab 1.149 Euro kostende iPhone XS. Die einzige Kamera auf der Rückseite der XR nimmt immer noch Porträts im Bokeh-Stil wie die XS auf, aber nur von Menschen. Das iPhone XR kommt in einer Reihe von Farben, aber wenn Sie ein goldenes Telefon wollen, müssen Sie zum XS greifen und 128 GB Speicherplatz gibt es allein bei den XR. Ganz zu schweigen von der Namensverwirrung.

Die meisten Menschen verstehen den Unterschied zwischen OLED und LCD nicht oder warum die Grenzen der Fotografie-Algorithmen es schwierig machen, Hunde oder Blumen im Vordergrund sauber vom Hintergrund des Bildes zu trennen. Sie wollen ja nur eine einfache Entscheidung darüber treffen, welches Telefon sie kaufen sollen. Wenn Apple auch in Zukunft an der Aufspaltung in drei Modelle festhalten will, muss es eine klarere Unterscheidung zwischen ihnen geben, beginnend mit den Größen. Die Auswahl zwischen iPhones sollte nach Größe, Farbe und Speicherplatz erfolgen und nicht nach Kamerafunktionen oder Bildschirmqualität.

2. Ein kleineres iPhone

Große Telefone sind offensichtlich der Branchentrend, und Apple ist klug beraten, diesem zu folgen. Aber da das größte iPhone in den letzten Jahren von 4 Zoll auf 6,5 Zoll angewachsen ist, sind die Optionen für kleinere Handys fast verschwunden, wobei das fast 6-Zoll-iPhone XS das kompakteste iPhone ist, das man kaufen kann.

Apple hatte bereits eine Lösung für dieses Problem, aber diese hat Cupertino 2018 sterben lassen: das iPhone SE. Es mit aktualisierten Spezifikationen und einem neuen Design zurückzubringen, würde einen großen Beitrag dazu leisten, das Sortiment aufzuwerten und den Umsatz zu steigern.

3. Ende der jährlichen Updates

Wenn Sie das iPhone X mit dem iPhone XS vergleichen, werden Sie kaum einen Grund für ein Upgrade finden. Die Highlights sind ein deutlich schnellerer Prozessor, eine einstellbare Tiefenkontrolle bei der Aufnahme und Bearbeitung von Porträts und der neue Goldton. Das reicht kaum aus, um einen Apple-Fanatiker zum Upgrade zu bewegen. Ja, das iPhone XS Max ist ein heißes Gerät, aber 6,5-Zoll-Handys sind nicht für jeden geeignet.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass Apple die jährliche Aktualisierung aufgibt. Ja, es würde einiges Geheule von langjährigen Nutzern geben, die jedes Jahr ein neues iPhone erwarten, aber letztendlich würde es Apple, den Verbrauchern und der Umwelt zugute kommen. Zum einen gäbe es vor September keinen Umsatzeinbruch, da wir nicht genau wissen würden, wann das neue Modell ankommt. Und es würde Apple Zeit geben, iPhones zu veröffentlichen, die wirklich neu sind, nicht nur irgendwie neu. Apple macht das bereits bei Macs und iPads, so dass es kaum ein Novum geben würde. Und außerdem, sind neue Produkte nicht aufregender, wenn wir nicht wissen, dass sie kommen?

4. Hey Siri, du musst aufholen.

Es ist unbestreitbar: Das iPhone ist nicht mehr unangefochtener Marktführer in der Smartphone-Welt. Und es half nicht, dass praktisch jeder Hersteller in der Lage war, das Design des iPhone X so schnell zu kopieren. Samsung, Huawei, sogar OnePlus machen alle Mobiltelefone, die genauso schön sind wie das iPhone, so dass die Kaufentscheidung im Grunde auf zwei Dinge hinausläuft: Software und KI.

Während iOS 12 mit Android mithalten kann, schafft das Siri einfach nicht mehr, besonders im Vergleich zu Androids Standard-KI-Chatbot, dem Google Assistant. Die Shortcuts-App ist für die meisten Leute zu verwirrend, der HomePod ist kein Erfolg und die meisten billigen Smart-Home-Plugs und Lichter unterstützen HomeKit nicht. Wenn Apple die Verkäufe des iPhone wieder positiv gestalten will, ist der beste Weg, eine Menge Ressourcen in die Aktualisierung von Siri zu investieren.

5. Das iPhone erschwinglicher machen

Ich habe das Offensichtlichste für den Schluss aufgehoben. Selbst wenn man die iPhone SE ausschließt, ist der Durchschnittspreis eines iPhones von 759 Dollar im Januar 2017 auf heute 1.049 Dollar gestiegen, ein Anstieg von fast 40 Prozent. Schieben Sie es auf das, was Sie wollen - Gier, Kosten, Strafzölle, Umsatzeinbruch - die Preissteigerung bedeutet höhere Kosten für die Verbraucher. Und das führt zu weniger Umsatz.

Als das iPhone X im Jahr 2017 mit einem Einstiegspreis von 1.149 Euro heraus kam, gingen wir davon aus, dass Apple eine Art von Steuer für Early Adopter ansetzte, ähnlich wie beim ersten iPhone mit seinem (subventionierten) Preis von 600 US-Dollar. Das war aber nicht der Fall. Das iPhone XS kostet das Gleiche wie das iPhone X, und das XS Max mit einem Startpreis von 1.249 Euro gleich noch mehr. Diese Preise sind nicht haltbar, wenn Apple den iPhone-Umsatz wieder wachsen sehen will. Glücklicherweise lässt sich das recht einfach reparieren:  Jedes iPhone für 100 Euro weniger verkaufen und die Verkäufe werden sofort steigen.

Kaufberatung: iPhone XS, XR oder iPhone 8 Plus kaufen?

Kompliziertere Lage in Deutschland

Apple hat zwar das iPhone SE aus dem Angebot genommen, seit September aber mit dem iPhone 7 ein vergleichsweise preisgünstiges Smartphone – gehabt, was Deutschland betrifft. Nachdem Qualcomm bei Gericht eine Sicherheitsleistung in Höhe von 1,34 Milliarden Euro hinterlegt hat, wird das am 20. Dezember vom Landgericht München verhängte Verkaufsverbot wirksam.

Nun nennt Apple keine genauen Zahlen über regionale Verteilung seiner Verkäufe und schon gar nicht über die der Modelle. Für die globale Bilanz des März-Quartals wird das Fehlen von iPhone 7 (Plus) und iPhone 8 (Plus) in Deutschland keinen nennenswerten Ausschlag geben. Doch ist der Ausgang der Verfahren völlig offen: Apple hat Berufung eingelegt und sollte bei seinen Klagen gegen Qualcomm im Vorteil sein – es sind aber genau so Ausweitung von Verkaufsverboten auf andere Modelle und Regionen denkbar. Darauf vertrauen, dass das bis zuletzt günstigste iPhone 7 bald wieder auf der Bildfläche in Deutschland erscheint, kann man nicht. Peter Müller