An E-Mail Programmen für den Mac gibt es mit Apple Mail, Microsoft Outlook, Thunderbird und einigen anderen keinen Mangel. Wer hier neu reüssieren will, muss also schon etwas zu bieten haben. Tatsächlich wendet sich der aus Tschechien stammende eM Client vor allem an Profis und Unternehmen sowie "Poweruser", obwohl insbesondere die kostenlose Version gut auch für Anwender mit "normalen" Ansprüchen geeignet ist. Wir haben über die Veröffentlichung der Mac-Edition berichtet. Für Windows gibt es den Client schon länger.

Import von Konten und Adressen

Zunächst importieren wir verschiedene E-Mail Accounts und Postfächer aus Apple Mail, was inklusive der iCloud-Adresse über ein anwendungsspezifisches Passwort weitgehend funktioniert. Zum Teil sind Passwörter oder Servereinstellungen zu ergänzen oder zu korrigieren. Gmail wird nach dem Import freilich gar nicht angezeigt, hier müssen wir das Konto komplett neu anlegen, was aber rasch erledigt ist. Ähnliches gilt für ein Live.de-Konto bei Microsoft, von dem die nötigen Exchange-Einstellungen ebenfalls erst nach dem Löschen und erneuten Anlegen korrekt eingebucht werden. Nachdem alles erfolgreich eingerichtet ist, kümmern wir uns um die zahlreichen Funktionen des eM Client sowie auch dessen Eigenheiten. Man sieht dem Programm durchaus an, dass es aus der Windows-Welt stammt. Doch beispielsweise lässt sich die Oberfläche zumindest farblich so verändern, dass sie uns schon etwas "Mac-liker" erscheint.

Funktionsvielfalt mit Einschränkungen

Unter dieser "Haube" verbergen sich umfangreiche Bedienungsoptionen, die sich zum Teil direkt erschließen, zum anderen Teil muss man sich erst einmal mit der Vielfalt der Funktionen vertraut machen. Schade: Zwar lässt sich der Client auf Deutsch umschalten, die Hilfe gibt es freilich nur auf Englisch. Und auch andere Details sind nicht perfekt auf den deutschsprachigen Mac-User abgestimmt. So gibt es zwar eine Rechtschreibprüfung, doch Korrekturvorschläge finden sich nicht per Rechtsklick, wie etwa aus Mail gewohnt, sondern erst umständlich über die komplette Rechtschreibprüfung einer Mail. Anhänge wie Dokumente (beispielsweise Word, PDFs, Pages) werden in der Vorschau nur sehr klein dargestellt, die Vergrößerung per Leertaste existiert hier nicht, bei Bildern stellt es sich unterschiedlich dar. Die Suche funktioniert umständlicher, als man es beispielsweise aus Mail gewohnt ist.

Völlig anders ist das Einfügen der beliebten Emojis gestaltet. Hierzu gibt es in einem kleinen Menüfenster lediglich eine festgelegte Auswahl, also nicht den Zugriff auf den kompletten Zeichenbestand im Mac-System. In der von uns zuerst getesteten Version werden diese in anderen Mailprogrammen nicht korrekt dargestellt, stattdessen erscheint dort ein Platzhalter. Doch hier hat der Entwickler nach unserer Rückmeldung mit der jüngsten Überarbeitung des Clients Abhilfe geschaffen. Eine weitere Funktion, die der Client nicht mit den üblichen Mac-Gepflogenheiten teilt, ist die mangelnde Suche von Befehlen im Hilfe-Menü.

Gutes für Profis

Andererseits zeigt sich der eM Client in vielen Bereichen sehr professionell. Schon sein Erscheinungsbild mit den Gliederungen in Mail, Kalender, Kontakte und Aufgaben ist an Outlook angepasst, sodass man sich in dieser Hinsicht schnell umgewöhnt. Zum Komfortumfang gehören Signaturen, aber auch das optionale Anforderung von Lese- und Übermittlungsbestätigungen ist dabei. Bei Letzteren erhält man, wenn der angemailte Server das unterstützt, eine Rückmeldung, dass der Empfänger die E-Mail empfangen hat. Das ist vergleichbar mit //www.mailbutler.io/:Mail Butler , welches dies ebenfalls bietet. Zu bedenken ist dabei, dass der Empfänger im Unterschied zur Lesebestätigung davon nichts merkt. Man sollte diese Funktion daher nur sehr verantwortungsvoll einsetzen.

Praktisch sind auch Optionen wie Quicktext, womit sich Textbausteine schnell einrichten und abrufen lassen, wie etwa Anreden, Anschriften oder häufig verwendete Passagen. Auch das terminierte (spätere) Versenden und der Chat sind Funktionen, die man nicht überall findet. Dazu die Übersetzung – denn der eM Client erkennt automatisch fremde Sprachen in einer Mail und bietet an, sie ins Deutsche zu übertragen. Das klappt mit europäischen Sprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch, aber auch mit beispielsweise Japanisch. Bei Chinesisch muss das Programm allerdings passen. Die Qualität der Übersetzungen ist nicht so gut wie vergleichsweise bei Google, aber eine erste Ahnung bekommt man immerhin, was der Absender gemeint haben könnte.

Sehr gut sind die vielfältigen Formatierungsoptionen, und Profis werden die Möglichkeit zur Massenmail begrüßen. Diese funktioniert so, dass man die Empfänger aus den Kontakten beispielsweise die E-Mail nicht unschön an sich selbst adressiert. Sondern man wählt die Empfänger einzeln aus, jeder bekommt scheinbar eine individuelle E-Mail mit seiner eigenen Adresse, weil alle anderen für ihn verborgen bleiben. Das ist überzeugend gelöst. Und die Kontextinformationen in der Seitenleiste (zum Beispiel über Anhänge oder Kontakte) sowie die integrierte PGP-Verschlüsselung werden Profis ebenfalls begrüßen.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Der eM Client ist für den nicht-kommerziellen Einsatz für insgesamt zwei E-Mail-Konten kostenlos erhältlich. Die Pro-Version für knapp 48 Euro inklusive Mehrwertsteuer beinhaltet VIP-Support, eine unbegrenzte Kontenanzahl sowie die kommerzielle Nutzung. Die Gegenüberstellung mit der kostenlosen Variante findet sich hier . Nach 30 Tagen steht die Entscheidung an, ob man die Gratis- oder kostenpflichtige Pro-Version nutzen möchte. Beim Kauf mehrerer Lizenzen verringert sich der Preis pro Client entsprechend. Die genauen Systemvoraussetzungen gibt der Anbieter nicht bekannt, wir haben problemlos mit macOS 10.14 Mojave getestet.

Fazit und Empfehlung

Der eM Client ist noch nicht perfekt an alle komfortablen Besonderheiten des Mac-Systems angepasst, aber er befindet sich für macOS auch noch in der Entwicklung. Das Potenzial ist jedenfalls sehr groß. Durch die zahlreichen professionellen Funktionen haben wir uns verführen lassen, ihn erst einmal als E-Mail-Standardprogramm auf dem Mac einzurichten. Wer geringere Ansprüche an ein Mail-Programm hat oder bereits Outlook für den Mac benutzt, muss gewiss nicht umsteigen, kann aber dennoch die kostenlose Version ausprobieren. Sicher ist, dass dieser E-Mail-Client die Konkurrenz unter den Mac-Programmen belebt und daher zu begrüßen ist.