Apple Watch Series 4 und watchOS 5: Voll auf die Gesundheit gesetzt

Halyna Kubiv |
Nun sickern die ersten Einzelheiten zu der nächsten Apple Watch durch: Nicht nur Digital Crown wird sich verändern, sondern auch der Bildschirm.
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Watch OS 5

Apple

Update vom 12. Juli 2018:

Mehr Platz: Über die kommende Apple Watch Series 4 will der gewöhnlich gut unterrichtete Analyst Ming-Chi Kuo neue Informationen haben. Diese soll wie neue iPhones, iPads und Macs im Herbst kommen, aller Voraussicht nach wird Apple sie zusammen mit neuen iPhones im September zeigen. Erstmals ändert laut Kuo Apple die Displaygrößen, das kleinere Modell wachse dabei von 38 auf 39,9 Millimeter, die große Apple Watch von 42 auf 45,2 Millimeter. Das würde 11 respektive 16 Prozent mehr Fläche bedeuten. Apple werde auch die Batterielaufzeit verbessern, unklar ist aber, ob das mit einem größeren Akku oder einem verbesserten SoC passieren wird – oder Apple an beiden Parametern schraubt. Unwahrscheinlich ist aber, dass Apple die Größe des Gehäuses ändert, alle bisher verkauften Armbänder könnten dann inkompatibel werden. Stattdessen dürften die Rahmen der Uhr schrumpfen. Was nicht nur Kuo erwartet, sind neue Gesundheitssensoren in der Uhr selbst oder in Zubehör ausgelagert.

Update vom 12. Juni 2018:

Keine Bewegung: Apple hat erste Ausblicke auf watchOS 5 gezeigt (siehe unten), eine neue Apple Watch – die Series 4 – könnte es im Herbst geben. Wie eine angeblich gut informierte Quelle nun dem Magazin "Fast Company" verraten hat, werde die Apple Watch Series 4 auf mechanische Knöpfe verzichten. Der Seitenschalter und die digitale Krone stehen fest, allein die Haptic Engine der Uhr erkenne, wann diese gedrückt werden. Damit würden die Knöpfe den fest stehenden Home Buttons von iPhone 7 und 8 ähneln. Die Rotationsbewegung der digitalen Krone ist aber immer noch eine echte. Der Vorteil einer solchen Lösung: Die Apple Watch könnte noch ein bisschen wasserfester werden, im Inneren der Uhr ist ein klein wenig mehr Platz.

Ursprüngliche Meldung vom 04. Juni 2018:

Auf die recht interessanten neuen Gesundheits-Funktionen dürfen sich die Apple-Watch-Fans wohl erst im Herbst freuen. Mit den neuen Sensoren bzw. mit neuem Zubehör werden die Messungen anderer Vital-Daten als nur Herzschlag möglich, aber auch mit watchOS 5 hat Apple für alle Sportfreunde etwas Gutes getan.

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Neue Armbänder und neues Zifferblatt, ab sofort verfügbar.

Yoga, Wettbewerbe und endlich vernünftiges Trainings-Tracking

Unser Macworld-Kollege Jason Snell hat ziemlich genau ins Schwarze getroffen: Apple hat Yoga von seiner Liste "Sonstiges" der Trainingsarten in die Vorschläge der Trainings-App hervorgeholt. Kein Wunder, ist doch Yoga in Fitness-Studios dieser Welt allgegenwärtig und hat seine gesundheitsfördernde Wirkung längst bewiesen. Für die Nutzer in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich dürfte eine weitere, komplett neue, Sportart deutlich interessanter werden – ab watchOS 5, also ab Herbst, kann man noch die letzten Sommerstrahlen ausnutzen und mit der Watch wandern gehen. Im Unterschied zu "Gehen outdoor" dürfte dann die Watch genauer die Höhenunterschiede messen aber auch den Höhenverlauf anzeigen. Bis jetzt ist in der Aktivitäten-App nur eine nichts sagende Apple-Karte nach einer Wanderung zu sehen – wir wünschen uns jedoch eine Zusammenfassung, wie sie etwa Outdoor Active zur Verfügung stellt.

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Neue Funktionen des watchOS 5

Aber auch jeder andere Sportler wird sich freuen: Mit der nächsten Version kommt endlich das smarte Tracking beim Sport treiben. Die Uhr kann im Grund genommen raten, dass mit der gesteigerten Herzfrequenz und untypischen Handbewegungen der Anwender gerade eben ein Training angefangen hat. Proaktiv meldet sich die Trainings-App auf dem Bildschirm und fragt nach, ob man nicht eine Trainings-Einheit starten möchte. Wenn der Nutzer die Anfrage bestätigt, werden die zurückgelegten Kilometer oder verbrannte Kalorien sowie andere Messwerte seit dem tatsächlichen Start in der App gutgeschrieben. Auch dreistündigen Trainings-Einheiten inklusive zwei Stunden auf dem Sofa gehören wohl der Vergangenheit an, denn watchOS meldet sich auch proaktiv und fragt nach, ob das Training zu Ende ist, wenn die Uhr einen ruhigeren Puls als noch ein paar Minuten davor misst.

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Ende des Trainings

Apple implementiert diese automatische Bewegungserkennung ziemlich spät im Vergleich zu der Konkurrenz: Google Fit schickt sich an, gar einzelne Übungen beim Training zu erkennen, auch Nokia (Health) behauptet, automatisch Schwimmen, Radeln etc. zu erkennen. Doch eine solche Funktion steht und fällt mit ihrer Genauigkeit – sowohl Google Fit als auch Nokia raten eher, als dass sie es genau wissen, was der Nutzer gerade tut. Ob Apple das besser hinbekommt, wird sich wohl in den Praxistests zeigen. Wir freuen uns auf einen sportlichen Herbst in den Bergen, auf der Laufbahn und auf dem Rad!

Den Drang nach "Höher, schneller, weiter" hat Apple mit watchOS 5 nochmals intensiviert. Neben den geteilten Aktivitäten können die Nutzer nun auch in Wettbewerben gegeneinander antreten. Über eine bestimmte Zeit müssen sie eine bestimmte Sportart betreiben, die Apple Watches werten diese aus und vergeben Punkte. Im Grunde genommen sind so fast schon virtuelle Olympischen Spiele möglich – ob die Marathondistanz in München oder Moskau zurückgelegt wird, ist ja schließlich egal. Nur die Fußballweltmeisterschaft muss wohl noch auf herkömmliche Weise ausgetragen werden, aber da fällt Apple mit watchOS 6 bestimmt wieder etwas ein...

Siri und Konnektivität

Bei der iOS-12-Präsentation wurde Siri zum großen Star. Nicht nur hat Apple die Verbindungsmöglichkeiten in den Dritt-Apps deutlich erweitert, dabei erhalten auch die Nutzer mehr Spielraum und können den smarten Assistenten lehren, worauf er hören und was er dabei erledigen soll. Zumindest ein Teil dieser Funktionen kommt ebenfalls der Apple Watch zu Gute. Das mit watchOS 4 vorgestellte Siri-Zifferblatt kann ab Herbst zusätzliche Daten aus Karten anzeigen, den aktuellen Puls oder die neusten Sportergebnisse. Auch Dritt-Apps sind beim Siri-Zifferblatt möglich, diese sind mit watchOS 4 nur über Komplikationen aktivierbar.

Apple ist dafür bekannt, mit iPhones & Co. ganze Gerätekategorien abzuschaffen, siehe Musik-Player, digitale Kameras und vieles mehr. Die Apple Watch dagegen, bzw. das watchOS 5 holt ein vergessenes digitales Spielzeug aus der Vergangenheit – das Walkie-Talkie. Mehrere Apple-Watch-Nutzer können miteinander nur per Watch kommunizieren, die Verbindung geschieht per WLAN oder mobiles Netz. Dies soll wohl in etwa die Facetime-Funktionalitäten auf dem iPhone abbilden, nur eben auf die Gesprächsübertragung reduziert.

Webkit

Mails kann man schon jetzt auf der Apple Watch durchlesen, unter einer Bedingung – wenn sie als reiner Text ankommen. Ab Herbst wird Webkit, Apples Rendering-Engine, auch in watchOS implementiert, heißt so viel, dass die HTML-Inhalte, sei es eine Webseite oder eine HTML-Mail, auf dem Watch-Bildschirm möglich. Das Betriebssystem der Uhr rendert automatisch die Inhalte einer komplexen Webseite für den kleinen Bildschirm.

Podcasts

Es hat erstaunlich lange gedauert, bis Apple endlich mal die native Podcast-App auch für die Apple Watch zur Verfügung gestellt hat. Dass dafür durchaus Interesse bestand, hat die Resonanz auf die Overcast-App von Marco Arment gezeigt. Im April 2017 hat der Entwickler eine neue Funtktion "An die Watch senden" implementiert, diese erlaubte es, die abonnierten Podcasts mit der Uhr zu synchronisieren und ohne iPhone zu hören. Etwas entnervt zog Arment die Funktion im August 2017 wieder zurück, Apple habe nach seiner Auffassung sehr beschränkte Audio-APIs zur Verfügung, diese erlauben nicht die volle Funktionalität einer Podcast-App. Nun sind die Podcast-Hörer endlich mit der nativen App bedient. Es ist jedoch voraus zu setzen, dass beliebte Podcast-Clients wie Overcast wieder ihren Weg auf die Apple Watch finden – mit watchOS 5 sind neue "Audio Playbacks APIs" verfügbar, diese öffnen die Türe für die Drittentwickler.

Was Apple nicht gezeigt hat

Während bei der Vorstellung der anderen Betriebssysteme auch andere Entwickler bzw. Produzenten zu Wort kamen, durften watchOS 5 nur Apple-Mitarbeiter vorstellen. Kein Dritt-Entwickler war auf der Bühne, um eine neue coole App auf der Apple Watch anzupreisen. Auch die erweiterten Benachrichtigungen waren bezeichnend: Die Funktionalität ist nun so ausgedehnt, dass direkte Handlungen möglich sind. Bis jetzt war es nur für wenige native Apps wie Nachrichten der Fall. Es scheint, als versuche Apple, die fehlenden Dritt-Apps mit dem Betriebssystem und dessen Funktionen zu kompensieren.

Noch eine App, die höchstwahrscheinlich bei Apple in der Entwicklung steckt und ganz gut in das Fitness-Portfolio der Apple Watch gepasst hätte, ist eine neue Schlaftracking-App. Vor knapp einem Jahr hat Apple eine kleine Firma übernommen , die sich auf das Thema spezialisiert hat. Bis jetzt finden sich jedoch weder in iOS noch in watchOS Spuren davon.

Verfügbarkeit

Die neue Version wird nach Apples Angaben im Herbst kommen. Die Anwender der ersten Generation der Apple Watch bleiben außen vor, watchOS 5 steht der Apple Watch Series 1 und ab iPhone 5S sowie iOS 12 zur Verfügung.