Bitcoin: Kryptowährung auf dem iPhone nutzen

Bastian Gruber |
So funktioniert Bitcoin: Legen Sie sich auf Ihrem iPhone per App eine Wallet an und berechnen Transaktionen.

Angespornt durch die letzte Bitcoin Rally, welche den Preis auf über 7000 Euro trieb (Tendenz weiter steigend), planen auch größere Institutionen, am Kryptowährungshandel teil zu nehmen. Durch die starke Marktnachfrage, die riesige Entwicklergemeinde und den immer höheren Bekanntheitsgrad wird Bitcoin eine immer wichtigere Rolle im Internethandel einnehmen . Was ist aber Bitcoin genau und wie nutzt man die Kryptowährung unter iOS? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist Bitcoin?

Bitcoin vereint drei Konzepte, die schon seit langem in der Welt der Wissenschaft kursieren. Dies ist zum einen die digitale Währung an sich, das dezentrale Aufbewahren von Informationen und das Prüfen, ob ein Datensatz legitim ist. Durch immer günstiger werdende Hardware, Breitbandinternet und das Erforschen von sogenannten Konsensalgorithmen (die bestimmen, ob ein Datensatz legitim ist), scheint die Zeit für digitale Währungen endlich gekommen.

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Die dezentral verwaltete Datenbank sorgt dafür dass Transaktionen zwischen zwei Bitcoin-Adressen reibungslos funktioniert. Bitcoins können von jedem Gerät gesendet werden welches eine sogenannte Wallet besitzt.

Dabei ist Bitcoin nicht die eigentliche Erfindung, sondern die sogenannte Blockchain . Diese ist nichts anderes als eine Datenbank. Doch die Anordnung der Daten und die Berechnung, ob diese Daten valide sind, ist die eigentliche Revolution. Datensätze werden als Blocks gruppiert. Jeder kann sich die Datenbank herunterladen und Blöcke berechnen. Die Berechnung der Blöcke wird als "Minen" oder "Schürfen" bezeichnet. Ein Konsens-Algorithmus ist in der Blockchain implementiert,  den die Mineure oder Miner ausführen und so mit Hilfe von Rechenleistung Blöcke auf Validität berechnen. Vorherige Ideen für Online-Geld scheiterten genau an diesem dezentralen Berechnen. Algorithmen und das Internet an sich waren noch nicht so weit, um systemkritische Konzepte zu realisieren.

Um die Miner zu bezahlen und somit den Ansporn zu schaffen, am dezentralen Netzwerk mit zu knüpfen, wurde Bitcoin erfunden. Bitcoin ist die Währung, welche auf der Blockchain von A nach B geschoben wird. Jede Transaktion kostet eine Gebühr, die der Miner bezahlt.

Wie funktioniert Bitcoin?

Sehen wir uns zunächst einen Handel mit Euro an. Sagen wir, Peter will ein gebrauchtes Macbook von Tina kaufen. Tina setzt den Preis auf 2000 Euro fest und teilt Peter mit, dass sie entweder Bargeld oder eine Banküberweisung wünscht. Wichtig hier sind drei Dinge: Es muss sichergestellt werden, dass die 2000 Euro, die Peter hat, nur einmal existieren ( er darf das Geld also nicht doppelt ausgeben können ), das Geld muss echt sein und Tina muss der Währung Euro vertrauen.

Alle drei Kriterien müssen erfüllt sein, damit der Handel zustande kommt. Beim Bargeldtransfer erübrigen sich zwei Faktoren. Peter wird nach dem Handel definitiv weniger Bargeld haben als vorher, kann dieselben Scheine also nicht ein zweites Mal verwenden. Die Echtheit der Scheine kann Tina im Zweifelsfall mit einem Gerät bestimmen.

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Die größte Umstellung ist die Art und Weise, wie Guthaben gezählt wird. Anders als eine Bank speichert Bitcoin nur Transaktionen auf der Datenbank (Blockchain). Das Aufsummieren aller Transaktionen zu einer bestimmten Adresse ergibt das Guthaben eines Nutzers (Adresse).

Geschieht der Transfer per Bank, so stellt diese sicher, dass Peter nach der Überweisung 2000 Euro weniger Guthaben hat, und dass er die gleiche Transaktion nicht noch einmal ausführen kann. Jetzt muss Tina dem Euro nur noch so sehr vertrauen, dass sie das bedruckte Papier oder die Überweisung im entsprechenden Gegenwert annimmt. Tina weiß, dass der Bäcker nebenan Euro akzeptiert, sodass sie sich über die Bezahlung ihrer Brötchen im gesamten Jahr keine Gedanken mehr machen muss.

Kryptowährung: Verschlüsselte Transaktionen

Das "Krypto" in Kryptowährung steht für Kryptographie. Dieses Prinzip wird nicht dazu verwendet, um Anonymität zu gewähren. Bitcoin ist nicht anonym und es gibt nur wenige Kryptowährungen auf dem Markt, die es sind (Monero ist ein Beispiel). Kryptographie wird verwendet, um sicher zu stellen, dass die Bitcoins, die eine Person ausgibt, auch wirklich der Person gehören. Bei Bitcoin dient dazu eine Kombination aus öffentlichem und privaten Schlüssel. Der öffentliche Schlüssel ist eine Zahlen- und Buchstabenkombination, die kryptographisch berechnet wird.

Ein Teil der Berechnung dient der besseren Lesbarkeit für Nutzer. Mit Hilfe des privaten Schlüssels (eine Wortkombination die nur der Nutzer kennt) verifiziert sich der Bitcoin-Eigentümer und kann die Transaktionen signieren. Mit dieser Signatur kann die Blockchain, auch durch kryptographische Algorithmen, sicher stellen dass die Transaktion valide ist.

Banken aus dem Spiel genommen

Die Kryptowährung Bitcoin will den Mittelsmann Bank abschaffen. Die Datenbank, die hier zum Einsatz kommt, ist die bereits angesprochene Blockchain. Die Blockchain speichert nur Transaktionen ab. Mit Hilfe des Algorithmus und den Minern, die diesen ausführen, kann sichergestellt werden, ob eine Transaktion valide ist, sprich, Peter hat a) so viel Geld zur Verfügung und hat b) nach der Transaktion 2000 Euro (oder 0,5 Bitcoin) weniger.

Daneben will die Bitcoin-Gemeinde dafür sorgen, dass die Währung an sich stabil und sicher ist , sodass mehr Menschen darauf vertrauen und diese anbieten. Dank der Algorithmen, der öffentlichen und dezentralen Datenbank (Blockchain) und sogenannten Wallets (Geldbörsen) muss keine Bank mehr zwischen Käufer und Verkäufer stehen.  

Um den Austausch von Bitcoin zu ermöglichen, müssen sowohl Peter als auch Tina eine Wallet besitzen. Wallets übernehmen die Aufgabe, eine Adresse auf der Blockchain zu erstellen, an die Bitcoins gesendet werden können. Besitzen beide Parteien eine Wallet, dann kann Peter Tinas Wallet-Adresse via QR-Code scannen und die Bitcoins an Tina senden. Peters Wallet formuliert hier einen Datensatz und schickt diesen an die Blockchain.

Die Miner auf der ganzen Welt berechnen diesen Datensatz und stellen sicher, dass er valide ist. Ein Block wird circa alle zehn Minuten berechnet und enthält mehrere tausend Einträge. Nach maximal zehn Minuten weiß Tina also, ob die Bitcoin bei ihr angekommen sind. Nur Bargeld ist schneller, Banküberweisungen gewiss nicht.

Aufgabe der Wallets

Wichtig hierbei ist jedoch, dass die erstmalige Blockchain-Adresse nur für die erste Transaktion verwendet wird. Eine erfolgreiche Transaktion erstellt eine neue Ausgangs- und Eingangsadresse. Falls sich beide Parteien auf 0,5 Bitcoin geeignet haben, erstellt eine Ausgangsadresse mit -0,5 Bitcoin, die mit der Initialadresse referenziert ist. Tina erhält auch eine neue Adresse, eine Eingangsadresse mit 0,5 Bitcoin. Diese ist mit ihrer Initialadresse referenziert.

Die Blockchain kennt keine Konten, sondern nur Transaktionen. Durch algorithmische Berechnungen lassen sich Adressen einander zuordnen. Die Summe all dieser Transaktionen ist das Guthaben einer Person. Sprich, wenn Peter 5 Bitcoin zu Weihnachten geschenkt bekommt, ist dies eine Transaktion auf der Blockchain. Wenn er für 0,5 Bitcoin ein Macbook kauft, so ist dies auch nur eine Transaktion auf der Blockchain.

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Es existieren verschiedene Wallets. Online-Wallets sind am unsichersten. Mit Wallets für das iPhone können Sie kleinere Beträge immer mit sich herumtragen und bei Bedarf mit Bitcoin bezahlen.

Die Wallet übernimmt hier zwei Aufgaben. Zum einen erstellt sie eine Initialadresse als eine valide Blockchain-Adresse. Mitsamt dieser kommt ein privater Schlüssel, den nur der Nutzer kennt. Mit diesem privaten Schlüssel kann er sich als Eigentümer dieser Adresse verifizieren und somit die gespeicherten Bitcoins sein eigen nennen.

Das Guthaben ist aber nur eine Summe aller Transaktionen auf der Blockchain, die mit dieser ersten Adresse (mit privaten Schlüssel) zusammenhängen. Eine Wallet verfolgt also alle Transaktionen und zählt das Guthaben zusammen. Beim Erstellen einer neuen Transaktion schaut die Wallet, wie viele Transaktions-Adressen sie zusammen nehmen muss, um die neue Transaktion zu erstellen.

Peter kann also zum Beispiel 10 Transaktionen auf der Blockchain haben. Jede Transaktion hat eine Ausgangsadresse mit einem Guthaben, entweder positiv oder negativ. Wenn er jetzt das Macbook kaufen will, geht die Wallet alle positiven Transaktionen durch und sendet von so vielen Adressen, bis er auf 0,5 Bitcoin kommt. Die Macbook-Transaktion erstellt also als Ausgabe eine Adresse für Peter und eine für Tina. Peters neue Adresse weist -0,5 Bitcoin auf, Tinas +0,5 Bitcoin. Tinas Wallet geht beim Starten alle referenzierten Adressen durch und sieht eine neue. Das Guthaben unter der neuen Adresse (+0,5 Bitcoin) wird zu ihrem Guthaben addiert.

Wallets machen es also möglich, Guthaben auf einen Blick zu sehen, ohne von Hand durch die gesamte Blockchain zu gehen und alle Adressen zu suchen und anschließend selbst alle negativen und positiven Werte zu addieren.

Bitcoin auf das iPhone bekommen

Das Anlegen einer eigenen Wallet ist der erste Schritt. Im App Store stehen mehrere Wallets zur Auswahl, die eine Adresse erstellen und anschließend bereit sind, Bitcoins zu empfangen. Die App " Bread " ist die bislang sicherste Wahl . Die Anwendung erstellt nach dem erstmaligen Öffnen eine Adresse und den privaten Schlüssel. Dieser setzt sich aus einer Vielzahl an Wörter zusammen, die dem Nutzer angezeigt werden.

Schreiben Sie sich diese Wortkombination auf und verwahren sie diese sicher in einem Safe oder anderen sicheren Ort. Jeder der diesen Schlüssel besitzt, hat Zugriff auf all Ihre Bitcoin. Nach dem erstmaligen Erstellen hat "Bread" keinen Zugriff auf diesen Schlüssel. Wenn Sie ihn vergessen, sind die Bitcoins für immer verschlossen.

Jetzt haben Sie zwei Möglichkeiten: Ein Freund oder Ihr Arbeitgeber besitzt Bitcoins und Sie teilen dieser Partei Ihre Wallet-Adresse mit. Die Person kann anschließend Bitcoin dorthin senden. Die zweite Möglichkeit ist das Erwerben von Bitcoin via Euro. Verschiedene Online-Plattformen ermöglichen es, Euro für Bitcoin zu tauschen.

Der bislang sicherste Anbieter ist kraken.com. Dieser hat sich eine deutsche Finanzlizenz besorgt und hat sehr hohe Sicherheitsstandards. Nach der Anmeldung und Verifikation können Sie einen Betrag Euro an eine Adresse via Banküberweisung senden. Nachdem das Geld auf dem Konto eintritt, können Sie mit wenigen Klicks Bitcoins erwerben.

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Die bislang sicherste (wenn auch nicht schnellste) Online-Tauschbörse ist kraken. Nach einem Verifikationsprozess können Sie dort Bitcoin und andere Kryptowährungen gegen Euro tauschen und sich die einzelnen Coins dann auf andere Wallets senden.

Der Kauf von Bitcoins auf der Online-Plattform funktioniert hier genauso wie mit einer Wallet. Die Plattform übernimmt nur hier das Erstellen einer Adresse auf der Blockchain. Anschließend besitzen Sie nun zwei Bitcoin-Adressen, mit welchen Sie Handel betreiben können. Senden Sie also jetzt von der kraken.com-Adresse die gewünschte Anzahl an Bitcoin auf Ihre iPhone-Wallet-Adresse. Nach wenigen Minuten haben Sie die Bitcoins "auf dem" iPhone.

Wichtig ist hierbei: Die Bitcoins sind nicht auf dem iPhone, sondern die Wallet hilft nur beim Anzeigen des Guthabens, das zur erstellen Adresse gehört. Verlieren Sie Ihr iPhone, können Sie mit Ihrem privaten Schlüssel (Wortkombination) und der Wallet-Adresse die Bitcoins auf anderen Plattformen für sich reklamieren.

Sicherheitsrisiken

Für den Anfang empfehlen wir, nicht mehr Bitcoins zu kaufen, als Sie auch verlieren können. Sprich: Fangen Sie ruhig mit 10 Euro an und spielen mit den Anwendungen und der Technologie herum. Viele lokale Läden in Deutschland, Europa und auf der Welt akzeptieren Bitcoin. Testen Sie einfach einmal, mit Bitcoin zu zahlen.

Prinzipiell haben Angreifer vier Möglichkeiten, um an Ihre Bitcoin zu kommen:

  1. Der Angreifer knackt die Online-Plattform und stiehlt die Bitcoins dort

  2. Er stiehlt Ihr Passwort für die Online-Plattform und sendet die Bitcoins dort an eine andere Adresse

  3. Der Angreifer stiehlt Ihr iPhone, entsperrt es und sendet die Bitcoins von ihrer Wallet an die eigene Adresse

  4. Er stiehlt Ihren privaten Schlüssel zu Ihrer Adresse und reklamiert somit Eigentum über Ihre Bitcoin und sendet diese an die eigene Adresse

Kraken.com hat einen sehr guten Ruf und gilt in Deutschland als die sicherste Plattform, um Bitcoin zu erwerben. Der Service erlaubt außerdem 2-Faktor-Authentifizierungen. Die ersten beiden Punkte sind also mit kraken.com ziemlich ausreichend abgesichert. Die anderen Punkte haben Sie selbst in der Hand. Sichern Sie Ihr iPhone mit einem Passwort/Face ID oder Touch ID ab und verstauen Sie den privaten Schlüssel sicher Zuhause oder in einem Tresor.

Fazit

Das Prinzip Bitcoin verlangt ein Umdenken beim Umgang mit Geld. Zum einen sind Sie selbst für das Aufbewahren und Sichern Ihrer Bitcoin zuständig. Zum Anderen existieren keine Konten mehr, sondern nur eine Summe von Transaktionen. Diese Grundprinzipien werden aber weiter gedacht und von anderen Kryptowährungen implementiert. Ethereum zum Beispiel ist die zweitstärkste dieser Art. Sie hat das Blockchain-Prinzip etwas abgeändert und verfolgt das Ziel, Verträge und Apps auf dieser Technologie zu betreiben. Auch hier: Öffentlich und von jedem einsehbar.

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Bitcoin ist bislang die alleinige Nummer 1 in der Kryptowelt. Andere Währungen holen aber auf und bieten verschiedene Verbesserungen an. Jede Währung konzentriert sich bislang auf ein anderes Aufgabengebiet, und konkurriert nicht direkt mit Bitcoin oder anderen Währungen.

Bitcoin wird sich unter den jetzigen Voraussetzungen nicht als alltägliches Zahlungsmittel durchsetzen. Die Transaktionsdauer ist im Vergleich zu der mit Bargeld oder Kartenzahlung zu lange (ganz bewusst sogar und als Sicherheitsmerkmal implementiert), zum anderen ist der Kurs der Währung nicht stabil und unterliegt sehr starken Schwankungen. Bitcoin kann aber wohl zu monatlichen Lohnzahlungen und anderen größeren Anschaffungen verwenden. Oder man spekuliert auf weiteren Kursanstieg, mit allen Chancen und Risiken.

Andere Währungen haben die Schwächen erkannt und bieten günstigere und schnellere Zahlungsverfahren an. Das Kryptogeld-Umfeld ist noch so neu, dass es noch mehrere Jahre dauern wird, bis es sich durchsetzt. Eines ist jedoch klar: Die Technologie ist soweit vorgedrungen, dass sie sich auf die ein andere Weise durchsetzen wird. Bitcoin mag dann eine von vielen Methoden sein, mit denen Sie täglich handeln und bezahlen.